Tabuthema

Hallo!

Hier im Forum liest man oft, wie schwer sich viele Menschen damit tun, Freunde und Familie nicht persönlich treffen zu können (da es verboten ist, oder nicht empfohlen wird).

Dann beichte ich mal:
Ich genieße die Zeit alleine mit Mann und Tochter so sehr! Für mich ist das wie ein Geschenk.

Achtung: Das soll nicht heißen, dass eine Pandemie ein Geschenk für mich ist. Der Virus und seine Auswirkungen sind sehr sehr schlimm!!
Ich möchte in diesem Post nur den Bereich der eingeschränkten Sozialkontake beleuchten und wie unterschiedlich die Menschen diese Verbote/Empfehlungen empfinden können.

Ich persönlich fühle mich momentan sehr frei, da ich keinerlei sozialen Verpflichtungen nachgehen muss.

Normalerweise beginnt meine Woche direkt damit, zu überlegen, an welchem Wochentag ich meine Schwiegereltern am besten unterbringen kann, damit sie unsere Tochter sehen können.
Für mich ist das Pflicht und kein Lustbesuch.
Auch auf Treffen mit Freunden und Bekannten kann ich erstaunlicherweise wunderbar verzichten...🤷‍♀️

Ich blühe gerade richtig auf, entdecke mich selbst ganz neu und verlebe wunderschöne Tage mit meinem Kind.🥰
Mein Mann ist nun auch viel mehr Zuhause, es ist so schön, und mir graut schon davor, wenn alles wieder so hektisch wird wie vorher.
Dann heißt es wieder:

"Wir sollten uns mal wieder mit meinen Eltern essen gehen!",
"Wir müssen Julian ins Helene dringend mal wieder zum Grillen einladen!",
"Meine Schwester hat uns übers Wochenende nach Frankfurt eingeladen, da sollten wir hin.",
"Wir sollten...", "Wir müssen...".....

Sicherlich wird irgendwann auch für mich der Tag kommen, an dem ich mich über mehr Sozialkontakte wieder freue, aber dieser Tag liegt gefühlt noch in weiter Ferne.

Und ja, so lange werde ich unserem sozialen Umfeld weiterhin ins Telefon heucheln:
"Ja, echt schade, dass wir uns gerade nicht sehen können!"

Warum ich das tue?
Weil ein ehrliches: "Ihr fehlt mir erstaunlicherweise überhaupt nicht.", nicht besonders höflich und gesellschaftlich inakzeptabel wäre.


Geht es irgendjemandem da draußen ähnlich?
Vermutlich schreiben jetzt viele: Nein.
Alles andere würde mich jedenfalls überraschen.

Lg

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Ich kann das sehr gut verstehen.
Zukünftig: nimm dir mehr Zeit für dich und deine Familie und lass die sozialen Verpflichtungen einfach weg, wenn es für dich ein Zwang ist.
Das ist auf Dauer nicht gesund.

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Mir fehlen soziale Kontakte zu meiner Familie sehr, denn wir sind sehr eng miteinander.
Aber ich kann auch verstehen, wenn man es genießt

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Ich unterschreibe deinen Text so. Könnte von mir sein. Ich genieße die Zeit auch. Wir beide arbeiten und betreuen unserem Sohn jetzt alleine ohne Großeltern. Ich vermisse niemanden. Ich liebe meine Eltern und Schwiegereltern, meine Schwägerin und meine engen Freunde. Aber vermissen tue ich sie überhaupt nicht. Wir haben eh täglich Kontakt, jetzt fallen halt die zusätzlichen Pflichttermine weg...hier Kinderturnen, da die 40. Geburtstage, da Eltern besuchen, Stress Stress Stress...

Nichtsdestotrotz hab ich Angst vor der kommenden Zeit und hoffe wir alle bleiben gesund. Der Virus und das Drumherum ist schrecklich. Ich persönlich ruhe aber in mir... würde ich aber auch niemandem auf die Nase binden...

