Es geht nicht um die Alten

Ich sage es mal etwas provokant. Es geht doch nicht um die Alten, die Risikogruppe. Mal von persönlichen Gründen und Emotionen abgesehen... Die Alten sterben eh (demnächst). Ob es nun 2020 oder 2022 ist, ist dabei doch fast schon egal. Finde ich und finden, wie es mir vorkommt, auch viele ältere Menschen. Dann bekommen sie es eben und sterben - wobei die Art zu sterben sicherlich alles andere als schön ist. Das ist Evolution, das ist das, was Darwin schon vor so vielen Jahren beschrieb. So.
Aber, das heißt eben nicht, dass man einfach so weitermachen kann, wie bisher, nein. Denn.. Meine Sorge ist nicht, dass die Alten sterben, sondern dass vielleicht am einem Tag im Sommer 2020 mein Kind einen Autounfall hat und kein Platz auf der Intensivstation ist.
Darum geht es nämlich auch.

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Die Risikogruppe beginnt ab 65 ( oder 60?)
Meine Grosseltern wurden beide über 90.
Dann hätte mein Papa noch ca 30 Jahre, finde schon, dass das was ausmacht.

Gut ,meiner 95 jährigen Oma wär es wahrscheinlich egal.

Und nein, es geht nicht ( nur) um die Alten ,es gibt auch junge Risikopatienten und es geht auch darum ,dass das Gesundheitdsystem nicht zusammenbricht.

Und für ein Kind ( egal wie alt es ist) ist es bestimmt genauso schlimm, wenn die Mutter nicht mehr versorgt werden kann, wie für dich, wenn es um dein Kind geht!

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Ganz richtig! Oder Dein Kind ist dann das Eine von Eintausend, das einen schweren Verlauf hat und die Medikamente sind alle. Oder es wird nicht behandelt weil dem Krankenhaus Mundschutze geklaut wurden. Oder mein Kind? Oder gar ich?? Leute, auch wenn die Gefahr geringer ist, es sterben auch junge Menschen ohne Vorerkrankungen an dem Mist!!

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Warum bist Du so sicher das es Dich oder Dein Mann oder Dein Kind nicht treffen kann mit einem schweren Verlauf? Die Vorhersagen beruhen nur auf Statistik - und sind keine absolute Wahrheit. In Frankreich sind 50% der schweren Verläufe unter 60. Auch mittelschwere Verläufe können Lungenschäden behalten. die Leute sterben bei vollem Bewusstsein am Ertrinken! nach wochenlangem beatmen. Da ist Selten so ein wenig emphatischen Post gesehen!

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Ich sagte ja, dass der Post bewusst provokant ist. Und natürlich kann auch uns ein schwerer Verlauf treffen.

Aber das ist ja auch, worum es mir geht. Viele Leute und auch viele ältere bis ganz alte, mit denen ich so spreche und von denen ich so lese, sagen entweder (wenn noch jung) - naja, uns trifft es ja nicht, weil wir keine Risikogruppe sind oder (wenn alt) ach, wenn es mich trifft, ist es auch okay, ich habe mein Leben gelebt. Und mit diesen Begründungen machen sie weiter wie bisher. Dass es vielleicht auch jüngere Menschen schwer treffen kann, wobei die Letalität schon ab hohem Alter deutlich steigt meines Wissens nach, oder eben (und das finde ich immer noch das wichtigste Argument) das Gesundheitssystem kollabiert und auch die jungen und jüngsten, die vielleicht wegen ganz anderen Sachen versorgt werden müssten, daran sterben könnten, bleibt in dieser Argumentation außen vor. Und manchmal habe ich das Gefühl, dass man es den Leuten mal so deutlich sagen muss.

Und, dass es gesamtgesellschaftlich - hier geht es mir bewusst nicht um die Emotionalität des Einzelnen für den es natürlich tragisch ist, wenn Oma und Opa oder auch Eltern sterben - einfach schlimmer ist, wenn viele junge Menschen und Kinder sterben, würde ich schon so stehen lassen.

Und deswegen habe ich es so provokant formuliert. Es ging mir nicht um Empathie. Die kann ich auch, wenn es um den Einzelfall geht, aber den hatte ich hier nicht im Fokus.

