Lebensmitte

Was könnte wertvoller sein, als eine ehrliche Zwischenbilanz über das Leben und aufrichtige Worte über das, was im Leben schwer gewesen ist.
Ein Tipp vom urbia Team

03.06.17 - 20:11

Das Leben wird ernster (und wir abgeklärter?...)

Hallo,

geht es euch auch so, dass sich unter Gleichaltrigen die lebensbedrohlichen Krankheiten mehren, immer mehr Schicksalsschläge bei nahen Kollegen und Freunden einschlagen, die Eltern zarter und gebrechlicher werden oder auch schon verstorben sind...
Die Endlichkeit des Lebens ist viel näher gerückt als noch vor 10 Jahren.
Die Leichtigkeit der jungen Jahre ist einem ernsteren Lebensgefühl gewichen. Gleichzeitig haben sich aber auch einige - aus heutiger Sicht unnötige - Sorgen und Probleme relativiert oder in Luft aufgelöst.

Geht es euch auch so? Was ist anders geworden? Wie fühlt sich euer Leben an? Trauert ihr der alten Leichtigkeit hinterher oder ruht ihr in euerer erworbenen Lebenserfahrung? Wovor fürchtet ihr euch? Was erfreut euch heute mehr als früher?
Bin gespannt auf euere Gedanken...

16 direkte Antwort(en) auf den ausgewählten Beitrag:

04.06.17 - 12:26

Hallo ,

ja , es ist tatsächlich so, dass sowohl im Familienkreis als auch im Bekannten- und Freundeskreis immer mehr Tod und Krankheit zum Thema wird...manchmal frage ich mich , wie meine Mama das als Ü Mitte 60-jährige das überhaupt aushält...

Das liegt eben in der Natur der Sache...umso mehr versuchen wir, den Tagen mehr Leben zu geben...

Dinge die mit Kleinkindern nicht möglich waren , neue Freiheiten...das alles hat ja durchaus auch etwas für sich...

Ich glaube dieser Umbruch ist auch das , was oft späten Kinderwunsch noch mit sich bringt - in meinem Umfeld ist das Ü40 Kind gerade der "Renner"...

Abgeklärter ...naja, keine Ahnung...

Ich leide wie ein Hund unter dem Tod meines Papas, und unter den Eindrücken seines letzten Weges, Hospiz , Abschied usw...

Das ist unfassbar schmerzhaft manchmal...und ich bin auch wehmütig und dankbar...aber abgeklärter ...nein , ich denke eigentlich nicht...

GLG,

lulu

04.06.17 - 21:29

Hallo Doremi

>>geht es euch auch so, dass sich unter Gleichaltrigen die lebensbedrohlichen Krankheiten mehren, <<<

ich bin 2010 an Brustkrebs erkrankt, kenne dadurch auch viele Frauen mit dem gleichen Schicksal - manche älter, einige auch jünger als ich.

Im Freundeskreis ist gerade der Mann meiner langjährigisten Freundin auch an Krebs erkrankt - er hat schon Metastasen. Seine Prognose ist ... eher schlecht.

Mein Schwiegervater ist letztes Jahr gestorben, aber er war 88 und hatte ein sattes Leben, war am Schluss nur noch immer weniger und weniger und weniger. Sein Tod war eine Erlösung - für ihn und uns.

Meine Eltern sind noch 'jünger' - aber der Weg ist absehbar und sie wohnen viel weiter weg, als meine Schwiegereltern, das macht mir schon Gedanken. Wie werden wir das meistern?

Und was ist, wenn bei mir der Krebs wiederkommt? Was er wird.

Mein Jüngster ist zum Glück jetzt 16 - ich werde ihn wahrscheinlich noch ins Erwachsenenalter begleiten können, aber seinen 50 Geburtstag werde ich so oder so nicht erleben - meine Eltern waren dieses Jahr bei meinem Geburtstag hier.

Ich versuche, meinen Kindern so viel wie möglich mitzugeben - quasi schon mal im voraus. Ob das so klappt, weiß ich aber nicht.

