Trauma? Nicht gewünschter / ungeplanter Kaiserschnitt

    • (1) 28.01.19 - 18:36

      Ich habe vor einigen Wochen auf Grund gesundheitlicher Beschwerden bei 39+0 gezwungenermaßen einen Kaiserschnitt machen müssen, damit unser Kind gesund auf die Welt kommt. Was auch die einzige vernünftige und richtige Entscheidung war!

      Ich liebe unser Kind. Ich bin stolze Mama. Jedoch habe ich immer wieder Probleme damit, dass ich ohne eine einzige Wehe herhabt zu haben gezwungen war, den geplanten Kaiserschnitt durchführen zu lassen. Das stillen hat auch überhaupt nicht geklappt.

      Ich merke einfach, dass ich neidisch bin auf Frauen, die normal entbunden haben, so wir alle anderen aus meinem Geburtsvorbereitungskurs. Ich sehe, dass ich Kontakte mit Frauen die normal entbunden haben irgendwie nur schwer zulassen kann, weil ich das Gefühl habe, nicht wirklich entbunden zu haben. Ich bin enttäuscht über meinen Körper und habe Angst, dass der Kaiserschnitt langfristig meinem Kind geschadet hat (zB Durchsetzungsvermögen).

      Ich denke oft, dass ich als Schwangere / Frau / Mutter versagt habe. Ich habe alles getan, damit die Schwangerschaft gut verläuft. Und bei 39+0 hatte ich keine Wahl! Ich musste es machen lassen. Und jetzt komme ich damit nicht klar. Ich könnte weinen...

      Ja, ich weiß. Es gibt auch Geburten die sehr hart sind. Und ich weiß dass man froh sein muss wenn alles gut geht. Aber ich habe mir so von Herzen gewünscht eine normale Geburt zu haben, es zu probieren, mein bestes für mein Kind zu geben.

      Stattdessen lag ich wie ein Stück Vieh auf einer metallpritsche, wurde aufgeschnitten, das Baby wurde mir nur kurz gezeigt und dann ging es direkt weg zum untersuchen mit meinem Mann. Ich war nach der Geburt 2 Stunden nicht dabei, da ich im Aufwachraum alleine lag. Diese Zeit fehlt mir. Ich weiß nicht ob es jemand verstehen kann.

      Es gab danach nur Probleme, wir durften nicht im kreisssal mit dem Baby kuscheln da überbelegt. Das stillen klappte nicht. Unser Baby hat fast drei Monate am Stück nur geweint und Koliken gehabt. Irgendwie hatte ich mir das alles anders vorgestellt. Manchmal habe ich Angst, dass unser Kind durch den Kaiserschnitt nicht so die Bindung zu mir hat wie normal geborene. Und ob es sich verlassen gefühlt hat, da ich nach der „Geburt“ nicht gleich für es da sein konnte.

      Ich merke einfach, dass ich mich mit Müttern die normal geboren haben nicht so verbunden fühlen kann. Da ich da nicht mitreden kann. Ich bin mittlerweile sehr zurückgezogen.

      Manchmal habe ich das Gefühl ich bin neidisch / eifersüchtig. Oder dass ich keine richtige Mama bin weil ich nicht richtig geboren habe. Ich weiß es sind dumme Gefühle aber ich bin manchmal einfach traurig wie alles kam.

      • Hallo

        Nun fühle dich erst einmal ganz lieb gedrückt! Du kannst deine Gefühle und Gedanken super auf den Punkt bringen. Ich verstehe was du meinst und kann auch deine Enttäuschung verstehen!

