Regelbetrieb Kindergarten Hessen

Meine Frau und ich arbeiten im Krankenhaus und haben eine 5 jährige Tochter, die den Kindergarten besucht. Da wir beide systemrelevant geht unsere Tochter werktags von 8 Uhr bis 15 Uhr in die Notbetreuung und ist dort glücklich.

Gestern hat das Land Hessen entschieden, im Bereich der Kindergärten ab 2.6.2020 von der Notbetreuung auf den eingeschränkten Regelbetrieb umzustellen.

Um 20 Uhr habe ich heute einen Anruf der Kindergartenleitung erhalten, dass meine Tochter ab 2.6 nur noch an einem Wochentag pro Woche in den Kindergarten kommen kann. An den restlichen Tagen muss sie zuhause bleiben. Notbetreuung wird nicht mehr angeboten. Der Kindergarten besteht aus 120 Kinder. Mit Ausnahme einer Erzieherin (63 Jahre alt) würden alle im Regelbetrieb zur Verfügung. Allerdings dürfe man nur 25 Kinder pro Tag zulassen. In insgesamt 5 Räumen würden jeweils eine 5er Gruppe betreut.

Und nun?

Wir können nicht von zuhause arbeiten und haben keine Großeltern, die auf die Tochter aufpassen kann. Zu anderen Eltern können wir sie auch nicht geben.

Über diese Gesetzesänderung ärgere ich mich. Erst waren wir im Krankenhaus wichtig, so dass unser Kind betreut werden musste. Jetzt wo die Zahlen fallen und die Mitarbeiter im Krankenhaus nicht mehr so wichtig sind, zeigt man deutlich ihre Wertschätzung.

Der Kindergarten plant bis 30.09.2020 mit dieser neuen Regelung.

Was mache ich jetzt?

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Ich würde abwarten bzw. dranbleiben und bei der Stadt nachfragen... Das mit der Betreuung ist nicht zu Ende gedacht, wie so vieles momentan. Es werden gerade Dinge beschlossen und dann fallen die Ausnahmen auf. Ich meine das nicht als Vorwurf, sondern schlicht als Feststellung. Deshalb erstmal Ruhe bewahren. Es wird auch dafür Regelungen geben.

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Wir haben einen kirchlichen Träger. Ich werde am Montag mal bei der Stadtverwaltung anrufen.

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Morgen,

Ja ich glaube das euch das wirklich aufregt. Viel schlimmer das jedes Land es anders macht und alle kein Plan haben.

Wir d<rfen seit Wochen unsere Kinder nicht bringen da nicht systemrelevant. Ich finde es von Hessen toll das jetzt wo ja alles Abflacht jeder die gleichen Rechte bekommt. So müssen alle Eltern gucken wie sie die Zeit hinbekommen und überbrücken und es nicht nur einen ausgewählten Berufsbereich gibt der die volle Betreuung bekommt und andere garnicht.

Aber wie gesagt ich stehe auch auf der anderen Seite. Beide Elternteile nicht systemrelevant. Aber was heisst das schon wenn trotzdem der Arbeitgeber möchte das man 8 h vor Ort ist.

Ich dr<ck euch die Daumen das ihr die Betreuung trotzdem hinbekommt. Eventuell auch über kurzarbeit. Das mache ich seit Wochen weil es keine Betreuung für uns gibt.

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Denke auch das war so nicht gewollt.
Würde bei der Stadt und beim Träger anrufen und gleichzeitig die Kinderbetreuung anders organisieren. Ihr arbeitet in Schichten, mit anderen Familien zusammen (falls das bei euch erlaubt ist). Hat euer Krankenhaus keine Kita eingerichtet?

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Ich denke und hoffe, dass da ein Fehler vorliegt. Wir sind auch aus Hessen und sind auf die Notfallbetreuung angewiesen. Ich bin Lehrerin und könnte noch nicht mal Urlaub nehmen.
Ich empfinde diese Auswahl mit der Systemrelevanz aber auch doof. Notbetreuung sollte für alle möglich sein, die darauf angewiesen sind.
Wenn man alle Kinder abwechselnd in den Kindergarten holt, kann man auch gleich komplett wieder aufmachen, da die Erzieher ja dann Kontakt zu jedem Kind haben.

