Pflegekind / Eltern kennenlernen

    • (1) 08.01.19 - 11:26

      Hallo Zusammen,

      Vor 2 Wochen kam der Anruf "Wir hätten hier einen kleinen Jungen, der hervorragend zu ihnen passen würde"...
      Seit dem haben wir JGA, SKF und Ergänzungspflegerin zu einem Gespräch bei uns zuhause gehabt und haben die ganze Geschichte des Kleinen kennengelernt.
      Wir können uns nach dem Gespräch immer noch vorstellen, dass wir gute Eltern für ihn sein könnten, auch wenn es einige Sachlagen gibt, die uns noch große Angst machen.
      Viele von diesen Themen hängen aber in erster Linie mit den leiblichen Eltern zusammen und deshalb haben wir zugestimmt diese Kennenzulernen (ist auch der normale Lauf bei unseren JGA. Erst die Geschichte und die Beteiligten von der Behörde, dann die Eltern und zum Schluss erst das Kind).
      Nun mache ich mir natürlich große Gedanken wie das Treffen abläuft. Wie tritt man sich am besten mit Respekt gegenüber, auch wenn wir durch die Geschichten natürlich nur eine gewisse Verständnis für die Eltern haben. Was fragt man so?
      Wie war es bei euch? Hat sich das alles im Gespräch ergeben? Würde mich über einen Erfahrungsaustausch freuen.

      • (2) 09.01.19 - 07:34

        Hallo , habt ihr euch das gut überlegt? Ein Pflegekind aufzunehmen?

        • (3) 09.01.19 - 07:38

          Blödes Handy? Nein ich meine das überhaupt nicht böse oder negativ, es kann sein das ihr die nächsten 18 Jahre mit der Herkunftsfamilie zusammen arbeiten müsst. Ihr leistet "Hilfe zur Erziehung" und Hilfeempfänger sind die Eltern. Was möchtest du erreichen? Unter Umständen werden sie großes Mitspracherecht haben. Schulanmeldung, impfen etc. Ihr werdet pk zu Besuchskontakten bringen müssen, auch wenn diese nicht

          • (4) 09.01.19 - 07:45

            Immer gut laufen. Distanziere dich von solchen Gedanken. Sehe sie als das was sie sind, als Herkunft, Geschichte eures PK. Wir haben damals das erste Treffen auf neutralen Boden stattfinden lassen. Haben versichert das sie ein Teil von pk bleiben. Das war wichtig für diese Familie und anfangs war die Zusammenarbeit echt gut. Im Laufe der Zeit hat sich vieles geändert. Es kamen unrealistische Forderungen, Drohungen Beschimpfungen, Gerichtsverfahren etc. Das alles müsst ihr tragen. Im Alltag haben wir es verdrängt und waren ganz normale Familie. Bei Jugendamt und Herkunftsfamilie waren/sibd wir Pflegefamilie als Teil des Hilfsnetz für die le.

          • (5) 09.01.19 - 07:59

            Hallo beffy,

            Vielen Dank für deine Antwort.
            Und ja, wir haben uns das sehr gut überlegt und ohne einige Seminare zu besuchen, viele Hausbesuche und eine sehr genaue Prüfung kann man ja auch gar nicht Pflegeeltern werden. Wir haben also einen längeren Prozess hinter uns, in dem man mit vielen Fragestellungen konfrontiert wird und sich ein genaues Bild machen kann, ob dieses Modell zu einem passt.
            Und gerade die Besuchskontakten mit den Eltern, die übrigens unter Aufsicht eines Sozialpädagogen und nie ohne uns und zusätzlich immer auf neutralem Boden stattfinden, sehen wir persönlich als einen großer Vorteil im Vergleich zur Adoption. Wir finden es sehr gut für die Entwicklung des Kindes, dass es seine Wurzeln kennt und irgendwann hoffentlich verstehen wird, dass seine Eltern ihn nicht einfach abgegeben haben und ihn nicht nicht-wollten, sondern einfach nicht für ihn sorgen konnten und wir dafür "eingesprungen" sind. Natürlich ist das eine große Aufgabe.