>>Die Leichtigkeit der jungen Jahre ist einem ernsteren Lebensgefühl gewichen. Gleichzeitig haben sich aber auch einige - aus heutiger Sicht unnötige - Sorgen und Probleme relativiert oder in Luft aufgelöst.<<

Ich bin geschieden von meinem ersten Mann, mit dem zweiten verheiratet. Dazwischen war ich lange alleinerziehend. Und der erste Mann hat erst wenig und dann gar keinen Unterhalt gezahlt. Viele Dinge haben sich verändert. Lange habe ich am Existenzminimum gelebt, habe den Kindern alles versucht zu ermöglichen, mich zurückgenommen.

Jetzt bin ich beruflich angekommen, verdienen recht gut. Das macht vieles einfacher.

Ich bin gerade in einer sehr glücklichen Position - meine Leben läuft in ganz guten Bahnen, die Kinder machen sich, werden/ sind erwachsen. Es gibt immer mal wieder Probleme, aber sie sind leicht zu händeln als früher.

Ich achte mehr auf mich, auf Dinge, die mir wichtig sind, die mir Spaß machen. Als die Kinder klein waren, ging es nur um die Kinder. Das ist jetzt anders und ich genieße es.

Ich habe mir letztes Jahr einen zweiten Hund gekauft - der war teuer, aber ich liebe sie.

Ich habe mir gerade einen alten, aber kultigen Wohnwagen gekauft. Der muss renoviert werden, aber dann ist es der ideale Reisewohnwagen mit den Hunden. Ich freue mich auf die Touren durch Frankreich und Skandinavien. Mal einen Tag hier, drei Tage dort. Das stell ich mir toll vor. Und solte es nicht so sein - dann machen wir es eben wieder anders.

Ich kann mit fünfzig noch einiges ausprobieren und finde das grandios.

LG
Silk

05.06.17 - 21:13

Ich muss sagen, dass ich eher gelassener geworden bin und vieles nicht mehr so schwer nehme wie in meinen 20ern.
Ich weiß dass ich einiges aushalten kann und dass das Leben weiter geht.
Dass ich irgendwann sterbe belastet mich heute weniger als vor 20 Jahren.

Ich habe drei Klassenkameraden beerdigt, die im Alter von 13, 14 und 16 verstorben sind.
Seitdem ist mir klar: das Leben kann jeden Tag zu Ende sein und damit habe ich meinen Frieden gemacht.
Meine Elteen sind mit Mitte 70 noch richtig fit, sind nicht krank und nehmen beide nicht ein einziges Medikament ein.
Die Eltern einiger Freunde sind tot was ja auch nicht ungewöhnlich ist wenn man selbst die 40 überschritten hat.
Ich finde mein Leben jetzt besser als vor 20 Jahren, ich bin gesünder, psychisch stabiler und selbstbewusster.

Ich lebe im hier und jetzt.
Was belastet dich denn an der Endlichkeit?
Ich finde das Bewusstsein, dass das Leben endlich ist, macht es erst möglich dass man sein Leben zu schätzen weiß.

06.06.17 - 09:46

Hallo

lange durch eine Angsterkrankung, resultierend aus dem plötzlichen Tod meiner Mutter als ich gerade 18 Jahre alt war, war mir lange die Leichtigkeit abhanden gekommen. Ich habe einige Therapien durchlebt, die mich vieles klarer sehen ließen.

Dazu gehört auch, dass ich gelernt habe, mit dem Tod irgendwie umzugehen, dass er zum Leben gehört und ICH keinen Einfluss darauf habe.
Trotzdem habe ich jedes mal ordentlich daran zu knabbern.

Meine Mutter starb ganz plötzlich, ich kam heim und sie war im Krankenhaus, lag im Sterben. Kein wirklicher Abschied, fand und finde ich immer noch grausam für die Angehörigen, Für den Sterbenden ist es meist ein friedvoller Tod.