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Es ist leider kein Fehler. Ich bin im Elternbeirat und verstehe mich mit der Leitung ganz gut. Diese hat die Richtlinien vom Bistum bekommen und das Bistum vom Ministerium.
Die Leitung hat es mir lange erklärt:

Es sollen alle Kinder wieder in den Kindergarten kommen. Es gibt keine Priosierung, dh weder die Vorschüler noch die Vorlaufkinder, verhaltensauffällige Kinder noch Notbetreuungskinder haben Vorrang. Es sollen kleine Gruppen mit Kindern gebildet werden, die nicht gemischt werden, damit im Infektionsfall die Kita nicht schließen muss. Nicht jeder Erzieher hat dadurch Kontakt zu jedem Kind. Auch die Anzahl der Räume wurde definiert. Einzelne Räume müssen als "Notfallzimmer" zurückgehalten werden.
Ungeklärt bleibt der Punkt Mittagessen und Mittagsschlaf bei den Kindern.

Der Sinn der Regelung durch die Landesregierung ist: jeder Träger kann dies unterschiedlich regeln. Jeweils nach seinen Bedürfnissen und Resourcen. Alternativen wie Schichtbetrieb , also beispielsweise eine Gruppe 8-10 Uhr, eine von 10-12 Uhr usw ist auch nicht so prickelnd.

Es wird aber auch Kindergärten geben, die fast keine Einschränkungen haben.

Hart ist die Aussage, dass dies bis mindestens Ende September so laufen wird. Die sind fast 5 Monate!!!!

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Da würde ich tatsächlich auf sie Straße gehen. Das finde ich eine völlig bekloppte Regelung.

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Hey!

Wir arbeiten auch beide in "Systemrelevanten" Berufen ohne Möglichkeiten Home office zu machen. Obwohl unser Sohn (in Hessen) von Tag eins Anspruch auf Notbetreuungen hatte war er die letzten 7 Wochen, bis auf 3-4 Tage, auch zuhause. Wir haben unser Dienstpläne so gut es ging aneinander angepasst. Einer hat früh und einer spät oder eben Nachtdienst gearbeitet. Die wochenden haben wir uns geteilt. So haben wir die Wochen echt gut rumgekriegt. Vielleicht auch ne Idee für euch? Und wenn es doch mal Tage gibt wo es nicht passt habt ihr vielleicht ne Freundin /Freund der ab und an auf euren Sohn aufpassen kann? Vermutlich habt ihr ja auch Freunde die hauptsächlich im Schichtdienst arbeiten.

Viele Grüße

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Leider arbeiten wir nicht in einer Uniklinik, wo es mehrere Schichten gibt. Bei uns im Kreiskrankenhaus gibt es nur den normalen Dienst (und 3 Mal im Monat Bereitschaftsdienst). Wir werden fast immer zur gleichen Zeit arbeiten. Am Wochenende arbeiten wir fast nie.

Eine Bekannte zu finden, die an 5 Tagen in der Woche von 7 bis 15 Uhr auf eine 5 jährige aufpasst und dies für die nächsten 5 Monate....schwierig!

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Was hat das den mit Uniklinik zu tun. 😉 Schichtdienst gibt es in jedem Krankenhaus. Oder gibt es Krankenhäuser wo Nachts keine Ärzte und Pflegekräfte sind.
Aber gut. Dann arbeitet ihr anscheinend weder in der einen noch in der anderen sparte.
Wenn man natürlich im OP Oder Röntgen Regelbetrieb arbeitet ist es schwieriger.

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Schwierig alles, Tagesmutter suchen?

Ich finde es gut dass alle hin dürfen. Meine Tochter darf noch lange nicht mal einen Tag in den Kiga. Das finde ich auch unfair ihr gegenüber. Natürlich haben systemrelevante Menschen Vorrang. Aber alle Kinder müssten irgendwann immerhin 1 mal die Woche kurz hin dürfen.

Ich würd mit dem jugenamt telefonieren. Vlt haben die eine Idee. R ist ausserdem über 1, Denke die machen eh nicht auf.

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Hast du auch eine Quelle zur Gesetztesänderung? Also schriftlich irgendwo, oder hast du die info "nur" durch die kita Leitung bekommen?

Wir hätten dann das gleiche Problem wie ihr und ich kann mir nicht vorstellen, dass es wirklich so kommt. Das macht in meinen Augen Null sinn

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Gesetzestext: https://www.hessen.de/sites/default/files/media/nr_24.pdf

Artikel 2) Änderung der Zweiten Verordnung zur Bekämpfung des Corona­ Virus Die Zweite Verordnung zur Bekämpfungdes Corona­Virus vom 13. März 2020 (GVBl.S. 153), zuletzt geändert durch Verordnungvom 1. Mai 2020 (GVBl. S. 290), wird wiefolgt geändert:
In § 2 Abs. 1 Satz 1 wird die Angabe„10. Mai 2020“ durch „5. Juni 2020“ er­setzt.