            Wir haben angegeben, dass wir nur ein Kind aufnehmen möchten, bei dem die elterliche Fürsorge und somit die Vormundschaft bei einem Ergänzungspfleger liegt und nicht bei den Eltern. Entscheidungen, die also nicht der allgemeinen Fürsorge entsprechen (allgemeine Arztbesuche, Kindergartenwahl, Kurzurlaube usw. darf man ganz alleine entscheiden), werden mit dem Ergänzungspfleger besprochen. Diesen lernt man ja auch im Vorfeld kennen und kann sich ein sehr gutes Bild machen, ob man sich diese Zusammenarbeit vorstellen kann.

            Bei dem Gespräch mit den Eltern möchte ich nichts erreichen, sondern nur für mich bzw. uns abschätzen können, ob wir die Besuchskontakte "aushalten" können.
            Ich möchte den Eltern ein gutes Gefühl geben, dass ihr Kind gut untergebracht ist und wir alles dafür tun werden, dass der Kleine ein tolles Zuhause hat.
            Trotz guter Vorbereitungen haben wir großen Respekt vor dem Treffen und würden ganz gerne Erfahrungen mit anderen Austauschen, was wurden sie so gefragt von den Eltern, was hat man selber gefragt usw.....

            • (6) 09.01.19 - 09:17

              Euer Jugendamt scheint sehr gut zu arbeiten. Das ist toll, hier übernehmen wir Pflegeeltern den Großteil. Bei uns würde das Gespräch moderiert. Gefragt haben wir selber dadurch nichts. Fragen von den le über uns gab es noch nie.

              • (7) 09.01.19 - 09:26

                Ich bin auch von unserem JGA überzeugt. Ich hätte sehr großen Respekt davor, wenn die Besuchskontakte ohne das JGA wären und glaube das würde ich mir zumindest am Anfang auch nicht zutrauen.
                Dann hoffe ich jetzt mal, dass das Kennenlern-Gespräch auch moderiert ist.
                Wollten die LE bei euch noch nicht einmal wissen wie ihr wohnt, ob es Geschwister gibt usw?

      Hallo linchen112,

      wir hatten unser Gespräch zum Kennenlernen Anfang Oktober. Wir waren sehr aufgeregt, aber auch die Kindsmutter war aufgeregt. Wir haben Fotos unseres Zuhauses mitgebracht und gezeigt, damit sie weiß, wo der Kleine dann leben würde und welche Umgebung. Das hat das Eis ein bisschen gebrochen und durch die gute Moderation einer Mitarbeiterin der Vermittlung, Elternvertretung und dem Jugendamt war ein angenehmes Gespräch möglich. Der erste Eindruck von der Optik und von den geistlichen Fähigkeiten war ein bisschen erschreckend, aber darüber konnten wir hinwegsehen. Leider viel der Mutter dann ein, das sie nach einem halben Jahr wieder übernehmen möchte und das war für uns keine Option. Es ist zwar so, dass allen klar ist, dass Sie den Kleinen nicht wiederbekommen kann aus versch. Gründen, aber um den rechtlichen Weg einzuhalten, mussten erst Fristen abgewartet werden. Wir kennen den Kleinen immer noch nicht. Im Moment überlegen wir, ob wir nicht in diesem Fall sagen wir treten zurück und warten auf das nächste Kind.
      #herzlich Grüße
      herbst2016

      • Vielen Dank für deine Nachricht.
        Das mit den Fotos ist eine tolle Idee. Das werden wir dann glaub ich auch machen.
        Unser Betreuer hat uns zwar nahe gelegt uns nur mit Vornamen vorzustellen und auch nicht zu sagen in welcher Gemeinde wir wohnen, da der Kleine auch eine Sperre für die Meldeauskunft bekommt, falls er bei uns einziehen sollte, aber wir können die Fotos ja so machen, dass man unser Haus nicht direkt zuordnen könnte (wir wohnen in einer sehr kleinen Gemeinde und unser Haus hat einen auffälligen Baustil, wenn man es durch Zufall kennen würde, würde es man sofort wiedererkennen).
        Ich habe auch großen Respekt vor unserem ersten Eindruck. Es wird ja mit Sicherheit nicht so sein, dass die LE (bei uns ist Vater und Mutter bekannt und wird bei dem treffen dabei sein) vom Auftreten und der Optik unsere Freunde sein könnten. Sonst wären sie bestimmt nicht in dieser Situation ihr Kind nicht versorgen zu können.

