Ich weis nicht, was ich machen soll...

Hallo!
Ich spiele mit dem Gedanken, bei meiner jetzigen, dritten Geburt im Sommer, einen „Wunschkaiserschnitt“ machen zu lassen.
(Falls dies möglich sein sollte)

Ich weis, viele können das überhaupt nicht verstehen, aber bei mir hat es psychische Gründe.

Die erste Geburt meines Sohnes war der Horror. Ich hatte eine SS-Vergiftung, zwei Wochen lang hat man versucht, einzuleiten weil es mir und dem Kind nicht gut ging. Ständig haben die Ärzte an mir „rumgedoktert“ von Gel, über Tabletten, Wehentropf... Dann musste alles schnell gehen und in einer „hau ruck“ Aktion wurde mir durch eine Hebamme die Fruchtblase eröffnet. Ich war total überfallen davon, weil eigentlich wieder nur CTG geschrieben werden sollte. Da hieß es plötzlich, „nein, wir wollen endlich, dass das Kind heute kommt“
Mein Sohn wurde dann mit Hilfe von 2 Ärzten und einer Saugglocke regelrecht herausgezogen/herausgedrückt.
Danach war er noch 3 Wochen auf Kinderstarion, weil er die Geburt überhaupt nicht vertragen hat.
Und ich hatte daran wirklich zu knabbern.

Die zweite Geburt sollte die erste wieder versöhnlich machen. Aber die Hebamme hat die Geburt „versaut“ hat mich während der Geburt angeschrien, ich wurde von ihr ziemlich allein gelassen und ich habe mich überfordert gefühlt.
Ihre Worte „stellen sie sich nicht so an, ist doch ihr 2tes Kind, sie wissen doch wie eine Geburt abläuft“ Mir wurden Schmerzmittel verweigert, weil sie der Meinung war, eine Geburt muss so natürlich wie möglich sein. Ich wurde wieder total übergangen, wie bei der ersten Geburt.

Jetzt hadere ich mit mir, was ich tun soll... ich möchte einfach mal eine schöne Geburt haben, habe aber Angst, dass mich keiner versteht oder wieder nicht auf mich eingegangen wird.
Ja ich weis, ein Kaiserschnitt ist auch kein Spaziergang, sondern eine Bauch-OP, aber ich habe dabei das Gefühl, endlich mal mitentscheiden zu können...

Sorry für den langen Text. Ich mache mir einfach jetzt schon total viele Gedanken.

LG Sally

1

Hallo,

es tut mir sehr leid, wie deine Geburten abgelaufen sind. Das sollte keiner Frau wiederfahren.
Deinen Wunsch nach einem Kaiserschnitt kann ich verstehen, ich sage dir aber ehrlich, dass es nicht mein Weg wäre.

Ich persönlich würde mir eine Beleghebamme suchen oder ins Geburtshaus oder eine Hausgeburt anstreben.
Ist das alles nicht möglich (war bei mir auch nicht machbar), würde ich mir eine gute, einfühlsame Vorsorgehebamme suchen und mich mit ihr zusammen auf die Geburt vorbereiten.
Darüber hinaus würde ich lesen, lesen, lesen. Ich kann die Bücher"Alleingeburt" von Schmid, sowie "Die selbstbestimmte Geburt" von May Gaskin empfehlen. Mit Hypnobirthing habe ich mich nicht eingehend beschäftigt, aber einige Elemente konnte ich für mich umsetzen.

Nach einer vollkommen fremdbestimmten ersten Geburt liefen die zwei nachfolgenden komplett anders ab.
Bei der dritten Geburt vor zwei Wochen war ich nur eine Stunde im Krankenhaus und mein Sohn war auf der Welt. Ich hatte zu jedem Zeitpunkt das Gefühl, dass ich alles im Griff habe und ich sage, wo es langgeht.
Allerdings hat mir die Hebamme im entscheidenden Moment einen hilfreichen Tipps gegeben, der die Geburt doch erleichtert hat. Etwas Vertrauen muss man also haben.

Vor der zweiten Geburt habe ich hart an mir gearbeitet und vor allem die Geschehnisse der ersten Geburt aufgearbeitet.
Vor der dritten Geburt habe ich mir sehr viele Gedanken gemacht und auch immer wieder eine Alleingeburt in Betracht gezogen. Das nötige Selbstbewusstsein hätte ich gehabt und das hat mir auch im Krankenhaus wahnsinnig geholfen.

