Lebensmitte und die "alten" Eltern

    • (1) 03.10.16 - 13:25

      Hallo Ihr Lieben,
      wahrscheinlich bin ich nicht die einzige, die sich Gedanken macht, wie sie den eigenen "freien" Lebensabschnitt, wenn die Kids aus dem Haus, bzw schon sehr selbständig sind mit dem "Lebensende" der (Schwieger-) Eltern gestaltet.
      Unsere 3 kids sind zwischen 8 und 14 und es ist toll, mal allein das Haus verlassen zu können und sich darauf zu verlassen, dass zu Hause nix Schlimmes passiert.
      Dass sich die kids um ihre Belange kümmern und man nur noch Hilfe anbieten muss...und nicht mehr immer "anwesend" sein muss.
      Gleichzeitig altern aber die Eltern und brauchen mehr Unterstützung.

      In unserer Familie ist es zwar "nur" meine Mutter, die aber seit einer Hirnblutung 2014 zwar wieder recht fit ist, aber doch mehr und mehr Hilfe benötigt.
      Mir macht das Sorge, dass sie sich so auf uns verlässt und auch erwartet, dass wir ihr viel abnehmen, was sie eigentlich noch selber könnte.
      Da bin ich wohl auch egoistisch, aber für mich ist es eben nicht selbstverständlich, sich für die Eltern aufzuopfern, wenn sie alt sind, und das werde ich auch nicht von meinen Kindern erwarten.
      Jetzt schließt sie immerhin endlich eine Pflegeversicherung ab, die die Lücke zwischen Rente und Pflege/ Heimkosten deckt. Eigentlich dachte sie nämlich, dass ich ihre (auch körperliche) Pflege zu Hause übernehme, wenn sie nicht mehr so kann. Das kommt für mich aber nicht in Frage. Helfen-okay. Pflege-nein!
      Leider ist unser Verhältnis nicht so innig, und je mehr sie mich braucht, desto mehr Abstand brauche ich.
      Immerhin haben wir geschafft, darüber sachlich zu reden...denn unser Plan ist nicht, als 3er Weg (ich, meine Mann, meine Mutter) zusammenzuwohnen, wenn die kids groß sind. Das hatte sie sich aber so schön vorgestellt...#schwitz
      Ach ja....das sind so Gedanken, die ich mir nachts um 4.30 Uhr mache, wenn ich kurz aufs Klo musste und dann vor lauter Gedanken im Kopf nicht mehr einschlafen kann....und selbst wenn ich noch mal einschlafe, fühle ich mich dann wie durchgeprügelt.:-(
      Kennt Ihr das auch?
      Wie regelt Ihr das mit den Eltern?
      Wie schafft Ihr es, wieder einzuschlafen?
      Liebe Grüße vom
      sternchen#stern

      • Hallo sternchen730,

        Deine Gedanken kann ich sehr gut nachempfinden. Wir haben die Zeit der Pflege und Betreuung meiner Eltern bereits hinter uns .... klingt seltsam, wenn ich das so schreibe, ist aber so ;-)

        Beide Eltern waren unheilbar krank. Mein Vater hatte Parkinson und meine Mutter Krebs. Sie starben in den Jahren 2012 bzw. 2013. Ich war damals erst 44 / 45 Jahre alt war. Und unser Sohn war 11 / 12 Jahre jung.

        Unser "Nest" war also noch nicht leer. Wir waren so richtig mittendrin in der Zeit von Pubertät und Heranwachsen unseres Sohnes zum Jugendlichen. Einfach war das nicht. Wir sind jedoch sehr dankbar dafür, dass wir gemeinsam - als ganze Familie, einschließlich meiner Eltern - den Spagat "zwischen den Welten" gemeistert haben.

        Für uns gab es gar nicht "die eine" Lösung, sondern je nach Bedarf und Gegebenheit verschiedene Varianten:

        (1) Betreutes Wohnen - 2003 bis 2008

        Meine Eltern wählten zunächst das Betreute Wohnen, weil sie soweit noch miteinander zurecht kamen, dennoch aber Betreuung und Hilfe regelmäßig benötigten.

        (2) Kombination Betreutes Wohnen / Pflegeheim - 2008 bis 2011

        Als mein Papa immer mehr Pflege brauchte, meine Mama diese jedoch aufgrund ihrer eigenen Erkrankung nicht leisten konnte, schlugen meine Eltern uns vor, dass mein Papa ins Pflegeheim umzieht und meine Mama im Betreuten Wohnen bleibt.

