Wochenbettdepression?

    • (1) 01.01.19 - 15:51

      Hallo zusammen,

      seit der Geburt gab es immer wieder Tage, an denen ich geweint habe. Teils mit Grund, teils ohne.

      Jetzt ist unser Kind 4 Wochen alt und es ist nicht viel besser.
      Habe von meiner Hebamme nach Rücksprache und natürlich auch Herzausschütten auch Tabletten zur emotionalen Unterstützung bekommen, allerdings helfen die nur bedingt.

      Meine emotionale Aufgewühlheit rührt allerdings nicht daher, dass meine Tochter mich überfordert oder ich sie nicht lieben kann wie man das so oft liest. Sie ist ein so tolles pflegeleichtes Kind und ich liebe sie über alles. Komme auch perfekt mit ihr allein zurecht und sie hat auch einen guten Schlaf.

      Mich stressen die Erwartungen und Erwartungshaltungen von außen extrem.
      Da insbesondere meine Schwiegerfamilie.

      Ich bin momentan einfach nur müde und würde gerne meine Zeit am liebsten in Ruhe mit meinem Kind und Partner verbringen. Ab und zu Besuche von Familie und Freunde sind auch ok. Aber wenn ich bei der Schwiegerfamilie bin oder die hier entgleitet mir gefühlt alles. Sie nehmen einfach ungefragt unser Baby, machen einfach wie sie denken ohne mit uns Rücksprache zu halten (wollen das Kind an andere weiterreichen, umziehen, wollen es pucken obwohl sie die Enge nicht mag etc.). Dazu hagelt es unnötige Ratschläge und ich werde generell nicht für voll genommen (warum machst du das so und so, trag sie nicht so viel rum). Sie wissen alles besser, haben ihre Kinder aber früher geschlagen (teilweise mit einem Gürtel, für mich ein absolutes Nogo und verspielt bei mir alle Chancen, mir da Tipps zu geben).
      Sie kennen es auch eher so, dass die Enkel quasi am Wochenende und in den Ferien dort wohnen. Wenn die Kleine alt genug ist wird sie da auch mal übernachten, nur habe ich halt kein Kind bekommen um es dann permanent abzuschieben.

      Ich hatte schon vor der Geburt meine Probleme mit den Eltern meines Mannes, aber jetzt noch mehr. Sie kommen gebürtig aus Russland und haben daher auch gewisse andere Ansichten. Sie sind allerdings dazu noch empathie- und rücksichtslos, grenzüberschreitend und extrem übergriffig.
      Sie erwarten auch heute noch, dass mein Mann springt wenn sie rufen (er muss so viele Dinge für sie regeln was einfach auf Faul- und Unselbstständigkeit beruht) und wollen uns sagen, wie wir uns verhalten sollen. Wir sind vor kurzem umgezogen und da meinte Schwiegermutter, dass mein Mann die Elternzeit ja nutzen könnte, um Kisten auszupacken (was hat er denn sonst groß in der Zeit zu tun meinte sie). Generell will sie einem immer sagen, wie wir sagen zu regeln haben haben oder will alles ganz genau wissen (sie fragte ernsthaft wie viel Elterngeld ich bekomme). Sie wäre wohl auch gerne jeden Tag hier (ist meine Mutter jetzt auch nicht). Einmal kamen beide unangemeldet und ich öffnete die Tür in meiner Schlafanzughose, gab es Kommentare wie jetzt um die Uhrzeit, obwohl ich gerade dabei war das Mittagessen zu kochen. Die SM kann eh nicht verstehen, wie man Ruhe und Zeit alleine braucht.
      Der Schwiegervater ist auch so eine Nummer. Er wirft mir jedes Mal etwas Beleidigendes an den Kopf (hatte mal extreme Hautprobleme, da meinte er wie das denn aussehn würde; alle Einzelkinder wären ja furchtbar egoistisch, ich und mein Kind sind wohlgemerkt auch welche; einmal ich hätte ja extrem zugenommen obwohl dem nicht so war uvm.).
      Leider wird dort auch oft ausschließlich russisch gesprochen und deshalb kann ich mich oft nicht am Gespräch beteiligen.

      Sage ich, ich möchte das so nicht oder finde den Kommentar unangebracht, verstehen mich beide leider nicht wirklich, da sie nicht gut deutsch sprechen.

