Beruflicher Neustart

    • (1) 21.02.18 - 13:33

      Meinem Arbeitgeber geht es gerade saumäßig gut, so gut, dass er großzügige Angebote (und mit großzügig meine ich großzügig) macht. Ich bin nun - wie viele andere hier - am Überlegen...

      Zu mir: Ich bin fast 50, habe drei schulpflichtige Kinder. Wir haben unsere Schäfchen im Trockenen, Haus ist bezahlt,....,
      Beruflich sieht es so aus, dass ich nicht leide, aber eben auch keine rechte Lust mehr auf meinen Job verspüre. Ich komme her, reiße meine Stunden ab und gut ist. Große Wechselmöglichkeiten / Herausforderungen innerhalb des Konzerns habe ich nicht - zu alt, seit Jahren im Marketing und - wenn ich ehrlich bin - auch keine Ambitionen. Das junge Gemüse rückt nach, hat viel bessere Ideen als ich, ein besseres technisches Verständnis, kurzum, sie sind das Marketing der Zukunft. Ich habe damit kein Problem, sehe das ganz nüchtern.

      Mir spukt schon seit fast 10 Jahren die Idee im Kopf herum: Was wäre, wenn ich finanziell so unabhängig wäre, dass ich einen meiner Uraltträume noch umsetzen würde? Der Traum wäre ein Studium der Logopädie (B.Sc.). Das kostet einiges, dazu der Verdienstausfall - dieses "Problem" wäre aus der Welt (siehe oben).

      Aber wie wäre es tatsächlich, mit 47 noch einmal zur Schule zu gehen mit Mädels, die meine Töchter sein könnten? Auf der anderen Seite: Was sind schon drei Jahre Studium, wenn ich im Anschluss noch 17 Jahre in einem Job arbeiten würde, dem ich mehr abverlangen könnte als meinem Job im Marketing eines Großkonzerns?

      Mein Bauchgefühl sagt die ganze Zeit: Mach es, trau Dich einfach, was hast Du schon zu verlieren? Mein Verstand sagt: Du leidest im Büro nicht, Du kennst Dich aus, hast keinen Stress, hast 5 Jahre in dein BWL-Studium gesteckt - warum also der Aufwand?

      Mich würde Eure Meinung interessieren.......

      LG, Cherish

      • Hei :)

        Also erstmal denke ich, wenn du dir das finanziell leisten kannst und das dein Traum ist, dann versuch es ruhig - aber du solltest vielleicht schauen, wie gut die Möglichkeiten sind, wieder in deinen alten Beruf zurück zu kehren, falls es nichts ist oder nicht klappt.

        Ich möchte dir aber gerne eine Sache dazu sagen, die ich in meinem ersten Studiengang lange miterlebt habe, da war nämlich einer, der vorher schon eine Zahnarztpraxis hatte, über 50 war, schon recht viel Geld hatte und dann eben auch einen Neuanfang machen wollte. An sich voll ok. Das Problem war nur, dass es zwar ein nicht zulassungsbeschränkter Studiengang war, aber die Plätze in den verschiedenen Kursen und Exkursionen beschränkt waren und er eben explizit immer einem jungen Menschen einen Platz weg genommen hat und teilweise Leute dann die Regelzeit überschritten haben, eben weil manche Kurse und grade Exkursionen nur einmal im Jahr angeboten werden. Von Seiten der Studenten hat er teilweise ziemlich viel Hass dafür geerntet. Teilweise natürlich auch nachvollziehbar, jemand, der kein Bafög bis zum Ende des Bachelors bekommt, weil er wegen einer blöden Exkursion sein Zeugnis nicht bekommen hat (kam genau so vor), der ist natürlich nicht begeistert. Vermutlich hätte der Mann aber auch weniger Ärger mit den jüngeren gehabt, wenn er einfach nett gewesen wäre (von der Seite mit dem Studium her will ich ihn nicht verurteilen, jeder soll das machen, was ihn glücklich macht, aber er war wirklich unfreundlich und hat sogar gerne mal Sachen, die ihm nicht gehörten, eingesteckt, und hat sich - total albern - von den Dozenten nur mit "Herr Doktor" anreden lassen, obwohl alle anderen geduzt wurden).
        Ach, jetzt ist das wieder so ein Roman geworden. Du schreibst ja sehr nett, du bist bestimmt nicht fies zu den Studenten, dann wird dich sowas wohl kaum treffen ;) ich möchte dich nur warnen, dass eventuell manche Leute böse sein könnten, weil sie denken, dass du ihnen den Platz weg nimmst und dann dementsprechend böse Dinge über dich oder zu dir gesagt werden könnten. Falls das in Logopädie ein Problem ist, das weiß ich nicht ;)
        Liebe Grüße