        (3) Meine Eltern beide im Pflegeheim - 2011 bis 2012

        Im Laufe des Jahres 2011 verschlechterte sich der Gesundheitszustand meiner Mama rapide. Und so schlug sie vor, dass auch sie ins Pflegeheim umzieht. Wir konnten für beide Eltern gemeinsam ein kleines Appartement in einem Pflegeheim bei uns in der Nähe anmieten. Und dieses Appartement war für meine Eltern dann noch einmal "ihre eigene kleine, schöne Wohnung".

        (4) Meine Mutter bei uns zu Hause in häuslicher Pflege - Juni 2012 bis zu ihrem Tod

        Mein Papa starb im Mai 2012. Und so kam es, dass mein Mann und ich meiner Mama vorschlugen, sie zu uns nach Hause zu holen. Zunächst hat sie protestiert, weil sie uns nicht "belasten" wollte. Ich hätte es mir jedoch nicht vorstellen können, sie nun allein im Pflegeheim zu wissen.

        => Jede einzelne Phase war für die jeweilige Situation genau richtig. Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie nie Forderungen an uns stellten - ganz im Gegenteil. Sie waren immer sehr darauf bedacht, Lösungen zu finden, die uns nicht überfordern.

        ****
        Ich muss zugeben: Das Verhältnis zu meinen Eltern war der "Ideal-Fall", der wahrscheinlich ziemlich selten ist. Insofern weiß ich gar nicht, was ich Dir empfehlen soll.

        :-) Wichtig ist jedoch, dass Du nie etwas machst, wovon Du selbst nicht überzeugt bist :-) Die Pflege zu Hause passt nicht für jede Familie. Da sind ganz viele Faktoren rings herum zu bedenken. Und wenn es für Euch komplett unvorstellbar ist, dann braucht ihr wirklich kein schlechtes Gewissen zu haben.

        Alles Gute für Euch #winke
        und viele Grüße,
        briefe68 (Daniela)

        • Noch eine Ergänzung: Du hattest gefragt, wie man das schaffen kann, nicht in der Nacht grübelnd wach zu liegen?

          Ich bin Christ, lebe mein Leben ganz bewusst mit Gott / Jesus Christus. Und deshalb ist das Reden mit Gott - das Beten - schon seit vielen Jahren eine ideale Möglichkeit, mir alles von der Seele zu reden. Dabei mache ich immer wieder die spannendsten und verblüffendsten Erfahrungen. Mir passiert's dann eher, dass ich vor lauter Freude nicht gleich wieder einschlafen kann, aber dann ist's auch in Ordnung so für mich #huepf

          • Hallo briefe,
            danke für deine interssante Antwort.
            Ja, ich weiß, ich mache mir Sorgen über "ungelegte Eier", denn keiner weiß, was die Zunkunft bringt...und wer als erstes Betreuung braucht.
            Betreutes Wohnen für meine Mutter würde ich auch gut finden...angepasst an die Bedürfnisse der alten Menschen.
            Und ich bete/meditiere auch oft.
            Es ist eine Möglichkeit zu reflektieren und mir bewußt zu machen, wie gut es uns eigentlich geht.
            Dann fühle ich mich beschützt und hoffe, dass "etwas" auf mich aufpasst.
            Viele Grüße vom
            sternchen#stern

      Hallo Sternchen,

      meine 3 großen Kinder aus erster Ehe sind 29, 26 und 25 und wohnen mittlerweile mit ihren Partnern zusammen.
      Unser Nesthäkchen ist 13, nach einer schwierigen Phase vor einem Jahr ist sie zur Zeit relativ "pflegeleicht".

      Mein Papa ist schon vor 21 Jahren an Krebs verstorben, damals hat ihn meine Mama mit Hilfe der Caritasschwester gepflegt.
      Meine Mama ist mittlerweile 75, hat Diabetes, 2 künstliche Hüften und noch andere Beschwerden. Sie jammert aber nie.
      Um sie habe ich mich sehr viel gekümmert, sie 2x wöchentlich zur Lymphdrainage sowie zu anderen (Arzt usw) Terminen gefahren.
      Ich habe für sie eingekauft, die Wohnung geputzt usw. Die Caritasschwester kam täglich, um die Beine zu wickeln. Gekocht und Wäsche gewaschen hat meine Mama noch selber.

      Mein Bruder wohnt 600 km weg und kann leider nur mit Mama telefonieren und max 1x im Jahr zu Besuch kommen. Mein Fahrweg war von Haustür zu Haustür 10 km und je nach Verkehr 15 bis 20 min.

