Lebensmitte und die "alten" Eltern

    • (1) 03.10.16 - 13:25

      Hallo Ihr Lieben,
      wahrscheinlich bin ich nicht die einzige, die sich Gedanken macht, wie sie den eigenen "freien" Lebensabschnitt, wenn die Kids aus dem Haus, bzw schon sehr selbständig sind mit dem "Lebensende" der (Schwieger-) Eltern gestaltet.
      Unsere 3 kids sind zwischen 8 und 14 und es ist toll, mal allein das Haus verlassen zu können und sich darauf zu verlassen, dass zu Hause nix Schlimmes passiert.
      Dass sich die kids um ihre Belange kümmern und man nur noch Hilfe anbieten muss...und nicht mehr immer "anwesend" sein muss.
      Gleichzeitig altern aber die Eltern und brauchen mehr Unterstützung.

      In unserer Familie ist es zwar "nur" meine Mutter, die aber seit einer Hirnblutung 2014 zwar wieder recht fit ist, aber doch mehr und mehr Hilfe benötigt.
      Mir macht das Sorge, dass sie sich so auf uns verlässt und auch erwartet, dass wir ihr viel abnehmen, was sie eigentlich noch selber könnte.
      Da bin ich wohl auch egoistisch, aber für mich ist es eben nicht selbstverständlich, sich für die Eltern aufzuopfern, wenn sie alt sind, und das werde ich auch nicht von meinen Kindern erwarten.
      Jetzt schließt sie immerhin endlich eine Pflegeversicherung ab, die die Lücke zwischen Rente und Pflege/ Heimkosten deckt. Eigentlich dachte sie nämlich, dass ich ihre (auch körperliche) Pflege zu Hause übernehme, wenn sie nicht mehr so kann. Das kommt für mich aber nicht in Frage. Helfen-okay. Pflege-nein!
      Leider ist unser Verhältnis nicht so innig, und je mehr sie mich braucht, desto mehr Abstand brauche ich.
      Immerhin haben wir geschafft, darüber sachlich zu reden...denn unser Plan ist nicht, als 3er Weg (ich, meine Mann, meine Mutter) zusammenzuwohnen, wenn die kids groß sind. Das hatte sie sich aber so schön vorgestellt...#schwitz
      Ach ja....das sind so Gedanken, die ich mir nachts um 4.30 Uhr mache, wenn ich kurz aufs Klo musste und dann vor lauter Gedanken im Kopf nicht mehr einschlafen kann....und selbst wenn ich noch mal einschlafe, fühle ich mich dann wie durchgeprügelt.:-(
      Kennt Ihr das auch?
      Wie regelt Ihr das mit den Eltern?
      Wie schafft Ihr es, wieder einzuschlafen?
      Liebe Grüße vom
      sternchen#stern

      • Hallo sternchen730,

        Deine Gedanken kann ich sehr gut nachempfinden. Wir haben die Zeit der Pflege und Betreuung meiner Eltern bereits hinter uns .... klingt seltsam, wenn ich das so schreibe, ist aber so ;-)

        Beide Eltern waren unheilbar krank. Mein Vater hatte Parkinson und meine Mutter Krebs. Sie starben in den Jahren 2012 bzw. 2013. Ich war damals erst 44 / 45 Jahre alt war. Und unser Sohn war 11 / 12 Jahre jung.

        Unser "Nest" war also noch nicht leer. Wir waren so richtig mittendrin in der Zeit von Pubertät und Heranwachsen unseres Sohnes zum Jugendlichen. Einfach war das nicht. Wir sind jedoch sehr dankbar dafür, dass wir gemeinsam - als ganze Familie, einschließlich meiner Eltern - den Spagat "zwischen den Welten" gemeistert haben.

        Für uns gab es gar nicht "die eine" Lösung, sondern je nach Bedarf und Gegebenheit verschiedene Varianten:

        (1) Betreutes Wohnen - 2003 bis 2008

        Meine Eltern wählten zunächst das Betreute Wohnen, weil sie soweit noch miteinander zurecht kamen, dennoch aber Betreuung und Hilfe regelmäßig benötigten.

        (2) Kombination Betreutes Wohnen / Pflegeheim - 2008 bis 2011

        Als mein Papa immer mehr Pflege brauchte, meine Mama diese jedoch aufgrund ihrer eigenen Erkrankung nicht leisten konnte, schlugen meine Eltern uns vor, dass mein Papa ins Pflegeheim umzieht und meine Mama im Betreuten Wohnen bleibt.