      Ich kann es verstehen, dass sie eine andere Einstellung zu gewissen Dingen haben, nur sehe ich es nicht ein, nur nach deren Sicht zu handeln.
      Ich hab oft mit meinem Mann darüber gesprochen und er sieht es auch wie ich, nur traut er sich das nicht wirklich bei seinen Eltern anzusprechen... ich habe mich bisher noch zu angreifbar gefühlt und die Sprachbarriere beschwert alles noch mehr.
      Ich will einfach nicht, dass meine Schwiegermutter meint, sie müsse sich so bei uns einmischen. Macht meine Mutter auch nicht. Sie kapiert einfach nicht, dass wir jetzt unsere eigene kleine Familie mit ihren eigenen Regeln sind und ich jetzt auch noch etwas Schonung brauche. Ich will ihr ihre Enkeltochter ja nicht vorenthalten, aber ein teilweise so respektloses Verhalten muss ich mir ja nicht gefallen lassen.

      Achja, bevor wer meint, sie habe ja auch schließlich meinen Mann so toll hinbekommen: nee, war nicht ganz nur ihr Verdienst. Er ist quasi mit 16 bei seiner ersten Freundin eingezogen und deren Eltern hatten ihm seine Ausbildungsstelle und auch viel Soziales vermittelt. Außerdem konnte er mit Problemen nie wirklich zu seinen Eltern gehen bzw. wissen sie vieles von ihm nicht (dass er bspw. gerne einen über den Durst trinkt). Er hat eine ganz merkwürdiges Verhältnis zu seinen Eltern. Mit meinen versteht er sich allerdings blendend.

      Es ist so schwer für mich gerade und wenn ich an die Personen denke, bin ich komplett niedergeschlagen und fühle mich ausgeliefert. Ich führe ansonsten ein selbstbestimmtes Leben und nur weil ich ein Kind habe, will ich das nicht aufgeben. Meine Familie und Freunde verstehen das und sind da meiner Meinung.
      Ende der Woche kommt meine Hebamme nochmal vorbei und ich rede dann wieder mit ihr.

      Kennt das vielleicht sonst noch wer? Ich habe Angst, dass sich daraus eine Wochenbettdepression entwickelt bzw. möglicherweise schon vorhanden ist.

      • Bitte fühl dich mal gedrückt....

        Ich habe genau vor 3 Wochen entbunden und mir ging es genau so...

        Ich liebe mein Baby und ja einfach ist das nicht die kolliken sind da und die schlaflosen Nächte ebenfalls aber ich habe teilweise nur wegen meinen Schwiegereltern geweint. Sie meinen, sie würden slles besser wissen und mischen sich noch heute ein...ich saß in Bad und hab einfach los geheult...ach da gibts Storys.


        Ich habe nach 2 Wochen eine Ansage gemacht und seit dem halten die sich alle etwas zurück.


        Es ist dein Kind und nicht die von deiner Schwiegermama und du hast Zusagen . Wenn die unbedingt ein Kind großziehen möchte dann soll die doch bitte eins machen(sorry) 😳😂

        • Tut mir echt leid für dich, dass Du ähnliche Erfahrungen machen musst.

          Ich finde es aber toll, dass Du die Kraft gefunden hast, dich zu behaupten. Ich muss das auf jeden Fall auch tun...

          Es kam mir auch schon in den Sinn, ihnen zu sagen, dass sie sich selbst ein Kind machen sollen 😂

      (4) 01.01.19 - 16:24

      Du musst erstmal mit deinen Mann reden, wie es dir geht/wie du dich fühlst. Wichtig ist dass ihr beide zusammenhaltet. Wenn dir das momentan zuviel ist, dann sag das deinen Mann. Und was Ratschläge angeht musst du auf Durchzug schalten. Ich weiß selbst wie schwer das ist 🙈
      Setze klare Grenzen. Das geht allerdings nur wenn du und dein Mann an einem Strang ziehen.

      • Mein Mann weiß eigentlich wie es mir geht. Er bekommt ja mit wie viel ich heule, nur so richtig scheint es bei ihm dann aber doch noch nicht angekommen zu sein.

        Wie gesagt, er ist da schon mit mir einer Meinung, dass wir das so nicht wollen, aber bei seinen Eltern verlässt ihn dann scheinbar der Mut, mal auf den Tisch zu klopfen.
        In mir schwillt das Ganze und ich würds einfach gern sofort geklärt haben.

