Wächst neuerdings der Druck alles Neue mitmachen zu müssen, im Vergleich zu früher?

Die Frage beschäftigt mich schon länger. Sicher war es schon immer so ,
dass man mit über 50 nicht mehr so anpassungfreudig ist
und Einiges abwehrt.

Aber seit so 2015 blocke viel ich öfter ab, als das vorher der Fall war
oder ich sage "bin raus".

Beispiele gerne:
- ein Nein darf es nicht geben, wie unmenschlich
- soziale Medien als überflüssig kritisieren..oh wie schlimm
- Regeln und Abläufe einzuhalten und sie kontrollieren..wie altbacken
- eine Diesel (Euro6) zu fahren mit Überzeugung.....no go
- Alte Menschen und ihre Leistungen zu ehren ... na ja

Ich erspare mir hier mal Kommentare zu Gendern oder Betitelung von versch.
Lebensmitteln.

Es kommt mir so vor dass auf einmal 80% von früheren Fakten, Gewissheiten
Überzeugungen und Ankern im Wackeln sind.

Hinzu kommt dass Work Life Balance über Fleiss gestellt wird. Erziehung in der
Familie mutiert zu Freund vom Kind sein....naja und immer so weiter.

Die Art und Weise wie die öffentliche Verwaltung arbeitet und sich hinter
Corona- Regeln versteckt wäre auch noch so ein Punkt..egal.

Ich bin kein Mitglied einer Partei, Organisation oder Protestbewegung.
Habe einen Vollzeitjob der Freude macht und ein intaktes Umfeld,
soll heissen, kein Frustpotenzial.

Ich habe ein Standpunkt, lasse Andere ausreden und akzeptiere andere Sichtweisen.

Trotzdem scheint mir ,dass wir ins schwimmen kommen und nicht mehr das
Ruder halten.

Geht es noch Jemandem so?

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Hallo,
manchmal geht es mir ein kleines bißchen so, aber dann nehme ich mich selbst mit Humor.
Was Du da beschreibst, ist der klassische Generationswechsel, wenn man plötzlich selbst zu den „Alten“ gehört.
Das geht so in die „früher war alles besser“-Richtung, die jeder von seinen Eltern und Großeltern kennt. ;-)
Insgesamt habe ich sehr großes Zutrauen in die jüngere Generation und finde die Werte, die sie zum großen Teil vertritt, richtig und wichtig. Eine gelungene work-life-balance ist super, über gendergerechte Sprache kann man wirklich mal nachdenken und „schaffe schaffe Häusle baue“ muß nicht für jeden passen.
Wir müssen auch anerkennen, daß die Jüngeren vor monumentalen Aufgaben stehen, die ihnen einfach zur Lösung überlassen wurden.
Für mein Empfinden sind die +65 - Wähler gerade das größere Problem, die unsere Gesellschaft in der „uns geht´s doch gut“-Starre halten.
Ich find‘s wichtig, daß man nicht verbittert wird und den Kopf zumacht, sondern aktiv den Kontakt zu den Jüngeren sucht, pflegt und auch erkennt, daß man davon gegenseitig profitiert.
Liebe Grüße! #winke

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Ein schöner Beitrag. Ich hoffe ich sehe es in ein paar Jahren auch noch so :)

Ich habe mich dazu entschlossen nur das zu wählen was jüngere vermeintlich wählen würden, nicht was für mich am bequemsten wäre. Noch fällt es mir leicht.

Bei allem mache ich nicht mit, das liegt sicher am Alter, dennoch finde ich die Ziele im Kern richtig, zB beim Gendern. Und auf die Ziele kommt es an.

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Hallo,

ja, geht mir genau so. Ich werde dieses Jahr noch 50. Ich merke, dass ich Neuem gegebenüber nicht mehr so aufgeschlossen bin. Nervt mich :-D

Und all die Punkte die du erwähnt hast.... ja, ich habe manchmal das Gefühl wir rennen
in die falsche Richtung.