        (3) Meine Eltern beide im Pflegeheim - 2011 bis 2012

        Im Laufe des Jahres 2011 verschlechterte sich der Gesundheitszustand meiner Mama rapide. Und so schlug sie vor, dass auch sie ins Pflegeheim umzieht. Wir konnten für beide Eltern gemeinsam ein kleines Appartement in einem Pflegeheim bei uns in der Nähe anmieten. Und dieses Appartement war für meine Eltern dann noch einmal "ihre eigene kleine, schöne Wohnung".

        (4) Meine Mutter bei uns zu Hause in häuslicher Pflege - Juni 2012 bis zu ihrem Tod

        Mein Papa starb im Mai 2012. Und so kam es, dass mein Mann und ich meiner Mama vorschlugen, sie zu uns nach Hause zu holen. Zunächst hat sie protestiert, weil sie uns nicht "belasten" wollte. Ich hätte es mir jedoch nicht vorstellen können, sie nun allein im Pflegeheim zu wissen.

        => Jede einzelne Phase war für die jeweilige Situation genau richtig. Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie nie Forderungen an uns stellten - ganz im Gegenteil. Sie waren immer sehr darauf bedacht, Lösungen zu finden, die uns nicht überfordern.

        ****
        Ich muss zugeben: Das Verhältnis zu meinen Eltern war der "Ideal-Fall", der wahrscheinlich ziemlich selten ist. Insofern weiß ich gar nicht, was ich Dir empfehlen soll.

        :-) Wichtig ist jedoch, dass Du nie etwas machst, wovon Du selbst nicht überzeugt bist :-) Die Pflege zu Hause passt nicht für jede Familie. Da sind ganz viele Faktoren rings herum zu bedenken. Und wenn es für Euch komplett unvorstellbar ist, dann braucht ihr wirklich kein schlechtes Gewissen zu haben.

        Alles Gute für Euch #winke
        und viele Grüße,
        briefe68 (Daniela)

        • (3) 03.10.16 - 17:05

          Noch eine Ergänzung: Du hattest gefragt, wie man das schaffen kann, nicht in der Nacht grübelnd wach zu liegen?

          Ich bin Christ, lebe mein Leben ganz bewusst mit Gott / Jesus Christus. Und deshalb ist das Reden mit Gott - das Beten - schon seit vielen Jahren eine ideale Möglichkeit, mir alles von der Seele zu reden. Dabei mache ich immer wieder die spannendsten und verblüffendsten Erfahrungen. Mir passiert's dann eher, dass ich vor lauter Freude nicht gleich wieder einschlafen kann, aber dann ist's auch in Ordnung so für mich #huepf

          • Hallo briefe,
            danke für deine interssante Antwort.
            Ja, ich weiß, ich mache mir Sorgen über "ungelegte Eier", denn keiner weiß, was die Zunkunft bringt...und wer als erstes Betreuung braucht.
            Betreutes Wohnen für meine Mutter würde ich auch gut finden...angepasst an die Bedürfnisse der alten Menschen.
            Und ich bete/meditiere auch oft.
            Es ist eine Möglichkeit zu reflektieren und mir bewußt zu machen, wie gut es uns eigentlich geht.
            Dann fühle ich mich beschützt und hoffe, dass "etwas" auf mich aufpasst.
            Viele Grüße vom
            sternchen#stern

      Hallo Sternchen,

      meine 3 großen Kinder aus erster Ehe sind 29, 26 und 25 und wohnen mittlerweile mit ihren Partnern zusammen.
      Unser Nesthäkchen ist 13, nach einer schwierigen Phase vor einem Jahr ist sie zur Zeit relativ "pflegeleicht".

      Mein Papa ist schon vor 21 Jahren an Krebs verstorben, damals hat ihn meine Mama mit Hilfe der Caritasschwester gepflegt.
      Meine Mama ist mittlerweile 75, hat Diabetes, 2 künstliche Hüften und noch andere Beschwerden. Sie jammert aber nie.
      Um sie habe ich mich sehr viel gekümmert, sie 2x wöchentlich zur Lymphdrainage sowie zu anderen (Arzt usw) Terminen gefahren.
      Ich habe für sie eingekauft, die Wohnung geputzt usw. Die Caritasschwester kam täglich, um die Beine zu wickeln. Gekocht und Wäsche gewaschen hat meine Mama noch selber.