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Außerdem sterben weit nicht "nur" "die Alten".
50% der Intensivpatienten sind unter 50 und teils sogar unter 40.
Unsere Nachbarländer schlagen deshalb nicht schon umsonst Alarm, aber in Deutschland geistert noch immer die Fehlinformation herum, dass es Menschen unter 65 ja nicht schwer trifft.

https://twitter.com/AllisonFox4News/status/1240001658446385158?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1240001658446385158&ref_url=https%3A%2F%2Fwww.redditmedia.com%2Fmediaembed%2Ffkmbb8%3Fresponsive%3Dtrue%26is_nightmode%3Dfalse

https://www.vrt.be/vrtnws/nl/2020/03/16/spoedarts/

https://m.nocutnews.co.kr/news/5311057

https://www.independent.co.uk/news/world/europe/coronavirus-italy-update-young-people-hospital-luca-lorini-bergamo-a9402531.html

https://www.franceculture.fr/sciences/ce-que-lon-sait-pour-linstant

https://www.ad.nl/dossier-coronavirus/veertig-a-vijftig-nederlandse-coronapatienten-op-intensive-cares-meer-dan-de-helft-is-onder-de-vijftig~a058aad2/

https://pbs.twimg.com/media/ES74IhDXsAEquLj?format=jpg&name=medium

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Welche Fehlinformation?
Nur weil viele des richtigen Lesens nicht mächtig sind, was schon immer zu beobachten ist, geistern keine Falschinformationen um.
Es heißt immer dass es vor allem! Alte und Kranke Erkrankte trifft. Um zu bewerten ob das in Relation stimmt muss man erst mal wissen wie die Relation der Erkrankten nach Alter sortiert ist. Da Rentner oft weniger Sozialkontakte haben wie jemand der in grossen Betrieben oder gar im Dienstleistungssektor arbeitet erkranken sie schon im Durchschnitt seltener. Und es gibt nochmal einem riesen Unterschied ob jemand nur auf Intensiv lag oder verstorben ist. Aug Intensiv liegen heißt nicht immer akute Lebensgefahr. Und von denen mit schweren Verläufen ist es dich völlig korrekt dass vor allem um 80 jährige sterben.

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Hast du nicht gelesen?

Ein Großteil derer, die auf der INTENSIVSTATION liegen, sind Menschen unter 50. Sowohl in Frankreich, Belgien und auch in Italien nehmen die kritischen Fälle unter jungen Menschen immer mehr zu.

Und ja, es gibt leider noch immer Menschen (auch Experten) in Deutschland, die behaupten, die Krankheit wäre für Leute unter 65 ein Schnupfen. Das stimmt nur leider so generell gar nicht.

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Meine beste Freundin ist 35. Hat Diabetes 1 und Asthma. Sie hat ein sehr hohes Risiko auf einen schweren Verlauf.
Begründet du das auch mit Darwin? Hat sie ein langes Leben weniger verdient?
Wenn ja, bist du ein sehr schlechter Mensch.

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Es geht nicht um die Alten. Schrieb ich doch. Ich habe doch niemals gesagt, dass ich möchte, dass der Virus alle dahin rafft. Ich möchte, dass die Menschen sich solidarisch verhalten und nicht so tun als ginge es nur um die Alten. Denn um die geht es nicht / sollte es nicht alleine gehen. Es geht eben z. B. auch um deine Freundin. Du hast mich falsch verstanden.

Aber ja. Es gehört leider dazu, dass es erst die schlimm trifft, die schon Vorerkrankungen haben und ja, das ist Darwin. Natürlich hat sie es nicht weniger verdient, es geht doch nicht um verdienen, das wäre moralisch. Aber sie hat vermutlich eine geringere Lebenserwartung als andere Menschen. Das ist schlicht Biologie...und vielleicht Pech, wenn man das so sehen will.

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Ihr müsst ja alle eure Eltern und Großeltern hassen. Sorry, kann ich gar nicht verstehen. Diese sind mir die liebsten Menschen auf der Welt und haben sich aufopferungsvoll um mich gekümmert als ich es als Baby/Kind und auch später brauchte. Das ist der Dank dafür. Hoffentlich denkt dein Kind/Enkelkind später mal nicht so über dich. Finde ich ganz schrecklich!

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Gar nicht. Ich liebe diese Menschen. Und ihr Verlust würde mir sehr weh tun. Aber das ist Emotion. Das, was ich hier versucht habe, zu beschreiben, ist viel rationaler. Und.. Meine Eltern sehen es übrigens ähnlich. Natürlich wollen sie nicht sterben, auch deswegen bleiben Sie zu Hause. Aber auch, um solidarisch mit dem Gesamtsystem zu sein, um dafür Sorge zu tragen, dass möglichst viele nicht nur den Virus überstehen, sondern auch andere Krankheiten und Unfälle, zu denen es in der Zeit kommen kann. Aber, ich bleibe dabei, gesellschaftlich macht es einen Unterschied, ob vor allem Menschen ab 80 Jahren oder Menschen unter 40 sterben. Egal, wie sehr das im Einzelfall weh tut.

Und ich möchte nochmal betonen, dass ich weiß, dass das provokant ist. Mein Plädoyer ist nicht 'lasst alle Alten einfach sterben', sondern 'hört auf, nicht weiter als bis zur eigenen Oma zu denken' oder 'Oma, hör auf, nur an dich zu denken'