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das leigt aber nicht an der Zahl 50 sondern an der Einstellung, den ich bin 10 Jahre älter und sehe euer Problem nicht.
und Gendern finde ich ist seit ewig notwendig, um keinen in den Hintergrund zu schieben

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Hallo,
ich bin über 50 und sehe es teilweise ähnlich.
Bestimmt ist es ein Stück weit unserem Alter geschuldet, im Generationslauf ändern sich natürlich manche Augenmerke.
Die jungen Leute heutzutage haben andere Möglichkeiten, als wir sie vor 35 Jahren hatten und wir widerum hatten andere Möglichkeiten als unsere Eltern und Großeltern.
Dein Beispiel mit dem Diesel: Heutzutage nutzen viele Carsharing, haben unter der Woche evtl. ein WG-Zimmer und brauchen so gar kein Auto. Darum verstehen sie dann halt nicht, welchen Hype wir um unser "liebstes Kind" machen.

Manche Sachen stressen mich mittlerweile, die ich vor 10 Jahren noch mit locker eingebracht hab - z. B. die Technik, da krieg ich mittlerweile manchmal die Krise, wenn z. B. im Büro wieder ein Programm verändert wurde. Das fand ich früher ok, heute zwingt es mich teilweise etwas in Knie. Aber so ging es auch unseren Eltern... bei ihnen hielt Telefon, Fernseher.... Einzug. Ich finde soziale Medien z. T. gut, z. T. sind sie für mich überflüssig.

Ob sich mit gendern das erreichen lässt, worauf es ankommt - ich weiß es nicht. Ich kann jedem mit Respekt begegnen - nur weil ich mich ans gendern halte, sagt das doch noch lang nicht aus, was hinter den einzelnen Köpfen wirklich vor sich geht.
Bei mir heißt der "Dickmanns" noch so wie vor 40 Jahren (ich trau mir das Wort hier gar nicht zu schreiben) - diskriminierende Absichten hab und hatte ich dabei NIE.

LG

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hallo ,
ich musste grad bei deiner Textstelle schmunzeln;-)

Bei mir heißt der "Dickmanns" noch so wie vor 40 Jahren (ich trau mir das Wort hier gar nicht zu schreiben) - diskriminierende Absichten hab und hatte ich dabei NIE.

ist das nicht diskriminierend für dicke Männer #nanana#rofl

#winke

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Damit tue ich mich auch schwer, ich kann natürlich nachvollziehen, wenn man damit Probleme hat, aber ich finde die meisten Bezeichnungen nicht einmal diskreditierend.

Zigeunersauce... Zigeuner ist zwar oft abwertend benutzt worden, aber es ist eine leckere Sauce die viele gern essen, man hat damit ja keinen schlimmen Fraß benannt.

Wie nennt man die eigentlich heute?!

LG, katzz

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'Es kommt mir so vor dass auf einmal 80% von früheren Fakten, Gewissheiten
Überzeugungen und Ankern im Wackeln sind.'

So ist es. Und das ist gut, denn wäre es anders, würden wir uns als Menschheit und individueller Mensch nicht weiterentwickeln.

Über wie viele Fakten, Gewissheiten und Überzeugungen früherer Generationen können wir heute nur den Kopf Schütteln? Sei es die Existenz von Hexen, das Ausgeliefertsein der Menschen den Göttern (oder einem Gott) gegenüber, die Notwendigkeit, Kinder mit körperlicher Härte zu erziehen, die Tatsache, dass einige Menschen weniger wert sind als andere, dass es richtig ist, Menschen nach Hautfarbe zu klassifizieren, sie als Sklaven zu halten. Überhaupt, was ist denn mit dem unwiderlegbaren und einzig wahren Gottesgnadentum? Von der Unantastbarkeit des Papsttums reden wir mal gar nicht?

Wir Menschen haben glücklicherweise die Gabe (die einen mehr, die anderen weniger), uns neuen Fakten und Tatsachen anzupassen und auch einzusehen, dass etwas falsch war.

Ich habe mir wirklich auch nichts dabei gedacht, wenn ich vor ein paar (vielen) Jahren beim Bäcker ein Brötchen mit Dickmanns geholt habe. Im Leben habe ich dabei nicht daran gedacht, ich könnte jemanden diskriminieren oder gar verletzen. Heute weiß ich es besser. Es geht ja nicht darum, welche Absicht wir haben, wenn wir 'diverse Lebensmittel betiteln' sondern darum, wie es auf andere wirkt. Man muss sich immer auch in die anderen hinein versetzen. Würde es mir gefallen, wenn (beispielsweise) Franzosen jetzt meinen, Sauce Hollandaise erinnert ja schon irgendwie an blonde Haare und die waren doch den Nazis so wichtig. Nennen wir das doch jetzt 'Nazi-Soße'. Dann sitze ich als Deutsche im französischen Restaurant und werde gefragt, ob ich mein Gemüse mit weißer Kräuter- oder mit Nazi-Soße haben möchte. Ich wäre bedient. Ganz egal, ob der Kellner da einen Hintergedanken hatte oder nicht.