Meine Schwiegermutter hatte 3 Jahre lang Krebs, ein Tumor im Gehirn, das war ein Sterben auf Raten und wir konnten nur hilflos zusehen wie sie immer mehr verfiel... Der Tod war, als er dann (endlich) kam, eine Erlösung. Sie wollte nie so sterben müssen wie sie gestorben ist.
Wir konnten uns langsam verabschieden, in der Anfangszeit noch vieles besprechen was uns auf der Seele brannte, aber dann wurde es qualvoll für sie und uns weil wir ihr hilflos beim Leiden zusehen mussten.
Dennoch habe ich diesen Tod besser weggesteckt, als den meiner Mutter. Einfach weil man noch vieles miteinander bereden konnte...

Die Lebensgefährtin meines Vaters, mit der er 27 Jahre durchs Leben ging, starb im November auch wieder ganz plötzlich; geht zur Kirche und kommt nicht heim. Nach dem Abtelefonieren der Polizei, Rettungsdienst und Krankenhaus "durften" mein Vater und meine Schwester sie im Krankenhaus identifizieren... Sie ist auf dem Heimweg tot zusammen gebrochen. Ein schöner, schneller Tod für sie, für die Angehörigen unbegreiflich, mit Vorwürfen behaftet (hätte ich sie gefahren, dann...), was ganz normal ist, wie die Psychologen sagen. Wir haben alle gelitten wie die Hunde; gestern wäre ihr 76. Geburtstag gewesen. Meinem Vater ging es die ersten 3 Monate ganz schlecht, ich konnte nicht richtig trauern, weil ich mir Sorgen um meinen Vater machte. Sein Herz ist nicht das beste... Wir alle dachten, er folgt ihr kurz hinterher...
Noch gestern am Grab sagte ich zum wiederholten Male, dass es immer noch wie unwirklich erscheint, dass sie nicht mehr hier ist...

"Die Einschläge kommen immer näher", hat mal eine gute Bekannte gesagt. Dem kann ich nur zustimmen.

Wir merken unsere Lebenserfahrung und Ernsthaftigkeit an simplen Dingen:

-fahren die Kinder mit dem Auto weg, ermahnen wir "fahrt vorsichtig"
-wir suchen unsere Urlaubsorte nach Infrastruktur aus, sprich sind Ärzte und ein Krankenhaus in der Nähe
-toben Kinder auf einem Spielplatz auf Klettergerüsten & Co geht uns die Düse, man schaut sich und sagt "dass die Eltern das erlauben bzw. nicht einmal daneben stehen und aufpassen" - im Rückblick waren wir genauso und haben die Kinder toben lassen...
-etc., p.p.

An meinen oder den Tod meines Mannes denke ich nicht, ich schiebe das irgendwie vor mir her. Gedanken daran ziehen mich runter.

Ich versuche all das zu streichen was mich runterzieht, worüber ich mich aufrege, versuche ich gelassener zu sehen. Es gelingt nicht immer, aber immer öfter!
Die Geburtstage jenseits der 45 kamen und kommen gefühlt immer schneller, die Zeit rast förmlich. Gerade erst! war mein 50zigster, in 8 Wochen feiere ich meinen 52zigsten und schwupps, wo ist das Jahr geblieben? War nicht grad erst Sylvester und nun ist so gut wie die Hälfte des Jahres schon wieder herum...

Mein Mann und ich wollen die nächsten 25, 30 Jahre noch ordentlich nutzen. Bleiben wir gesund, sollte das ein realistischer Zeitraum sein heutzutage.
Wir haben uns zur Silberhochzeit einen Traum erfüllt, ein Grundstück und Häuschen am Meer. Dort zieht es und sooft es geht hin. Mein Mann, immer Workoholic, merkt, er braucht mehr Urlaub und Freizeit. Er achtet auf geregelten Feierabend und aus den sonst 14 Tagen Jahresurlaub sind volle 4 Wochen geworden. Als Firmenchef nicht einfach, aber machbar wie er nun selbst sagt. Noch vor 10 Jahren war das undenkbar...