      Mein Bruder wohnt 600 km weg und kann leider nur mit Mama telefonieren und max 1x im Jahr zu Besuch kommen. Mein Fahrweg war von Haustür zu Haustür 10 km und je nach Verkehr 15 bis 20 min.

      Mitte des letzten Jahres hat meine Mama körperlich leider sehr abgebaut, geistig ist sie immer noch topfit.
      Ende Juni 2015 kam sie ins Krankenhaus und da war schon klar, dass sie nicht mehr alleine bleiben bzw nicht mehr den Haushalt machen kann.
      Sie hatte aber schon früher gesagt, dass sie in diesem Fall dann ins Alters- bzw Pflegeheim geht. Meine Oma war dort schon und hat sich sehr wohl gefühlt.
      Zu mir / uns oder meinem Bruder mit Familie zu ziehen war nie eine Option für meine Mama.

      Da wir schon vor ein paar Jahren eine Betreuungsvollmacht gemacht haben, hab ich also einen Platz im APH organisiert und die alte Wohnung mit Hilfe meiner erwachsenen Kindern geräumt.

      Meine Mama ist nun seit einem Jahr "im Heim" und fühlt sich sehr wohl dort. Sie genießt es, nichts mehr arbeiten zu müssen und mit Freunden nachmittags in der Runde zu ratschen.

      Mit meinen Schwiegereltern (73 und 75) wohnen wir in einem Haus. Sie sind GsD körperlich noch ziemlich fit, brauchen höchstens mal Unterstützung bei schwereren Arbeiten, da helfen mein Mann und ich gerne.
      Zumindest Schwiegerpapa will nie ins Heim.

      Dieses Gedankenkarussell hatte ich auch schon, leider konnte ich da nie aussteigen und kann dir keinen Rat geben.

      Liebe Grüße
      Manu

      • Hallo Manu,
        danke für deinen Bericht.
        Ja, dasmit der Betreuungsvollmacht müssen wir auch noch regeln.
        Und der Prozess wird ja auch "step by step" gemeistert...und nie alles auf einmal.
        Ich erinnere mich nur daran, wie uns die plötzliche Hirnblutung meiner Mutter aus der Bahn geworfen hat und wie ich in die Betreuungs-und Entscheidungsposition gedrängt wurde und vor noch so einem Ereignis habe ich Angst, das kann sooo schnell gehen.
        Liebe GRüße und alles Gute für deine Familie!
        sternchen#stern

    Hallo!
    Ich habe noch meinen Vater und meine Oma.... aber ich lebe weit weg.
    Meine Eltern haben mich zum Glueck nie als Pfleger eingeplant und wollten immer das ich mein Leben lebe, so wie sie ihrs leben/gelebt haben.
    Natürlich hab ich zwischen durch ein schlechtes Gewissen, aber jetzt die naechsten 15 Jahre ueber meinem Vater zu hovern und drauf warten, dass er mich braucht kann ich ja eh nicht.

    Ich mach mir eher Gedanken, ob meine Kinder ohne mich klar kommen, falls mir was passiert.

    Einschlafen kann ich wieder, sobald ich meine Gedanken in Pakete gepackt hab und ins Regal stelle ;) wirklich beeinflussen kann ich die Zukunft nicht, also lass ichs....

    • Hallo,

      danke für deine Antwort, ich werde auch mal versuchen, meine Sorgen/Gedanken in ein Paket und dann ins Reegal zu stecken und am besten noch einen Bearbeitungsvermerk draufzukleben!
      600km sind schon eine weite Entfernung, da denke ich, dass dein Vater und deine Oma auch ein Umfeld haben, dass sich im Notfall kümmert!
      Oh ja, die Kinder sind auch ein Teil des Sorgenkarussels....aber bei der Betreuungsfrage im Notfall haben wir uns in der Familie abgesprochen. Da gibt es einige, die da Verantwortung übernehmen würden, zum Glück!
      Viele Grüße,
      sternchen#stern

(9) 04.10.16 - 08:24

Ich habe das Glück, dass ich recht jung Mutter geworden bin und genauso wie meine eigene Mutter. Ich habe also noch sehr fitte Eltern, die mich momentan in vielen Dingen definitiv eher entlasten als belasten.

