Kaiserschnitt wg. Genitalherpes / Fehler Frauenarzt?

    • (1) 04.12.18 - 11:36

      Hallo zusammen,

      vor einigen Wochen kam unsere Tochter gesund zur Welt, wofür wir sehr dankbar sind.

      Was mir zu schaffen macht ist folgendes. Ich hatte vor Jahren mal eine Erstinfektion mit Genitalherpes. Meine Frauenärztin wusste dies, da ich ihr das bei unserem ersten Gespräch vor Jahren gesagt habe. Sie hatte sich dies auch in meiner Akte vermerkt.

      Die Schwangerschaft verlief gut, ich war mit der Betreuung der Frauenärztin zufrieden und aufgeregt wegen der Geburt. Vier Wochen vor ET bekam ich eine stäke Erkältung und mein immunsystem war geschwächt. Eine Woche vor ET bemerkte ich ein Bläschen am Po und es wurde im Krankenhaus bestätigt, dass es ein herpesbläschen ist. Die Oberärztin empfahl einen Kaiserschnitt, da die Gefahr der Ansteckung zu groß für das Baby wäre, selbst wenn die Bläschen weg gewesen wären. Da die Gefahr trotzdem bestünde, dass sie auch in der scheide / der scheidenflora als Erreger nachträglich noch sein könnten.

      Ich war am Boden zerstört. Habe alles in der Schwangerschaft peinlichst genau beachtet, war im Geburtsvorbereitungskurs wo doch alles auf spontane Geburt aus ist und dann, kurz vor dem Ziel so ein Schlag ins Gesicht. Ich habe eine Woche lang nur geweint, da ich mir selbst Vorwürfe machte warum das jetzt mein Körper mit mir macht und dass alles worauf ich hingearbeitet habe weggenommen wurde.

      Ich habe das Gefühl, dass ich fremdbestimmt gezwungen wurde, keine spontane Geburt zu haben. Ich durfte es noch nicht mal probieren, ich musste mich aufschneiden lassen.

      Natürlich geht das Wohl des Kindes über alles, auch über meine vorherigen Gedanken und Bedürfnisse und wünsche. Das ist klar! Dennoch war und bin ich sehr traurig und enttäuscht. Vor allem da z.B. alle Frauen aus dem Geburtsvorbereitungskurs normal entbunden haben und dies in der WhatsApp Gruppe stolz posten.
      Nur ich als einzige nicht und habe das Gefühl, als hätte ich meine Tochter nicht richtig geboren und sie auch einfach ohne Vorwarnung aus dem Bauch gerissen. Ich hatte keine Wehen, dass heißt sie wusste von nichts. Und ich frage mich ob ihr das geschadet hat...


      Und nun kommt noch ein Punkt. Ich bin wütend. Auf meine Frauenärztin. Habe das Gefühl, sie hat einen Fehler gemacht. Hätte sie mir - wie es in manchen Foren steht - eine Art Prophylaxe mit Aciclovir in der 36. ssw geben müssen? Damit erst gar nichts ausbrechen kann? Hätte sie daran denken müssen? Sie hatte es nicht im Mutterpass vermerkt, dass ich so eine Infektion mal hatte, obwohl sie wusste dass ich sowieso wegen anderen Erkrankungen schon eine Risikoschwangere war. Kurz bevor ich zum geplanten Kaiserschnitt musste, war ich nochmal bei ihr. Sie zog nur die Augenbrauen hoch und meinte „also ich weiß jetzt auch nicht warum sie jetzt einen Herpes bekommen müssen“. Dann hat sie es erst nachträglich in meinen mutterpass eingetragen. Die Frage ist einfach, kann ich ihr noch vertrauen! Hat sie einen Fehler gemacht? Hätte ich auf die Infektion jeden hinweisen müssen?

      Ich habe das Gefühl, ich habe nicht richtig geboren. Nichts klappt. Auch das stillen nicht. Ich bin traurig und weine deshalb immer wieder. Ich kann niemandem den wahren Grund sagen, wenn ich gefragt werde und sage immer etwas von „die
      Werte waren nicht gut“. Es ist wirklich schlimm für mich, auch wenn ich von Herzen dankbar bin dass mein Kind gesund auf der Welt ist.

      Dennoch wird mich die Narbe immer daran erinnert dass ich gezwungen wurde zu etwas, dass ich nie wollte und durch meinen Körper und die Infektion nicht verhindern konnte. Ich bin wütend und traurig zugleich.

      Was meint ihr zu meiner Geschichte?

      • (2) 04.12.18 - 14:54

        Es tut mir leid, dass es nicht so gelaufen ist, wie du es dir gewünscht hast und du jetzt so damit haderst. Aber ich denke nicht, dass es ein Fehler deiner FA war. Die Infektion war vor Jahren, wie du sagtest.
        Ich habe unseren Sohn durch eine Infektion während der Schwangerschaft verloren. Da wurde während der Folgeschwangerschaft natürlich sehr darauf geachtet. Hätten jetzt einige Jahre dazwischen gelegen, wäre es auch anders gewesen.
        Infektionen sind tückisch. Man kann sich noch so bemühen, sie zu verhindern. Da hast weder du noch die Ärztin etwas falsch gemacht.
        Kannst du mit jemandem reden? Wichtig für dich ist, dass du deinen Frieden mit dem Geschehenen machen kannst.
        Es ist zu platt zu sagen, freu dich, dass dein Kind gesund ist. Oder ein Kaiserschnitt ist doch nicht so schlimm.
        Überlege, was dir helfen kann. Nimm deine Gefühle ernst!

        Alles Gute

        (3) 04.12.18 - 16:59

        Ich meine zu deiner Geschichte, dass du schwer damit zu kämpfen hast.
        Ich glaube auch nicht, dass deine Ärztin einen Fehler gemacht hast und ich denke, du solltest dir Hilfe suchen. Es hat nicht so geklappt wie du es dir für euch gewünscht hast und es ist manchmal schwer, davon loszulassen. Jetzt einen "Schuldigen" zu suchen ändert nichts und auch du hast keine Schuld. Es läuft nur nicht immer so wie wir es uns wünschen und erhoffen.

        Ich kann dir nur raten sprich mit deiner Hebamme oder nach Möglichkeit nimm psychische Beratung in Anspruch. Eine Geburt, egal auf welchem Weg, kann das Leben sehr durcheinander bringen.
        Wichtig ist, dass du lernst das Ganze zu verarbeiten, anstatt ausschließlich wütend oder traurig zu sein was nicht ist. Damit soll es nicht vergessen werden, aber ich wünsche dir einen Weg damit deinen Frieden finden zu können.

        LG und alles Gute
        Ana

        (4) 09.12.18 - 07:46

        Hiho, ich kann dir auch nur empfehlen, dir Hilfe zu holen, selbst wenn die Ärztin dir das Medikament gegeben hätte, heißt das nicht, daß es nicht ausbricht. Und stell dir mal bitte folgende Frage, ist es das wert spontan zu entbinden, dadurch aber dein Kind zu verlieren. Diese Herpesinfektion ist für Säuglinge verdammt gefährlich, es kann zu gravierenden Behinderungen und bis zum Tod führen. Wäre es das wert?
        Lg und alles gute

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