Endlich wieder aufregen...

Social Distancing nicht nur räumlich, sondern auch geistig. Nur keine Empathie zeigen für andere.

Mir gehts finanziell gut, ich bekomm das hin - warum beklagt sich also mein Nachbar, dass es bei ihm nicht rund läuft? Soll der sich doch mehr anstrengen und überhaupt, warum hat er keine Rücklagen.
Mein Kind beschäftigt sich prima allein und ist rundum zufrieden. Sollen sich andere mal nicht so anstellen. Ich hätte noch 100te Ideen für den Alltag. Selber schuld, wenn Park, Wald oder Garten nicht zur Verfügung stehen.
Mein Kind schafft alle Schulaufgaben problemlos. Ich versteh nicht, warum das andere nicht hinbekommen. Sonderpädagogen und intensive Förderung durch ausgebildete (Integrativ-) Fachkräfte an den Schulen muss doch ein Mamaherz ersetzen können.
Was macht der sich eigentlich Sorgen um sein Restaurant / Theater / Sportverein / Musikschule / ... Braucht doch kein Mensch, ich genüge mir selbst.
Was will die eigentlich, ist doch super den ganzen Tag allein zu Hause, guckt sie halt aus dem Fenster oder in den Fernseher. Selbst schuld, wenn sie beruflich weit wegzieht.

...

Warum denken eigentlich nicht alle wie ich? Einfach positiv denken und das beste draus machen. Jeder hat es selbst in der Hand.



Und zwei Wohnungen drüber weint sich Lieschen in den Schlaf, weil Mama heute die Hand ausgerutscht ist - schon wieder. Weil sie die Aufgaben der Lehrerin nicht verstand. Und Papa immer schlechte Laune hat, ständig trinkt und böse Sachen sagt und wieder nicht spielen wollte. Weil sie einsam ist, nicht raus darf und sie nicht Tochter der tollen Nachbarin zwei Etagen tiefer geworden ist.

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Es gibt zwei Gruppen von "Jammerern".

Wer jammert, weil die Situation halt beschissen *ist*, hat alle Empathie der Welt verdient. Die Situation *ist* ja auch beschissen. Für alle. Für manche mehr, für andere weniger.

Wer jammert, weil er feiern will und meint, dafür müsse man mit Tod und überlastetem Gesundheitssystem nur besser umgehen lernen, wird sicher ohne meine Empathie auskommen.

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Danke - ich finde es auch echt schade, dass man hier oft übel angegangen wird.
Ich meine damit nicht, wenn man auf einen "Jammerpost"einfach mit Fakten reagiert, sondern dieses Ständige - "ich könnte viel mehr jammern als du, da ich aber toller bin schaffe ich es prima".

Gerade in solchen Zeiten wäre Zuspruch und Empathie von Nöten...alternativ könnte man auch nichts schreiben, anstatt sich zu profilieren...

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Ich finde diese Antworten auch immer katastrophal. Als ob es den Erstellern/Antwortenden nicht schon mies genug geht, weil man vor der Wahl steht, das Risiko durch Notbetreuung/Betreuung durch Großeltern zu erhöhen, bekommt man hier noch eins übergezogen, weil man es nicht schafft, über Monate gleichzeitig zu arbeiten und seine Kinder zu betreuen und tatsächlich das Bedürfnis nach Schlaf und Sozialkontakten zumindest für seine Kinder hat...

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Die Kälte in der Gesellschaft hatte schon vor Corona zugenommen, nun wird sie zur Höchstform auflaufen.

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Es gibt eben wie Johanna schon schreibt verschiedene Arten von Jammern, und auch jetzt gibt es eben auch viel "Jammern um des Jammerns willen" wo man schon mal schreiben kann "Nein, 3 Kinder auf 2000m2 Grundstück sind kein "Einzelhausarrest".

Was mir ehrlich bei Beiträgen wie Deinem fehlt ist der Lösungsansatz. Ja, du kannst Dich vielleicht moralisch jetzt besser fühlen weil du die Probleme anderer nicht verdrängst ... schon mal überlegt wenn wir schon beim Thema Verständnis sind dass manche es gerade so schaffen mit sich und der Situation klarzukommen und für ihre Kinder positiv zu bleiben um sie möglichst unbeschadet durch die Sache zu kommen und es deswegen vermeiden jetzt in das allgemeine Jammertal hinabzusteigen indem sie "für andere jammern"? Ich schaff es gerade für meine Familie da zu sein, für mein Kind und die Grosseltern eine gewisse Unbeschwertheit zu wahren, wem hilft es wenn ich mich jetzt runterziehen lasse ohne dass ich wirklich helfen kann? Es hilft keinem und schadet nur am Ende noch meiner Familie. Ist dann wenigstens gerecht weil dann gehts wenigstens allen mies?

Ja, ich gebe zu, ich schau erst mal dass ich meine kleine Familie gut durch diese Zeit bekomme, und wenn ich dann noch Kapazitäten frei hab schau ich ob ich was Nützliches für andere machen kann. Lamentieren raubt nur Energie und kommt auf meiner Agenda gerade nicht vor weils keinem hilft.

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Du hast offenbar nichts verstanden. Warum maßt du dir an zu urteilen, wer jammern darf und wer nicht. Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Uns geht es objektiv gesehen gut, aber die Familie ist weit weg, wer weiß ob wir den herzkranken Opa noch wiedersehen. Mein Mann leidet an einer Angststörung und das Zusammenleben ist nicht leicht.
Es geht nicht darum, mich selbst moralisch zu überhöhen. War aber klar, dass das auch Grund zum Aufregen ist. Es geht eben darum, dass niemand hier in den Schuhen des anderen gelaufen ist und wenn doch, hatte er vielleicht bessere Einlagen.

