Großeltern und Warten auf Impfstoff

Mich treibt einer Sache massiv um.
Wir leben in Bayern und halten uns an die aktuellen Regeln. Großeltern haben wir seit Mitte März nicht gesehen. So weit so gut.
Mich beschäftigt die Zukunft.
Egal wann, irgendwann wird es Lockerungen geben, auch Schulen und Kitas werden wieder öffnen.
Sicher ist aber vermutlich, dass die Risikogruppen weiterhin geschützt werden müssen, also die Senioren.
Die Großeltern sind bei uns 70 und 75 Jahre ohne Vorerkrankungen, gehören aber aufgrund ihres Alters zur Risikogruppe.
Um diese sinnvoll zu schützen, müsste man doch eigentlich von jedem Kontakt absehen, bis es einen Impfstoff gibt. Zumindest, was die Kinder betrifft. Unsere sind 2 und 5 Jahre alt, haben ein sehr inniges Verhältnis und übernachten dort regelmäßig. Mein Mann sagt (es sind seine Eltern), dass das nicht mehr geht, bis es eine Impfung oder ein Medikament gibt, weil er sich nicht im schlimmsten Fall fragen will, ob er/Mitglieder seiner Familie für die Erkrankung seiner Eltern verantwortlich sein will.
Ist schon richtig, aber in aller Konsequenz heißt das, Kinder und Großeltern fern halten, bis es einen Impfstoff gibt?!

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Ich bin der Meinung man sollte es selber entscheiden ob man das Risiko eingehen möchte oder nicht. Ich kenne viele ältere in meiner Umgebung und die finden die Isolation absolut unnötig. Die meisten haben auch eine Patientenverfügung die lebenserhaltende Maßnahmen ausschließt. Sie sagen lieber jetzt glücklich an Korona sterben wie noch monatelang isoliert zu Hause sitzen.
Meine 80 jährige Mutter hatte schon Korona, aus ihrem Bekanntenkreis auch ein paar, alle hatten leichte Verläufe, dafür sind seid März 4 Leute gestorben die einfach nur alt waren. Diese hätten es sicher besser gefunden nochmal ihre Lieben zu sehen und nicht alleine in ihren Wohnungen vor sich hin zu vegetieren.

Die Frau unseres 92 jährigen Nachbarn hat Demenz, bis März war sie in der Tagespflege, jetzt muss er sich um alles kümmern und das kann er nicht, er wird nicht mit ihr fertig.
Der Pflegedienst kommt nicht weil die zu wenig Personal haben. Wir als Nachbarn versuchen ein wenig zu helfen indem wir teilweise für ihn einkaufen, das will er aber nicht. Er meint er ist froh wenn er zu Hause raus kann, er hat Angst das er seiner Frau irgendwann was antut. Caritas und co helfen nicht wirklich, ihm wurde angeboten er kann anrufen wenn er Redebedarf hat, sowas finde ich unmöglich, er will nicht reden er braucht dringend Hilfe.
Die Familie hält sich an das Besuchsverbot mit der Begründung man will sie keinem unnötigen Risiko aussetzen, ganz ehrlich im Moment sehe ich ehr das Risiko das er sich oder seiner Frau was antut. Wir Nachbarn schauen jetzt immer ob wir ihn oder seine Frau sehen, wenn nicht rufen wir ihn an. Das kann aber so auch nicht ewig weiter gehen.

Man sollte das alles abwägen. Wenn die älteren Leuten Kontakt wollen ,müssen sie damit rechnen das sie sich anstecken und das sie das eventuell nicht überleben. Was ich bis jetzt so mitbekommen habe gibt es dieses Bewusstsein auch bei vielen. Wenn man sich isolieren möchte weil man Angst hat ist das auch ok, man sollte den Menschen aber die Wahl lassen. Da die meisten älteren die ich kenne auch eine Patientenverfügung haben dürfte sich dann auch das Argument mit zu wenigen Beatmungsgeräten erledigt haben.