Wir freuen uns an kleinen Dingen; dem Vogelgezwitscher im Garten; dem Blick aufs Meer, ein Spaziergang im Wald, ein zusätzlicher freier Tag in der Woche... früher selbstverständlich, heute nehmen wir das anders wahr.

Ich glaube, wir geben den Tagen mehr Leben indem wir Kleinigkeiten mehr zu schätzen gelernt haben. Wir nehmen mehr mit vom Leben; vieles das früher mitlief, rückt heute mehr in den Vordergrund und das ist gut so - für mich, für uns.

LG

06.06.17 - 12:30

Hallo,

ja, das Du hast Recht. Menschen gehen aufgrund von Krankheiten, Du siehst sie leiden und kannst kaum helfen.

Meine Tochter ist selbstständig, meine Oma bedarf meiner Hilfe, es ist wieder, wie mit einem Kleinkind und ich habe Verantwortung für Finanzen, Ihr Leben, ihr Wohlbefinden, aber zufrieden ist sie nicht. Vorallem die Krankheiten in der Familie setzen mir zu.
Ein wenig fehlt die Leichtigkeit aus vergangenen Tagen schon....

LG

06.06.17 - 15:17

Nun, ich lebe bewusster.

Ich bin mit Krankheiten aufgewachsen. Großeltern. Dann Vater erst ab Pflegefall kennen gelernt (davor workaholic)
viele sind schon gestorben oder haben schwere Krankheiten durchgemacht.
Auch jüngere als ich sind schon gestorben.

Selbst war ich auch schon krank. Da mein Kind in einem starken Alter ist. Mich braucht, aber auch selbstständiger wird, habe ich nach meiner Krankheit neu angefangen.
Ich komme oft noch an meine Grenzen - aber habe gelernt meine Grenzen noch besser zu akzeptieren.

Das Sollte-Limit einzuhalten. Früher war es ein Zwischending zwischen Sollte-Limit und bis hierer und nicht weiter limit. Jetzt orientiere ich mich an dem was geht und möchte gar nicht "noch mehr" (somit habe ich den Puffer noch frei, falls es mal sein MUSS. Ich fühle mich aber nicht mehr ständig im MUSS. über dem "bis hierher und nicht weiter Limit" gibt es eben kein noch weiter. Hat mir die Krankheit deutlich gezeigt).

Zerbrechlich fühle ich mich nicht.
Eher realistischer. Ich setze um, was machbar ist, träume noch, aber schätze meine Träume realistischer ein (ohne sie aufzugeben) bzw. modifziere meine Träume so, dass ich sie machbar machen kann ;-)

Leichtigkeit war früher eigentlich nicht. Eher Angst und Überleben. Jetzt habe ich die Freiheit zu leben, wie es zu meinen Grenzen passt.

06.06.17 - 17:55

Hallo

Ja, die Leichtigkeit der jungen Jahre ist vorbei.
Der " Wanderschmerz" hat Einzug gehalten, der Körper lässt merklich nach und Verwandte, Freunde und Bekannte werden immer weniger.

Manche durch Tod, einige durch Krankheiten, aber auch welche, weil man einfach nicht mehr so mithalten kann wie früher.
Aber das Alter kann auch Vorteile haben. Obwohl mein Mann mir große Sorgen bereitet, er ist schwer Herzkrank und wird nicht mehr lange leben, genießen wir das Leben so gut es eben geht.
Wir brauchen nicht mehr arbeiten, haben keine Geldsorgen und Keiner will was von uns, was wir nicht wollen.
Schlafe ich mal Nachts schlecht, lege ich mich eben Mittags hin. Und wenn ich, wie jetzt, auf dem Sofa rumlümmel, denke ich, es geht mir doch gut.
Und welcher junge Mensch weiß schon, ob er überhaupt so alt wie ich wird.

Eva

06.06.17 - 19:49

Ich bin zwar erst 41 - aber auch hier fangen nun all die großen und kleinen Zipperlein an - eine recht kranke und gebrechliche Mutter, nahe Verwandte die verstorben sind, eine ernstzunehmende genetische Krebsdisposition meines Partners die schon behandelt werden muss.

