Die Angst hat mich im Gruff

Ich schreibe anonym weil ich mit der Situation überhaupt nicht klar komme, anfangs war ich nur traurig weil viel nicht stattfindet: Kurse (wollte andere Eltern kennenlernen, kenn nur Singles), Babyshooting (hatten schon im Krankenhaus keinen Fotograf und nun immer noch keine schönen Bilder), Familie treffen - aber langsam hat mich die Angst im Griff.

Angst dass mein Kind krank wird, oder wir und dann so sehr, dass wir es nicht richtig versorgen können, angst dass es verwandte erwischt, dass die Uroma ihren Enkel nie kennenlernt (nochmehr: falls wir sie doch irgendwann besuchen, dass wir evtl. Corona abschleppen und sie töten). Außerdem Angst wie es weiter geht mit Kita (anmeldungen wurde alle abgesagt, brauch aber in 1 jahr Betreuung)

Unser Kind ist 11 Wochen alt, wir sind aus NRW und halten und ans Kontaktverbot. Ich vermisse meine Eltern und Schwester.
Die Schwiegereltern sind nicht mobil also kennen die ihren Enkel nicht, da wir es vor dem Kontaktverbot nicht hin geschafft haben.

Gleiches gilt für Uroma (kann das Haus nicht verlassen und ist schon 88) und Tante. Mein Mann und Uroma zerbrechen dran, weil die sich gemeinsames Foto wünschen.
Mein Mann ist auch sauer/traurig weil „meine Seite“ das Kind kennt , seine nicht. (Selbst
Meine Oma haben wir noch geschafft)

Ich selbst geh nur mit Kind spazieren - war einmal seit Kontaktverbot einkaufen, das war so unangenehm für mich, dass ich nun regelrecht panik davor habe, also kauft nur mein Mann ein.

Ich beführeworte die sicherheitsmaßnahmen aber für mich ist das alles unangenehm (auch die Distanz bei zB nötigen Arztbesuchen)

Ich hoffe die Ängste werden mit Mundschutzpflicht besser - er arbeitet im Einzelhandel für mich war es ein schock, dass er ab Montag Mundschutz tragen muss (ich dachte das tut er schon die ganze Zeit).

Langsam fällt mir die Decke auf den Kopf, vermisse andere Menschen aber habe Zeitgleich Angst: plan war zB nächstes Jahr im Sommer mit der Familie weg zu fliegen (hab jetzt schon angst vor neuer Welle und mit Baby im Ausland zu hocken)

Zeitgleich haben wir Stress mit meiner Schwägerin weil die „Verschwörungstheorektiker“ sind (erwarten selbst kein Kind und jammern wegen Beschränkungen im Krankenhaus, halten sich aber 0 an Verbote).


Ich erhoff mir eigentlich nichts davon nur musste mir das von der Seele schreiben.

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Du bist jemand, dem ich dringend empfehlen würde mal eine zeitlang keine Coronanews zu lesen, schauen, hören...
Dann kommst du auch runter.

Ich denke nicht, dass du im nächsten Jahr noch diese Angst spüren wirst, schon weil sich die Berichterstattung beruhigen wird...

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Du bist nicht alleine, also fühl dich gedrückt.

Ich wollte in SS-Kursen auch neue Mamis kennenlernen, weil die aus meiner letzten SS inzwischen alle verzogen sind😩 Jetzt findet der Vorbereitungskurs online statt, also letztlich kein richtiger Austausch/Kennenlernen möglich 😪

Wir haben auch Ur- und Großeltern, die todunglücklich sind, dass sie weder von ihrem 4jährigen Ur-/Enkel noch von meiner SS viel mitbekommen und auch Ur-/Enkel Nr. 2 nicht so schnell sehen werden. Bei jedem Telefonat fließen Tränen.

Ich vermisse meine Eltern und Freundinnen und die Möglichkeit, einfach mal umarmt zu werden.

Mein Mann arbeitet im Homeoffice noch mehr als vorher und ist ständig gestresst, während ich ein einsamen forderndes KiTa-Kind irgendwie bei Laune halten muss.

Ich wollte meine letzte SS genießen, durch KiTa und BV wäre es so entspannt gewesen... stattdessen sehe ich mich jetzt schon stundenlang alleine im Kreißsaal, weil mein Mann nicht rein darf oder nicht kann, weil unser Hilfsnetz ausfällt. Ich trauere den Familien-Babybauch Bildern und den Krankenhaus-Geschwister Bildern nach und finde es so ungerecht!