Ich mache mir also noch nicht so sehr viele Gedanken, was einmal sein wird. Da wir als Familie aber sehr eng sind, gehe ich davon aus, dass wir sie natürlich mehr unterstützen werden, wenn es nötig wird, und ihnen auch ermöglichen werden lange oder generell zu Hause zu bleiben. Wie das aber genau aussehen wird, werden wir sehen, wenn es soweit ist. Das ist ja auch immer von den Gegebenheiten abhängig und ich glaube nicht, dass es etwas bringt, wenn ich mir da jetzt schon den Kopf darüber zerbreche.

  • (10) 04.10.16 - 08:38

    Hallo njeri,
    danke für deine Antwort!
    Das ist toll, dass deine Eltern noch fit sind, das war meine Mutter vor der Hirnblutung aus heiterem Himmel ja auch und das beschäftigt mich eben immer noch. Wie fix sich das Leben und das des direkten Umfeldes ändern kann...
    Jetzt bin ich auch sehr dankbar, dass wir zur Normalität zurückgefunden haben und nicht noch etwas hinterhergekommen ist.
    Grüße von
    sternchen#stern

    • (11) 04.10.16 - 09:10

      "Das ist toll, dass deine Eltern noch fit sind, das war meine Mutter vor der Hirnblutung aus heiterem Himmel ja auch und das beschäftigt mich eben immer noch. Wie fix sich das Leben und das des direkten Umfeldes ändern kann..."

      Ja, das hast du natürlich recht. Und so etwas prägt einen natürlich.
      Aber zum Glück weiß man ja nie, was kommt. Und man kann nie alle Eventualitäten absichern.

      Alles Gute an deine Mutter

Hallo,

meine Eltern sind leider bereits verstorben. Aber ich kann gerne von meinen Plänen berichten, damit habe ich mich nämlich kürzlich befasst.

Mein Sohn (fast 13) wird mich definitiv nicht pflegen müssen. Durch einen Zufall war ich vor zwei Wochen in einem Pflegeheim in meiner Gegend (haben dort nur einen Raum für eine Veranstaltung genutzt). Das Heim hat mir ausgesprochen gut gefallen. Es gibt dort Wohnungen im betreuten Wohnen bis hin zu Zimmern in der "richtigen Pflege".

Da Plätze in dieser Einrichtung sehr begehrt sind, gibt es Anmeldezeiten von fast 20 Jahren. Als Notfall geht es mit Sicherheit schneller, aber so kann man sich eine Wohnung bzw. Zimmer aussuchen. Also werde ich dieses in spätestens fünf Jahren tun. Ich habe mir immer vorgenommen, rechtzeitig umzuziehen, so dass ich mich wirklich noch einmal einleben kann. Außerdem graut mir vor dem Gedanken, allein in meiner Wohnung zu liegen und nur noch drei Mal täglich den Pflegedienst zu erwarten.

Viele Grüße
Heike

  • Hallo Heike,
    20 Jahre Wartezeit??
    Liebe Güte, was da noch alles passieren kann...
    Und meistens sind diese tollen Wohneinrichtungen ja auch sehr teuer...aber in 20 Jahren kann man ja auch dafür sparen.
    WEnn Dein Sohn 13 ist, bist du ja wahrscheinlich so wie ich Mitte 40.
    Darüber habe ich mir nun noch keine Gedanken gemacht...also jedenfalls nicht aktiv.
    Aber so ein tolles Alterswohnkonzept habe ich auch noch nicht gesehen.
    Viele Grüße,
    sternchen#winke

    • Hallo, genau, ich bin Mitte 40, eigene Familie nur mein Mann (deutlich älter als ich) und mein Sohn. Also sollte man sich schon Gedanken machen. Und dort hat es mir schon gefallen. Und wie bereits geschrieben, ich möchte mich tatsächlich noch einmal einleben. Und ich wünsche mir, dass ich, wenn es soweit ist, auch genauso rational reagiere. Auch, dass ich zur richtigen Zeit mein Auto abgebe..., na ja, ein paar Jahrzehnte ist noch Zeit.
      Viele Grüße, Heike

Meine Eltern sind Mitte 70 und noch relativ fit.
Ich habe früher in der Nähe gewohnt aber immer Vollzeit gearbeitet .
Mein Vater hstte schon zwei Infarkte, meine Muttee mehrere OPs.
Ich konnte sie nie groß unterstützen, weder zu Arztterminen begleiten, noch im Alltag unterstützen.

Ich habe das Thema was sie vitn mir erwarten und was ich bereit bin zu übernehmen, offen angesprochen.