Tut doch niemandem weh, die Sprache den veränderten gesellschaftlichen und ganz persönlichen Werten und Überzeugungen anzupassen. Der allergrößte Freund des Genderns bin ich auch nicht, aber meine Tochter legt da beispielsweise großen Wert drauf. So, wie ich darauf bestanden habe, nach der Hochzeit einen Doppelnamen zu führen. War mir extrem wichtig, weil ich es konnte und nicht mehr gezwungen war, den Namen meines Mannes anzunehmen. Meine Oma und Mutter fanden das 'komisch', 'unnötig' und 'total überzogen'. Heute ist es völlig normal.

Bei den sozialen Medien geht es mir aber auch so, ich brauche das alles nicht. Ja, Facebook und Whatsapp fand ich klasse, was sage ich, ICQ war schon eine Revolution. Aber das ganze andere, Instagramm und was weiß ich, brauche ich einfach nicht. Was meine Software alles kann, keine Ahnung, viel vermutlich, ich brauche nur einen Bruchteil und fahre damit gut. Das blocke ich nicht aus Prinzip ab, weil ich es nicht will. Ich schau es mir an und entscheide in 99% der Fälle, dass ich es nicht brauche. Das sind aber alles meine persönlichen Entscheidungen, die nur mich selbst betreffen.

Wenn es Menschen besser geht, seit nicht nur noch m/w gesucht wird sondern m/w/d, ist das doch prima, warum sind wir nicht früher darauf gekommen, das so zu machen? Da gerät bei mir nichts ins Wanken. Im Gegenteil, es stimmt mich sogar zuversichtlich, dass die Entwicklung unserer Gesellschaft alles in allem weiter einen guten Weg geht.

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Ich bin 67 Jahre alt, sitze gerade um 23.45 Uhr gemütlich in meinem Wohnzimmer bei einem Absacker-Whisky und schmunzele.
"Es kommt mir so vor dass auf einmal 80% von früheren Fakten, Gewissheiten
Überzeugungen und Ankern im Wackeln sind."
Davon waren meine Eltern schon 1970 überzeugt - bei den ganzen Demos, RAF usw.
Ist wohl normal.
Sicher sehe ich heute auch vieles sehr besorgt, besonders die eiskalte Brutalität von Jugendlichen, die absolute Unverschämtheit/Herzlosigkeit von Unfallgaffern usw. - vieles aber auch leicht belustigt wie die exzessive Genderei, Helikoptereltern u.ä.
Die antiautoritäre Erziehung damals war ja auch nicht der Brüller - so hat jede Generation ihre "No Gos".
Ich äußere mich sehr wohl dazu, wenn es sich gesprächsweise ergibt und bei manchen Dingen bin ich stur wie ein Panzer, das kennt auch meine Enkelin aus unseren Diskussionen.
Ein NEIN gibt es bei mir sehr wohl, auch ein energisches - und Telegram halte ich für den grössten Müllhaufen, dagegen ist ja Insta ein Kindergarten. Gottseidank ist mittlerweile auch den meisten Jugendlichen bekannt, dass Insta eine fotogeshopte Seifenblase ist.
Ein E-Auto werde ich mir auch sicher nie kaufen 🙂 Auch das vertrete ich.
Ich diskutiere gerne und oft, aber nicht über alles. Wem meine Meinung nicht passt, soll es lassen, 😎 da bestehe ich dann eben auf meinem hart erworbenem Altersstarrsinn.
Ich vertraue (noch) darauf, dass wir irgendwie nicht mehr und nicht weniger "schwimmen" wie unsere Vorgenerationen.

Kleine Anekdote: Meine 14jährige Enkelin war kürzlich mit ihrer Freundin bei mir zum Essen. Während unserer allgemeinen Unterhaltung über Jugendsprache, WA-Schludrigkeiten/Unarten 😉 usw. sagte sie plötzlich ganz entsetzt und ernst gemeint zu ihrer Freundin: "Weißt du was, wenn wir mal in der Stadt Kiddies begegnen, die unsere Ausdrücke nicht mehr kennen......dann sind wir echt alt...." ..... #klatsch #freu

Du bist nicht allein. Sie sah ihre Welt auch schon wanken #herzlich
LG Moni

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Hallo!

