Geburt anders vorgestellt - Wie mit der Angst umgehen?

Guten Morgen zusammen,

ich habe mich hier angemeldet, weil es mir gerade gar nicht gut geht und ich mir einfach mal meinen Kummer von der Seele schreiben muss. Ich hoffe, vielleicht einige Tipps und/oder neue Denkansätze zu bekommen...

Ich bin jetzt ziemlich genau eine Woche über meinem ET und mein Baby macht bisher so gar keine Anstalten, sich mal langsam auf den Weg zu begeben. Ich weiß, bei Erstgebärenden ist es jetzt nicht sooo super ungewöhnlich, über den ET zu gehen und dass es auch ganz plötzlich ohne Vorzeichen los gehen kann. Was mir allerdings Sorgen macht:

In unserer Region gibt es nur noch eine Klinik, in der man entbinden kann. Diese war früher mal staatlich und hatte damals sogar einen sehr guten Ruf, wurde allerdings schon vor Jahren privatisiert mit allen Problemen, die dies oft mitbringt (extremer Personalmangel, hohe Fluktuation, überlastete Mitarbeiter, ständig wird gestreikt, an allen Ecken gespart). Aus dem Grund und weil ich leider in meiner Jugend Missbrauchserfahrungen machen musste, habe ich von Anfang an beschlossen, im örtlichen Geburtshaus zu entbinden. Dort habe ich mich während meiner gesamten Schwangerschaft super wohl gefühlt, die Hebammen sind sehr sensibel und behutsam und immer respektvoll mit mir umgegangen, ich hatte mich regelrecht auf die Geburt gefreut!
Allerdings kann man dort nur bis spätestens 2 Wochen nach ET entbinden, sollte man darber kommen muss man ins Krankenhaus. Es ist zwar noch eine Woche Zeit, aber mit jedem Tag wächst die Wahrscheinlichkeit, dass ich wohl dort mein Kind zur Welt bringen muss, was in mir panische Angst auslöst. Alleine bei der Vorstellung, dass ich dort ankomme und nicht weiß, wer da an mir "herumdoktert" lähmt mich fast vor Angst und Sorge.
In meinem Umfeld stoße ich größtenteils auf wenig Verständnis, ich habe das Gefühl der ein oder andere wäre eher froh, wenn es auf eine klinische Geburt hinausläuft, da eine außerklinische Geburt nicht von jedem als gute Idee befunden wurde.

Ich habe einfach die Befürchtung, dass ich mich dort so gar nicht richtig gehen lassen und auf die Geburt einlassen kann und es dadurch zu Komplikationen unter der Geburt kommt. Während ich der Entbindung im Geburtshaus total positiv und optimistisch voller Vertrauen in mich und meinen Körper entgegen geblickt habe, beherrscht mich mittlerweile die blanke Panik und ich kann kaum aufhören zu Weinen.

Ich weiß überhaupt nicht, wie ich mich beruhigen soll, ich hätte gerne mein positives und zuversichtliches Mindset zurück, auch wenn es wirklich auf eine Entbindung im Krankenhaus hinauslaufen sollte. Habt ihr da irgendwelche Tipps, wie man das eigene Denken eher kontrollieren kann?

Mittlerweile ist es so schlimm, dass ich mich kaum auf mein Baby freuen kann und jetzt schon Angst habe, dass ich nach der Geburt eine Depression oder ein Trauma entwickle (ich bin da leider etwas anfällig, auch aufgrund meiner Vergangenheit und dem sexuellen Missbrauch...).

1

Guten morgen,

ich kann deine Sorgen verstehen. Lebe auch in einer Region mit genau einem Krankenhaus. Mehr Auswahl hatte und habe ich nicht.

Wenn dein Geburtshaus sagt, dass man bis 14 Tage nach ET entbinden kann, ist das glaube ich sogar sehr gut. Hier wird bei 10 Tage über ET eingeleitet, länger wird nicht gewartet.

Ich würde dir jetzt raten, dich mit dem Geburtshaus in Verbindung zu setzten und deine Möglichkeiten zu besprechen. Kann eingeleitet werden? Wie und wann würde das gemacht werden? Welche Möglichkeiten stehen evtl. noch zur Verfügung. Ich glaube alles andere wird dir kaum Ruhe verschaffen. So hättest du einen Plan, wenn sich dein Krümmel noch nicht auf den Weg macht.