Ich habe "meine" fiese Krankheit (MS) schon mit Mitte zwanzig durchgemacht, glücklicherweise bin ich schon lange symptomfrei aber das prägt.

Ein gewisser Fatalismus hat sich da durchaus damals schon eingestellt, auch noch lange Jahre Angst die bis heute noch ein bischen schwelt.

Dazu habe ich mir jetzt ein, zwei seltsame körperliche Anomalien zugelegt die keiner genau benennen kann, die aber auch schmerzen und lästig sind, wenn auch vermutlich nicht gefährlich.
Ich bin zwar grundsätzlich gelassener geworden, dafür explodiere ich aber manchmal bei Kleinigkeiten.

Ich bin lange nicht mehr so belastbar und energiegeladen wie vor wenigen Jahren noch und ich nehme inzwischen schnell zu - was bis vor drei, vier Jahren nie ein Thema war.

Ich trauere der Vergangenheit nur selten hinterher - nur manchmal der fehlenden Energie, ich habe vor 15 Jahren so viel möglich gemacht und geschafft - das wäre heute undenkbar.

Momentan fühle ich mich etwas schwebend, weder hier noch da - u.a. ist jetzt die letzte Möglichkeit ein Kind zu bekommen, was ich gar nicht wirklich will aber zu wissen - jetzt oder nie mehr ist schon seltsam. Diese körperlichen Veränderungen, diese Zeit in der man nicht mehr jung und noch nicht alt ist. Ich fühle mich grundsätzlich ganz wohl aber so richtig toll ist anders :o).

Ich habe Respekt vor der Zukunft, auch weil das für mich als erst recht kurz Selbständige auch schnell in Altersarmut enden könnte.
Aber Angst habe ich nicht, dazu habe ich schon zu viel recht gut überstanden.

Das Leben ist schön - meistens.
Und der Rest kann mich mal.

Da halte ich es mit dem fatalistischen Sinnspruch meiner Oma - Du kriegst nur soviel aufgeladen wie Du auch tragen kannst.

LG, katzz

12.06.17 - 07:40

Hallo!

Bei mir ist es eher anders herum. Je älter ich werde, desto leichter fällt es mir, es so zu nehmen wie es eben kommt. So wirklich jung sterben kann ich auch nicht mehr. Ein bisschen Angst habe ich -wie wir alle wahrscheinlich- vor dem Weg dahin. Meine kluge Kollegin meinte neulich als wir am Bett eines Verstorbenen standen: "Ich bin ein bisschen gespannt wie es bei mir sein wird. Im Grunde kann man nur abwarten und sich da hinein begeben. Aber so war das mit Schwangerschaft und Geburt ja auch. Da kann einem auch keiner sagen, wie das wird und am Ende kommen die meisten doch ganz gut dadurch."

Man kann das alles nicht planen, wie man im Grunde nichts planen kann. Man kann sich immer nur fügen und versuchen, es gut zu machen.

Ich bin schon sehr dankbar für das, was ich bekommen habe im Leben und das, was war, kann mir auch keiner wegnehmen. Ich werde wirklich immer gelassener. Ausnahmen bestätigen da die Regel, aber es braucht schon eine Menge, um mich aus der Ruhe zu bringen oder bis ich was persönlich nehmen kann. Da war ich früher ganz anders.

Vernichtende Angst vor Krankheit, Sterben und Tod habe ich schon lange nicht mehr und das versuche ich auch meinen Kindern zu vermitteln.Ich glaube, das Schlimme, wenn man plötzlich mit diesen Themen konfrontiert wird, ist Hilflosigkeit. Viele reagieren über, wissen nicht, was sie tun sollen. Da versuche ich, meine Kinder und auch meinen Mann vorzubereiten. Es ist immer leichter, sich in Situationen hinein zu begeben als davon laufen zu wollen. Am Ende trifft es einen sonst umso härter.

Bis jetzt empfinde das Älterwerden also eher entspannend als Furcht einflößend. Kann sich noch ändern, wenn ernsthafte Zipperlein kommen. Mal sehen....