Ich bin Mitte 50 und ich verstehe dich kein bisschen.


" ein Nein darf es nicht geben, wie unmenschlich
- soziale Medien als überflüssig kritisieren..oh wie schlimm
- Regeln und Abläufe einzuhalten und sie kontrollieren..wie altbacken
- eine Diesel (Euro6) zu fahren mit Überzeugung.....no go
- Alte Menschen und ihre Leistungen zu ehren ... na ja"

1. Ich sage NEIN, wann immer es mir richtig erscheint. Bisher wurde ich dafür noch nie komisch angeguckt. Im Gegenteil.

2. Du kannst doch für dich entscheiden, ob du sie nutzen willst oder nicht. Sie für alle als überflüssig zu deklarieren, ist sehr überheblich.

3. Gerade in meinem Beruf nimmt das mit den Regeln und den Kontrollen zu. Das kann ich gut finden oder nicht, aber da kommt mein Argument von 2 zu tragen. Es wäre überheblich zu sagen, dass alle unnütz sind, ich halte mich daran, so weit es geht, bemühe mich trotzdem flexibel zu bleiben.

4. Einen Diesel "aus Überzeugung" zu fahren ist tatsächlich ein No Go. Ich bin auch mit Auto sozialisiert worden, ich liebe es, mit dem Auto zu fahren. Vor 20 Jahren wusste ich nicht, was ich anrichte, jetzt weiß ich es. Deshalb ist es den meisten trotzdem nicht möglich, mal eben das Diesel-Fahrzeug abzuschaffen und ein E-Auto anzuschaffen oder autofrei zu sein. Es ist gerade eine Übergangszeit. "Aus Überzeugung" einen Diesel zu fahren, ist ein Schlag ins Gesicht unserer Kinder.

5. Mich muss bitte niemand aufgrund meines Alters "ehren". Wie schrecklich wäre das denn? Ich ehre auch nicht automatisch alle alten Menschen. Ich kann von mir behaupten, dass ich einen guten Draht zu den Ü80jährigen habe, es sind aber viele bösartige dabei (wie in jeder Generation). Wieso muss ich die ehren? Ich habe eine 85jährige Freundin, die ich sehr liebe, ich ehre sie aber überhaupt nicht. Erwartet sie auch nicht. Die will lieber ernst genommen werden.

"Erziehung in der Familie mutiert zu Freund vom Kind sein..."

Hier gilt dasselbe wie bei den Alten. Es geht um Augenhöhe und nicht um Macht. Ich bin nicht die Freundin meiner Kinder, billige ihnen aber zu, dass sie ihren Fähigkeiten und ihrem Wissen entsprechend, ihre Entscheidungen selbst treffen dürfen. Ich billige ihnen zu, mich zu kritisieren, wenn ich z.B. aus Überzeugung Diesel fahren würde. Ich hatte lange die Verantwortung für die Kinder, gebe sie aber immer mehr ab, weil sie erwachsen werden. Sie sind übrigens großartige und selbstständige Halbwüchsige, die es schaffen, auch mir auf Augenhöhe zu begegnen. Uns ist klar, dass ich nicht mehr alles verstehe, was sie betrifft. Ihnen ist klar, dass ich mehr Erfahrung habe. Wenn man das zusammen mischt, wird daraus etwas ganz Gutes, finde ich. Sie gehen sicherer ins Leben als ich das tat.

Gendern ist längst überfällig. Im Gegensatz zu dir werde ich mit zunehmendem Alter immer wütender, dass Frauen schon so lange so unsichtbar sind und alle das anscheinend vollkommen normal finden.

Du siehst, mir geht es ganz anders. Ich finde die kommende Generation ziemlich super.

LG

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Hi, ich bin 46 und wäge alles Neue ab. Manches ist und bleibt nix für mich, anderes nehme ich an und befinde es für sinnvoll.
Ich hinterfrage mich viel und bleibe im Kopf flexibel. Ich fühle mich bei vielen Meinungen und Entscheidungen wesentlich sicherer als noch vor 20 Jahren, auch was Kindererziehung angeht. Früher habe ich es gehasst, wenn jemand gesagt hat, er begleitet sein Kind (anstelle von erziehen)--heute sehe ich es auch so. Als Beispiel ;-)

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Danke für den interessanten Beitrag!

Da kommt einiges zusammen.