Sie sagten sofort, dass sie nicht verlangen, dass ich weniger arbeite, und ich habe auch gesagt dass ich nicht bereit bin sie zu pflegen.

Kurze Zeit später bin ich weit weg gezogen und wir haben auch nur noch wenig Kontakt.

Sie haben jetzt eine Putzfrau und werden wohl in ein Heim gehen, wenn es nicht mehr geht.
Ich bin da komplett raus, sie wissen dass ich nicht zur Verfügung stehe und sie allein da stehen wenn was ist. Ich werde die Kosten soweit möglich mittragen, das wars.

Ist ein schon uraltes, aber immer mehr gültiges Sprichwort:
„Eine Mutter kann zehn Kinder ernähren, aber zehn Kinder keine Mutter.“

Aus dem Grund habe ich in meinem Formalitätenordner schon eine Verfügung abgeheftet, dass ich, sollte ich plötzlich ein Pflegefall werden, in ein Heim und keinesfalls zuhause oder bei meiner Tochter gepflegt werden will.
Und gerade weil ich mich sehr gut mit meiner Tochter verstehe, möchte ich nicht, dass sie mich eines Tages haßt, weil sie mich pflegen muss.
Pflege ist nicht einfach, ich weiß, wovon ich rede.

Aber von der Kälte, wie hier bei urbia schon öfter über dieses Thema geschrieben wurde, bin ich doch immer wieder entsetzt. Herzliche und fürsorgliche Familienverhältnisse über Generationen gibt es wohl nur noch bei Rußlanddeutschen.
LG Moni

  • Hallo frühchenomi, danke für deine Antwort,
    die Familienverhältnisse bei Russlanddeutschen kenne ich nicht, was gibt es da Besonderes?
    Es gibt bestimmt auch viele herzlichere Verbindungen zwischen Müttern und Töchtern als in unserer Familie...warum sich das Verhältnis zwischen mir und meiner Mutter durch ihre Erkrankung eher verschlechtert als verbessert hat, weiß ich auch nicht genau.

    Eventuell durch diese große Verantwortung, die ich nicht wirklich teilen kann und die mich teilweise überfordert hat.

    Meine Mutter ist von einer starken, unabhängigen Frau zu einer starken, abhängigen Frau geworden und das ist echt anstrengend.
    Aber wir haben nun eine Versicherung für die abgeschlossen, die ihre Versorgung absichert.
    Das gibt zumindest mir ein besseres Gefühl.
    Ich denke, die "Kälte" in manchen Antworten kommt davon, dass das in vielen Familien kein Thema ist, bis es ganz plötzlich wie ein Gewitter über einen hereinbricht, da ist es sicherer, vorher "Distanz" zu wahren...das sehe ich in meinem Bekanntenkreis auch. Viele müssen sich damit noch nicht auseinandersetzen und es scheint fern wie der Mond.
    Viele Grüße#winke
    sternchen#stern

    Hallo!

    ich kann mit Deinen Gedanken gar nichts anfangen. Du selber sorgst vor, auf keinen Fall irgendwem zur Last zu fallen, erklärst dass Du ein sehr gutes Verhältnis zu Deiner Tochter hast und im gleichen Zug erklärst Du, dass es herzliche und fürsorgliche Familienverhältnisse nur noch bei Russlanddeutschen gäbe. #kratz
    Also entweder ist Dein Verhältnis zu Deiner Tochter, nur so gut, bis du ihr zur Last fallen würdest, oder die zitierten herzliche und fürsorgliche Familienverhältnisse der Russlanddeutschen sind eher nur oberflächlich (man kann sich einfach keine langjährige Pflege für viel Geld leisten und dafür auch nicht vorsorgen) oder die Russlanddeutschen sind deutlich kurzlebiger wenn sie mal pflegebedürftig sind und dann kann man sich auch leisten mal zur Last für ein halbes sieches Jahr zu fallen.

    ICH habe mit meiner Mutter sehr offen gesprochen und wir haben auch anhand unserer Familien mal überlegt. Die meisten bei uns in der Familie wurden deutlich über 80, konnten sich ca. 10 Jahre jeweils nur mit wenig bzw. großer Unterstützung bewirtschaften um letztendlich doch im Schnitt ein halbes Jahr komplett "abgemeldet" vom Leben in der 24h-Pflege zu "leben". DAS würde bei uns einen familiären Pflegeanspruch von ca. 10 Jahren mindestens halbtags bedeuten.

