Krankenhaus macht mir ein komisches Angebot...soll ich annehmen?

Hallo, ich hatte vor 12 Wochen eine sehr unangenehme und schwere Geburt. Ich hatte in der Vergangenheit Erlebnisse mit sexueller Gewalt, die wahrscheinlich die Geburt blockierten, und ich habe generell noch sehr an dem Geburtserlebnis zu knabbern. Deswegen wollte ich von dem Klinikum einen Geburtsbericht anfordern, um zu sehen, ob meine Erlebnisse nur subjektiv so schlimm waren. Ich schrieb eine Mail, in der ich den Geburtsbericht anforderte, und erklärte, dass ich ihn zur persönlichen Reflexion der Geburt möchte. Heute kam diese Antwort:

"...bezüglich Ihrer Anfrage zur Übersendung der Geburtsunterlagen möchten wir Ihnen alternativ einen persönlichen Gesprächstermin zur Aufarbeitung der Geburt anbieten, da wahrscheinlich aus den Unterlagen alleine für Sie keine umfassende Klärung möglich ist.

Eine telefonische Terminvergabe unter der Nummer xxx ist jederzeit möglich...."

Jetzt weiß ich überhaupt nicht, was ich machen soll. Ich schäme mich total, dass ich überhaupt gefragt hab, und würde mich wohl auch bei einem Gespräch total schämen. Außerdem hab ich Angst, dass das Gespräch mehr hoch holt, als ich in dem Moment verarbeiten kann....
Was meint ihr dazu? Ich hätte einfach gern, unpersönlich, den Bericht gehabt, und schäme mich über den persönlichen Kontakt...noch mal nachbohren trau ich mich nicht, aber die Chance vergehen lassen will ich irgendwie auch nicht....

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Ich finde es sehr nett, dass sie dir das anbieten. Es ist doch aber nach dem Wortlaut eine reine Alternative. Du kannst das Angebot einfach ausschlagen und sagen, dass du nur den Bericht willst. Sie können dir den Bericht nicht vorenthalten.

Liebe Grüße

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Als Patient darfst du zu jeder Zeit Einsicht in deine Akte haben. Natürlich hast auch ein Recht auf deine Unterlagen und den Bericht. Das Angebot des Krankenhauses finde ich sehr nett, aber wenn du dich damit besser fühlst, fordere nur den Bericht an.

Liebe Grüße Aurori :)

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Du musst dich keinesfalls schämen, es ist dein gutes Recht als Patient Einsicht in deine Akte zu haben.
Für mich persönlich hört sich das auch einfach nach 'Standardformulierung des Krankenhauses im Sinne von guter Service am Patienten' an. Da kommen tagtäglich mehrfach dieselben Anfragen von vielen Patienten wie dir.

Ruf einfach dort an und sag kurz und knapp "Danke für das Gesprächsangebot, aber ich möchte im Moment wirklich nur den schriftlichen Bericht. Sollte ich anschließend noch Gesprächsbedarf haben, melde ich mich nochmals." Fertig!

Du musst dich für nichts rechtfertigen!
Und schämen schon mal gar nicht!

Alles Gute

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Hi,

es tut mir sehr Leid, dass du keine schöne Erfahrung bei der Geburt hattest. Du brauchst und solltest dich aber für nichts schämen!! DU hast definitiv nichts falsch gemacht!

Ich finde das Angebot vom KH eigentlich total nett. Solche Berichte sind für den Laien oft schwer lesbar, voll mit den medizinischen Begriffen auf Lateinisch/Griechisch, Abkürzungen und Zahlen, die man ohne die Normwerte zu kennen, nur schlecht beurteilen kann. Ich kann mir gut vorstellen, dass so ein Bericht einem überfordert, gerade auch wenn nicht alles glatt gelaufen ist. Genauso bekommt man dadurch vielleicht auch Details, die man gar nicht braucht. Ich würde daher so ein Angebot schon annehmen. Im Gespräch kannst du ja auch gezielte Fragen stellen und eben genau die Punkte besprechen, die dir noch weh tun, ohne alle Details und Kleinigkeiten. Vielleicht hast du sogar die Möglichkeit das direkt mit jemanden zu besprechen, der/die bei der Geburt dabei war. Und auch wenn ein Schamgefühl (was absolut unbegründet ist!) schwer abzulegen ist, hilft es vielleicht daran zu denken, dass man fürs KH nichts mehr als eine weitere Patientin unter vielen ist.