        Bei uns haben die Eltern auch immer wieder nicht der Fremdunterbringung zugestimmt, aber vorletzte Woche war das Abschlussgutachten mittlerweile schon vor dem Oberlandesgericht und nun ist es fest beschlossen, dass der Kleine in Dauerpflege geht und es quasi keine Rückführmöglichkeiten geben wird. Deshalb haben wir auch erst jetzt den Kindervorschlag bekommen. Der Kleine lebt aber aufgrund dieser ganzen Ungewissheit nun schon 1,5 Jahre in Bereitschaftspflege.

        • "Unser Kleiner" lebt auch schon fast ein Jahr in der Übergangspflege. Und die Fotos habe ich auch aus solchen Persprektiven gemacht die Unser Haus nicht zeigen. Dann sind wir also doch nicht so ein Einzelfall, wie unsere Bearbeiterin immer behauptet. Ist nur schade, dass wir erst den Anruf und dann die Klärung haben. Naja ich tröste mich damit, dass es dann ja besser wird, wenn er ersteinmal da ist.

    (12) 12.01.19 - 12:07

    Habt ihr den kennenlerntermin schon gehabt? Berichte doch bitte Mal wie es bei euch gelaufen ist! Lg

(18) 13.01.19 - 22:57

Hallo,

ich habe diese Erfahrung auch gemacht vor 9 Jahren. Das Jugendamt kam mit der leiblichen Mutter zu mir nach Hause. In der Konstellation war sofort klar welche von den Damen die Mutter ist. Den Eltern ist es in der Regel genauso unangenehm wie Euch. Die leibliche Mutter meines Pflegekindes hat sich dann die Wohnung angeschaut und etwas bei dem Gespräch zwischen dem Jugendamt und uns zu gehört. Direktes Interesse bestand nicht. Ich kann euch nur raten Abstand zu halten, sie nicht in euern Familienverband zu integrieren, feste Telefonzeiten zu vereinbaren, sie kennen kaum Grenzen und reißen einem förmlich den Arm raus.

Heute neun Jahre später, treffe ich mich ohne Jugendamt auf neutralen Boden mit ihr in ganz unregelmäßigen Abständen, theoretisch alle 4 Wochen für 2 Stunden, realistisch 2x im Jahr. Das ist vorallem fürs Kind ganz doof, er ist danach reichlich durcheinander weil sie auch da keine Grenzen setzt. Ein Beispiel noch zum Schluss ich hatte ihr 25!!! Fotos per Whatsapp geschickt und das erste was sie fragte war, ob ich nicht noch mehr für sie hätte 🤨 Ganz wichtig ist das Verbot Fotos in öffentlichen Netzwerken zu teilen, kein Geld zu leihen, feste Telefonzeiten und nicht auf gut Freund machen, ihr macht euch sonst zum "Affen"!

Liebe Grüße und viel Spaß und Kraft für dieses neue ganz andere Leben

  • (19) 18.01.19 - 10:14

    Gestren war das Kennenlernen:
    Das Gespräch lief so anders als wir gedacht haben.
    Ich hatte große Angst davor, dass ich mich vor Hass und Wut auf die Eltern so sehr zusammen reißen muss, dass eine ganz komische Stimmung herrscht, aber so war es nicht eine Sekunde.
    Der Vater ist nicht erschienen und mit der Mutter habe ich so ein Mitleid empfunden, dass ich das ganze Gespräch über mit den Tränen kämpfen musste und diesen Kampf auch nicht durchgängig gewonnen habe.
    Sie tut mir so Leid und sie ist kein schlechter oder dummer Mensch. Sie hat nur einfach so ein großes Pech in ihrem Leben gehabt, das wir uns uns das alle aus normalen Verhältnissen gar nicht vorstellen können. Ihr aller größter Wunsch ist, dass ihr Kind eine tolle Familie bekommt, so eine wie sie nie hatte. Als wir erzählt haben wie wir wohnen und was wir so machen und mögen hat sie immer nur gelächelt und dann gesagt, dass sie sich nie hätte erträumen lassen, dass ihr Kind eine Chance auf so ein tolles Zuhause bekommen kann.
    Ich möchte allerdings trotzdem den Vater kennen lernen bevor wir den Kleinen sehen. Wenn der Vater weiterhin zu Umgangskontakten kommen möchte, dann muss ich für mich wissen auf wen ich mich da einlassen muss. Das JGA versucht das heute alles zu klären und dann wird es nächste Woche erst. Entweder lernen wir den Vater kennen oder wir müssen uns entscheiden, b wir den Kleinen auch ohne dieses Wissen kennen lernen möchten.