        Ich kann dir nur von mir erzählen. Ich habe vor über 1 1/2 Jahren meinen wundervollen Schatz zur Welt gebracht. Es war zwar eine natürliche Geburt aber dafür traumatisch (Einleitung, Wehensturm, 3 Stunden Presswehen, Dammschnitt und Dammriss, Saugglocke, manuelle Plazenta Ablösung im OP, Blutverlust...). Sehr sehr lange war ich tierisch neidisch auf Frauen, die es aus meiner Sicht leichter hatten. Die nach der Geburt einfach kuscheln konnten und bei der U1 dabei waren. Ich durfte das nicht, da ich im OP lag... Und ganz lange habe ich damit zu kämpfen gehabt. Auch ich habe meinen Sohn 2 Stunden nach der OP nicht gesehen. Und konnte erst Tage nach der Geburt aufstehen und ihn versorgen. Ich war am Ende!

        Aber ich kann dir sagen: Es wird besser und leichter. Ein Jahr lang habe ich wirklich jeden Tag an die Geburt gedacht und mich immer und immer wieder gefragt "warum ich? Warum musste mir so etwas passieren!?" Ich sehe meine Geburt als Trauma an!
        Aber mittlerweile wird es besser. Ich habe keine psychologische Hilfe in Anspruch genommen aber habe nicht nur einmal darüber nachgedacht. Mittlerweile kann ich stolz auf mich sein, was ich geschafft habe.

        Und nun nochmal explizit zu dir: du und dein Körper, ihr habt Höchstarbeit geleistet. Du hast deinem Kind die aller besten Voraussetzungen geschenkt, eine gesamte Schwangerschaft in deinem Körper verbringen zu dürfen. Du bist so stark! Du hast eine sehr große Bauch OP (Kaiserschnitt) auf dich genommen, da du dich in den Hintergrund gestellt hast und nur zum Wohle deines Kindes entschieden hast. Sei stolz auf dich. Du hast alles für dein Kind getan.

        Eine Freundin hat spontan und unkompliziert entbunden ohne Verletzungen usw und das Kind hat 3 Monate durchgeschrien. So pauschal kann man die Geburt auch nicht mit dem Verhalten des Kindes vergleichen.

        Glaub an dich und das was du geleistet hast. FÜR dein Kind!
        Alles alles Gute!!

        Sei doch froh dass du dir die schmerzen gespart hast.
        Die bindung zum kind kannst selbst bestimmen. Glaub nicht dass das mit der geburt viel zu tun hat

        • Wenn man nichts zur Sache beitragen kann, kann man auch einfach mal gar nichts schreiben.

          Und wenn du denkst, dass ein ks schmerzärner ist als eine normale Geburt, dann hast du dich aber ganz gewaltig geschnitten.
          Die Schmerzen hast du dann halt nicht während der Geburt, sondern danach, wenns blöd läuft wochenlang.

          Lg waldfee

          • Und wenn es gut läuft auch gar nicht.

            Jede Geburt ist anders. Es gibt auch Frauen mit Kaiserschnitt , die kaum Schmerzen haben und 2 Tage nach der OP wieder relativ fit sind. Und Frauen, die nach der natürlichen Geburt 1/2 Jahr schmerzen haben weil sie komplett gerissen sind. Oder sogar dauerhaft stuhlinkontinent werden.

            • Guten morgen.

              Ich weiß, wie ein ks ist und wie es danach ist.
              Ich hatte selbst schon zwei und der dritte folgt demnächst.

              Mir ging es nach beiden ks relativ schnell wieder gut, keine 24 h danach konnte ich schon auf der Station rumlaufen (gut, kriechen trifft es eher) und mich alleine um meine Kinder kümmern, aber zu sagen nach einem ks hätte man keine Schmerzen halte ich für sehr fragwürdig. Und was gar nicht geht in meinen Augen, ist zu sagen mit einem ks spare man sich den geburtsschmerz, Geburt ist immer mit Schmerzen verbunden, egal ob spontan oder ks.

              Mit einer guten schmerzmedikation ist es ganz klar gut auszuhalten und wird mit jedem Tag besser, aber die Narben und verwachsungen sind ein Leben lang da, bei der einen machen sie gar keine Schwierigkeiten, bei den anderen mehr.