LG

16.06.17 - 18:37

Hi,

ja - ein Stück weit trauere ich (50) mancher Leichtigkeit hinterher.

Das Päckchen, das man im Laufe seines Lebens mitzutragen hat, füllt sich im Laufe der Jahre... auch mit Erfahrungen, die ich so NICHT hätte haben wollen, die ich mir nicht ausgesucht habe, die mir einfach "aufgeladen" wurden und teilweise doch beeinflussbar gewesen wären.

Mein Vater (78) wird immer seltsamer, das geht seit Jahren so... wie lange noch? Meine Mutter (74)...wir waren noch nie eng... und ich weiß mittlerweile, manches was klärungsbedürftig gewesen wäre, werde ich nie mit ihr klären (können) - ich nehme mir fest vor, dadurch nicht ähnlich zu verbittern, wie sie es ist.

Vor einigen Wochen ist hier eine Bekannte in meinem Alter zur Witwe geworden (das ist unsere GEneration - und kein Einzelfall!)
Ich wünsche dir alles Gute und noch viele gute Jahre.

LG#liebdrueck

18.06.17 - 02:37

Hallo

schockiert hat mich kürzlich , dass aus meiner Schulklasse schon 6 verstorben sind ( wir waren 30 )Wir sind jetzt 60 bzw. 61
Ansonsten hab ich das mit der Endlichkeit 2010 durch den Tod meines Vaters und einige Monate später, meines Bruders erfahren und mit der Zeit akzeptiert.Anfangs tat ich mich schwer damit.
Mittlerweile bin ich dankbar, von beiden konnte ich mich in offenen Gesprächen verabschieden.Wir sind wohl alle recht direkt.
Leichtigkeit vermisse ich nicht.Natürlich bin ich sentimentaler geworden, aber auch viel dankbarer als in jungen Jahren.
Die kleinen Freuden des Lebens (z.B. reisen, Natur, Tiere beobachten, Begegnungen mit Menschen ) erlebe ich bewusster.Ich erfreue mich z.B. an dem Vogelnest neben meiner Küchentür täglich mehrmals.An den Blumen, Sträuchern auch, viel mehr als früher.
Ich fürchte mich selten, jedenfalls nicht mehr als früher.
Meine Kinder sind auf ihrem Weg, solange wie ich meine Eltern hatte ( meine Mutter lebt noch ) werde ich sie nicht begleiten können.Aber das ist nun mal so ,wenn man eher spät Kinder bekommt.
Ich beobachte bei manchen sehr alten Leuten, dass sie ihre aller letzten Jahre nicht unbedingt eigenständig verbringen konnten.Das würde ich nicht wollen.Dann lieber nicht ganz so uralt werden.Aber es kommt wie es kommt.Insbesondere meine Älteste wird als Medizinerin ein Auge auf mich haben, das finde ich sehr beruhigend.
Wir haben noch viele Pläne, die noch ca. 5 Jahre warten müssen.
Wir werden sehen.Bis dahin bin ich sicherlich Oma und darauf freue ich mich auch.
Mein Leben war/ist überwiegend schön und sorgenfrei.

L.G.

26.06.17 - 08:43

Ja, was Du sagst stimmt natürlich. Auch in meinem Bekannten- und Familienkreis treten inzwischen immer mehr Schicksalsschläge auf, Krankheit, Tod, Trennung etc., auch in unmittelbarer Umgebung.

Ich habe selbst in den letzten Jahren einiges erlebt - mein Vater ist an Krebs gestorben, meine Ehe ist gescheitert, Arbeitslosigkeit und Depressionen waren bei meinem Ex-Mann ein Thema, und mein Sohn ist chronisch krank.

Ich sehe das aber alles für mich unterm Strich sehr positiv. Natürlich vermisse ich meinen Vater sehr, und mein Lebensplan war ein ganz anderer. Aber ich habe es geschafft, mich wieder zu berappeln, mein Leben neu zu ordnen und bin heute wirklich ein zufriedener Mensch. Diese Schläge haben mir unheimlich viel Selbstbewusstsein gegeben, ich weiß, ich kann einiges schaffen und ich habe Menschen, auf die ich mich verlassen kann - vor allem aber auf mich selbst. Für mich ein unglaublich gutes Gefühl.