        • Hi, Chakotay,

          ich bin selbstverständlich sehr nett und nicht fies zu den Studenten :-)

          Deine Geschichte mit dem Zahnarzt finde ich sehr lustig. Mal aus dem Nähkästchen: Unsere Chefin hatte einen sehr attraktiven (was die Bezahlung angeht) Job zu vergeben. Einer ihrer Bekannten - ein Zahnarzt - wollte sich verändern und rate mal, was er bekommen hat? Genau! Den Job bei uns! Marketing kann ja jeder!!
          Der Typ ist nur ein klein bisschen jünger als ich und jedes Mal, wenn ich ihn sehe, denke ich: "Na, Tröte, hast mir damals nach dem Abi, als ich uuuuuunnnnnbbbbbbedingt Medizin studieren wollte, den Studienplatz weggenommen und mich in die schnöde BWL gedrängt und nun hockst Du hier, ohne Ahnung, und verdienst auch noch mehr als ich. Warum plombierst Du nicht einfach weiterhin tagein, tagaus Zähne und gehst mir aus der Sonne?". Naja, das Leben ist, wie es ist :-)

          Logopädie würde ich an einer privaten Hochschule studieren, was allein an Gebühren etwa 25 000 EUR kosten würde. Staatliche Schulen, die nichts kosten, würde ich aus den von Dir genannten Gründen niemals in Betracht ziehen. Da hätte ich auch ein schlechtes Gewissen gegenüber jüngeren Anwärtern.....

          LG, Cherish

          • Hallo,

            was erwartest du dir vom Studium? In welchem Bereich könnest du dir vorstellen zu arbeiten? Was ist dir über diese Studiengänge bekannt? Kannst du mit Vorgesetzten arbeiten, welche "nur" eine schulische Ausbildung haben? Gehaltseinbußen, wir verdienen nicht die Welt.

            LG Reina

            • Hi Reina,

              Deinen Worten entnehme ich, dass Du Logopädin bist?

              Aufgrund der "Konstellation", die ich im Falle des Falles hätte, könnte ich nicht im Angestelltenverhältnis arbeiten. Es ginge nur selbstständig, Honorar oder Minijobbasis. Ist etwas verwirrend, kann ich aber nicht weiter ausführen. Kurz gesagt: Ich würde natürlich etwas verdienen wollen, muss aber davon nicht leben. Gehaltseinbußen ggü. heute wären mir schnurz.

              Über welche Ausbildung ein Vorgesetzter verfügt, ist für mich zweitrangig. Ein schulisch ausgebildeter Logopäde mir Berufserfahrung hätte ja viel mehr Ahnung als ich, warum sollte ich mit ihm/ihr nicht arbeiten können? Vielleicht könnte ich ja nebenbei die Flyer / den Internetauftritt der Praxis neu gestalten, das kann ich bestimmt besser :-). Ich habe auch unter Umständen ein besseres Gespür für Marktbearbeitung, Business cases etc. pp.

              Ich stehe noch ganz am Anfang meiner Überlegungen, deswegen ist mir nicht so sehr viel über die Ausbildung bekannt. Ich kenne nur das, was ich in den Weiten des WWW finde. Sollte wirklich eine Entscheidung anstehen, würde ich selbstredend Beratungstage usw. in Anspruch nehmen, BEVOR ich hier die Zelte abreiße und einen Studienvertrag unterschreibe.

              Mal sehen....

              LG, Cherish

          Haha, das ist ziemlich lustig xD
          Wobei es natürlich auch ärgerlich ist, dass er mehr verdient als du, die das gelernt hat... finde ich auch nicht richtig.
          Naja, ich bin froh, dass die Zahnärzte, bei denen ich bisher in Behandlung war, sehr nett waren ^^

          Ich finde aber deine Einstellung sehr gut :) aber du kannst natürlich trotzdem schauen, ob zum nächsten Wintersemester Logopädie an einer normalen Uni NCfrei ist oder nicht, das wechselt ja ganz gern mal, wenn es frei ist, und die Uni so plant, dass in allen Kursen genug Plätze sind, brauchst du da ja auch kein schlechtes Gewissen haben :)
          unsere Uni ist nur ein wenig verpeilt ("Wiiiie, bei 200 Studienanfängern und dem Fach als Pflichtkurs, reicht ein Raum mit 30 Plätzen nicht aus" Damit kann ja niemand rechnen..." xD)

          • An eine gewisse Verpeiltheit bei der Organisation des Studiums kann ich mich auch noch gut erinnern :-). Zum Glück musste ich nie ein Semester dran hängen, nur weil irgendein organisatorischer Kram nicht klappte....