              Klar trifft das auch auf die Folgen komplizierter spontangeburten zu. Auch das habe ich schon im Bekanntenkreis mitbekommen.

              Aber wie du sagst, jede Geburt ist anders, jede hat ihre Risiken, das ist aber kein Grund die eine Geburtsart zu glorifizieren und die andere schlecht zu machen.

              Lg waldfee

      Hallo du.

      Ich kann dich so gut verstehen!

      Mir ging es nach meinem ersten ks ganz genauso!

      Und du hattest ja auch echt die denkbar ungünstigsten Voraussetzungen, um mit dem ks gut klar zu kommen.

      Es ist eine absolute Schande, dass es immer noch Kliniken gibt, die das Bonding beim ks so vernachlässigen, wo es doch gerade da so wichtig wäre.

      An deiner Stelle würde ich mich schriftlich bei der Klinikleitung beschweren, wie das abgelaufen ist, bei einer spinalanästhesie muss Frau doch nicht stundenlang im aufwachraum liegen und selbst wenn im Kreißsaal kein Platz war, hätte man dir dein Baby ja in den aufwachraum bringen können. Völlig unverständlich sowas!

      Aus persönlicher Erfahrung kann ich dir die Bücher von Brigitte Renate Meißner empfehlen, das ist eine Schweizer Hebamme, die sich u.a.auf die Verarbeitung traumatische Geburten spezialisiert hat.
      Diese Bücher haben mir sehr geholfen, den ks zu akzeptieren und meinen Frieden damit zu machen.

      Denn es ist absolut legitim, dass du wütend, traurig, neidisch und verzweifelt bist, dass dein Wunsch nach einer spontangeburt nicht in Erfüllung gegangen ist. Gefühle sind niemals dumm, sie zeigen uns was wir brauchen und was wichtig ist, auch wenn der Verstand das manchmal anders sieht. Das ist ein trauerprozess und du darfst und sollst diese Gefühle zulassen, damit du sie irgendwann loslassen kannst. Wenn dir danach ist zu weinen, dann weine!

      Deine Qualitäten als Frau und Mutter hängen ganz sicher nicht davon ab, wie du dein Kind geboren hast!

      Sieh es mal anders, du hast deine Wünsche und Vorstellungen hintangestellt, um euer beider Leben und Gesundheit zu schützen. Dazu gehört schon einiges an Größe und Stärke und so hast Du auch Dein bestes für Dein Kind gegeben, nur eben auf andere Art und Weise.

      Rede über deine Gefühle, mit Menschen, denen du vertraust und die sich verstehen und wenn du so nicht weiter kommst, hol dir professionelle Hilfe.

      Und dein Kind wird auch sicher keine bleibenden Schäden durch den ks davontragen.

      Ich habe mittlerweile zwei ks Kinder und das dritte kommt demnächst. Bei meinen beiden großen Weibern kann ich bisher keinerlei Unterschiede zu spontangeborenen Kindern feststellen.

      Und bei deinem Absatz ".... und habe Angst, dass der Kaiserschnitt langfristig meinem Kind geschadet hat (zB Durchsetzungsvermögen)..." musste ich echt lachen, das ist aber bestimmt nicht böse gemeint. Meine zweite Tochter kam auch per geplanter sectio, also ohne wehen vorher, zur Welt (die erste sectio war unter der Geburt nach geburtsstillstand) und von mangelndem Durchsetzungsvermögen kann bei ihr nun wirklich keine Rede sein, ganz im Gegenteil. Sie ist jetzt drei und wenns sein muss legt sie sich auf dem Spielplatz auch mal mit Jungs an, denen sie gerade bis zum bauchnabel reicht... Das hat wohl mehr mit dem ganz eigenen Temperament des Kindes zu tun, das von der Art der Geburt wohl weniger beeinflusst wird als von genetischen Faktoren.

      Wenn du jemanden zum "reden" brauchst, dann darfst du mir gerne eine pn schicken.

      Lg waldfee

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