Klar war früher vieles einfacher. Aber meine Lebenserfahrung möchte ich gegen diese Leichtigkeit nicht eintauschen.

07.07.17 - 16:31

<<<Geht es euch auch so?>>>

Bedingt.

Niemand wird älter ohne dass er/sie sich in bestimmten Bereichen ändert. In vielen Dingen wünsche ich aber gar keine Änderung, sondern will mir einfach ein gewisses "kindliches Staunen" bewahren, und oft klappt es auch.

<<<Was ist anders geworden? >>>

Prioritäten haben sich verlagert

Ich muss es eindeutig nicht mehr allen Recht machen
Egoismus und Selbstbewusstsein haben ein sehr gesundes Niveau erreicht.
Es ist ruhiger geworden, aber zusammen mit den genau richtigen Leuten.

<<<Wie fühlt sich euer Leben an?>>>

Wie immer......mal so richtig besch.....eiden, und manchmal so richtig geil !! #freu

<<<Trauert ihr der alten Leichtigkeit hinterher oder ruht ihr in eurer erworbenen Lebenserfahrung?>>>

Meine "Leichtigkeit" habe ich ... egal was war.... bisher nie wirklich verloren, und die Lebenserfahrung ist einfach ein Bonbon, welches einige Kleinigkeiten einfacher macht, bzw. wo man durch das was man schon erlebt hat einfach über vielen Dingen drüber stehen- oder sie sogar belächeln kann.

<<<Wovor fürchtet ihr euch?>>>

Mh......Einsamkeit !

<<<Was erfreut euch heute mehr als früher?>>>

Gutes Essen.

Noch bessere Freunde.
Zeit für mich ganz alleine.
Gesundheit.
Dass es meinen alten Herrschaften immer noch gut geht
Meine Schlagfertigkeit

24.07.17 - 19:46

Mal so Mal so !

Am Meisten denke ich: "Ich mag mein Leben so wie es jetzt ist. Aber eher hätte ich es auch nicht haben wollen."

Mein Mann und ich haben uns erst recht spät kennengelernt. So hatten wir beide reichlich Zeit uns "auszutoben" bevor wir geheiratet haben. Was das angeht habe ich kein Nachholbedarf, obwohl ich manchmal einfach tanzen gehen möchte und es Schade finde, dass das nicht mehr geht. (Es gibt einfach nichts mehr in der Nähe zum tanzen.)

Ich selber hatte schon Krebs und denke darüber: "Meine erste Krebserkrankung habe ich schon überwunden."

Einschläge: Mein Vater starb als ich grade 20 war, mein ältester Bruder ist auch grade mal 52 Jahre geworden und seine Frau hat nur 2 Jahre ohne ihn "geschafft", sie hatte sich echt aufgegeben....
Ja, meine Mutter baut auch ab, aber sie kann noch gut alleine sein und selbst mit ihren 3 Enkelkindern kommt sie gut zurecht!

Ich mag, dass ich beruflich "angekommen" bin. Das, was ich jetzt mache kann ich bis zur Rente machen, es sei denn ICH will nochmal etwas anders. Ähnlich ist es bei meinem Mann, so dass wir keine finanzielle Sorgen haben. Die hatten wir lange genug!

