Stiefkind Adoption?

    • (1) 24.12.17 - 16:07

      Liebes Forum,
      ich bin zur Zeit 19 Jahre alt, ledig, und habe im letzten Jahr mein Abitur absolviert. Im Sommersemester 2018 möchte ich anfangen zu studieren und dadurch natürlich auch Bafög beantragen.
      Hinweis: Ich werde im folgenden meinen Stiefvater als Vater bezeichnen und meinen leiblichen Vater als Erzeuger.
      Meine Mutter und Erzeuger waren einige Jahre verheiratet und durch diese Ehe ging ein Kind hervor (ich). Bei der Scheidung einigten sie sich darauf, dass mein Erzeuger keinen Unterhalt zahlen müsse, wenn sie das alleinige Sorgerecht bekäme. So ist das auch in den Scheidungspapieren vermerkt.
      Im Kindergartenalter heiratete meine Mutter erneut und aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor. Zur Zeit lebe ich mit meiner Mutter, meinem Vater und meinen drei (Halb)geschwistern zusammen. Mein Vater ist allein Verdiener und unser Haus ist noch nicht abbezahlt. Mit meinem Vater lebe ich schon seit mehr als 10 Jahren zusammen.
      Mein Erzeuger hat ebenfalls neu geheiratet und hat auch drei Kinder. So viel ich weiß lebt er mit seiner Familie in einer Mietwohnung und befindet sich entweder in einer Ausbildung oder ist arbeitslos.
      Ich habe mit meinem Erzeuger keinen Kontakt und würde dies aus privaten Gründen auch gerne so beibehalten.
      Ich möchte auch keinen Unterhalt oder sonstige Leistungen von ihm, allerdings vereinbart sich dies nicht mit dem Bafög Antrag.
      Auf jeden Fall, würden wir dies gerne ändern in dem mein Vater mich adoptiert, damit ich auch in sonstigen Antragsgelegenheiten o. Ä. nicht mehr meinen Erzeuger hinzuziehen muss. Dazu habe ich nun ein paar Fragen:
      1) Wie oder wo stellt man einen Antrag auf Stiefkindadoption?
      2) Welche Kosten kommen auf uns zu? (Ich hab gelesen, dass es bei einer Adoption nach dem 18. Lebensjahr, der Antrag bzw. die Kosten durch vererbbare Vermögen beeinflusst werden, mein Vater ist ein einfacher Arbeiter, also nicht akademisches oder so, wir besitzen 2 Autos und das Haus ist wie gesagt noch nicht ganz abbezahlt)
      3) Wie lange dauert das ganze Prozedere? (Mein Erzeuger wäre ebenfalls einverstanden und würde auch zu gerichtlichen Terminen o.Ä. erscheinen)

      Danke vorab für die Antworten :-)

      • (2) 24.12.17 - 23:03

        Also ich habe nur Erfahrung mit der Stiefkind Adoption von einem Baby, antworte dir aber trotzdem mal.
        Also wegen der Adoption müssen deine Eltern sich an einen Notar wenden. Wenn dein leiblicher Vater mit der Adoption einverstanden ist, dann soll er eine schriftliche EinverständnisErklärung an den Notar schicken. Das sollte das Ganze vereinfachen.
        Bei uns ging es dann mit dem Jugendamt weiter. Wie das bei dir ist (da du ja schon über 18 bist), kann ich dir nicht genau sagen. Da kann euch aber der Notar weiter helfen.
        Wir mussten im übrigen Beide einen Lebensbericht und die Absichten für die Adoption schriftlich beim Jugendamt einreichen.
        Dazu kamen Gesundheitsnachweis (von Stiefmutter und Kind), Führungszeugnis und Gehaltsnachweis (Stiefmutter).
        Dann kam die Frau vom Jugendamt, dann Termin beim Gericht und das wars. Gedauert hat es ca 1 Jahr. Allerdings waren wir bei den Lebensberichten nicht die schnellsten.
        Gekostet hat uns nur der Notar, die Atteste und das Führungszeugnis was. Insgesamt ca 150€.
        Eine Erwachsene Adoption kann aber um einiges teurer sein. Ich habe mal was von 5000€ gehört.