Ich habe keine echte Not, keine Existensängste, keine häusliche Gewalt oder ähnliches und bin dafür sehr dankbar.

Dennoch leide ich und würde mich am liebsten heulend ins Schlafzimmer sperren, aber das geht nicht. 24/7 in einer Stadtwohnung ohne erreichbare Natur ist man halt nie alleine.

Es wird besser, bestimmt. Bis dahin heißt es Zähne zusammenbeißen und von Tag zu Tag leben.

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Du wohnst doch nicht in Bayern. Warum also all die Einschränkungen, die in NRW so nicht sind?

Ein bisschen was kannst du schon an der Situation ändern.

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Ach, der Virus macht Unterschiede zwischen Bayern und anderen Bundesländern? Cool, dann kann die Fahrt zu den Großeltern ja los gehen!!🤦‍♀️

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Ich würde dir auch empfehlen, die Corona-News Mal ein wenig ruhen zu lassen und vielleicht auch das Forum hier. Denn was ich hier lese, ist teils schlimmer als alles was im TV läuft.
Du scheinst ein sehr durchstrukturierter Mensch zu sein, der alles durchgeplant hat und so hat es nun zu sein. Nimm deine eigenen Ansprüche ein wenig zurück. Genieß die Zeit mit deinem Kind. DIESE kommt nie wieder! Früher war es üblich, dass man die Zeit im Wochenbett wirklich allein und zurückgezogen, nur Mama und Baby, verbracht hat. Da war es völliger Irrsinn, alle Verwandten so schnell wie möglich zu besuchen und Fotos mit allen zu schießen. So ein breites Babygrinsen oder Kleinkindlächeln ist viel schöner auf den Fotos für später, aus eigener Erfahrung!
Zu deinem Mann: der Mundschutz schützt die Kunden, nicht ihn. Hast du denn schonmal gehört, dass sich Corona gut beim Einkaufen überträgt und Leute um Einzelhandel stärker betroffen sind als andere? Ich meine nicht!
Und selbst wenn ihr euch infiziert, wird es mit großer Wahrscheinlichkeit mild oder symptomlos verlaufen! So ein kleines Kind wirst du immer versorgen können! Sei froh, dass es noch nicht laufen kann 😉
In einem Jahr sieht die Welt bestimmt anders aus! Nicht Corona-frei, aber anders! Um die Betreuung brauchst du dir jetzt noch keine Sorgen machen. Da gibt's noch 10000de Kinder und Eltern, die noch vor dir das Problem haben...wir gerade ganz aktuell.

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Die ganze Situation ist ja auch besch...en, ganz klar.
Und was besonders belastet, ist die Tatsache, dass niemand weiß, wann sich etwas ändert und wie sich etwas ändert. Wenn es einen Zeitpunkt gäbe, den man gedanklich ansteuern könnte, wäre es sicher leichter, aber die Ungewissheit ist zermürbend, kann man aber nicht ändern.

Ich fürchte, wir werden uns daran gewöhnen müssen, an die ganze Situation.
Und wir werden uns damit abfinden müssen, dass wir uns nicht wirklich sicher schützen können und immer die Möglichkeit besteht, dass wir uns anstecken. Es ist einfach so.

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Ich habe auch Angst. Obwohl mein Mann und ich auch Vorerkrankungen haben und zur Risikogruppe gehören , habe ich vor allem um meine kleine Maus (4 Jahre) Angst. Sie hat schwerstes Infektasthma und schlimmen Psydo Krupp. In der Uniklinik meinten sie, dass bei ihr das komplette Atmungssystem hochgradig empfindlich ist, sie nimmt bereits seit 3,5 Jahren schwere Medikamente Stufe 4 Asthmaterapie. Teilweise sind wir auch Stufe 5, hatte gerade erst ne Lungenentzündung. Ja, ich habe Angst. Wir sind alle daheim, arbeiten im Homeoffice und sehen niemanden. Wenigstens haben wir zwei Kinder, die zusammen spielen können.
Ich bin so froh, wenn das alles rum ist.

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Vielleicht solltest du dir die Zeit nehmen, und dir das Video Mal anschauen. Hat nichts mit Verschwörungstheorien zu tun und ist sehr ruhig und sachlich. Vielleicht nimmt es dir deine Ängste ein bisschen.

https://youtu.be/dwJSNPz_8uk