    Dem kann ich nicht gerecht werden (auch wenn ich sehr nahe familiär bei den Russlanddeutschen bin!), das will meine Mutter auch nicht, schließlich hat sie es mit meiner Großmutter, mit ihrem Onkel (+ Frau) - kinderlos durch. Mein Vater als jüngster seiner Geschwister hat es mit seinen ältesten Brüder durch - und würde uns dringend davon abraten. Nun muss man sehen, dass die Gepflegten nicht infolge von Krankheiten verstorben sind, sondern überwiegend aufgrund von Altersschwäche, also auch keine "Problemfälle".
    Meine Mutter macht denen, die sie pflegen musste keinen Vorwurf, weil sie sieht, dass alle damit gerechnet haben früher und schneller zu sterben, deswegen haben sie auch ni cht vorgesorgt bzw. sich Gedanken darüber gemacht. SIE hat für sich beschlossen diese Phase des Lebens doch nicht so geschehen zu lassen und sie zu planen!

    LG, I.

Mit geht es ähnlich, auch wenn unser Nest noch lange nicht leer ist. Sind selbst erst spät Eltern geworden.

Die Eltern meines Mannes sind mit Mitte 70 zu und (allerdings in eine eigene Wohnung) gezogen, da sein Vater Pflegefall war und die Entfernung zu groß für "komm bitte, Papa geht's schlecht". Allerdings von uns von Anfang an mit der klaren Ansage: Unterstützung ja, Pflege nein. Das musste meine Schwiegermutter dann auch "schmerzhaft" lernen. Ich wollte meinen Schwiegervater weder füttern noch ihn auf den Toilettenstuhl setzen noch sonstwas (zu mal ich schwanger war in der Zeit). Kann man engstirnig sehen, ich wollte ganz bewusst keinen kleinen Finger reichen. Er hatte Pflegestufe 3, der Sozialdienst kam 2 mal an Tag plus auf Abruf... das hat auch gut geklappt, mein Schwiegervater hatte hier noch ein schönes Jahr bevor er hier zu Hause sterben durfte.

Jetzt wird Schwiegermutter ja auch nicht jünger und ich merke schon, dass sie hier mal tüddeliger, da mal vergesslicher wird und ich habe eine riesen Angst, was kommt. Ich werde auch sie nicht pflegen, das kann ich nicht und das will ich nicht. Dieser Schritt zeigt mir auch, dass ich meine Mutter unter keinen Umständen hierher nehme, wenn sie mal Hilfe braucht (sie möchte das aber auch nicht), das würde innerhalb kürzester Zeit zu Mord und Totschlag führen.

Ich fürchte da hilft wirklich nur klares abgrenzen und rechtzeitig drüber sprechen!

(20) 09.10.16 - 21:31

Hallo

das wurde alles im Vorfeld ausführlich besprochen und schriftlich festgehalten.( So war mein Vater nun mal )
Als mein Vater dann an Krebs erkrankte, wollte er weder im Krankenhaus behandelt werden ,noch ins Hospiz.Die Hausärztin genügte ihm.Bevor er pflegebedürftig wurde starb er ,zwei Monate nach der Diagnose, wie gewünscht zu Hause.
Meine Mutter ist jetzt 82 Jahre alt.Bis auf zwei künstliche Hüftgelenke ist sie gesund und fit.Glücklicherweise sind zwei Enkel ( junge erwachsene Männer )zu ihr in das Mehrfamilienhaus gezogen.Sie erledigen Winterdienst, Müll etc. und schauen täglich nach ihr.Sie kocht wenn sie Lust dazu hat für die Jungs und macht ihnen die Wäsche.
Ansonsten hat sie eine Putzhilfe, einen Gärtner und Handwerker falls nötig.Mein Vater hat sie gut versorgt.Wenn sie pflegebedürftig wird, werden die sozialen Dienste/Tagespflege beauftragt.
Ansonsten wird sie überall hin gefahren , oft besucht und geholt.Das machen ihre Kinder und Enkel im Wechsel.
Warum sollte man deshalb nicht schlafen können? Es gilt der Wunsch der Eltern,soweit machbar.
Meine Kinder kennen meine Vorstellungen diesbezüglich.
Also abwarten, erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Ich wollte jedenfalls nicht von einem Familienangehörigen ( körperlich ) gepflegt werden.
Ich könnte mir allerdings gut vorstellen, meinen Mann zu pflegen.Wenn auch nicht (bei höchster Pflegestufe etwa ) allein.Es gibt bekanntlich viele Hilfsdienste.
Hauptsache die Pflegebedürftigen bleiben nach Möglichkeit in der gewünschten Umgebung und es wurde finanziell Vorsorge getroffen.