Vielleicht magst du zunächst über Alternativen zum Kaiserschnitt nachdenken.
Ich konnte wenige Stunden nach der Geburt das Krankenhaus wieder verlassen. Es war toll :-)

LG

2

Das ist alles echt kacke gelaufen :(

Ich verstehe dich gut. Ich wurde beim ersten eingeleitet, lag 48 Stunden im wehensturm. Mein zweites Kind kam per wunschkaiserschnitt und ich bereue es kein bisschen! Der KS war viel schöner als die vaginale Geburt für mich. Und mir ging's danach auch sehr schnell wieder gut.

Natürlich kannst du, wie die andere userin schrieb, dich gut vorbereiten, mit einer Hebamme, die dich begleitet oder auch einer zusätzlichen Person im kreissaal, als "anwalt" für dich, die auch durchsetzt, was du möchtest.

Wichtig ist, das es dir gut gehen muss mit der Entscheidung. Wenn du nicht pokern willst, dann wähle den KS. Wenn du es probieren möchtest, dann mach dich auf den Weg und such dir die richtigen Leute zusammen, damit du dich gut fühlst, wenn es los geht.

Alles gute!

3

Danke für eure Ratschläge.

Eine geeignete Hebamme ist bei uns so eine Sache. Ich suche jetzt schon seit 7 Wochen nach einer, aber ich hatte noch keinen Erfolg. Da ich Ende Juli/Anfang August ET habe, sind viele im Urlaub. Noch nicht mal „nur“ zur Nachsorge konnte oder wollte mich bis jetzt eine aufnehmen.

Das mit den Büchern ist ein super Tipp, belesen werde ich mich auf jeden Fall, sowohl in die eine, als auch in die andere Richtung 👍🏻

Ich habe einfach Angst davor, dass ich bei den Ärzten überhaupt kein Gehör bekomme oder mein evtl. Wunsch sofort abgeschmettert wird.

Denn um ein Gespräch im Krankenhaus zu bekommen, muss ich ja erst einmal mit meiner FÄ sprechen und alleine das wird schon ein Kampf.
(Sie überweist seeeeehr ungern ins KH, denn sie ist der Meinung, solang keine medizinische Indikation vorhanden ist, bräuchte ich auch kein Gespräch im Krankenhaus) das kenne ich schon aus der 2. SS.

Aber alleine ein Gespräch im Krankenhaus würde mir evtl. schon etwas helfen.

4

In dem Falle, Wende dich an eine andere FÄ!

weitere Kommentare laden
7

Deine Geburten lesen sich sehr dramatisch und nicht selbstbestimmt. Deine Beweggründe kann ich daher voll verstehen.

Ich strebe ebenfalls einen Kaiserschnitt an, obwohl meine 2. und 3. Geburt recht selbstbestimmt waren im Geburtshaus. Dennoch kam es auf Grund des Geburtsgewichts zu Komplikationen und mein Beckenboden hat dauerhaften Schaden genommen.

Ich habe.mich intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt, viel gelesen zum Thema und jeder sagt mir das muss nicht wieder so sein. Aber jetzt habe ich nicht mal mehr die Möglichkeit Geburtshaus oder Beleghebamme, sondern muss nehmen was kommt und von Selbstbestimmung kann bei unseren Krankenhäusern nicht gerade die Rede sein. Also bin ich irgendwie schon negativ eingestellt. Auch meine Hebamme hat viel mit mir gesprochen, konnte aber meinen Argumenten nur wenig entgegen setzen.

Also habe ich in der 30. SSW meinen Arzt konkret angesprochen, in der 34. SSW wieder und er wollte das ich es mir noch bis zu 36. SSW überlege. Morgen habe ich den Termin zur Geburtsplanung für den Kaiserschnitt im Krankenhaus meines Frauenarztes, muss dafür auch weiter fahren. Er ist dort Belegarzt und sagt, ich kann mich bis zum Schluss umentscheiden.

So gern ich eine spontane Geburt hätte, die Panik das wieder was passiert ist zu groß. Leider kann ich damit nicht direkt nach Hause, die schönen ersten Tage Zuhause verschieben sich somit.

Insgesamt erscheint es mir wie dir, ich habe das Gefühl es ist "planbarer". Und damit meine ich nicht den Zeitraum, sondern die Geburt selbst erscheint mir nicht so unberechenbar.

LG und alles Gute
Ana

8

Ja, genau so sehe ich es auch.

Es ist ja nicht so, dass ich eine spontane Geburt jetzt generell verteufel, aber auch ich möchte mich einfach nach den zwei vorangegangenen Geburten bei der nächsten nicht nochmal so ausgeliefert fühlen. Das Gefühl ist einfach schrecklich!

