Deutsche Rentner- wohin auswandern?

Neulich hatte ich eine Diskussion mit einer älteren Freundin. Es ging darum, dass sie sich ein Leben als Rentnerin in Deutschland nicht vorstellen kann und möchte und welche Alternativen es gibt.
Sie erwartet leider aufgrund widriger Lebensumstände nur eine geringe staatliche Rente, muss sehr wahrscheinlich mit Grundsicherung aufstocken.
Wir sprachen über steigende Mieten, den Pflegenotstand, die allgemein bedrückende Situation vieler Menschen in diesem Land. Meine Freundin ist ganz klar der Ansicht, dass sie in kein deutsches Pflegeheim gehen wird. Sie möchte auch nicht in einer winzigen Bude hocken und auf den Mietzuschuss vom Staat hoffen, dafür ständig überwacht und kontrolliert werden von irgendwelchen Ämtern. Sie weiß aus eigener Erfahrung, wie viel "Wert" man in diesem Land als Mensch hat, wenn man auf Sozialleistungen angewiesen ist und das, obwohl man viele Jahre in die Kassen eingezahlt hat!
Dann ging es um die zunehmende Radikalisierung in diesem Land. Linksextremismus, Rechtsextremismus, in sämtlichen größeren Städten gibt es wöchentlich irgendwelche Demos, z.T. mit furchtbaren Ausschreitungen. Ich selbst habe 2× Blockupy in Frankfurt/Main hautnah erlebt und dachte, wir sind jetzt im Krieg...

Lange Rede, kurzer Sinn: Wo kann man als Rentner (relativ) gut leben, mit bezahlbaren Wohnkosten, freundlichen Menschen, intakter Natur? In Ruhe und Frieden, trotzdem mit guter Infrastruktur und ohne Angst um die eigene Sicherheit?

Hat jemand einen Tip??

Besten Dank!

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Sollte deine Freundin auf Wohngeld oder Grundsicherung angewiesen sein, wird sie mit Nichten überwacht oder schikaniert.

Warum sollte sie?
Sie ist nur verpflichtet finanzielle oder persönliche Änderungen mitzuteilen, was absolut legitim ist, wenn man Gelder aus öffentlichen Kassen bezieht.

Mein Team ist stets wertschätzend, wenn es um unsere Kunden! (so kommunizieren wir tatsächlich, nicht Hilfeempfänger oder Antragsteller) geht.

VG Ilka (bei einem Hamburger Sozialamt tätig)

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Total beliebt ist doch Thailand, meine ich. Gut bezahlbar, nette Menschen.

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Es kommt ganz maßgeblich darauf an, wie es um die Sprachkenntnisse bestellt ist. Wenn Du die Landessprache nicht kennst, wirst Du immer Fremder sein.

In einigen Ländern mit niedrigen Lebenshaltungskosten wie z.B. Thailand gibt es schon deutsche Rentnersiedlungen mit thailändischem Personal und guter Krankenversorgung. Mit 900 Euro Rente bist Du aber auch in diesem Land nicht wohlhabend und das Wetter ist auch nicht für jeden erträglich.

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Ich habe schon gehört von Spanien, Kanada, Ungarn.

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in diesen Ländern reichen 900 € nicht zum Leben, nach Kanadakann man nur mit Visa, das geht also gar nicht,
in Spanien und Ungarn möchte ich nicht in ein Krankenhaus müssen und die ungarische Sprache ist fast umlernbar, ausserdem mögen die Ungarn keine Ausländer.

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Das Ungarn keine Ausländer mögen ist nur zum Teil wahr 😏. Sie mögen keine Zigeuner, Asiaten und Asylanten. Westeuropäer mögen sie, da sie Geld ins Land bringen 😎 das ist jedenfalls in den letzten 20 Jahren meine Erfahrung, seid ich dort immer mal wieder längere Zeit verbringe und ein Grossteil unseres Freundeskreises ungarisch ist.

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Mein Mann möchte später nach Ungarn auswandern, ich bin da noch nicht so wirkliche überzeugt. Ich glaube Bulgarien steht noch Recht hoch in der Gunst um irgendwo billig zu leben.

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ich weiss ja nicht wielange ihr noch habt, bis zur Rente, aber Tschechen, Ungarn; Polen Slowaken und ExJugos verdienen zu Hause genauso viel wie Deutsche. wir waren 2020 vor Corona in Ungarn und kosmetische Artikel kosteten da soviel wie hier in der Schweiz, und wir zahlen für Waschpulver ca 25 €

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Mein Mann ist Ungar, die Verdienstmöglichkeiten in Ungarn sind weit unter deutschen Niveau. Wir haben einige Freunde die immer wieder für ein paar Monate hier arbeiten weil in Ungarn nichts geht. Wenn man sich ungarische Produkte kauft, kann man billig leben, aber alles was importiert wird, ist teuer.

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Hallo,

Also als Rentner auszuwandern bringt was genau?

Sie bekommen weiterhin die Deutsche Rente, in dem Land wo auch immer sie hin wollen bekommen sie dann nix und sie müssen die Krankenversicherungen auch noch selber zahlen.

