Juckreiz kurz vor und nach der Geburt

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Hallo zusammen,
ich möchte euch hier meine Geschichte erzählen. Vielleicht hilft diese ja der ein oder anderen Mami.
Anfang April bekam ich mein erstes Kind. In den letzten Wochen der Schwangerschaft begann bei mir ein fieser Juckreiz an den Beinen. Es waren weder Rötungen, noch sonst irgendwelche Hautirritationen zu erkennen. Ich schob es auf meine extremen Wassereinlagerungen. "Die Haut habe mit der Dehnung ordentlich zu tun. Das wird weg gehen, sobald das Wasser raus ist." redete ich mir ein. Der Juckreiz wurde von Tag zu Tag schlimmer. Er raubte mir nachts den Schlaf. Als unser Kleiner endlich da war, hoffte ich auf Besserung. Vergeblich. 2 Wochen nach der Geburt, als das Wasser weitestgehend raus war, ging ich zum Hautarzt. Das Jucken war mittlerweile so schlimm, dass ich nachts nicht mehr wie 2 Stunden schlief. Und das, obwohl unser Sohn von Anfang an nur einmal in der Nacht zum trinken wach wurde. Ich konnte keine langen Hosen anziehen, rannte nur noch in kurzen Klamotten rum, konnte mich auf kaum etwas anderes als auf diesen fiesen Juckreiz konzentrieren. Mein Hautarzt schaute sich das ganze kurz an und wies mich darauf hin, dass immer noch Wasser in den Beinen war und er sich sicher ist, dass der Juckreiz dadurch zustande käme. Da ich noch stillte, verschrieb er mir eine leichte Kortisoncreme, welche ich eine Woche nutzen sollte.
Nach einer Woche war keine Besserung zu sehen bzw. zu verspüren. Ich ging zu meinem Hausarzt. Dieser hatte auf Anhieb keine Antwort parat und ließ vorsichtshalber meine Schilddrüse- und Leberwerte kontrollieren. Auch hier war alles in Ordnung. 6 Wochen nach der Geburt waren meine Beine übersät mit Ekzemen. Wenn ich dann mal schlief, kratzte ich mir die Haut nur so von den Knochen. Der Juckreiz wanderte mittlerweile über den ganzen Körper. Keine Pickelchen o. Ä. Nur diese extremen Wunden und Rötungen durch das Kratzen. Mein Mann wickelte jeden Abend Handtücher um meine Hände und zog sie so fest, dass ich nachts keine Möglichkeit hatte, diese auszuziehen und zu kratzen. Stoffhandschuhe und kurze Fingernägel waren schon keine Lösung mehr. Ich weinte furchtbar viel, konnte die Zeit im Wochenbett absolut nicht genießen. Ich konnte kaum raus, da ich keine Kleidung am Körper spüren durfte. Ich klebte mir die Stillpads mit Pflastern auf meine Brüste, weil das Tragen eines BH's für mich unmöglich war. Bei der Nachuntersuchung brachte mich mein Frauenarzt auf die Idee, dass ich eventuell einen Calciummangel hätte. Ich schraubte mir jeden Tag Brausetabletten rein,in der Hoffnung, dass es das sein könnte. Auch hier trat keine Besserung ein. Ca. 8 Wochen nach der Geburt telefonierte ich mit einer Freundin, welche mir einen Hautarzt empfahl. Niemand, bis auf dieser eine Hautarzt, konnte ihr helfen. Ich war noch etwas skeptisch, da eben dieser Arzt ein "Selbstzahler-Arzt" war (war schon Rentner, machte das ganze nebenbei). Irgendwie total hirnrissig, wenn man bedenkt, dass ich zu dem Zeitpunkt schon über 200€ für teure Cremes und Tabletten ausgegeben hatte, die allesamt nicht halfen. In der Nacht nach dieser Empfehlung kratzte ich mich trotz Handschuhe so blutig, dass ich weinend im Schlafzimmer stand (Achja: Ich schlief seit einigen Wochen auf der Couch, um meinen Mann und unseren Sohn nicht wach zu halten und rannte ins Schlafzimmer, sobald sich unser Kleiner zu Wort meldete). Ich konnte vor Schmerzen, Juckreiz und Verzweiflung kaum noch stehen. Wir warteten und einige Stunden später fuhr mein Mann mit mir zum besagten Arzt. Vor der Arztpraxis standen die Leute Schlange. Als ich an der Reihe war, schaute mich der Arzt ganz in Ruhe an, untersuchte mich mit ganz viel Zeit und Geduld. Er sagte mir. Ich solle mich morgens und abends mit einer Mischung aus Olivenöl und schwarzem Tee einschmieren. Danach sollte ich eine Creme auftragen, welche er mir verschrieb. Die Creme wurde in der Apotheke frisch angerührt und war ein Mix aus Feuchtigskeitslotion (98%) und Kortison(2%). Laut Hebamme sollte ich die Creme nicht länger wie 2 Wochen nutzen, da noch nicht ganz klar ist, wie sich Kortison, welches über die Haut aufgenommen wird, bei stillende Mutti und ihren Kindern auswirkt. Wir überlegten hin und her und ich kam zu dem Entschluss, dass ich abstille, um auf Nummer sicher zu gehen. Mein Kleiner war mittlerweile 3 Monate alt. Es zerbrach mir irgendwie das Herz, denn ich hatte mir fest vorgenommen, mind. 6 Monate zu stillen. Aber wie das Leben manchmal so spielt. Ende vom Lied: Nach zwei Wochen war der Juckreiz komplett verschwunden. Ob es nun an der Creme oder an dem Abstillen lag, kann ich nicht genau sagen. Ich denke, dass vielleicht beides damit zu tun hatte. Ich war einfach nur glücklich.
Vielleicht liest ja die ein oder andere Leidensgenossin meinen Beitrag und merkt, dass sie nicht alleine mit dem Thema ist. Ich persönlich habe damals leider nichts im Internet gefunden, was mir wirklich helfen konnte.

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Damit es nicht falsch rüber kommt: Ich war natürlich nicht glücklich darüber, abgestillt zu haben. Mein Arzt hatte allerdings damals eine Vermutung verlauten lassen, dass evtl. die Still- und Schwangerschaftshormone mit dem Juckreiz zu tun haben könnten. Deshalb auch die Aussage, dass ich nicht genau weiß, was jetzt das "Heilmittel" war.