Wer hat nun Recht..?

Ich bin der 25. Woche Schwanger,
Verkäuferin in einem Kaufhaus
Abteilung Kasse,
Wo nur wenig Platz ist und stehend gearbeitet wird.

Einen wunderschönen guten Abend,

Ich habe folgendes Problem und das belastet mich langsam sehr.
Eines schonmal vorweg. Ich arbeite sehr gerne in meinem Beruf. Deswegen, der ganze Aufriss, ich schätze, andere in meinem Zustand, hätten sich einfach schon viel früher krank schreiben lassen und gut ist.

Vor zwei Wochen, musste ich mich leider das Wochenende rausnehmen, da mir dermaßen die Füße weh taten, dass ich kaum noch auftreten konnte. Diesbezüglich bin ich zu meinem Hausarzt und fragte ihn wie sich das nun verhält wegen dem individuellen BV ... er sagte, das es vom Betrieb her ausgesprochen werden muss. Da es ja wegen meiner Arbeit ist, die sich diesbezüglich nicht ans Mutterschutzgesetz hält. Verstehe ich irgendwie auch. Ich zu meiner Vorgesetzten, sie meinte, dass der Arzt es aussprechen muss oder ein Atest ausschreiben muss...

Da war mir das alles schon zu blöd und sagte mir... gut denn geh ich eben so lange arbeiten wie es geht... da ich ja eigentlich nicht krank machen oder eigentlich auch nicht werden will. Zum Schutze meines Krümels auch.

Ich informierte mich dahingehend auch bei meiner KEH, die meinte ein Atest vom Gyn müsste kommen. Ich zum Gyn, der drückte mir gleich ein Bogen in die Hand, wie es seit Anfang des Jahres 2019 wohl läuft, auch wie es im Mutterschutzgesetz steht. Ich hab die Hände übern Kopf geschlagen. Ich wieder zu meiner Chefin, ihr das gegeben und sie sagte nur und hob die Schultern, das es nicht so ist... und sie das an die Persoabteilung weiter leitet. Ein Kampf, dafür dass man arbeiten will. Aber eben unter anderen Vorraussetzungen oder anderen Bedingungen nicht mehr als die 4 h stehend am Tag...

So ich rief nächsten Tag noch das Lagus an... die meinten definitiv, das der Betrieb mich ins individuelle BV schicken muss, wenn sie mir keinen Schonplatz anbieten können...
ich bekomm ne Kriese...

Nun gut.. die brave schwangere Mutti geht wieder an die Arbeit steht ihrer Arbeit gerne entgegen... was mir ja Spaß macht mit meinem Kunden... :-) aber nach 4-5 Stunden ( habe dazwischen sicherlich auch meine Pause) geht mir das so in die Beine und Füße.
Letzten Donnerstag stellten mein Mann und ich erschreckend fest, dass es bei mir unten im Intimbereich alles angeschwollen ist ... hauptsächlich rechte Seite... ich habe erstmal eine eigene Diagnose erstellt, die mir Google bestätigt hat KRAMPFADERN und wollte am nächsten Tag zum Arzt um den das zu zeigen... da es ja nun wirklich unangenehm ist... da an dieser Stelle und man hat ja auch Angst das da was Platzen könnte.

Ich erstmal Beine hochgelegt und mich den ganzen Freitag geschont. Arzt hatte Brückentag..🙄

Am Samstag ging ich wieder Vorbildlich zur Arbeit... und nach 4-5 Stunden trat das Problem langsam wieder auf ... ich unterbrach meine Arbeit, da man ja auch Angst hat um sich und das kleine. Und bin Montags zum Gyn... der zog mein Problem voll ins lächerliche und meinte es wäre kein Krankheitsgrund... und ich erklärte was meine Chefin nun haben wollte wegen dem I BV ... er beharrt auf seine Meinung weiterhin, dass es Sache des Betriebes ist.. aber er schrieb widerwillig und mit rollenden Augen was auf einem Zettel.. dass es für mich als schwangere Frau das lange stehen unzumutbar ist siehe Mutterschutzgesetz.
Also richtig Wohl und Gut aufgefangen fühlt man sich da als Patienten auch nicht. Habe für die zwei Tage auch gerade so ein Krankenschein bekommen... Traurig...

Ich, gleich zu meiner Vorgesetzten um ihr das alles zu überreichen und zu sagen, was der Arzt wieder gesagt hat. Ich glaube wir sind gerade ziemlich genervt von einander ...
Meine Kolleginnen tratschen was das Zeug hält und werfen mir hinterrücks vor, nicht arbeiten zu wollen und ich ein anderen Arzt zu suchen um mich krank schreiben zu lassen. Bis heute oder morgen wollte ich das auch nicht...
Ich muss mich und mein Krümel schützen und wenn es eben nur so geht, denn geht es eben nicht anders.

Sonst würde oder wäre ich meinem Betrieb und meinem Bedürfnis zu arbeiten ja wohl kaum hinterher gerannt.

Aber jetzt kann ich einfach nicht mehr... ich fühl mich von meiner Arbeit (bin 10 Jahre in dem Unternehmen auch gerne da) nicht ernst genommen und von einem Frauenarzt schon garnicht. Wir haben hier bloß nicht so eine Große Auswahl, was Ärzte und Jobs betrifft.

So wie sieht’s aus...? Von wem muss denn das nun kommen, das individuelle BV, oder ausgesprochen werden.

