"Auf der Flucht geboren" - schnelle Geburt und Stillprobleme

Hallo zusammen,

ich hatte gestern ein Gespräch mit meiner zweiten Hebamme. Ich werde im Geburtshaus entbinden und da soll man vorher alle Hebammen kennen lernen. Sie ist schon älter, ich schätze mal 60 und war sehr nett. Wir sollten ein bisschen was von uns erzählen damit sie weiß was so die Themen sind.
Wir haben auch von unserer ersten Geburt erzählt, die mit 3,5h Stunden sehr schnell war, aber dass ich danach grosse Probleme mit dem Stillen hatte (und nach 8 Wochen Quälerei angestillt hatte).

Sie nickte und sagte, dass würde doch zusammen passen. Sie habe in ihren Jahren viele Frauen erlebt, die "auf der Flucht" also sehr schnell geboren haben und danach stillprobleme hatten. Man würde es mir ja auch anmerken, so wie ich vor ihr säße und ob ich dort mal mit der Körpertherapeutin des Geburtshauses hinschauen wolle.

Puh, ich musste das erstmal sacken lassen. Ich weiß, dass ich oft unruhig und rastlos bin. In dieser Situation mit der mir fremden Hebamme trat das wahrscheinlich noch mehr hervor.

Aber ich möchte nicht mit der Körpertherapeutin daran arbeiten. Ich habe lange Jahre gebraucht, um mich so zu akzeptieren wie ich bin. Ich war schon ausreichend in Therapie und möchte da jetzt nicht dran rütteln.

Andererseits, wenn ich dann wieder Stillprobleme habe, was werfe ich mir dann vor?

Zum Glück war mein Mann bei dem Gespräch dabei. Er sagte mir später, dass ich natürlich nichts muss. Er hatte auch nicht das Gefühl dass sie mich drängen wollte. Sie hatte einfach aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung einen Eindruck von mir und den verknüpft mit ihrer Erfahrung zu anderen Frauen.

Und trotzdem geht mir dieser Satz nicht aus dem Kopf "auf der Flucht geboren"....

Ratlos

Muriel

13

Ich hatte mal eine ähnliche Situation. Mein Baby kam nach vielen Stunden Wehen wegen abfallenden Herztönen per ungeplantem Kaiserschnitt auf die Welt, ich empfand es aber trotzdem als schöne Geburt.
Ein paar Wochen später war ich mit ihm bei einer Ostheopathin weil er ein bisschen krumm war und sie hat mir empfohlen, bei mir eine kinesiologische Behandlung machen zu lassen, weil Kaiserschnittmütter entweder zu distanziert sind oder die Kinder zu wenig loslassen können.

Ich habe mich ein wenig über diesen eigentlich lieb gemeinten Rat geärgert, denn es ist ganz leicht auf die Art ein Problem herzustellen, wo vorher keines war. So wie eine selbsterfüllende Prophezeiung. Ähnlich kommt es mir bei deiner Hebamme vor.

Ich habe auch schon häufiger erlebt, dass gerade die ganzheitlich arbeitenden Leute (wie Heilpraktiker und Hebammen) die Kraft der Gedanken, Einstellungen und Energien gerne mal überschätzen. Da wird dann die Körpertherapie schnell zum Allheilmittel.

Die Idee, dass es diesmal klappt, wenn du nur diese Therapie machst finde ich auch eher schwierig. Das würde ja heißen, dass es nur von deiner Einstellung abhängt, ob es klappt oder nicht. Und das ist so einfach nicht richtig. Es gibt sooo viele kleine Sachen, die das Stillen leichter oder schwerer machen können, die Psyche und Einstellung der Mutter ist da nur eine von vielen. Und deine Hebamme kann ja nicht genau wissen, weshalb das Stillen das letzte Mal nicht geklappt hat, denn sie war nicht dabei.

Lass dich nicht verunsichern. Wenn du das Gefühl hast, das Thema hast du für dich gelöst und du bist offen für was auch immer da kommen mag (Baby stillt von anfang an super oder es klappt eben nicht), dann reicht das völlig aus. Wenn du merkst "Mensch, jetzt wo sie das angesprochen hat, kommt alles wieder hoch" ist es dagegen vielleicht hilfreich, das jetzt nochmal anzugehen, damit du ein bisschen befreiter ins Wochenbett starten kannst. Das wichtige dabei ist: Du weißt am besten, was für dich richtig ist. Deine Hebammen sind dafür da, dir eine selbstbestimmte Geburt zu ermöglichen und dich dabei zu begleiten, du darfst also ganz selbstbewusst dafür einstehen, was das Richtige für dich ist. :)

Ich wünsche dir eine tolle restliche Kugelzeit, eine schöne Geburt und ein entspanntes Wochenbett!

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Hallo,

was passiert denn, wenn es mit dem Stillen nicht klappt und du abstillst? Oder dich von vorn herein gegen das Stillen entscheiden würdest?
Nichts. Dein Kind wird auch mit Ersatzmilch gut wachsen und gedeihen. Du wirst eine ebenso enge Bindung zu deinem Kind aufbauen wie eine stillende Mutter. Du wirst deinem Kind alles geben könne, was es braucht und ihm eine fabelhafte Mutter sein.