    • (20) 18.01.19 - 20:42

      Es ist doch eigentlich meistens so, dass ein Mensch nicht nur gut oder nur böse ist! Es ist super das du Mitleid mit ihr haben kannst. Trotzdem ist sie auch Täter und manchmal ist es schwierig alles unter einem Hut zu bringen. Auch wenn du Mitleid hast, an erster Linie steht das Kind! Den Eltern wird genug Hilfe geboten von verschiedenen Stellen, dass Kind hat nur dich! Vieles wird sich im Laufe der Zeit ergeben. Wir hatten auch viel Mitleid und dass wurde ziemlich fies ausgenützt, hoffe bei euch läuft es anders. Sei aber immer ein bisschen auf der Hut! Spielt der LV denn eine so große Rolle? Wir haben die le erst nach Aufnahme kennengelernt. Für uns war es gut so. Drück euch die Daumen und berichte wie es weiter geht!

      • (21) 21.01.19 - 08:38

        Für uns spielen bei de Elternteile eine wichtige Rolle, weil beide die Umgangskontakte in Anspruch nehmen möchten. ich bin froh, dass unser JGA die Reihenfolge so gewählt hat, dass wir erst die LE Kennenlernen. So können wir relativ nüchtern für uns entscheiden, ob wir uns die Zusammenarbeit mit denen gut vorstellen können.
        Wenn wir den Zwerg einmal gesehen haben, ist es um mich wahrscheinlich eh schon geschehen. Nach der ganzen Kinderwunschzeit löst so ein Kind bei mir immer einen großen Haufen an Emotionen aus.
        Außerdem war der Vater hier die treibende Kraft, die versucht hat, den Kleinen wieder in die Familie zu holen und das Gerichtsurteil angefochten hat. Da unsere größte Angst eine Rückführung ist, möchte ich wissen wer hinter diesem Kampf steht.

        Haben uns aber jetzt mit dem JGA so geeinigt, dass der Vater noch die Woche eine Chance bekommt ein Treffen in Anspruch zu nehmen und wenn das nicht klappt, dann lernen wir doch zuerst den Kleinen kennen.

        • (22) 25.01.19 - 15:48

          Wie ist es denn bei euch weitergegangen?

          • (23) 28.01.19 - 09:34

            Wir haben letzte Woche die Bereitschaftspflege kennengelernt. Sie wollte sich doch erst einmal mit uns alleine ohne den Kleinen treffen.
            Erst war ich um ehrlich zu sein etwas enttäuscht, aber jetzt im Nachhinein war das Treffen super und auch absolut sinnvoll.
            Sie konnte uns viel über den Zwerg erzählen und uns auch Tipps geben, wie wir uns bei dem ersten Treffen verhalten sollen.
            Morgen ist es jetzt endlich soweit. Wir lernen ihn kenne :-) Ich bin mega aufgeregt und habe Angst, dass es nicht so läuft wie wir uns das wünschen!

            • (24) 28.01.19 - 20:12

              Dann wünsche ich Euch ein gutes Kennenlernen morgen.

              • (25) 01.02.19 - 09:40

                @ Kaizy: Habt ihr schon an einem Seminar teilgenommen? Uns hat das sehr für die Entscheidungsfindung um zu wissen, ob wir uns das zutrauen geholfen. Es waren sehr intensive und spannende drei Tage mit interessanten Gruppenarbeiten und auch Erfahrungsberichten von schon aktiven Pflegeeltern.

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