Und wenn man gerade so mit seiner eigenen Situation zurechtkomme, sollte man sich erst recht schämen, andere zu verurteilen. Ich habe nicht gefordert aktiv Hilfe anzubieten. Ich weiß, dass das nicht machbar ist. Auch für mich nicht. Aber mit den "gut gemeinten" Ratschlägen mal hinterm Zaun zu halten erfordert lediglich ein bisschen Selbstbeherrschung. Andere sehen, ohne sich selbst zurückgedrängt zu fühlen.

Warum nicht mal sagen: Ich verstehe dich. Ich sehe, dir geht es nicht gut.
Das reicht schon. Mehr erwarte ich von unserer Gesellschaft nicht. Aber nicht noch draufhauen: Du könntest... Du darfst nicht... Ich würde...

Und wenn man dieses offene Ohr nicht bieten kann, dann auch ok. Aber dann doch bitte auch keine Kraft drauf verschwenden, andere zu bevormunden.
Wie gesagt, jeder hat sein Päckchen zu tragen.

Und natürlich habe ich keinen Lösungsansatz für alle Probleme, diesen Anspruch habe ich auch nicht erhoben. Ich wüsste auch nicht, was das mit der Thematik zu tun hat. Es ging mir einzig darum, meine Gefühle bezüglich des "Social Distancing" auszudrücken.

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Sorry, aber deine Antwort kann ich jetzt auch nicht ganz verstehen. Darüber urteilen, wer jammern darf und wer nicht würde ich mir auch nicht anmaßen. Aber ich darf doch auch meine eigene Meinung haben?
Es gibt Jammerpost, die kann ich auch beim besten Willen nicht verstehen, und dann kann ich das auch so schreiben, oder? Natürlich im freundlichen Ton und nicht von oben herab, aber das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Manchmal ist es auch nur ein Missverständnis, und wenn ich nachfrage, was genau die TE jetzt aufregt, kann ich ihr eventuell auch besser raten.
Und wenn jemand wirklich nur noch im Jammertal wandert, kann es ja auch hilfreich sein, diesem zu sagen" Komm jetzt, reiß dich am Riemen und schau vorwärts und nicht immer nur zurück"
Ist jetzt meine Meinung

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Ich sehe es genauso wie du und finde es einfach erschreckend, wie egoistisch und narzisstisch diese Gesellschaft mittlerweile geworden ist :-[ Diejenigen, die hier am lautesten andere verurteilen, halten sich erfahrungsgemäß am wenigsten an die geltenden Regeln. Wenn ich meine Kinder wie viele hier in diesem Forum jeden Tag bei den Großeltern abladen könnte, hätte ich mit meiner Berufstätigkeit auch keine Probleme. Da meine Schwiegereltern zur Hochrisikogruppe gehören, werden diese die Kinder nun wohl monatelang nicht mehr sehen. Daher habe ich meinen Job nun gekündigt, weil ich einfach keine Kraft mehr habe. Arbeitslosengeld werde ich keines kriegen und wegen fehlender Kinderbetreuung kann ich mir derzeit auch keinen anderen Job suchen. Aber wahrscheinlich bin ich nur eine Memme, die aufs Kinder kriegen hätte verzichten sollen.

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Nicht verzichten, aber du hättest dir ja gefälligst vorher überlegen können, wie du über Monate die Kinderbetreuung regelst, wenn die Kitas mal geschlossen sind. Mit sowas wie Corona muss man doch rechnen bei der Kinderplanung. 😉

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das ist doch leider immer so, auch zu nicht corona-zeiten. mit psychischen erkrankungen wird man überhaupt nicht ernst genommen. ich wurde wegen meiner angst vor dem erbrechen ausgelacht und von den großeltern als spinnerin abgestempelt.

überall hört man, man solle den mund aufmachen und über seine probleme sprechen. aber wenn man das tut, dann erzählt der gegenüber von seinen problemen, die viel schlimmer seien, man solle sich nicht so anstellen.

das fängt schon damit an : ich schaffe es auch, 200 km jeden tag zur arbeit zu fahren, als schaffst du das auch.

man darf nicht einmal schwäche zeigen.

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Doch darf man, aber in einem öffentlich zugänglichem Forum ist es nun mal so, dass man auf zig verschiedene Leute mit zig verschiedenen Meinungen trifft, und eben auch auf manche, die eben gleich mit der Keule kommen. Da muss man sich eben ein dickeres Fell zulegen oder ansonsten lieber nicht reinschreiben. Nicht böse gemeint jetzt.

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Ja das stimmt aber ich meinte eher auf die reale Welt bezogen

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Ein bisschen theatralisch und reißerisch. Wäre das ein Werbespot, würde jetzt schwülstige Musik á la "Du bist Deutschland" fehlen.
Was genau bezweckst du damit?
Wo ist der Diskussionsbedarf, bzw. in welcher Form und wie soll diskutiert werden? Wer zur "hellen Seite der Macht" gehört und sympathisch jammert, wer sich wohlstandsverwahrlost und partyunterzuckert als Schickimicki-Mäuschen outet?
Hier ist keine konkrete Frage, kein wirklich persönliches Beispiel. Nur Nährboden für eine frische Ladung Mimimi (gerechtfertigt oder nicht), ausgefahrene Eckzähne und Schnappatmung :-p

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Schön geschrieben. Dessen gibt es nichts hinzuzufügen. 👍

Keine Ahnung warum man den Post nicht einfach mal so stehen lassen kann und stattdessen wieder einen Roman mit Gegenargumenten schreiben muss 🙄

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Weil es nun mal ein Diskussionsforum ist. 🤗