Wieso kann ich selbst über das Beschäftigungsverbot entscheiden?

Hallo!
Ich bin schwanger und arbeite in einer Einrichtung der Behindertenhilfe. Ich bin nicht in der Pflege, habe aber normalerweise viele persönliche Kontakte (Beratungsgespräche). Aktuell besteht ein Betretungsverbot für unsere Klienten und wir machen im Moment viel Verwaltungsarbeit. Ich fühle mich auch sicher da die Möglichkeit einer Ansteckung meiner Meinung nach gering ist. Dies kann sich je nach Lockerung natürlich ändern und unsere Klienten werden irgendwann wiederkommen. Diese werden teilweise nicht in der Lage sein, sich an die Corona-Etikette zuhalten. Habe diese Situation auf der Arbeit und zuhause besprochen. Chef hat gemeint, es wird alles getan um mich zu schützen (das ist auch so!) und wenn ich mich unsicher fühle, kann ich ins BV. Das würde mein AG aber nicht aussprechen, es müsste über den Frauenarzt laufen. Meine Familie und sogar Kollegen sagen, ich soll gucken, dass ich mich befreien lasse (BV) wenn es wieder losgeht. Ein BV hätte neben dem Schutz vor einer Infektion noch weitere, private Vorteile für mich. Ich überlege, wenn es konkret wird, dass Klientenkontakte anstehen mit meinem Frauenarzt zu sprechen. Allerdings finde ich es seltsam, dass der AG kein BV ausspricht, mir aber erlaubt mithilfe des Frauenarztes ins BV zu gehen??? Kennt jemand diese Situation? Hat das irgendwelche Gründe, die Vorteile für den AG bringen? Ich bin sehr dankbar, dass ich grünes Licht für ein BV habe (das macht bestimmt nicht jeder Chef), aber ich bin auch verunsichert über den Umgang mit dem möglichen BV, weil es ja so gesehen meine eigene Entscheidung ist und ich selbst einschätzen soll wenn es mir zu riskant wird...??? Entscheidet das nicht normalerweise der Betriebsarzt und bei med. Geschichten der Frauenarzt????
Danke für eure Ratschläge!

2

Weil Dein Arbeitgeber die Verantwortung, die er hat, auf Dich und Deinen Arzt abwälzt. Das ist also nicht nett, sondern echt kagge. Sein Job ist, Dir einen mutterschutzgerechten Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen. Kann er das nicht, muss ER Dich ins BV schicken. Finanziell sind die Konsequenzen in beiden Fällen gleich. Mut einem BV vom Arzt hat er ein kleines bisschen weniger Aufwand. Er muss ein Schreiben weniger fertigen.

4

Naja, mein Arbeitgeber tut schon alles um mich schützen. Home Office wäre z. B. auch eine Möglichkeit. Trotzdem stellt er mir frei, mir ein BV wg Corona-Ansteckungsgefahr zu holen.
Ich sehe das so: Weil sich scheinbar keiner (auch kein Arzt) in der Lage sieht, das Risiko Corona für eine Schwangere einzuschätzen, soll ich das aber jetzt selbst entscheiden, was sonst Entscheidung eines Arztes wäre.

5

Ich kann dir nur sagen, was meine gyn in dem Fall sagen würde: ich kann und darf Ihnen wegen Corona kein BV ausstellen, weil Sie als Schwangere in keiner Risikogruppe sind.
Punkt aus fertig. Da könnten mein Chef und ich wünschen, was wir wollen!

Wenn dein Chef sagt, er würde ein BV vom Arzt akzeptieren, ist das eigentlich ziemlich albern, denn das müsste er so oder so!

Die Idee mit dem Homeoffice klingt doch erstmal gut, wenn du dich da sicherer fühlst
Liebe Grüße und alles Gute,
Nani

weitere Kommentare laden
1

Als Laie würde ich es so sagen:

wenn der Frauenarzt aus medizinischen Gründen das BV ausstellt, dann ist es egal, was der Chef dazu sagt.
Grünes Licht oder rotes Licht. Er hat es dann zu akzeptieren, weil das Leben des Kindes auf dem Spiel steht.

Ist das BV aus Gründen des Arbeitsplatzes, dann muss es auch der Chef ausstellen oder die berufliche Stelle.


Welche Möglichkeiten der FA in Zeiten von Corona hat, weiß ich nicht. Sonderregelungen könnte ich mir vorstellen, weiß es aber nicht.

Ohne Corona gäbe es nur zwei Möglichkeiten für ein BV
- Kind / Leben ist in Gefahr. Dann stellt es der FA aus und der Chef hat es zu akzeptieren. Ob er will oder nicht.