Sollte es doch zu einer Entbindung im Krankenhaus hinauslaufen, würde ich dir raten einen Geburtsplan zu schreiben. In diesem sind Eckpunkte wie Medikamentengabe, Wunsch nach PDA oder Wassergeburt sozusagen vorher von dir festgelegt und diese kannst du im Krankhaus dann zeigen. Unter der Geburt ist das doch eher schwer zu entscheiden. Und mach dir immer wieder bewusst: Du bist die Gebärende. Im Normalfall weiß dein Körper was er tut. Denke an all die Dinge, die du im Geburtshaus bereits besprochen hast. Es spricht nichts dagegen (meistens jedenfalls), diese auch im Krankenhaus zu machen. Vielleicht hast du auch Tipps im Geburtsvorbereitungskurs bekommen. Das was ich von meinem unter der Geburt behalten habe war: nicht gegen den Schmerz arbeiten sondern immer mit den Schmerz zu gehen. Er bringt dich Stück für Stück zu deinem Kind, egal wo dich gerade befindest.

Mein Letzter Tipp wäre vielleicht mit deinem Kinderarzt sowie mit deiner Hebamme die Möglichkeit einer ambulanten Geburt zu besprechen, bei der du nicht mehrere Tage im Krankenhaus bleiben musst. Vielleicht nimmt dir auch das etwas von der Panik.

Ich hoffe das hilft dir etwas. Ich wünsche dir alles Gute und eine schöne Geburt.

LG

3

Vielen Dank für deine Antwort und fürs Verständnis - habe das Gefühl, niemand kann meine Gedanken nachempfinden...

Eingeleitet kann im Geburtshaus leider nicht werden, dort sind gar keine Ärzte sondern nur Hebammen, medikamentös ist dort gar nichts möglich. Einen Geburtsplan werde ich auf jeden Fall ausfüllen, habe auf der HP der Klinik schon einen Vordruck gefunden. Da sind allerdings nur ein paar Eckpunkte drauf, also ob man eine PDA möchte o.ä., das sind ja alles Dinge, die ich so im Vorraus noch gar nicht beurteilen kann. Im Geburtshaus wurde z.B. explizit nach Missbrauch gefragt und dementsprechend besonders vorsichtig mit mir umgegangen, also genau erklärt, was warum untersucht wird und gefragt ob diese und jene Untersuchungen ok sind etc. Das sind eher so die Dinge, vor denen ich im Krankenhaus Angst habe, traue mich aber auch nicht wirklich das anzusprechen :(

2

Warst du in der Klinik schon und hast es dir angeschaut? Sonst würde ich das mal machen 😊 und dann schreibe auf, was du dir von der geburt vorstellst - möchtest du Medikamente etc.? Schreib es detailliert auf. Hast du einen Partner? Dann erkläre ihm es und gebe ihm, was du geschrieben hast. Das soll er dann im KH der diensthabenden Hebamme geben und für deine Wünsche einstehen.
Es kommt allerdings meistens anders als man denkt.

Ja, leider kann man sich im Krankenhaus die Hebamme nicht aussuchen. Aber wünsche berücksichtigen tun sie trotzdem meistens. Meine war super lieb und auch die Ärztin später war sehr lieb..

Ansonsten versuche zu entspannen. Ja, sehr schwierig - aber du hast noch eine Woche. Vielleicht kannst du nochmal mit den Hebammen im geburtshaus sprechen? Es gibt ja noch ein paar Hebammentipps zur seichten anschupsen der geburt.
Meistens geht es los, wenn man sich entspannt.

4

Danke auch dir für deine Antwort.

Ja, das mit dem entspannen fällt mir wirklich zunehmends schwerer. Die Hebammen haben mir ein Teerezept aus Ingwer, Zimt, Nelken und Eisenkraut gegeben, so richtig effektiv ist das Ganze aber bisher nicht...
Einen Geburtsplan werde ich auf jeden Fall ausfüllen, habe auf der HP der Klinik schon einen Vordruck gefunden. Da sind allerdings nur ein paar Eckpunkte drauf, also ob man eine PDA möchte o.ä., das sind ja alles Dinge, die ich so im Vorraus noch gar nicht beurteilen kann. Im Geburtshaus wurde z.B. explizit nach Missbrauch gefragt und dementsprechend besonders vorsichtig mit mir umgegangen, also genau erklärt, was warum untersucht wird und gefragt ob diese und jene Untersuchungen ok sind etc. Das sind eher so die Dinge, vor denen ich im Krankenhaus Angst habe, traue mich aber auch nicht wirklich das anzusprechen :(

6

Also bei mir wurde im KH wirklich jedesmal gefragt ob ich das möchte.
Da wäre es einfach am besten deinen Partner wirklich zu schulen was du willst und was nicht..
dann kann er da intervenieren.
Mir war an einem gewissen Punkt alles egal und ich hab überall ja gesagt 😅 im Nachhinein hätte ich mir Da gewünscht dass mein Partner genauer Bescheid weiß und mich motivierend unterstützt.. ;)