Trotzdem hast du natürlich jederzeit das Recht den Bericht anzufordern und dies kann dir ich nicht verwehrt werden. Wenn dir das lieber ist, kannst du den Bericht ohne dir weitere Gedanken zu machen und ohne irgendeine Erklärung abgeben zu müssen, weiterhin verlangen. Du kannst auch beides Gespräch und Bericht anfordern. Vielleicht hast du auch eine Hebamme zu der du das vertrauen hast das mit ihr zu besprechen.

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Das Angebot ist wirkt zwar nett, ist aber eigentlich eher ein Abwiegelungsversuch.
KH geben die Akte ungern raus, weil sie Angst haben, verklagt zu werden.
Nett wäre es, wenn sie die Akte rausgeben und parallel ein Gespräch anbieten.

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Das hast du natürlich vollkommen recht!

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Ich kann deine Scham und Unsicherheit völlig verstehen, und würde einem persönlichen Gespräch wohl auch eher skeptisch gegenüber treten. Auch wenn sie es nur gut meinen, kann es für dich noch unangenehmer sein. Vor allem wenn du keine Begleitung mitnehmen kannst die dir halt gibt. Wenn du nur den Geburtsverlaufsbericht (dieser ist der Bericht mit genaueren Angaben. Der Geburtsbericht ist nur eine Zusammenfassung) haben möchtest, ist das absolut ok.

Ich wünsche dir alles gut

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Erstmal finde ich es sehr mutig von dir diesen Schritt zu gehen. Ich finde es gut das du versuchst das erlebte zu verarbeiten. Du musst dich gar nicht dafür schämen. Ich finde das Angebot toll das das kh macht. Ich denke das ist eine gute Idee. Du wirst im Bericht bestimmt einiges nicht verstehen oder die Schrift lesen können. Vielleicht nimmst du das Angebot war und sie werden es dir erklären können. Falls es dir doch unangenehm sein sollte, kannst du es ja jederzeit abbrechen und den Bericht mitnehmen.
Alles gute dir

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Ich hatte meine erste Geburt in einem sehr, ich nenne es mal, familiären Krankenhaus. Den jungen Chefarzt der Gyn kennt jeder in der Stadt, es wird sich dort noch Zeit für die Patienten genommen, geredet usw.
Meine erste Geburt war dort schön. Nicht die Schmerzen, aber das drum herum.
Dieses Jahr habe ich wegen einem Frühchen in einer anderen Stadt entbunden. Es war furchtbar, mitten in der Nacht, bissige Hebamme, ich hatte Angst zu verbluten und hatte die Sectio unter Vollnarkose.
Ich weiß nicht wer mich operiert hat, wie die OP verlaufen ist. Man ist nur ein Patient unter vielen, keine Zeit.
Bei meinem Frauenarzt habe ich gesagt ich habe Probleme die Geburt aufzuarbeiten, ich weiß nicht wer da im OP war, wie es lief. Nur dass mein Eisenwert total im Keller war.
Mein Frauenarzt hat mir dann angeboten den Bericht anzufordern um ihn mit mir dann zu besprechen, das finde ich toll von ihm!
Beim nächsten Termin können wir das dann hoffentlich machen.
Bleib bei deiner Anforderung, lese erst mal alles in Ruhe durch und wenn du dann das Gefühl hast, du möchtest (vorbereitet) darüber sprechen, kannst du immer noch einen Termin vereinbaren.

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Nimm es an. Das ist doch eine super Sache.

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Ich finde es auch sehr nett und würde es annehmen. Dazu kannst du auch einen Seelsorger hinzuziehen.

Du brauchst kein schlechtes Gewissen haben. Ich habe meine Geburtsverlaufsbericht angefordert, weil ich den Namen eines bestimmten Medikaments wissen wollte - und weil es geht. So richtig helfen würde es dir wohl nicht, denn da stehen einfach Sachen wie "CTG zeigt keine Wehen, Frau merkt sie stark".