L.G.

Wir haben in den Familien offen darüber geredet. Ich habe ganz klar gesagt, Hilfe ja, auch Hilfe bei Pflege, Medikamenten usw. Aber rund um die Uhr, bei mir zu Hause, nein. Das wäre mir zu viel. Wobei es auch etwas mit an den Umständen läge. Wäre klar es geht um ein paar Wochen ist das was anderes als z.B bei unserem mittlerweile komplett dementen Opa der seit Jahren Hilfe braucht und körperlich topfit ist für das er stramm auf die 100 zu marschiert. Klar läuft er langsam, aber jeden Tag eine Runde. Er nimmt keine Medikamente, Blutdruck wie ein junges Reh.....einzig das Gedächtnis will eben nicht mehr. Da er aber so dement ist kann er keine 10 Minuten alleine sein. Und das seit Jahren. Denn er würde spazieren gehen und nicht zurück finden, würde sich überfressen weil er vergessen hat das er schon gegessen hat oder gar nicht weil er vergessen hat das er was essen muss....er erkennt auch keinen mehr und würde jeden rein lassen

Opa hat genug Geld. Er wird zu Hause von 3 Frauen betreut die sich abwechseln. Das hat Oma noch geregelt bevor sie starb. Die war geistig noch voll da, aber der Körper wollte einfach nicht mehr. Sonst wäre nur Pflegeheim geblieben bei seinem Zustand.

Meine Eltern wollen zwar so lange es geht zu Hause bleiben, vielleicht irgendwann eine Haushaltshilfe oder jemanden für den Garten. Wenn es nicht mehr geht wollen sie ins Betreute Wohnen. Hier gibt es ein Heim, da kann man Wohnungen mieten und Service dazu wie benötigt, jederzeit kann aufgestockt werden bis hin zur Vollversorgung.

Bei meinen Schwiegereltern war das schwieriger. Mein Schwiegervater ist davon ausgegangen ich mache das, ich hab das ja gelernt. Er wollte nicht einsehen das es was anderes ist nach 8 Stunden Feierabend zu haben oder jemanden rund um die Uhr zu versorgen. Obendrein kommt das ich kein gutes Verhältnis zu ihm hab. Er hat COPD, ist aber weiter Kettenraucher und erzählt uns die Lunge wäre ok habe der Pulmologe gesagt (lässt dann aber die Überweisung mit der Diagnose drauf auf dem Tisch liegen "Ach, COPD ist KEINE Lungenkrankheit? Da müssen aber die Medizinbücher neu geschrieben werden"), er säuft, wenn er voll ist ist er ekelhaft, aufdringlich, anzüglich.....ich denke ihn werde ich gar nicht pflegen.

Meine Schwiegermutter ist eine ganz liebe (keiner versteht warum sie ihn nie vor die Tür gesetzt hat). Bei ihr werde ich es wie meinen Eltern handhaben. Helfen ja, aber komplett nein.

Denn wenn jemand komplett Pflegebedürftig ist, dann heißt das sein eigenes Leben wieder total runter fahren. Dann sind die Kinder groß und man kann wieder spontan irgendwo hin ....und dann wieder nicht mehr weil der zu Pflegende nicht alleine bleiben kann.

Hallo, bei mir ist es schon so. Zum Glück gibt es j die Pflegeversicherung. Mein Papa ist Dement und lebt jetzt in einem sehr netten Altenheim. ( Zuzahlung ca.1400 Euro) Meine Mutter muß zur Dialyse . Da kommt eine Frau die saubermacht ( einkauft usw) außerdem noch jemand zum Duschen und Tablettenverteilen. Ich wohne viel zu weit weg um wirklich zu helfen. Mein Bruder kümmert sich um die vielen kleinen Dinge.

Meine Schwiegermutter ist in ein betreutes Wohnhaus gezogen.

Mein Bruder hat seine Schweigermutter bis zum Tod begkeitet. Das kann eine besondere Erfahrung sein.
Ich finde es gut wenn du ehrlich bist. Pflegen ist sehr anstrengend. Ansonsten auch ich bin Christ und kann alles abgeben.

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