5

Zu den genannten Tipps möchte ich dir noch mitgeben, dass du auch in der Klinik ein Recht auf eine selbstbestimmte Geburt hast. Mich hat jeder in der Klinik gefragt, ob der Muttermund abgetastet werden darf etc. Aber auch wenn nicht gefragt wird, kannst du vorher nein sagen, wenn du es nicht möchtest. Bei jeder Untersuchungen oder Behandlung, darfst du fragen, wofür es ist und dieses dann auch ablehnen. Im Zweifelsfall musst du dann vielleicht etwas unterschreiben, dass du gegen den ärztlichen Rat handelst. Aber du bist den Ärzten nicht ausgeliefert. Hast du jemanden, der dich bei der Geburt begleitet? Dann besprich mit dieser Person vorher genau was du möchtest, damit diese dann für deine Rechte einstehen kannst, wenn du unter den Wehen nicht klar denken kannst.
Bei weit über den ET, wird die Klinik vermutlich dann eine Einleitung machen. Auch dieses darfst du ablehnen oder nach sanfteren Mitteln fragen.
Ich habe in einer Klinik entbunden, bei der ich auch erst Bedenken wegen der hohen Zahl der Geburten hatte. Dennoch war es eine schöne und auch eine Recht persönliche Geburt. Also die eigentliche Geburt hätte nirgendwo schöner sein können, aber die Zeit vor der Geburt war unpersönlich und wegen Corona durfte der Papa da auch nicht dabei sein.
Und so lange du keine Komplikationen hast, darfst du ja auch nach der Geburt nach Hause und musst nicht in der Klinik bleiben.

7

Hallo!

Ich hatte mir unsere Geburt auch anders vorgestellt, als sie dann war. Mein Plan war eigentlich auch im Geburtshaus zu entbinden, aber das war- zum Glück- zu weit weg von unserer Stadt.
Allerdings konnte ich froh sein, dass ich im Krankenhaus war, sonst würde mein Kleiner heute nicht mehr leben oder wäre schwer behindert. Es können auch während der Geburt Komplikationen auftreten, wie bei mir, da kann vorher alles noch so in Ordnung gewesen sein.

Ich hatte auch Angst vor dem Ganzen, mich da so halb nackt vor fremde Menschen legen müssen, jeder guckt mir "da unten" rein, fasst mich an uvm.

Aber ich kann dir auch sagen, dass du irgendwann so dermaßen nur noch auf dich selbst fixiert bist, dass dir alles drumherum egal ist. Das war jedenfalls bei mir so.

Viele Optionen gibt es ja nun nicht für dich und die beste wäre vielleicht, sich dann tatsächlich einfach drauf einzulassen und das Beste draus zu machen und zu akzeptieren, dass man manches einfach nicht beeinflussen kann.

8

Ich kann dir nur empfehlen mal in die Klinik zu fahren, dich dort anzumelden und dann anzusprechen welche Erfahrungen du leider machen musstest (das tut mir sehr leid für dich!). Du kannst sicher drauf bestehen, dass sie das vermerken und dass sie nichts tun ohne mit dir zu sprechen (also nicht einfach anfassen usw). Geht dein Partner oder jemand anders mit zur Geburt? Dann instruiere diese Person für dich einzustehen und die Geburtshelfer zu bremsen, wenn du dazu nicht mehr richtig in der Lage sein solltest.

Ansonsten kannst du ja versuchen, die Wehen selbst abzuschießen (mit Geburtshaus besprechen). Was zb helfen kann:
Wehentee
Uterusöl
Akupunktur
Akupressur
Nelkenöltampons

Alles Gute!

9

Anzuschubsen nicht abzuschießen 🤦‍♀️

10

Ich würde für den Ernstfall die Klinik nochmal aufsuchen und die Problematik schildern. Vielleicht hilft es dir beispielsweise zu wissen, dass es genug weibliche Ärzte gibt, die dich untersuchen können - auch für das Krankenhaus ist es ja gut zu wissen, worauf sie achten müssen. Ich hatte das große Glück, bereits im Vorfeld die Ärztin kennenzulernen, die dann auch am Tag der Entbindung da war. Meine Geburt war schlimm, aber dadurch, dass ich die Ärztin schon kannte und positiv in Erinnerung hatte, war zumindest der Aspekt des Ganzen beruhigend.

Ansonsten weiter schön den Ekeltee trinken, hat bei mir super geholfen :-D Wehencocktail wäre auch noch eine Idee. Ich war am Tag vorher wandern, in Kombi mit dem Tee...24 Stunden später ging es los. Bleib optimistisch, die Chance steigt von Tag zu Tag, dass es losgeht!