            Im Großkonzern ist alles möglich, im "kaufmännischen Bereich" sowieso. Du brauchst keine passende Ausbildung, Du brauchst Beziehungen und musst politisch agieren können, dann kannst Du auch als Zahnarzt ganz oben mitmischen :-)

            Mein Zahnarzt ist auch super. Zwar nicht nett (ich frage mich immer, warum seine Assistentin noch da ist.....), dafür kompetent :-)

            LG, Cherish

    Mach es #winke

    Eine frühere Nachbarin hatte mit 2 kleinen Kindern das Problem, dass sie als Ingenieurin mitten in einer Männerwelt kaum Verständnis bekam dafür, dass sie die Kinder immer pünktlich von der Kita abholen musste. Es gab sehr schnell Ärger, weil sie nicht spontan Überstunden machen konnte...Nach 3 Monaten schmiss sie das Handtuch.
    Sie wurde dann auch Logopäden und war sehr zufrieden mit ihrem neuen Beruf und der deutlich besseren Vereinbarkeit von Kindern und Beruf.
    Wann willst Du denn Deinen Uralt-Traum sonst umsetzen, wenn nicht jetzt? Wenn Du in Rente bist? Bei uns im Studium gab es auch Rentner, aber so viel Berufserfahrung können die auch nicht mehr bekommen...

    • Huhu,

      na, Rentner bin ich ja noch lange nicht :-). Danke für Deine mutmachenden Worte!!

      mmmhhh, so ähnlich wie Deiner Nachbarin ging es mir auch, als ich damals, als meine Kinder noch klein waren, versuchte, meine Karriere weiter zu verfolgen, die bis zu den Kindern ganz gut verlief. Nun, mit 47, sehe ich dieses Unterfangen als gescheitert an. Ich konnte zwar immer jeden pünktlich abholen, aber ein spannendes Projekt habe ich nicht mehr erhalten. Und mittlerweile habe ich auch keine Lust mehr drauf.

      Ich beobachte nun meine Teamleiterin - trotz kleiner Kinder versucht sie alles, um auf die nächste Stufe zu kommen. Obwohl sie gut ist in dem, was sie tut, wird sie scheitern, genau wie viele vor ihr. Und wie es ihr privat mit dem ganzen Stress geht, möchte ich gar nicht wissen.....Und wofür? Auf diese Frage findet sie wahrscheinlich genauso wenig eine Antwort wie ich.

      LG, Cherish

Mach es!

Ich kann dich so gut verstehen. Ich habe zwei schulpflichtige Kinder, einen guten Job, der mir aber (leider) so richtig gut gefällt. Und trotzdem überlege ich als Seiteneinsteigern an eine Berufsschule zu gehen....

Grundsätzlich habe ich mich schon dafür entschieden, aber meine Familie hält mich zurück, da es doch nur mit ganz erheblichen Einschnitten im Familienleben gehen würde.

So denke ich mir, okay deine Zeit kommt noch wenn ich merke, dass meine Kinder mich noch weniger brauchen.

Was ich meine ist: sprich mit deinem Mann, mit deinen Kindern, die helfen dir auch nochmal andere Seiten zu sehen, du merkst was wichtig ist. Und alle wissen was in dir vorgeht.

  • Hallo,

    mmmhhh, die Idee mit der Berufsschule habe ich auch schon mehrmals gehabt und dann wieder verworfen. Der kaufmännische Bereich benötigt schlichtweg niemanden, zumindest nicht hier bei uns.

    Mein Mann ist grundsätzlich für alles offen, mit ihm habe ich schon gesprochen. Er ist einer der wenigen Menschen, die ich kenne, die ihren Job auch nach fast 30 Jahren noch gerne machen. Er hat den für sich besten Job gefunden.

    LG, Cherish

Andere Frage: was ist, wenn dein Mann, Gott bewahre, frühzeitig stirbt? Und du hast deinen Job geschmissen, Kinder und steckst in einer neuen Ausbildung? Bist du so gut abgesichert, dass das auf gar keinen Fall zum Problem wird? Oder wenn dein Mann, halb so schlimmer Fall, dich wider Erwarten verlassen würde? Auch wenn du das momentan für ausgeschlossen hältst.
Ich würde meinen Job nicht aufgeben. Aus finanziellen Gründen. Stattdessen würde ich reduzieren und nebenher mich verändern.

  • Hallo, Babyboy,

    falls meine Mann abhanden kommen würde, hätte ich (nur) ein Zeitproblem, kein finanzielles.
    Das mit dem nebenher verändern ist aber durchaus auch eine Möglichkeit, die ich gerade sehr ernsthaft betreibe. Das ist dann nicht Logopädie (ich habe da noch ein paar andere Ideen), sondern etwas erheblich "kleineres". Da bin ich schon dran :-)

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