Ich kann natürlich Ärzte verstehen, die mit mir das Für und Wider eines Kaiserschnittes besprechen und dass die meisten auf natürliche Geburten plädieren. Allerdings habe ich dieser Art von Geburt 2x vertraut und wurde enttäuscht 😔.
Und ich frage mich die ganze Zeit, wie ich wieder das Vertrauen in eine spontane Geburt bekommen soll....

Dein Argument mit dem „planbar“ würde ich auch so unterschrieben und ich denke, dass jede Frau, die sich für ein Kind entscheidet, auch die Entscheidung treffen darf, wie sie ihr Kind zur Welt bringen möchte...

Und wenn ich jetzt schon wieder meine Frauenärztin höre, die mir sagt, dass ohne ihre Überweisung es nicht einfach ist, einen Kaiserschnitt zu bekommen, wenn keine med. Indikation besteht, dann fängt hier bei mir das Verweigern der Selbstbestimmung schon wieder an!

9

Ich würde mich an Stelle umhören wie die Krankenhäuser deiner Umgebung zu diesem Thema stehen.
Eine Geburtsplanung / Anmeldung ist in unseren Krankenhäusern üblich, aber jicht zwingend erforderlich.

Deine Ärztin gibt dir vielleicht keine Überweisung für einen Kaiserschnitt, aber diesen kannst du eben bei der Anmeldung auch mit dem Krankenhaus besprechen.

Wichtig ist tatsächlich dass du dir sicher bist, dass du dir deine Argumente genau überlegst und deinen Wunsch auch dementsprechend bestimmt und selbstsicher äußerst. Und du darfst da aich sagen, dass dir die früheren Umstände Angst machen, denn dem ist ja so und das ist durchaus eine Indikation.

Meine Hebamme sagt auch immer wieder dieses Kind rutscht durch und dennoch kann ich es mir einfach nicht vorstellen. Und irgendwann muss man entscheiden.

Wie lange hast du noch Zeit dich zu entscheiden?
Ich bin jetzt 37. SSW

weitere Kommentare laden
12

Tut mir leid, dass deine Geburten so abgelaufen sind, das klingt ja wirklich schrecklich 🙁

Ganz ehrlich, in würde dir statt zu einem Kaiserschnitt zu dem krassen Gegenteil raten, nämlich einer Hausgeburt.
Meine drei Geburten in der Klinik sind zwar nicht so dramatisch verlaufen aber es wurde mir auch eindeutig zu viel reingepfuscht (vor allem bei der ersten), drum hab ich mich bei der vierten nun für eine Hausgeburt entschieden.

Nur empfehlen kann ich auch, wie bereits beisha gesagt hat, die Bücher "Alleingeburt" von Sarah Schmid und "Die selbstbestimmte Geburt" von Ina May Gaskin.
Außerdem ist auch der Dokumentarfilm "Die sichere Geburt" ganz toll!
Auch der Blog von Sarah Schmid ist echt lesenswert:
http://www.geburt-in-eigenregie.de
Es geht zwar hauptsächlich um Alleingeburten, das muss man vielleicht nicht unbedingt befürworten, aber es gibt viele Informationen und schöne Geburtsberichte die Angst nehmen und Mut machen.
Infos:
http://www.geburt-in-eigenregie.de/tag/geburt/

http://www.geburt-in-eigenregie.de/2015/12/12/geburt-ist-auch-sex/

Geburtsberichte:
http://www.geburt-in-eigenregie.de/?s=Alleingeburt

Ich wünsch dir eine ganz schöne und vor allem selbstbestimmte Geburt!

Viele Grüße

13

Hallo!
Danke für deinen Beitrag.

Für eine Hausgeburt fehlt mir zum einen der Mut (ich habe trotz aller Erfahrungen gerne die Sicherheit einer med. Versorgung für mich und das Kind im Notfall) aber vor allem eine Hebamme, die die Hausgeburt begleiten würde.
Ich finde ja schon keine für die Vor- und Nachsorge 😢

Seit ein paar Tagen lese und schaue ich mich durch versch. Artikel und Filmbeiträge und versuche, mich zu sammeln und die für mich wichtigen Informationen zu finden.
Da helfen mir eure/deine Links sehr gut, vielen Dank 😊

Leider finde ich in meinem Freundes- und Familienkreis eher wenig Gehör.
Die meisten sind der Meinung, ich würde mich da in was reinsteigern, alle Babys kommen irgendwie
raus und manchmal ist das halt nicht angenehm.
Kaiserschnitte sind bei uns in der Familie sowieso kein Thema, solang man es vorher nicht „normal“ versucht hat oder der Arzt dazu rät.

In zwei Wochen habe ich wieder einen Termin bei meiner Frauenärztin und da werde ich das Thema vorsichtig ansprechen.