- Der Arbeitsplatz ist nicht Schwangerschaftspassend, es gibt keine anderen Möglichkeiten, dann kann der FA gar nichts machen, wenn mit der Gesundheit alles ok.
Will der Chef ein BV, dann muss er sich auch darum kümmern, dass du eines bekommst.

3

Ok, danke für deine Antwort.
Mein Chef hat nicht gesagt, dass er will dass ich ins BV gehe. Er kann aber verstehen, wenn es mir zu riskant wird und ich über den Frauenarzt ein BV bekomme. Ich finde diese Vorgehensweise nur etwas seltsam....eigentlich müsste doch der Betriebsarzt erstmal etwas dazu sagen, er kann das Risiko auf Arbeit doch besser bewerten als der Frauenarzt????
Ich dachte auch, der Betriebsarzt bewertet die Situation und gibt ggf. ein BV. Wenn nicht, besteht (aufgrund von Corona) die Möglichkeit mit dem Frauenarzt zu sprechen. Das hat mir der Frauenarzt zumindest so erklärt, dass ich mich erstmal auf der Arbeit an den Betriebsarzt wenden soll. Und mein Chef sagt einfach, ist ok, geh zum Frauenarzt. Bin verwirrt.....

9

Dein Chef ist ja mal ein ganz toller.
Denn nein, du kannst gar nicht selbst entscheiden und dein Frauenarzt kann die das auch nicht so ohne weiteres ausstellen.
Mit der Aussage zeigt er entweder, dass er Null Ahnung hat oder, dass er mit Absicht den schwarzen Peter von sich schieben und trotzdem lieb Kind bleiben möchte.

10

Wie bereits oben geschrieben:
Ich hatte beim Frauenarzt nachgefragt, weil ich unsicher war aufgrund der Aussagen meines Vorgesetzten. Er hat durchklingen lassen, dass von seiner Seite ein BV ausgestellt würde aufgrund von Corona und meiner Arbeitsstelle weil jetzt auch Lehrerinnen bei Schwangerschaft ein BV von ihm bekommen.
Im Grunde muss ich jetzt entscheiden ob ich weiter arbeiten soll und wenn, ob ich Home Office mache oder riskiere, in die Einrichtung zu gehen. Corona wird ja in 1-2 Monaten nicht vorbei sein, keine Ahnung ob ich so lange im Home Office bleiben darf. Und spätestens wenn der erste Fall bei uns auftritt, bin ich direkt im BV. Deshalb raten mir alle, mit denen ich gesprochen habe, ins BV zu gehen.

Die Entscheidung liegt also schon irgendwie bei mir.....

11

Aber Du merkst ja selber, dass das falsch ist, sonst würdest Du hier nicht nachfragen.

weitere Kommentare laden
13

BV kann der Arbeitgeber ausstellen, was der FA kann, ist Krankschreibung. BV besteht, wenn die Angestellte mit gefährlichen Substanzen/hochansteckenden Krankheiten/körperlich anstrengenden, für die Schwangerschaft gefährlichen Tätigkeiten auf der Arbeit in Kontakt kommt. So kann/muss der AG BV aussprechen. Im anderen Fall, wenn die Angestellte Schwangeschaftsbedingt Komplikationen hat, wird sie vom FA krank geschrieben. Mit Berufsverbot hat das wohl nichts zu tun.

14

Wie bereits oben geschrieben: Mein FA würde aufgrund von Corona ein BV ausstellen.

19

Jetzt schreibe ich es hier noch mal :)
Das ist so nicht möglich!

LG

weitere Kommentare laden
25

Hallo.

Ich würde das HO annehmen und gut.
Wie du schon sagst, wird Corona noch länger dauern und du somit bis zum MS im HO arbeiten können.
Wenn du schon eher wieder zurück in die Einrichtung müsstest, dann kannst du dir ja immer noch ein BV ausstellen lassen.

