Ein Zusammenhang zwischen Progesteron und Plazenta?

    • (1) 23.11.17 - 11:51

      Hallo Frau Dr. Endress,

      ich bin momentan in der 23.SSW. Seit der 22.SSW nehme ich kein Utrogest mehr ein, weil meine Fä sagte der Gebärmutterhals wäre bei 5 cm.
      Der Grund der Einnahme von Utrogest war unter anderem die Stabilisierung der Schwangerschaft aufgrund von etlichen Blutungen bis zur 16.SSW und Verdacht auf Gelbkörperhormonschwäche.

      Jetzt zu meiner Frage:
      Gibt es eigentlich ein Zusammenhang zwischen der Einnahme/Nicht-Einnahme von Utrogest mit der Funktionalität der Plazenta?
      Es wurde nämlich ein erhöhter Widerstand der uter. Plazenta rechts festgestellt oder hat das eine mit dem anderen gar nichts zu tun? Unterstützt Utrogest die Funktionalität der Plazenta?
      Wenn es keinen Zusammenhang gibt, was können die Gründe für eine erhöhte Widerstand der Plazenta sein und gibt es dagegen Massnahmen die gemacht werden können? Das Wichtigste ist überhaupt, was heisst das für das Kind, ist es in so einer Situation nicht eingeschränkt mit der Versorgung?

      Über Ihre Antwort würde ich mich sehr freuen und bedanke mich im voraus für Ihre Mühe und Zeit.

      Mit freundlichen Grüssen

      Sternchen201

      • Liebe Sternchen201,

        in der 23. Schwangerschaftswoche ist die Progesteronproduktion von endogen (also vom Körper selbst) gesteuert, so dass ein extren zugeführtes Progesteron keinen Einfluss mehr haben sollte.
        > Während der Schwangerschaft spielt das Progesteron eine wichtige Rolle, es dient der Erhaltung des Myometriums (Uterusmuskel) in Ruhe und wird vor allem vom Corpus luteum graviditatis bis zur 9.-10. Woche gebildet. (Es setzt die Reizschwelle des Myometriums herauf). Ab dem 4. Monat ist die plazentäre Sekretion von Progesteron ausreichend, um die Schwangerschaft aufrecht zu erhalten. Der ST und der ZT synthetisieren das Progesteron aus dem im mütterlichen Kreislauf zirkulierenden Cholesterol.
        Das Progesteron wird zu 3/4 in mütterlichen und zu 1/4 in kindlichen Organismus metabolisiert. Maximal werden 250 mg/Tag sezerniert. Am Ende der SS ist die Menge Progesteron ein guter Parameter, um die Plazentafunktion zu beurteilen.

        Hier eine zusammenfassende Liste seiner Aufgaben:
        Wichtigste Rolle:
        - Reduktion des uterinen Tonus (verhindert Kontraktionen im Myometrium)
        Nebeneffekte:
        - Reduziert den Tonus in der glatten Muskulatur
        - Reduziert den Tonus des Magens
        - Reduziert die intestinale Motilität (Konstipation)
        - Reduziert den vaskulären Tonus, den diastolischen Drucks und führt zur
        venösen Dilatation
        - Anstieg der Basaltemperatur
        - Induziert die Differenzierung der Mammadrüsen und verhindert, dass die Brustdrüsen vor der Geburt durch Prolaktin aktiviert werden. <
        (Quelle: http://www.embryology.ch/allemand/fplacenta/popuppl/physio/progesterone.html, http://www.embryology.ch/allemand/fplacenta/physio07.html)

        Der erhöhte Widerstsand der Plazenta kann z.B. ein Hinweiszeichen sein für ein erhöhtes Riskio:
        - für eine Präeklampsie („Schwangerschaftsvergiftung“, „Gestose“)
        - für eine Wachstumsminderung (IUGR=intrauterine growth retardation)
        Eine sog. Plazentainsuffizienz bedeutet, dass das Baby über den Mutterkuchen nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden kann. Es gibt eine chronische Plazentainsuffizienz, z.B. durch verminderte Durchblutung, Strukturveränderungen oder Verstopfung von Blutgefäßen oder eine plötzlich auftretende, akute Plazentalösung, z.B. bei vorzeitiger Ablösung des Mutterkuchens von der Gebärmutterwand.
        Eine Plazentainsuffizienz findet sich eher
        - bei Mehrlingsschwangerschaften
        - bei Präeklampsie („Gestose“)
        - bei Diabetes der Mutter
        - bei Raucherinnen
        - bei untergewichtigen Müttern
        - bei vorausgegangenen Fruchtbarkeitsstörungen
        - bei fieberhaften Infektionen
        - bei Blutungen
        - bei Frühgeburtsneigungen während der Schwangerschaft
        - bei Übertragung des Kindes

        Welches individuelles Risio für Dein Kind besteht, kann nur durch Deinen untrersuchenden Frauenarzt beurteilt werden. Er kennt Deine Befunde und kann sowohl eine Einschätzung über das Ausmaß als auch über die ggf. notwendigen Maßnahmen treffen.

        Alles Gute!
        Dr. Endreß

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