LG
Visilo

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Hallo,
also "glücklich an Corona" sterben sagt sich sehr leicht dahin, solange man nicht wirklich krank ist. Aber wenn es dann doch so weit kommt, und der Verlauf alles andere als gut ist, weiß ich ehrlich gesagt nicht, ob dann die Leute noch so glücklich dem Tod entgegenschauen.
Mich erinnert das immer an starke Raucher, die meinen, lieber ein kurzes glückliches Leben mit Zigaretten nom stop als ein langes Leben ohne Rauch. Wenn dann aber Lungenkrebs diagnostiziert wird, schaut es plötzlich anders aus.
Ich bin auch dafür, dass jeder selber entscheiden kann und Patientenverfügungen treffen darf. Aber ich glaube auch, dass sich einige davon gar nicht bewusst sind, was das dann wirklich bedeutet. Vor allem dann, wenn der Tod nicht schnell und schmerzlos kommt.
Lg

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glücklich war darauf bezogen das man in den letzten Tagen nicht alleine ist. Viele haben ihr Leben gelebt und empfinden es schlimmer einsam und alleine zu sein. Nur weil man alt ist heisst das ja noch nicht zwangsläufig das die Krankheit tötlich verläuft.

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Neben Impfstoff wäre auch interessant, wie sich das Virus verhält.

- Immunität (selbst nicht mehr bekommen können?
- Weitergabe, wenn man es schon mal hatte?

Da weiß man aktuell noch zu wenig darüber. Je mehr man erforschen kann, desto eher kann man dann Wege finden.

Scharlach:
kann man häufiger bekommen. Dafür gibt es ein Medikament.
In der Inkubationszeit hatten wir so wenig Kontakt wie möglich und keinen zu Bezugsgroßeltern, Großeltern und anderen Verwandten.

Das Risiko eines schwereren Verlaufes wollte ich nicht tragen.

Masern:
Heilungsmedikamente gibt es soweit ich weiß nicht. Linderungsmedikamente weiß ich nicht
Dafür gibt es Impfungen um das Risiko zu minimieren.
Immunität und Herdenschutz ist bekannt.

Corona?
Es wird noch geforscht.

Wenn klarer ist, wie es sich verhält, weiß man auch mehr zu Dauer, Möglichkeiten, Prioritäten.

Auch Scharlach steckte mal in den Kinderschuhen zur Forschung. Heute haben wir ein AB, kennen die Inkubationszeit und wir wissen, dass man es durchaus wieder bekommen kann. Aber auch, dass es nicht automatisch jeder bekommt, der mit dem Kranken Kontakt hat. Risiko aber besteht.

Zu meiner Omas Zeit war Scharlach noch überwiegend tötlich, dauerte oft Wochen und wer konnte, vermied den Kontakt zur Familie.
Nicht jeder hatte Zugang zu Medikamenten oder vertraute darauf.

Daher traue ich schon der Forschung, muss mir aber selbst immer wieder vor Augen halten:

nur weil wir heute vieles sofort Verfügbar haben (E-Mails in Sekunden, Whats app oder Echtzeitüberweisungen), gibt es eben noch Gebiete, die wie früher auch Zeit brauchen. Die nicht sofort verfügbar sind.

Antibiotikum bei Scharlach ist für uns sofort verfügbar, weil vor vielen Jahren lange Zeit daran geforscht wurde.

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Stimme ich dir voll umfänglich zu.
Aber in Bezug auf Corona hieße das, bis die Forschungsergebnisse etc. vorliegen keinen Kontakt zu Risikogruppen. Hieße dann im schlechtesten Fall, dass meine Kinder die nächsten 12-18 Monate keinen direkten Kontakt zu Oma und Opa haben.

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Das ist die Frage, die aktuell noch offen ist und welche Möglichkeiten sich mit Teilergebnissen ergeben werden.

Bei Lockerungen dann auch, was man mit seinem Gewissen vereinbaren kann,
wie der individuelle Gesundheitszustand ist,
wie die jeweilige medizinische Versorgung vor Ort aussieht.

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" aber in aller Konsequenz heißt das, Kinder und Großeltern fern halten, bis es einen Impfstoff gibt?! "

Ja, richtig, in aller Konsequenz heißt es das wohl. Und es kann durchaus jahre dauern, bis es einen vernünftigen, verfügbaren impfstoff gibt.