        Im übrigen, wenn es nur ums Bafög geht ist in deinem Fall vermutlich schlauer dich nicht adoptieren zu lassen. Da dein leiblicher Vater recht mittellos ist und noch 3 weitere Kinder hat, ist deine Chance auf Bafög viel höher.
        Du musst deinen Vater zwar anschreiben (an die letzte dir bekannte Adresse) er kann seine Gehaltsnachweise aber direkt ans Bafögamt schicken.
        Dein Stiefvater scheint ja recht gut zu verdienen. Und das Bafögamt interessiert es leider nicht, ob euer Haus abbezahlt ist oder nicht. Nur die anderen Kinder von deinem Stiefvater fallen ins Gewicht.
        Ich kenne mich damit recht gut aus weil meine Frau im Bafögamt arbeitet.

        Hallo!

        Guck mal da:
        http://notare-voelklingen.de/infothek_adoption-10.shtml

        Wie immer kommt es auf den Einzelfall drauf an, deswegen kann Dir keiner sagen wie es im Speziellen bei Euch verlaufen wird udn was es kostet.

        LG, I.

        (4) 03.01.18 - 20:41

        Hinweis: Ich werde im folgenden deinen Stiefvater als Vater bezeichnen und deinen leiblichen Vater als Erzeuger.

        Du machst dir einen Termin beim Notar deines Vertrauens. Deine Eltern (also dein Vater und deine Mutter) müssen bei dem Ersttermin noch nicht anwesend sein. Du gibt alle eure Daten zu Protokoll und erhältst dann per Post einen Entwurf.

        Beim nächsten Termin müssen deine Eltern anwesend sein (bitte vergesst eure Personalausweise nicht!), da der Notar den Antrag des Annehmenden (dein Vater), den Antrag des Anzunehmenden (du) und die Einwilligungserklärung deiner Mutter notariell beglaubligt.

        Falls du den Nachnamen deines Vaters annehmen möchtest, solltest du einen Antrag auf eine Volladoption mit den Wirkugen einer Minderjährigenadoption stellen. Der Notar schickt dann die Urkunde an das zuständige Amtsgericht. Die notariell beglaubigte Urkunde sollte circa 150 Euro kosten.

        Du erhältst zuerst eine Rechnung vom Gericht, die du zeitnah begleichen solltest. Die Gerichtskosten sollten sich auf circa 220 Euro belaufen. Sobald du die Gerichtskosten bezahlt hast, erhaltet ihr eine lange Liste mit Dokumenten die ihr vorlegen müsst.

        Folgende Dokumente sind von allen Parteien zu beantragen bzw. zu verfassen:
        - amtliches Führungszeugnis
        - Aufenthaltsbescheinigung
        - förmliche Erklärung über Nettoeinkommen, Vermögen, Grundbesitz, Kinder
        - Geburtsurkunde bzw. Registerausdruck aus dem Geburtenregister
        - Heiratsurkunde
        - Lebenslauf aus dem sich insbesondere die Entwicklung der persönlichen Bindung zu dem Anzunehmenden (dir) ergibt (Das ist das Aufwändigste an der ganzen Sache und sorgt oft dafür, dass sich die Adoption unnötig in die Länge zieht.)
        - Nachweis über die Staatsangehörigkeit bzw. Ablichtung des Personalausweises
        - Name und Anschrift deines Erzeugers

        Zusätzlich müssen du und dein Vater noch ein Gesundheitszeugnis vorlegen.

        Dein Erzeuger wird auch vom Gericht angeschrieben, allerdings hat er kein Mitspracherecht und muss nichts beantragen bzw. vorlegen.

        Wenn das Gericht alle Dokumente erhalten und bearbeitet hat, werdet ihr vorgeladen (ggfs. auch deine Halbgeschwister, weil es ihr Erbe betrifft) und dann wird über deinen Fall entschieden.

        Eine Erwachsenenadoption kostet bei durchschnittlichem Einkommen des Annehmenden (Vater) insgesamt circa 500-700 Euro und dauert circa 6-12 Monate.

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