LG

26

Ich kann dir nur von mir berichten...
Ich hatte eine Stelle, wo ich um 4 Uhr morgens angefangen habe zu arbeiten. Das durfte ich nicht mehr. Auch gewisse Tätigkeiten durfte ich dort nicht ausüben. Also musste ich meinem Arbeitgeber schon recht früh über die Schwangerschaft informieren. Er hatte zwar keinen anderen Arbeitsplatz für mich, wollte mir aber auch kein BV aussprechen.
Ich hatte die Situation beim FA angesprochen, wusste ja nicht, was ich machen sollte und mein FA sagte mir offen und ehrlich, dass mein Arbeitsplatz laut den Listen der Behörde nicht für mich tauglich sei, er mich aber keinen BV erteilen würde, da das der Arbeitgeber machen muss. Dieser sollte besser beurteilen können, was genau meine Aufgaben sind und ob er mich woanders einteilen könne. Rechtlich hätten einige Ärzte schon einen auf die Finger bekommen, weil sie zu schnell ihren Patienten BV‘s ausstellen, die vermeidbar gewesen wären. Im Grunde zahlt dein Gehalt ja nicht dein Arbeitgeber. Er holt sich das Geld ja von der Kasse und die sehen es eben nicht so gern, wenn sie für Schwangere bezahlen müssen, wenn es vermeidbar wäre... deshalb haben sie da Argusaugen auf die Ärzte, die dann irgendwann angefangen haben sich die Zuständigkeit hin und her zu schieben. Den Stress will keiner!
Richtig wäre es, dein Arbeitgeber schickt dich zum Betriebsarzt und dieser prüft laut den Richtlinien, ob du weiter arbeiten kannst oder nicht.
Ich kann dir aber auch gleich sagen, dass es unter Umständen auch da nichts wird, weil Corona ja relativ neu ist und die Problematik noch nicht sonderlich bekannt ist.
Würdest du z.b im Kindergarten arbeiten und hättest keine Immunität für gewisse Krankheiten, wäre das Thema klar.. müsstest du schwere Sachen heben oder oder oder, wäre es auch klar. Aber Corona fällt nirgendwo richtig rein. Schwangere gehören nicht zu den Risikogruppen... hättest du eine Vorerkrankungen, wäre das was anderes.. aber so weiß keiner nach welchem Kriterium man dich ins BV schicken dürfte ohne Stress deswegen zu bekommen... das ist oftmals der Grund, warum man sich das hin und herschiebt.
Ich würde im Homeoffice bleiben solange es geht und wenn soweit gelockert wird, dass wieder ‚normal‘ gearbeitet werden kann, würde ich dem Arbeitgeber bitten mir einen sicheren Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen. Viele Arbeitgeber schicken ihre Mitarbeiter z.b nach Hause, wenn sich viele Influenza kranke melden... warum sollte es bei Corona anders sein!? Er steht halt auch in der Pflicht sein Personal zu schützen und auch wenn schwangere nicht gefährdeter sein sollen als andere, ist das etwas, dass man noch nicht langfristig forschen konnte. Solange man das also nicht genau weiß, darf man da kein erhöhtes Risiko eingehen.
Generell ist es ja so, dass auf schwangere mehr Rücksicht genommen werden soll, dass sollte bei Corona eben auch so sein und fertig. Da sollte sich dein Arbeitgeber halt mir befassen. Seine Mitarbeiter zu schützen ist seine Aufgabe. Da musst du leider so kommunizieren. Er kann die Verantwortung nicht auf sich abwälzen und du hast das auch nicht zu entscheiden!
Wenn es ihm so Wurst ist, soll er dir doch einfach ein BV aussprechen. Doch zum Frauenarzt schicken hat doch nur den Grund, dass er weiß, dass die dieser das überhaupt in der Form nicht ausstellen darf und er ist das Thema durch, weil du von a nach b läufst und wieder zurückverwiesen wirst. Irgendwann ist der Mitarbeiter mürbe oder das Kind da und das Problem gelöst...
linke Nummer, aber ist so.
Ruf doch mal beim Mutterschutz an und frag dort mal direkt nach. Irgendwer muss sich dem Thema ja mal annehmen.
Aber generell bleib ruhig. Es sind ja wirklich nicht die schwangeren, die die Krankenhäuser wegen Corona stürmen. Lass lieber prüfen, ob du sonst fit bist... Blutdruck, Diabetes, Asthma etc. Kann sich in einer Schwangerschaft ja auch entwickeln... spätestens da, müsste er reagieren!

Alles gute!

40

Auch Virerkrankungen sind irrelevant, wenn sie Zuhause arbeiten kann!

41

Meinst du mich? Worauf basiert deine Antwort?
Verstehe nicht, was das mit meinem Text zutun hat!

44

Dein AG ist ein Heuchler.

Ein ärztliches BV kann er nicht ablehnen, also ist sein "Segen" nix wert... wäre ja noch schöner!

Ein Arzt wird dir kein BV ausstellen, weil es um deine Sicherheit (vor einer Ansteckung) am Arbeitsplatz geht.

Also entweder dein AG hält es für zu riskant und schickt dich selbst ins BV (was mit Homeoffice schwer begründbar wäre) oder du arbeitest weiter.