      Mitte des letzten Jahres hat meine Mama körperlich leider sehr abgebaut, geistig ist sie immer noch topfit.
      Ende Juni 2015 kam sie ins Krankenhaus und da war schon klar, dass sie nicht mehr alleine bleiben bzw nicht mehr den Haushalt machen kann.
      Sie hatte aber schon früher gesagt, dass sie in diesem Fall dann ins Alters- bzw Pflegeheim geht. Meine Oma war dort schon und hat sich sehr wohl gefühlt.
      Zu mir / uns oder meinem Bruder mit Familie zu ziehen war nie eine Option für meine Mama.

      Da wir schon vor ein paar Jahren eine Betreuungsvollmacht gemacht haben, hab ich also einen Platz im APH organisiert und die alte Wohnung mit Hilfe meiner erwachsenen Kindern geräumt.

      Meine Mama ist nun seit einem Jahr "im Heim" und fühlt sich sehr wohl dort. Sie genießt es, nichts mehr arbeiten zu müssen und mit Freunden nachmittags in der Runde zu ratschen.

      Mit meinen Schwiegereltern (73 und 75) wohnen wir in einem Haus. Sie sind GsD körperlich noch ziemlich fit, brauchen höchstens mal Unterstützung bei schwereren Arbeiten, da helfen mein Mann und ich gerne.
      Zumindest Schwiegerpapa will nie ins Heim.

      Dieses Gedankenkarussell hatte ich auch schon, leider konnte ich da nie aussteigen und kann dir keinen Rat geben.

      Liebe Grüße
      Manu

      • Hallo Manu,
        danke für deinen Bericht.
        Ja, dasmit der Betreuungsvollmacht müssen wir auch noch regeln.
        Und der Prozess wird ja auch "step by step" gemeistert...und nie alles auf einmal.
        Ich erinnere mich nur daran, wie uns die plötzliche Hirnblutung meiner Mutter aus der Bahn geworfen hat und wie ich in die Betreuungs-und Entscheidungsposition gedrängt wurde und vor noch so einem Ereignis habe ich Angst, das kann sooo schnell gehen.
        Liebe GRüße und alles Gute für deine Familie!
        sternchen#stern

    Hallo!
    Ich habe noch meinen Vater und meine Oma.... aber ich lebe weit weg.
    Meine Eltern haben mich zum Glueck nie als Pfleger eingeplant und wollten immer das ich mein Leben lebe, so wie sie ihrs leben/gelebt haben.
    Natürlich hab ich zwischen durch ein schlechtes Gewissen, aber jetzt die naechsten 15 Jahre ueber meinem Vater zu hovern und drauf warten, dass er mich braucht kann ich ja eh nicht.

    Ich mach mir eher Gedanken, ob meine Kinder ohne mich klar kommen, falls mir was passiert.

    Einschlafen kann ich wieder, sobald ich meine Gedanken in Pakete gepackt hab und ins Regal stelle ;) wirklich beeinflussen kann ich die Zukunft nicht, also lass ichs....

    • Hallo,

      danke für deine Antwort, ich werde auch mal versuchen, meine Sorgen/Gedanken in ein Paket und dann ins Reegal zu stecken und am besten noch einen Bearbeitungsvermerk draufzukleben!
      600km sind schon eine weite Entfernung, da denke ich, dass dein Vater und deine Oma auch ein Umfeld haben, dass sich im Notfall kümmert!
      Oh ja, die Kinder sind auch ein Teil des Sorgenkarussels....aber bei der Betreuungsfrage im Notfall haben wir uns in der Familie abgesprochen. Da gibt es einige, die da Verantwortung übernehmen würden, zum Glück!
      Viele Grüße,
      sternchen#stern

Ich habe das Glück, dass ich recht jung Mutter geworden bin und genauso wie meine eigene Mutter. Ich habe also noch sehr fitte Eltern, die mich momentan in vielen Dingen definitiv eher entlasten als belasten.

Ich mache mir also noch nicht so sehr viele Gedanken, was einmal sein wird. Da wir als Familie aber sehr eng sind, gehe ich davon aus, dass wir sie natürlich mehr unterstützen werden, wenn es nötig wird, und ihnen auch ermöglichen werden lange oder generell zu Hause zu bleiben. Wie das aber genau aussehen wird, werden wir sehen, wenn es soweit ist. Das ist ja auch immer von den Gegebenheiten abhängig und ich glaube nicht, dass es etwas bringt, wenn ich mir da jetzt schon den Kopf darüber zerbreche.