Vielleicht sollten das aber die ältere Generation für sich entscheiden. Nicht jeder will auf den Kontakt zu seiner Familie verzichten nur um evtl ein, zwei, drei Jahre länger zu leben...
Für viele sind gerade die Enkelkinder das wichtigste im Leben.

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Ich gehe davon aus, dass meine Schwiegereltern das so sehen. Mein Mann hat für den Fall aber schon angekündigt, dass er trotzdem das Risiko nicht eingehen will. Aber da muss ich mich wohl mit ihnen auseinandersetzen.

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Es geht doch nicht nur um die Großeltern!
Dann müsstest du alles Risikogruppen isolieren.
Das funktioniert nicht!

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Ja, wenn man niemanden mit nix anstecken möchte oder nicht angesteckt werden will, muss man sich isolieren. Immer. Das ist natürlich Quatsch. Solange ihr euch gesund fühlt, würde ich das Risiko eingehen. Und ich finde, Oma und Opa (sofern nicht dement) haben da auch ein Mitspracherecht.

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Ich hab jetzt lang hin und her überlegt, denn gerade wenn Kindergärten wieder auf sind sehe ich die Gefahr dass der Kleine was reinschleppt. Ich denke ich werde, wenn es wieder erlaubt ist, meine Eltern weiter nicht als Betreuung einplanen bis das Thema Impfen durch ist, sie weiter beim Einkaufen unterstützen, aber ich werde ihnen nicht verbieten den Enkel zu sehen.
Wenn mein Vater der viel Holzspielzeug baut mal wieder fragt ob der Kleine mal zum Probespielen kommen kann oder Oma nen Pudding mit ihm kochen und essen will und sie ein paar Minuten zusammen verbringen werde ich das Thema Ansteckungsgefahr und Umgang damit beim ersten Mal offen ansprechen und dann wirklich versuchen mir zu sagen dass sie für ihr Leben selbst verantwortlich sind. Ich meine, ich treffe für mich ja auch Entscheidungen die da entscheidend sind, wie ich weiterarbeite (hatte die Wahl ob ich weiter Kundenkontakt haben will oder nur Innendienst), zu welchen Uhrzeiten und wie oft ich Einkaufen gehe ... Meine Eltern sind nur Rentner, zwar mit Vorerkrankungen die jetzt aber nicht auf der Liste der Hochrisikogruppe stehen, aber geistig fit.
Ihr Enkel ist ihnen wichtig, und im Vorschulalter machen die Kleinen ja auch solche Schübe dass man sagen kann man verpasst wirklich was.

Ich finde es ehrlich bezeichnend, wenn hier gejammert wird dass sich Ältere einmischen kommt immer "sie haben mehr Erfahrung, hört doch auch mal auf sie" und jetzt tun wir so als wären alle über 60 grenzdebil und nicht mehr zurechnungsfähig.

Ich werde schauen dass das Risiko so gering wie möglich ist, vielleicht nach einer guten Woche Ferien sagen "he, jetzt ist die Gefahr sehr gering, jetzt kann er auch mal länger kommen", und Zeit im Garten bevorzugen. Ich werde es nicht "einfordern", ihn nicht von mir aus schicken, aber komplett untersagen werde ich es nicht. Wir leben in einem Mehrgenerationenhaus, Ich kann meine Eltern nicht über Monate wie Aussätzige behandeln.

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Dann musst du jeden schützen, der zur Risikogruppe gehört! Und isolieren.