    Huhu,
    Ich kann verstehen wie du dich fühlst, meine Eltern kommen auch aus der ehemaligen udssr und sind auch häufig übergriffig, meinen alles besser zu wissen (Ist tatsächlich leider oft ein kulturding, die allwissenden Eltern...). Ich wollte zB am Tag der Geburt keinen Besuch haben, weil ich körperlich und emotional fertig war. Wusste aber, dass sie das nicht verstehen würden. Habe daher nichts gesagt, sondern sie kommen lassen und es bereut, weil es so stressig war. Nicht, dass man das falsch versteht, ich liebe meine Eltern unf würde alles für sie tun aber häufig verstehen sie mich nicht und sehen meine Emotionen als "Schwäche" an... naja die Wochen nach der Geburt musste ich dann lernen Ihnen Grenzen aufzuzeigen. Und besonders in dem Hormonwahnsinn und babyblues ist das sehr schwierig sich zu behaupten, ich fühle absolut mit dir!!

    Aber glaub mir, es wird besser, wenn ihr euch klar äußert ! Und da MUSS dein Mann "sich trauen" ! Du und dein Baby seid jetzt seine Familie, die es zu beschützen gilt. Jetzt muss er ein Mann sein und nicht mehr nur der Sohn. Es geht nicht, dass du dir die Augen ausheulst und er das so hinnimmt aus Angst vor seinen Eltern.

    Liebste Grüße und ganz viel Kraft! spätestens, wenn die Hormone sich eingependelt haben und der Alltag mit Baby einkegehrt ist, wirds bei dir besser klappen mit dem "behaupten"! Aktuell ist alles so neu, dass man sich erstmal sortieren muss

    • Achso und bezüglich einer möglichen Depression, kann dir hier wahrscheinlich keiner eine Antwort geben... ich würde raten mit dem gynäkologen oder hausarzt zu sprechen !

      Vielen Dank, dass Du deine persönlichen Erfahrungen hier teilst.

      Du weißt noch mehr, was ich "durchmache" und es gibt noch tausend andere Dinge, die ich hier erzählen könnte... Aber es macht mir Hoffnung zu lesen, dass es eine Aussicht auf Besserung gibt.

      Dir auch weiterhin viel Kraft 😊

Ich finde nicht dass du eine klassische Wochenbett Depression hast. Bei dem was du erzählst würde jeder wahnsinnig werden. Ich finde sowas geht gar nicht. Im Forum liest man öfter von solchen Horror-Familien. Mir kommt bei den Schilderungen die Galle hoch. Aber was soll man den Betroffenen raten? Ich würde klar Abstand zu der Familie nehmen. Denn ändern tun sich solche Leute kaum. Ich würde mich dem Theater nicht aussetzen. Ich würde erwarten dass mein Partner mich unterstützt und klar hinter mir steht. Sollte er dazu nicht in der Lage sein wäre dies für mich ganz klar ein Trennungsgrund.

  • Kein Thema birgt so viel Zündstoff zwischen meinen Mann und mir als seine Eltern. Das war schon lange so bevor wir überhauot daran dachten, ein Kind zu bekommen. Ich fühlte mich nie sonderlich wohl dort, aber jetzt ist es halt noch extremer. Es geht hier ja nicht mehr nur um mich, sondern auch mein Kind.
    Und ja, in ganz schlimmen Phasen, in denen ich mich hilflos fühle, denke ich auch manchmal an eine Trennung. Aber dann denke ich mir, das nur wegen diesen Leuten?

    • Das ist wirklich traurig. Solange dein Mann nicht endlich seine Eier findet und auf den Tisch schlägt werden sich seine Eltern auch nicht ändern. Es ist vorbei mit kleiner Junge sein. Er ist ein Mann, der gefälligst dich und sein Kind zu schützen hat. Wie gesagt, für mich wäre diese Beziehung beendet. Der Mann dürfte sich dann bei seinen Eltern bedanken, dafür was sie ihrem eigenen Kind angetan haben nämlich eure Beziehung zerstört.

Ihr habt euch davor nicht abgegrenzt und müsst es halt jetzt lernen. Ihr seit jetzt Eltern. Schade dass dein Mann nicht den Arsch in der Hose hat mit seinen Eltern zu besprechen.

  • Ich danke euch, dass ihr euch die Zeit genommen habt, um den langen Text zu lesen, mir die lieben Worte geschenkt und auch eure Erfahrung geteilt habt.