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Da bin ich jetzt wirklich etwas überrascht über die bisherigen Antworten.:-)

Aber das ist wohl tatsächlich eine Sache, die man nicht laut aussprechen würde. Man möchte schließlich niemanden verletzen.

Alles Liebe!

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Ich verstehe dich sehr gut!
Ich habe drei Kinder, da ist die Woche normalerweise prall gefüllt mit Aktivitäten. Ich bin gefühlt immer unterwegs, ein Kind dort hinbringen, das andere da abholen...
Jetzt haben wir unendlich viel Zeit für alles, wir gestalten uns jeden Tag, so wie es für uns passt und das genießen wir sehr. Wir haben absolut keinen Zeitdruck und keinen Stress.
Auch der wöchentliche Besuch bei den Schwiegereltern fehlt mir nicht...

ABER ich vermisse es sehr, mich mit Freundinnen zu treffen, zu plaudern und einfach einmal nicht nur Mama zu sein. Ich bin seit drei Wochen fast ununterbrochen daheim und zu 80% tagsüber alleine mit den kids. (Mein Mann arbeitet sehr sehr viel zurzeit, den sehe ich leider weniger, als vor Corona)
Und meine Kinder, vor allem die Große, vermissen ihre Freunde unendlich!

Also bin ich doch sehr froh, wenn alles vorbei ist! 😉

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Hallöchen, mir geht's genauso. Wir wohnen von unseren Familien weiter entfernt und sehen sie auch so nur einmal im Monat. Gerade zu meinen Schwiegereltern müssen wir immer fahren, sie kommen quasi nie zu uns, obwohl noch fit. Ich finde es sehr nervig, dann ständig zu hören: Ja, ihr müsst mal wieder herkommen.
Jetzt geht das nicht und ich vermisse niemanden. Mit meinen Eltern telefoniere ich oft und das reicht mir auch im Moment aus 😊
Und auch Freunde.. wir schreiben jetzt eben mehr. Ich genieße auch Die Zeit mit der Familie.

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Mir geht es ganz ähnlich!
Ich genieße das Nichts-Müssen so sehr, dass ich viel mehr von mir aus andere Menschen anrufe. Vieles vor der Krise war Pflicht: berufl., privat, ja sogar in der Freizeit... XY haben doch eingeladen - wann hätten wir denn mal Zeit uns zu revangieren usw....
Es entlastet auch gewissermaßen, dass man weiß, man muss nirgends hin und sich nirgends blicken lassen, weil andere das auch nicht können.

ich würde das auch jetzt gar nicht irgendwie bewerten im Sinne von "wie dekadent ist das denn? Wo anders wird ums Überleben gekämpft und ich verfalle hier ins Bierdermeier..."

Ich leide einfach nicht unter der Isolation, sondern bekomme den Kopf frei, erledige Dinge in unserer Wohnung, die lange liegengeblieben sind, schmöker in meinem Bücherregal und freue mich auf ganz einfache, kleine Dinge des Lebens, wenn wir wieder raus dürfen, Eisdiele zum Beispiel.

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"Ich genieße das Nichts-Müssen so sehr, dass ich viel mehr von mir aus andere Menschen anrufe."

Mir geht es da sehr ähnlich.
Wenn jemand immer wieder Druck auf mich ausübt, verschließe ich mich eher.
Ohne Erwartungshaltungen von Außen, bin ich viel offener.

Grundsätzlich muss man wohl einfach lernen, auch mal "Nein, danke." zu sagen, anstatt sich zu jedem Treffen und jeder Aktivität zu zwingen, weil es so erwartet wird.

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Mir geht es leider nicht ähnlich, aber das liegt auch daran, dass meine Familie und meine beiden engsten Freundinnen in einem anderen Land wohnen als ich. Wir hätten uns jetzt über Ostern das erste mal seit ein paar Monaten wieder gesehen, darum hatte ich mich darauf sehr gefreut und das vermisse ich jetzt natürlich.