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Ja und das ist einfach unmöglich auch die zur risikogruppe gehören müssen wieder arbeiten gehen die können doch schlimmstenfalls nicht jahrelang sich daheim einsperren.
Wenn die infizierten zurückgehen sinkt auch das risiko einer ansteckung.
Richtig gefährlich wird es vorallem wenn man in einem land lebt wo das gesundheitssystem sowiso scheiße ist (siehe usa) oder das system total überlastet ist. Also sieht es in D und Ö sowiso besser aus als bsp in italien.
Und ganz ehrlich wenn ich mich schon anstecken sollten wäre es mir persönlich lieber wenn ich es jetzt bekomme wo die krankenhäuser noch kapazitäten haben als vielleicht erst gegen ende hin.
Das virus geht sowiso nicht mehr weg jetzt wird in zukunft nicht nur die grippewelle im winter kommen sondern auch das coronavirus. Und bei risikopatienten reicht auch schon die grippe oder oftmals schon ein schnupfen das gehört halt auch zum.leben dazu.
Ich hab ehrlich gesagt vor anderen keimen mehr angst wie die ganzen antibiotikaresistenten wo auch nicht weiter geforscht wird zwecks alternativen weil es sich für pharmafirmen sich wirtschaftlich nicht rentiert da zu forschen.
In zukunft werden viele krankheiten die gut zu behandeln waren wieder tödlich enden.
Sobald das.system wieder gut funktioniert werden wir auch wieder jeden besuchen gehen mal ehrlich soll man sich jetzt jahrelang überall fernhalten?!

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Hallo

Es muss auch nicht jeder infizierte ins Kh!

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Da haben die Medien es super gemacht. Anstatt auf den Überlebenswillen und der persönlichen Mündigkeit zu bauen, hat man es umgekehrt gemacht und die Verantwortung an die jungen, gesunden Kinder abgegeben. Ist doch viel besser, wenn man Familie nur noch mit fahlem Beigeschmack und schlechtem Gewissen sehen kann.

Dein Mann sollte sich fragen, ob es ihm denn besser gehen würde, wenn sie an Herzinfarkt oder beliebigen anderen Ursachen sterben und er sie davor monatelang traurig in Isolation gehalten hat.

Wenn sie das Risiko einschätzen und aufnehmen, dann weil ihnen ein schönes Leben wichtiger ist, als ein Leben ohne Freude. Ihre Mündigkeit darf er ihnen nicht absprechen.

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Ich denke, es geht ihren Mann aber darum, dass er nicht derjenige sein will, der das Virus zu ihnen bringt (er selber oder Kinder, läuft dann eh auf dasselbe hinaus).
Ein Herzinfarkt ist auch tragisch, aber nicht seine Schuld.
Und ob er das Risiko, ein Überträger zu sein, eingehen will oder nicht, muss man ihm trotzdem selber entscheiden lassen. Wie weit sich seine Eltern ansonsten an die Maßnahmen halten, liegt natürlich in deren Ermessen.
Lg

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Aber es wäre seine Schuld, wenn sie an einem Herzinfarkt sterben und sich davor monatelang oder jahrelang nicht gesehen haben, obwohl sie es wollten.

Wenn man nicht gerade selbst Symptome hat (und da geht man begrenzte Zeit nicht zu Besuch) kann man doch sowieso nicht 100zig wissen, von wem man erkrankt ist. Außer die Großeltern haben sonst 0 Kontakte oder man hat plötzlich so viel mehr Testkapazitäten. Aber das ist auch nicht der springende Punkt.

Das Leben ist ganz ohne Corona tödlich. Man geht jeden Tag ein Risiko ein. Wenn jemand abwägt, dass er lieber seine Liebsten lieber sieht als wertvolle Zeit in Isolation zu verbringen, dann sollte man das auch respektieren.

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Hallo
ich kann zwar deinen Mann verstehen, dass er unter keinen Umständen der Überträger des Virus an seine Eltern sein will.
Andererseits ist es halt bis zum Impfstoff wahrscheinlich noch eine Zeitlang hin.
Was Medikamente betrifft, da sickern schon immer wieder kleine Erfolgsmeldungen durch. Braucht natürlich auch seine Zeit, bis es gesicherte Ergebnisse gibt, aber vielleicht ist das schon absehbar.
Also, wenn Medikamente am Markt sind, denke ich, kann man es schon wieder lockerer sehen. Natürlich kann es auch da sein, dass sie nicht jedem helfen. Das Risiko ist aber schon wesentlich kleiner.
Lg

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Oder man weiss seinem covid 19 Antikörper Status. Wir halten uns auch streng an die Quarantäne. Ausserdem sind meine Eltern immer nach den Impfempfehlungen geimpft. In diesem Fall influenza, Pertussis und Pneumovax 23. Das könnten die Grosseltern noch für ihre Gesundheit tun. Ihren Impfstatus prüfen und entsprechend handeln.