    Ich bin auch froh, dass hier viele verständnisvolle Leute sind. In meinem Umfeld ist das auch der Fall, die meisten kennen meine Schwiegereltern ja auch persönlich und finden sie auch echt anstrengend.
    Ich habe mich auch mal in einem anderen Forum darüber ausgetauscht und da kam öfter, ich müsste mich damit abfinden, da es die Eltern meines Mannes sind und sie einfach dazugehören. Ähm ja.

    Also mein Mann ist da wie gesagt schon bei mir, nur irgendwie ist er bei seinen Eltern dann wieder der kleine Junge... mivh nervt das auch schon gewaltig.

    Ich habe mich da schon eigentlich abgegrenzt und war nicht oft dort, leider wird das aber mit Kind schon erwartet. Mir tut es aber einfach nicht gut. Die SE können schon nett sein, sind aber überwiegend einfach nur anstrengend.

    Meine Vermutung der Wochenbettdepression kommt daher, weil mich das Thema dermaßen beschäftigt, dass ich tagelang kaum an was anderes denken kann und es mich einfach nur traurig macht. Ich befinde mich da in einer absoluten Gedankenspirale und kann die tolle Zeit mit meiner Maus nicht so genießen, weil ich immer Angst habe, man erwartet dies und das und die Schwiegerfamilie nimmt mir quasi die Maus weg. Ich will da einfach nicht mehr hin.
    Komisch finde ich aber, dass sie sich so mit unserem Kind verhalten, ansonsten aber echt kalt sind.

    Übrigens hat mich die SM nur einmal während der Schwangerschaft gefragt, wie es mir geht und als ich zu der Zeit unter extremer Übelkeit litt meinte sie nur, da müsse ich eben durch. Sehr einfühlsam zu dem Zeitpunkt... und nach der Geburt kam auch nie mal die Frage, wie es mir geht. Man muss in ihren Augen einfach funktionieren (hier passt auch, dass Emotionen als Schwäche gewertet werden).

    Ich werde wie gesagt auf jeden Fall nochmal mit meiner Hebamme darüber sprechen und in diesem Monat steht auch ein Termin bei meiner Frauenärztin an. Da werde ich das Thema nochmal angehen wenn es immer noch so akut ist.

    Ja, ich habe mich halt schon abgegrenzt, nur ist hier ja ein neuer Mensch im Spiel und alles wurde durch deren Erwartungen, wie sie mit ihrem Enkel umgehen, auf Null gesetzt.
    Und das mit dem A... in der Hose ist echt der richtige Ausdruck dafür 🙄

    • Ich glaube in erster Linie müsst ihr beide euch im klaren sein was ihr wollt. Wenn der Konflikt zwischen dir und deinem Partner gelöst ist hat sich auch ein Teil eures Problems geklärt.

Egal ob Depression oder nicht: wenn es dir hilft, warum sprichst du nicht einmal mit einem Therapeuten/in? Ich hatte/habe eine Depression (schon vor der SS und Geburt) und frage mich öfters warum ich nicht schon vorher zu einer Gesprächstherapie gegangen bin. Meine Therapeutin hat so gute Vorschläge wie ich Probleme angehen kann und hilft mir auch bei von dir oben beschriebenen Problemen.

Wenn du dich nicht wohl fühlst, dann gibt es kein zu bald für sowas. Sprich doch mal mit deinem Mann über deine Gefühle.

Was nimmst du denn zur emotionalen Unterstützung? Eine Hebamme darf doch nichts verschreiben 🤔

Alles Liebe!

  • Danke für den Tipp. Ich weiß halt von Freunden, dass es durchaus länger dauern kann, bis man einen Therapeuten gefunden hat, der einen aufnimmt.

    Ich nehme gerade Neurodoron, meine Hebamme hat es mir auch nicht auch nicht im klassischen Sinn verschrieben, das ist ein freiverkäufliches Mittel ☺

    • Ja, da hast du recht. Es kann echt eine Zeit lang dauern, bis man einen Therapeuten findet. Sehr kontraproduktiv für viele, da oft schnelle Hilfe notwendig wäre. Ich hätte damals fast 3 Monate warten müssen, was in meiner Situation nicht in Frage gekommen wäre. Ich hab mir dann eine Wahltherapeutin genommen - mir werden nun 80% der Kosten von der Kasse erstattet.

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