Ursache für 7 Fehlgeburten

Sehr geehrter Dr. Peet,

Ich bin 40, habe eine 5jährige Tochter (schwanger beim ersten Versuch, völlig komplikationslose SS und Geburt) und hatte seitdem 7 Fehlgeburten (mit 9 Kindern). Ich werde immer recht schnell schwanger, aber meine Babys sterben alle spätestens ca. 7./8. Woche ohne dass Herzaktivitäten festgestellt werden können. Ich muss dazu sagen, dass mein Partner Hodenkrebs hatte (vor unserer Tochter) und 2016 eine Hochdosis-Chemotherapie machen musste. Daher habe ich nach der ersten Fehgeburt (noch VOR der Chemo) 2 ICSIs mit Kryosperma durchführen lassen, leider mit dem gleichen Ergebnis. Das Spermiogramm ist mittlerweile wieder ok. Die Spermienanzahl etwas vermindert, aber die Qualität laut Ärztin im normalen Bereich.
Es wurden bisher die üblichen Tests bei mir durchgeführt- ohne Befund.
Ein Embryo wurde nach der Ausschabung untersucht- ebenfalls ohne Befund.

Ich verstehe einfach nicht, warum es bei der ersten SS so einfach war und jetzt so überhaupt nicht mehr funktioniert. Die Ärzte hier in Frankreich, wo ich wohne, haben kein Verständnis für mich und sehen kein Problem.
Das Einzige, was nicht getestet wurde, wäre diese Abstoßung wegen Partnerähnlichkeit. Wie wahrscheinlich ist sowas (nach einer "erfolgreichen" SS) und wie schätzen Sie die Situation ein, resp. was kann ich noch tun?

Vielen Dank und freundliche Grüße
Paula

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Hallo,
ich würde vorschlagen Sie lassen eine Untersuchung auf Thrombophilie durchführen.
Sollte sich ergeben dass sie eine erhöhte Thromboseneigung haben könnte das einen Grund darstellen dass sie so oft Aborte haben. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass sie eine chronische Gebärmutter Schleimhautentzündung haben, dies wäre durch eine Endometriumbiopsie auf Plasmazellen leicht herauszufinden. Liegt eine Entzündung vor kann eine 10-tägige Antibiotikatherapie möglicherweise ihr Problemlösen.
Zur immunologischen Diagnostik und Therapie folgendes:
Auf der Suche nach möglichen allgemeingültigen Antworten auf die immer wiederkehrenden Fragen nach der Sinnhaftigkeit von Immuntherapien finden sich in der aktuellen Fachliteratur folgende Zusammenfassungen / Empfehlungen:
The role of immunotherapy in in vitro fertilization: a guideline
Practice Committee of the American Society for Reproductive Medicine American Society for Reproductive Medicine, Birmingham, Alabama
(Fertil Steril 2018; 110:387-400. 2018 by American Society for Reproductive Medicine.)
Endergebnis übersetzt (Dr. Peet):
Immuntherapien, die darauf abzielen, die Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt bei der IVF-Behandlung zu verbessern, haben sich in der Regel als unwirksam erwiesen oder wurden nicht ausreichend untersucht, um endgültige Empfehlungen für ihre Verwendung zu geben.
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The role of immunotherapy in in vitro fertilization and recurrent pregnancy loss: 
a systematic review and meta-analysis
Chiara Achilli, M.D., Montserrat Duran-Retamal, M.D., Wael Saab, M.R.C.O.G, Paul Serhal, M.R.C.O.G and Srividya Seshadri, M.D.
Centre for Reproductive and Genetic Health, London, United Kingdom
(Fertil Steril 2018; 110:1089-100. 2018 by American Society for Reproductive Medicine.)
Endergebnis übersetzt (Dr. Peet):
Auf der Grundlage der in unserer Überprüfung vorgelegten Nachweise spielt die Immuntherapie keine Rolle bei der Verbesserung der LBR (Lebendgeburtenrate) bei Frauen, die sich einer IVF mit oder ohne RIF-Vorgeschichte unterziehen.
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Immune modulation treatments – where is the evidence?
Malene Meisner Hviid, M.D.a and Nick Macklon, M.D., Ph.D.a,b
a Department of Obstetrics and Gynecology, Zealand University Hospital, Roskilde, Denmark; and b Department of Obstetrics and Gynaecology, University of Southampton, Princess Anne Hospital, Southampton, United Kingdom
Steril 2017; 107:1284-93. 2017 by American Society for Reproductive Medicine.)
Endergebnis übersetzt (Dr. Peet):
Die Auswertung von Studien zur Immunmodulation ist deprimierend. Auf der einen Seite fehlen echte Nachweise für die Wirkung dieser Therapien, zum anderen scheinen gelegentlich kommerzielle Interessen hinter ihnen zu stehen.
Dr. Peet, Juli 2019


Grüße
Peet