  • Hallo njeri,
    danke für deine Antwort!
    Das ist toll, dass deine Eltern noch fit sind, das war meine Mutter vor der Hirnblutung aus heiterem Himmel ja auch und das beschäftigt mich eben immer noch. Wie fix sich das Leben und das des direkten Umfeldes ändern kann...
    Jetzt bin ich auch sehr dankbar, dass wir zur Normalität zurückgefunden haben und nicht noch etwas hinterhergekommen ist.
    Grüße von
    sternchen#stern

    • "Das ist toll, dass deine Eltern noch fit sind, das war meine Mutter vor der Hirnblutung aus heiterem Himmel ja auch und das beschäftigt mich eben immer noch. Wie fix sich das Leben und das des direkten Umfeldes ändern kann..."

      Ja, das hast du natürlich recht. Und so etwas prägt einen natürlich.
      Aber zum Glück weiß man ja nie, was kommt. Und man kann nie alle Eventualitäten absichern.

      Alles Gute an deine Mutter

Hallo,

meine Eltern sind leider bereits verstorben. Aber ich kann gerne von meinen Plänen berichten, damit habe ich mich nämlich kürzlich befasst.

Mein Sohn (fast 13) wird mich definitiv nicht pflegen müssen. Durch einen Zufall war ich vor zwei Wochen in einem Pflegeheim in meiner Gegend (haben dort nur einen Raum für eine Veranstaltung genutzt). Das Heim hat mir ausgesprochen gut gefallen. Es gibt dort Wohnungen im betreuten Wohnen bis hin zu Zimmern in der "richtigen Pflege".

Da Plätze in dieser Einrichtung sehr begehrt sind, gibt es Anmeldezeiten von fast 20 Jahren. Als Notfall geht es mit Sicherheit schneller, aber so kann man sich eine Wohnung bzw. Zimmer aussuchen. Also werde ich dieses in spätestens fünf Jahren tun. Ich habe mir immer vorgenommen, rechtzeitig umzuziehen, so dass ich mich wirklich noch einmal einleben kann. Außerdem graut mir vor dem Gedanken, allein in meiner Wohnung zu liegen und nur noch drei Mal täglich den Pflegedienst zu erwarten.

Viele Grüße
Heike

  • Hallo Heike,
    20 Jahre Wartezeit??
    Liebe Güte, was da noch alles passieren kann...
    Und meistens sind diese tollen Wohneinrichtungen ja auch sehr teuer...aber in 20 Jahren kann man ja auch dafür sparen.
    WEnn Dein Sohn 13 ist, bist du ja wahrscheinlich so wie ich Mitte 40.
    Darüber habe ich mir nun noch keine Gedanken gemacht...also jedenfalls nicht aktiv.
    Aber so ein tolles Alterswohnkonzept habe ich auch noch nicht gesehen.
    Viele Grüße,
    sternchen#winke

    • Hallo, genau, ich bin Mitte 40, eigene Familie nur mein Mann (deutlich älter als ich) und mein Sohn. Also sollte man sich schon Gedanken machen. Und dort hat es mir schon gefallen. Und wie bereits geschrieben, ich möchte mich tatsächlich noch einmal einleben. Und ich wünsche mir, dass ich, wenn es soweit ist, auch genauso rational reagiere. Auch, dass ich zur richtigen Zeit mein Auto abgebe..., na ja, ein paar Jahrzehnte ist noch Zeit.
      Viele Grüße, Heike

Meine Eltern sind Mitte 70 und noch relativ fit.
Ich habe früher in der Nähe gewohnt aber immer Vollzeit gearbeitet .
Mein Vater hstte schon zwei Infarkte, meine Muttee mehrere OPs.
Ich konnte sie nie groß unterstützen, weder zu Arztterminen begleiten, noch im Alltag unterstützen.

Ich habe das Thema was sie vitn mir erwarten und was ich bereit bin zu übernehmen, offen angesprochen.

Sie sagten sofort, dass sie nicht verlangen, dass ich weniger arbeite, und ich habe auch gesagt dass ich nicht bereit bin sie zu pflegen.

Kurze Zeit später bin ich weit weg gezogen und wir haben auch nur noch wenig Kontakt.

Sie haben jetzt eine Putzfrau und werden wohl in ein Heim gehen, wenn es nicht mehr geht.
Ich bin da komplett raus, sie wissen dass ich nicht zur Verfügung stehe und sie allein da stehen wenn was ist. Ich werde die Kosten soweit möglich mittragen, das wars.

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