Befrei dich von den negativen Gedanken und lass alles auf dich zukommen. Eine schnelle erste Geburt bedeutet nicht, dass die zweite Geburt auch so schnell sein wird. Es kann natürlich so sein, aber kann aber auch anders sein. Stillprobleme können kommen, es kann aber auch gut funktionieren. Und es wird besser klappen, wenn dein Kopf frei ist von Vergleichen zum ersten Mal und von negativen Gedanken.

Auf der Flucht geboren - das kann man anders ausdrücken und vielleicht fallen dir Begriffe ein, die besser sind. Ein schneller Start ins Leben. Da hatte es jemand eilig. Das klingt gleich viel leichter und freundlicher. Und wenn du statt Flucht in Zukunft an schönere Ausdrücke denkst und sie benutzt, dann bekommst du vielleicht auch ein positiveres Gefühl für die erste Geburt.

Viele Grüße
lilavogel

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Also ehrlich gesagt, gebe ich auf diese Laien Psychologie von diesen angeblichen Experten gar nichts. Das solltest du auch nicht tun.

Unser Sohn kam nach 6 Tagen Einleitung, in denen gar nichts passierte, dann auch sehr plötzlich. Es platzte morgens die Fruchtblase, ich hatte endlich Wehen und keine drei Stunden später war er da. Der Papa kam fast zu spät und hat nur die knappe letzte Stunde mitbekommen. Alles war sehr hektisch.

Da er 5 Wochen zu früh war und auch unterzuckert war, gab es sofort die Flasche. Zwei Tage später konnten wir schon nach Hause und da fernab von allen Experten und guten Ratschlägen klappte das Stillen problemlos und ich habe insgesamt 1,5 Jahre gestillt.

Mache dich vorher nicht verrückt. Dein Körper regelt das von alleine. Bis zum Milcheinschuss dauert es aber meist drei Tage. Die muss man einfach abwarten und sich nicht zu sehr abquälen, sondern sich erholen.

Diesen Körperquatsch würde ich auch lassen und das auch deutlich sagen!

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Hey...

Ich finde es von der Hebamme auch recht pauschalisiert. Es gibt doch tausend Gründe für eine "Sturzgeburt"

Mein Sohn kam bei 5cm MM und nach 2 Presswehen auf die Welt ( es waren von wehen beginn bis Geburt vllt 1 1/2h)

Und wir hatten keine Stillprobleme, im Gegenteil, er wurde gezwogen, auf meine Brust gelegt und hat 1h getrunken. War wohl hungrig 🤣 da schon ein vielfraß

Was ich sagen will, eine sturzgeburt impliziert nicht automatisch stillprobleme. Auch Die haben unterschiedlichste Gründe...

Lass dich nicht verrückt machen und geh offen an alles ran.

Alles Gute
Cyra

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Lass es los. Ich habe mein Sohn auch in 5,5 std ab erster Wehe bekommen. Erstes Kind. 40 min vor Geburt wollten die noch US machen... Mein Mann hat fast verpasst...

Stillen war schwierig wegen meiner Anatomie und weil ich kein Stillhütchen wollte. Nach 24 Std nicht trinken habe ich die benutzt. Mein 1 Tage altes Baby hat 2x15 min getrunken... 3 Wo später habe ich mit Hilfe meiner Hebamme die Hütchen abgesetzt (ich hasse die Dinge) und stille voll und das sehr gern. Mein Baby war so platt nach der Geburt dass er in der "Goldene Stunde" nur auf mich geschlafen hat.

Meine "Stillprobleme" kamen davon, dass im KH keine Stillberaterin gab der mich angeschaut hätte und erklärt hätte wieso ich die Hütchen am Anfang mit einem kleinem schwachem gelben Baby benötige. Die Schwester kamen rein haben meine Brust in sein Mund gepresst alles sitzt er ist faul... Dass ich zu flachen Brustwarzen hatte und ihm einfach Kraft und können gefehlt hat, hat keine gesagt. Irgendwann haben die mir sie Hütchen einfach auf dem Tisch geknallt...

Such dir eine gute Hebamme oder Stillberaterin für die Nachsorge, nimm die Hilfe an und sei geduldig. Dann kann gut sein dass stillen klappt. Ohne meine Hebamme hätte ich längst abgestillt. Und wenn nicht ist das auch ok.

Stillen war für uns wochwnlang ein Kampf. Mit Geschrei, 15 min für anlegen usw. Ab 4 Woche wurde besser und erst seit so 8 Woche läuft relativ gut.

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Bei dir hat wenigstens wer versucht, Mund und Brustwarze zusammen zu bringen.