Ich denke, wenn ich näher an meiner Familie wohnen und sie regelmäßig sehen würde, wäre das jetzt aber kein großes Problem für mich. Wir stehen uns sehr nah, aber wenn ich sie sonst regelmäßig sehen würde, fände ich es gar nicht so schlimm. Ist für mich jetzt nur eben doof, weil ich sie dadurch erst frühestens im August wieder sehen kann und das wären dann insgesamt ca. 7,5 Monate, die ich meine Eltern, Schwester und engsten Freunde nicht gesehen habe und das finde ich schon lange. :-)

Zumal sie dadurch quasi meine ganze Schwangerschaft verpassen und es ist das erste Enkelkind meiner Eltern... das finde ich schade. Klar, man spricht über Skype und schreibt Neuigkeiten auf WhatsApp, aber es ist eben doch nicht das gleiche.

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Aber obwohl ich es komplett anders sehe als du, finde ich nicht, dass das eine "Beichte" ist oder ein Tabuthema. Wenn du das so empfindest, ist das doch vollkommen in Ordnung und ich finde es toll, dass Leute, die sonst unter den "sozialen Verpflichtungen" leiden, sich davon ein bisschen erholen können. ;-)

Vielleicht kann man diese Zeit dann auch nutzen, um zu reflektieren, ob man diese Pflichtbesuche wirklich (so häufig) machen muss, oder ob man das nicht einschränken kann - was bringen sie, wenn zumindest der eine Part dabei nicht glücklich ist oder es nicht als so erfüllend, sondern stressig empfindet?

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Das ist bei dir natürlich noch einmal eine ganz andere Ausgangssituation und das tut mir wirklich sehr leid für dich!:-(

Ich wünsche dir trotzdem eine schöne Schwangerschaft, alles Gute und vor allem Gesundheit!#herzlich

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Auf diesen Post habe ich schon lange gewartet :-) Mir geht es in der Tat genau gleich. Ich bin nun schon seit 5 Wochen im Homeoffice und ich liebe es! Mir fällt weder die Decke auf den Kopf noch vermisse ich soziale Kontakte. Und wie eine andere Userin schrieb: Seit ich nicht mehr MUSS, telefoniere ich viel viel öfter von mir aus. Es ist so schön. Ich liebe mein Haus, meine Tiere, meine grossen Garten.. ich fühle mich wohl zu Hause. Vor allem aber liebe ich meinen Mann. Wir sehen uns nun viel öfter, da ich den ganzen Tag zu Hause bin. Dadurch bedingt, dass er in der Gastronomie arbeitet, gibt es manchmal Wochen, an denen wir uns nur kurz nach meinem Feierabend und vor seinem Arbeitsbeginn zwischen Tür und Angel kurz sehen.
Auch streiten wir uns nicht oder gehen uns gegenseitig auf den Sack, so wie man es auch von vielen Paaren hört.

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Ja mir geht es sehr ähnlich. Hätte ich nie gedacht, ich bin immer viel unterwegs gewesen und war der Ansicht, das zu „brauchen“. Diese absolute Entschleunigung tut mir psychisch aber so gut, dass ich schon überlege, wie ich einen Teil davon später mit in die Normalität nehmen kann. Und die vielen Zeit mit meinem Kind ist sowieso ganz toll, weder langweilen wir uns bis jetzt noch gehen wir uns gegenseitig auf die Nerven.
Nun habe ich auch eine luxuriöse Situation: wir sind zu zwei Erwachsenen mit einem Kind zuhause, müssen uns keine Sorgen um unsere Jobs machen, haben einen Garten, die Sonne scheint seit Schulschließung nahezu immer. Das alles macht es natürlich leichter. Ich bin sehr gespannt, welche Entscheidungen nächste Woche gefällt werden und würde es meinem Sohn so sehr gönnen, zumindest einen Freund treffen zu können. Aber über mich selbst habe ich in den letzten Wochen viel gelernt und hoffe, davon langfristig profitieren zu können!