Ich will jetzt einfach nur wissen wer im Recht ist, es geht mir nur noch ums Prinzip.

Tut mir Leid für den langen Text aber ich musste es erstmal nieder schreiben...

Danke mfg Jenny

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Liebe Ratsuchende,

gerne möchte ich deine Frage aufgrund deiner Angaben wie folgt beantworten:

Zum individuellen/ärztlichen Beschäftigungsverbot:

Das individuelle Beschäftigungsverbot ist in § 16 MuSchG geregelt. Danach darf ein Arbeitgeber eine schwangere Frau nicht beschäftigen, soweit nach einem ärztlichen Zeugnis ihre Gesundheit oder die ihres Kindes bei Fortdauer der Beschäftigung gefährdet ist. Für die Aussprache eines individuellen Beschäftigungsverbots ist somit maßgeblich, ob durch die Fortführung der Beschäftigung die Gesundheit von Mutter und Kind konkret gefährdet wird, und nicht, ob von dem Arbeitsplatz eine spezielle Gefährdung ausgeht.

§ 16 MuSchG setzt also ein ärztliches Zeugnis voraus. Ein Attest einer Hebamme oder eines Entbindungshelfer genügt also nicht. Das Zeugnis muss jedoch nicht zwangsläufig von Gynäkologen ausgestellt werden, sondern kann z.B. auch von Orthopäden oder Neurologen ausgestellt werden. Der Arbeitgeber darf kein amts- oder fachärztliches Attest verlangen.

Insbesondere liegt es im Ermessen der Ärzte zu prüfen und zu entscheiden, ob die Voraussetzungen für ein Beschäftigungsverbot vorliegen.

Zudem besteht in Deutschland das Recht auf freie Arztwahl (vgl. § 76 SGB V). Sofern du dich also nicht gut aufgehoben/beraten fühlst, kannst du auch jederzeit den Arzt/die Ärztin wechseln oder dir eine zweite Meinung einholen.


Zum betrieblichen Beschäftigungsverbot:

Ab dem Tag, an dem du deinem Arbeitgeber mitteilst, dass du schwanger bist, gilt für dich das Mutterschutzgesetz. Der Arbeitgeber muss dann die erforderlichen Schutzmaßnahmen nach Maßgabe einer Gefährdungsbeurteilung festlegen und einhalten (vgl. § 10 Abs. 1 und 2 MuSchG). Der Arbeitgeber darf eine schwangere Frau nur diejenigen Tätigkeiten ausüben lassen, für die er die erforderlichen Schutzmaßnahmen getroffen hat.

So hat der Arbeitgeber z.B. sicherzustellen, dass du die Tätigkeit am Arbeitsplatz, soweit es für dich erforderlich ist, kurz unterbrechen kannst. Während der Pausen und Arbeitsunterbrechungen muss dann sichergestellt werden, dass du dich hinlegen, hinsetzen und ausruhen kannst (vgl. § 9 Abs. 3 MuSchG).

Weiterhin darf dich dein Arbeitgeber keine Tätigkeiten ausüben lassen, bei denen du körperlichen Belastungen in einem Maß ausgesetzt bist oder sein kannst, die für dich oder dein Kind eine unverantwortbare Gefährdung darstellen. § 11 MuSchG regelt einen ausführlichen Katalog mit unzulässigen Tätigkeiten und Arbeitsbedingungen für schwangere Frauen. Gemäß § 11 Abs. 5 S. 2 Nr. 3 MuSchG darf der Arbeitgeber eine schwangere Frau keine Tätigkeiten ausüben lassen, bei denen sie nach Ablauf des fünften Monats der Schwangerschaft überwiegend bewegungsarm stehen muss und wenn diese Tätigkeit täglich vier Stunden überschreitet.

Für eine genaue Beurteilung kommt es entscheidend auf deinen individuellen Arbeitsalltag an. Dein Arbeitgeber hat dir ein Gespräch über die Anpassung deiner Arbeitsbedingungen anzubieten. Hier kann dann genau erörtert werden, wo Schutzmaßnahmen ergriffen werden müssen und welche Aufgaben du weiterhin gut übernehmen kannst.

Die Kenntnis einer Schwangerschaft führt demnach nicht automatisch zu einem Beschäftigungsverbot, sondern bedarf einer arbeitgeberseitigen Überprüfung der jeweiligen Tätigkeiten der Schwangeren. Dabei ist insbesondere die Rangfolge der Schutzmaßnahmen gem. § 13 MuSchG zu beachten.

Vorrangig sollen die Arbeitsbedingungen durch Schutzmaßnahmen umgestaltet werden, die Beschäftigte soll möglichst auf ihrem gewohnten Arbeitsplatz weiter beschäftigt werden. Ist das nicht möglich, ist ein Arbeitsplatzwechsel vorzunehmen, der eine Beschäftigung ohne die entsprechende Gefährdung ermöglicht. Ist ein solcher Arbeitsplatz nicht vorhanden oder der Frau nicht zumutbar kommt letzthilfsweise das Beschäftigungsverbot in Betracht. Dieses würde dann vom Arbeitgeber ausgesprochen werden.

Ich hoffe, deine Frage verständlich beantwortet zu haben und wünsche für die Zukunft alles Gute.

Liebe Grüße,
Alexandra

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Der Arzt ist im Recht, melde deinen Arbeitgeber der zuständigen Aufsichtsbehörde.