Die komische Tante bei mir hat einfach den Kopf von Madame genommen und gegen meine Brust gedrückt. Außer Erstickungsanfälle kam da nix bei raus. 🙄

Das meine Brust zu klein ist und sie damals viel zu tief lang in meinem Arm, hat die doofe Pute nicht gesehen.


vlg

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Hallöchen,

Ich kann gut Verstehen das man da erstmal überrumpelt ist, vermute aber , das die Hebamme keinerlei „Ahnung“ hatte was das in dir auslöst - das du schon Therapie etc hattest....

Schön das dein Mann dabei sein konnte bei dem Gespräch, und er findet das sie es nur angemerkt hat, nicht das sie sich drängen wollte 😊
Vielleicht beruhigt dich das ein wenig.

Ich kann zwar nicht aus Persönlichen Erfahrung mit schnellen Geburten sprechen, kann mir aber auch nicht Vorstellen das es da einen Zusammenhang zu Stillproblemen gibt. Dafür sind alle Geburten und eventuelle Stillbeziehungen zu individuell und divers, als das man das so Pauschalisieren könnte (glaube ich)
Wovon ich aber überzeugt bin, ist das du dir keinen Vorwurf machen brauchst.

Weswegen auch? „Nur“ weil du in deiner aktuellen Situation (hormonal, ssw etc) nicht wieder „rumtherapieren“ möchtest? Und in der Konsequenz dessen evtl nicht Stillen kannst? (Wobei - ob das wirklich die Konsequenz ist sei mal dahin gestellt, Siehe oben)

Selbst wenn das mit dem Stillen nicht funktioniert, die Milchnahrung ist mittlerweile so optimal , dass das überhaupt nicht schlimmes ist! Dein Iind wird trotzdem Groß , sowie 100tausende mit ihm.

Die liebe die es bekommt, sind viele viele Male wichtiger, als die Art wie es die Nahrung zu sich nimmt 🥰

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Ich weiss nicht, ob es dich beruhigt ich hätte 4 sehr schnelle Geburten und hätte keine Stillprobleme. Mach dir deswegen keine Gedanken. Das mit dem stillen war so weil es so war und nicht zwangsläufig wegen der schnellen Geburt. Dir alles Gute.

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Und was ist mit den Müttern, die tagelang vor sich hinwehen und auch nicht stillen können? Gibt es da auch eine Theorie?

Meine Gyn erzählte mir jetzt von einer Patientin. 4.Kind grade bekommen. Nr2 und Nr3 sogar noch tandemgestillt weil sie so knapp beieinander waren. Nr1 langzeitgestillt 5 Jahre lang und jetzt eben Nr4? Flaschenkind. Es haben einfach Mutter und Kind nicht zusammengepasst in der Hinsicht. Alle 4 sind gesund und es gibt keine organische Ursache für Nr4.

Sie hat trotzdem eine Zeit lamg gepumpt und die Mumi gespendet.


Ansonsten: Lass dich grad in psychologischer Ebene zu nix zwingen. Funktioniert ja sowieso nicht, wenn man sich innerlich sträubt.


vlg

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Naja, vielleicht ist das ja eine Erklärung für die schnelle Geburt, dass du eher ein unruhiger Typ bist :-). Vielleicht hilft dir etwas mehr Ruhe auch, diesmal eine gute Stillbeziehung aufzubauen.
Aber es liegt ja nicht nur an dir.
Wenn sie dein Kind angeschaut hätte, hätte sie vielleicht gesagt: ja bei dem unruhigen Kind/ bzw. einem Kind das so viel Ruhe und Entspannung braucht, ist ja klar dass dieses Kind nicht vernünftig an der Brust trinken kann!
Also es müssen ja immer beide Seiten passen!
Vielleicht ist dein nächstes Baby ein ganz anderer Kandidat.

Ich habe auch zwei Kinder. Beide blieben konsequent in Beckenendlage und wurden so spontan geboren. Tja, da gibt es auch genug "erfahrene Leute" die der Meinung sind, das ist eine Folge davon wenn die Mutter viel Stress hat. (Hatte ich). Also die Mutter ist verkrampft, das Baby kann sich nicht drehen, Baby sträubt sich durch das sitzen, Mutter hätte sich halt mehr entspannen müssen....
Aber ob es jetzt daher kommt???
Oder die Kinder es eher von meinem Mann geerbt haben, der auch so zur Welt kam? Es eher Kinder sind, die ihren eigenen Weg gehen wollen ?
Oder doch irgendwelche organischen Gründe der Grund dür die BEL waren, die ich ich nicht weiß?

Genauso bei dir. Wer weiß schon ob es jetzt an dir oder am Kind lag....
Ich konnte mein erstes Kind perfekt vollstillen, aber das zweite NIE weil es eine Gaumenspalte hatte. Hätte mir da jemand gesagt es läge an mir... hätte ich es als totale Beleidigung aufgefasst.

Also ich denke es kann einen Zusammenhang geben aber es spielen oft so viele Faktoren mit rein, da kannst und willst du diesen einen Faktor (eben deine Art) halt nicht so leicht ändern. Aber diesmal sind die anderen Faktoren ja hoffentlich günstiger:-).