Damit bleiben die Kindergärten bis mindestens 6.6.2020 geschlossen (außer Notbetreuung).

Zum Plan der Hessisches Landesregierung ab 6.6.2020 von der Notbetreuung auf den eingeschränkten Regelbetrieb umzustellen:
https://www.hessen.de/presse/pressemitteilung/unser-plan-fuer-hessen

Der Sinn ist klar: jedes Kindergartenkind soll vor den Sommerferien wieder in den Kindergarten gehen. Und individuell ist dies zu gestalten, weil es zu viele unterschiedliche Kindergartenmodelle in Hessen gibt.

Auszug:
"Parallel zur Öffnung der Grundschulen ist auch die Betreuung in Kindertagesstätten wieder zu ermöglichen. Wir werden vom System der erweiterten Notbetreuung zu einem Modell des eingeschränkten Regelbetriebes übergehen. Den Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Abstandsregeln etc. im Bereich der Kinder im Alter von 12 Monaten bis 6 Jahren ist durch eine besonders sorgsame pädagogische Arbeit und Organisation zu begegnen. Daher bedarf es mehr Vorlaufzeit für die Einrichtungen.

Ab dem 9. Mai besteht die Möglichkeit, familiäre Betreuungsgemeinschaften aus bis zu drei Familien zu bilden. In einem ersten Schritt erweitern wir ab dem 11. Mai die Berechtigungen zur Teilnahme an der Notbetreuung. Ab dem 2. Juni sollen die Kindertagesstätten dann im eingeschränkten Regelbetrieb wieder für alle Kinder öffnen."

Damit ist die Notbetreuung spätestens im JUni beendet.

Zu den Gruppengrößen während des zukünftigen "eingeschränkten Regelbetrieb" hat sich der Sozialminister Klose bereits mehrfach geäußert.

Vielleicht haben viele in Hessen Glück, dass ihr Kind an 3 von 5 Tagen in der Woche den Kindergarten besuchen darf. Wir haben dieses Glück nicht. Wir wären mit der Notbetreuung besser gefahren.

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Vielen Dank für die quelle. Das ist ja wirklich unschön für euch und für wahrscheinlich noch viele andere, die auf die notbetreuung angewiesen sind. Ich hoffe sehr, dass es dafür eine Lösung gibt, auch wenn es mich für all die anderen kinder freut, die wieder kommen dürfen.

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Das ist natürlich für Leute wie euch,in Systemrelevanten berufen,wirklich schwierig zu organisieren.

Ich selbst wohne auch in Hessen und habe eine 2 1/2 jährige Tochter und bin zurzeit in der 36 Woche schwanger.
Ich würde mich sehr für meine Tochter freuen,so wie für alle Kinder,dass sie den Kindergarten bald wieder besuchen können und dürfen.
Finde aber auch,dass grundsätzlich berufstätige Leute (gerade in den Systemrelevanten berufen) Vorrang haben was die Dauer der Betreuung in der Woche angeht.
Vielleicht kann der Träger ja schauen ob er die „Systemrelevanten kinder“ nicht in eine Gruppe steckt,so dass kein durchmischen mit den anderen Kindern passieren kann.

Grundsätzlich finde ich die Idee,dass alle Kinder wieder gehen dürfen,aber gut!
Und wenn es nur für ein paar Stunden die Woche ist...

Ich glaube da muss noch etwas am Konzept gefeilt werden,dass indivuell auf die Lebenssituation und Arbeitssituation eingegangen wird.

Alles gute!

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Ich kann die Gründe schon nachvollziehen, weshalb die systemrelevanten Beruf ab Juni keine Bevorrechtigung mehr haben.

Aber es gibt auch noch mehr Bereiche, wo es Probleme gibt.

Alleinerziehende: was machen diese, wenn ihr Kind nur 1-2 Mal in der Woche in den Kindergarten gehen darf? Und dies die nächsten 5 Monate.

Beide Elternteile berufstätig: was machen diese, wenn Homeoffice nicht möglich ist?

I-Kinder

Die Liste ist nicht abschließend.

Vorlaufkinder sollen ab 18.5.2020 wieder an dem Kurs in der Schule teilnehmen, dürfen aber nicht in den Kindergarten. Da bin ich gespannt, wie viele dann am Kurs teilnehmen.

Für die Landesregierung ist dies natürlich ein Erfolg. "Wir haben alle Kinder wieder in den Kindergarten gebracht". Supi

Wenn die Grundschule (1. bis 3. Klasse) losgeht, wird es auch hier einen Aufschrei bei den Eltern geben.