Manches ist schon einfach eine Frage des Alters und da muss einfach jede Generation aufs Neue durch und verstehen, dass sie nicht mehr an der Spitze der Entwicklung steht, sondern Mühe hat, hinterherzukommen oder es tatsächlich abreißen lässt und sagt, da bin ich raus.

Auch diese Fragen mit Respekt und Co., das ist nicht neu. Die 68er haben ja ihre Eltern mindestens genauso verachtet, so wie z.B., Oskar Lafontaine, der doch Helmut Schmidt mal an den Kopf geworfen hat, mit seinen Sekundärtugenden, da könne man auch ein KZ betreiben.

Zwei, drei Sachen machen diesen Effekt heute aber vielleicht doch noch etwas stärker.

Erstens ist das Tempo, in dem neue Säue durchs Dorf gejagt werden, heute noch mal höher geworden. Vor ein paar Jahren hatte ich Masterstudenten, die einigermaßen ratlos geschaut haben, was die Kiddies denn da so auf Instagram treiben mit ihren Influencern. Jetzt sind diese Kiddies selbst schon im Master und schauen ihrerseits etwas ratlos auf die Generation Tik Tok usw.

Zweitens scheint mir die heutige Generation z.T. ganz besonders davon überzeugt zu sein, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Die 68er gingen ja vor allem ihren Eltern an den Kragen, während manche woken Menschen heutzutage ja weiter gehen und Teile der Geschichte ausradieren wollen, weil zu weiß, zu kolonial etc. Auch Cancel Culture und Deplatforming sind besonders extreme Phänomene, weil es ja gar nicht mehr um den Austausch von Argumenten geht, sondern darum, die anderen von der Diskussion auszuschließen. Das hat wiederum zur Konsequenz, dass ich häufiger erlebe, dass Leute sich selbst aus dem Diskurs ausklinken, weil sie keine Lust haben, als alter, weißer Mann niedergemacht zu werden (und lustigerweise ist diese Titulierung ja relativ gut akzeptiert, mit der Keule drauf und fertig).

Drittens sind wir aber, meine ich, aber auch ein bisschen selbst für unser Leiden (mit-) verantwortlich, weil Jugendlichkeit auch für uns noch immer ein so hoher Wert ist. Mein Vater früher hat meine Musik auch nicht verstanden, aber das war ihm, glaube ich, ziemlich wurscht. Ich hingegen halte mich eigentlich noch für so jung, dass ich doch irgendwie verstehen müsste, was heute hip ist, bin dann aber umso mehr enttäuscht, wenn ich mit großer Ratlosigkeit auf die Charts schaue... ;-)

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Dass Menschen mittleren Alters grummelnd auf der Parkbank sitzen und über die Jugend schimpfen, ist garantiert kein neues Phänomen. Früher fiel es vielleicht weniger auf, weil die Generationen mehr unter sich geblieben sind.

Ich werde demnächst 50. Natürlich kann ich mit einigen Modeerscheinungen wenig anfangen. Instagram und Tiktok finde ich zB albern bis absurd. Aber egal. Ich muss das nicht toll finden. Ich sage im Gespräch halt, dass ich damit nicht viel anfangen kann, und merke eventuell an, dass man das von etwas auf der Hut sein muss, dass man die bunte Glitzerwelt, die da vermittelt wird, richtig einordnet, Werte aber die Nutzer nicht ab. Das hat bisher noch jeder Gesprächspartner akzeptiert.

Was ich total albern finde, ist die Vehemenz, mit der viele Ältere um den Beibehält rassistischer Bezeichnungen für Nahrungsmittel kämpfen. Es ist nunmal so, dass ganze Bevölkerungsgruppen sich durch solchen Bezeichnungen verletzt und herabgewurdigt fühlen. Da ist es egal, was der Einzelne denkt oder nicht denkt, wenn er sein Paprikaschnitzel bestellt. Findet ihr wirklich, dass eure Nostalgie wichtiger ist als die Gefühle benachteiligter Minderheiten?

Was andere Themen angeht, bin ich oft einverstanden mit der jungen Generation, manchmal aber auch nicht. Das finde ich normal. Bei manchem, zB bei Erziehungsfragen (ich habe noch einen relativ jungen Sohn) sage ich, dass x und y für mich nicht passen. Höre aber zu und ziehe manchmal dann auch Sachen für mich raus.

Das einzige, was ich wirklich ungut bis bedrohlich finde, ist die Cancel Culture.