Das ist mein Leben, vielleicht soll es so sein. bo

28.07.17 - 09:32

Nun bin ich ja erst 35 (fast 36) und daher noch recht jung, aber ein paar Dinge haben mich bis hierher auch schon geprägt, so dass ich das Gefühl habe schon etwas abgeklärter zu sein. Auf jeden Fall ganz anders als vor 10 Jahren.
Als ich 18 war bin ich fast an einer schweren Lungenembolie gestorben. Was ich aber merkte, als ich mich vor ein paar Jahren mit jemandem unterhielt, die mit Mitte Dreißig das gleiche Schicksal ereilte: Ich habe damals überhaupt nicht überrissen in welch dramatischer Lage ich mich befand. Körperlich ging es mir eine Zeit lang überhaupt nicht gut und ich hatte einen psychischen Tiefpunkt. Der war aufgrund der jugendlichen Naivität aber schnell überwunden und mein Leben nahm weiter seinen ganz normalen Lauf. Die nächste Hürde war, dass ich um ein Haar aus meinem Traumstudium herausgeflogen wäre. Das war echt schwer, aber ich habe die Kurve gekratzt und die weiteren Studienjahre sehr gut gemeistert. Kurz nach Beginn meiner Promotion bin ich schwanger geworden. Das hat mein Leben ordentlich durcheinander gewürfelt. Eine Promotion mit Notwendigkeit zur Arbeit im Labor und eine SChwangerschaft vertragen sich gar nicht. Mein Sohn kam zur Welt und ich dachte ich könnte Weitermachen wie zuvor. Auch das ging nicht und die zwei folgenden Jahre waren Stress pur. Mittlerweile weiß ich dass mein Sohn autistisch ist, was das Ganze noch verkompliziert hat. Damals war mir das nicht bewusst. Trotzdem bin ich froh, dass ich das durchgezogen habe. Darauf bin ich extrem stolz, will die Zeit aber nie wieder zurückhaben.
Mittlerweile hat sich alles gesetzt. Ich bin verheiratet, habe noch eine Tochter bekommen, wir leben in einem schönen Häuschen, haben gute Jobs. Mein Sohn hat alle Hilfen die er braucht und kommt mittlerweile super klar und meine Tochter kommt nächstes Jahr in die Schule. Sie ist auch nicht ganz einfach (autistische Züge?) aber kein Vergleich zu ihrem Bruder.

Was mir ein wenig fehlt ist die "Selbstverwirklichung" im Job. Ich glaube, dass ich durch die Kinder weit zurückbleibe in den Möglichkeiten, die ich eigentlich hätte haben können. Das jonglieren mit Kiddies und Job ist jedoch auch anspruchsvoll und ich habe gerade angefangen wieder mehr Sport zu machen.
Als letztes Jahr mein Vater sehr plötzlich durch eine schwere Krebserkrankung zum Pflegefall wurde und leider auch verstarb, habe ich bemerkt wie stabil ich im Leben stehe. Es war eine sehr sehr schwere Zeit für uns alle und ich habe versucht meine Mutter zu unterstützen wo ich es irgendwie einrichten konnte. ...Leider aufgrund der Entfernung viel weniger als ich es mir gewünscht hätte. Mir wurde nochmal richtig bewusst, dass wir alle älter werden und dass sich der familiäre Unterstützungsbedarf umgedreht hatte. Trotzdem hat es mich viel weniger aus der Bahn geworfen als meine (noch) kinderlosen Geschwister.
Ich bin gespannt was mich noch erwartet und ich freue mich darauf wenn ich beruflich nochmal richtig durchstarten kann. Ich hoffe einfach, dass das mit Anfang 40 auch noch geht, dann habe ich ja immernoch mindestens 25 Jahre in denen ich arbeiten muss.

01.09.17 - 23:08

Sorry habe deinen Beitrag erst jetzt gelesen. Ja ich denke du sprichst mir aus der Seele. Ich habe in den letzten zwei Jahren festgestellt, dass das Leben grausam sein kann. Wir sind gewachsen an der Erfahrung und diese möchte ich für kein Geld der Welt mehr missen. Trotzdem wünsche ich mich manchmal zurück in die "unbeschwerte Zeit". Es ist ein Zwiespalt. Aber ich bewundere zum Beispiel ältere Leute - sie habe auch viel erlebt und sind auf ihre Art weise geworden. Irgendwann denke ich, werde ich mit meiner Erfahrung jüngeren Leuten helfen können. Bin selbst erst 30 aber fühle mich an Lebenserfahrung schon alt :( :)

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