Alao bringt einen das was genau? 🤔

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Hallo und danke für Deine Antwort!
Leider hast Du meine Frage nicht richtig gelesen, darin habe ich genau erklärt, warum meine Freundin nicht in Deutschland ihren Lebensabend verbringen möchte.

Schade, dass Du darauf nicht eingehen kannst oder willst, sondern dieses Ansinnen als etwas Negatives darstellst.

Ich selbst habe zwar noch etliche Jahre bis zur Rente, kann das alles jedoch sehr gut nachvollziehen und frage mich viel eher, was man davon hat, wenn man hierbleibt.

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Da ich sehr viel im (EU)Ausland gearbeitet habe, sehe ich das größte Problem in der Krankenversicherung. Von den Leistungen, die hier auch Empfägern von Grundsicherung oder anderen Sozialleistungen zustehen, kannst Du woanders nur träumen ... da zahlst Du von der Krücke über Medikamente bis zum Zahnersatz alles selbst, außer Du bist Zusatzversichert und da sind die Prämien so hoch, das von der Rente nichts übrigbleibt.
Noch problematischer wird es, wenn jemand z.B. an Krebs erkrankt, zum Pflegefall wird oder sonstwas in der Richtung. So schlecht wie die Versorgung dort, ist hier kein Pflegeheim. In Thailand kümmern sich Hilfsorganisation um gestrandete mittlerweile mittellose Deutsche, die irgendwie nicht mehr heim kommen.

Das ist schon mal ein Argument hierzubleiben.

Asien/Thailand, Malaysia, Phillipinen weis ich nicht, ich kann mich nur daran erinnern, das die Hippies, die sich damals über den Trail auf den Weg nach Indien machten, hier den Boden küssten, als sie es wieder Heim geschafft haben.

Rentnerparadis Ausland:

The Dream is over ...

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Ich würde nie auswandern, weil ich irgendwo weg will. Man sollte auswandern, weil man irgendwo hin will.

Solange man fit und mobil ist, dürfte es da mehrere Möglichkeiten geben. Je flexibler und lernwilliger man ist, desto mehr. Mir wäre es peinlich, in ein Land zu ziehen, wo ich mir einen höheren Lebensstandart leisten kann, aber die Sprache nicht spreche. Dafür ärgere ich mich hier zu oft über Leute, die nach vielen Jahren immer noch nicht Deutsch sprechen.

Wenn es erst ans Pflegeheim geht, ist ja eigentlich egal, wo das steht. Man wünscht sich eben eine gute Behandlung. Und die hängt sicher überall auf der Welt am Preis - da würde ich jetzt nicht auf einen höheren Standard in einem Billiglohnland hoffen.
Zusätzlich sollte man bedenken, dass erst kürzlich erworbene Fähigkeiten (Sprache!) zuerst wieder verschwinden, während Fähigkeiten aus der Jugend sehr fest sitzen. Das stelle ich mir gerade bei Pflegebedürftigkeit doof vor.

LG

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Ehrlich? Wenn sie so wenig Rente hat, dass sie auf Grundsicherung angewiesen ist, kann ich mir kein einziges Land vorstellen, wo sie damit "gut" leben kann, nicht mal in Bulgarien, welches letztens erst im TV kam mit einem Bericht.
Oder sie nimmt ein so jämmerlich armes Land, wo es dafür null Komfort, null Sozialsystem, null Gesundheitssystem gibt. Kann man machen, möchte ich aber ganz sicher nicht.
Mir sind die ganzen aufgezählten Gründe viel zu populistisch aufgebauscht. Bin selber 67 Jahre alt und kenne viele Rentner - auch nur mit normalem Geldbeutel.
Ich bin immer noch recht froh, hier zu leben - irgendwelche Probleme gibts überall auf der Welt. Wenn man Angst vor Großstädten und Ausschreitungen hat - es gibt unzählige kleinere Städte und Gemeinden, wo man gemütlich lebt und es für Ältere auch Angebote genug gibt. Lebensumstände ändern kann man auch ohne auswandern, wenigstens muss man keine neue Sprache lernen.
Aber gut, ich wünsche Deiner Freundin viel Erfolg.
LG Moni
PS: Übrigens gibt es in anderen Ländern auch Bürokratie/Ämterprobleme ohne Ende, teils noch weitaus zäher und umständlicher als bei uns. Schau mal in die Auswanderer-Serien rein!!! Informiert ungemein 😎

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hi,

ich habe mal einen reportage gelesen, da ging es um deutsche renter in bulgarien und gran canaria. meist ist es aber so, dass diese nur langzeit ins ausland gehen, aber weiterhin einen wohnsitz in deutschland beibehalten. so als alibi, damit sie weiter in deutschland gemeldet, versichert sind und im notfall (gerade bei schweren erkrankungen) auch jederzeit wieder zurückkommen könnten.

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Ja stimmt, so eine Hybridlösung, das gehen auch viele nach Marokko.