An die in Pflegeberufen, wie sehr ihr eure Situation

Ich bin Altenpflegerin und hatte schon immer eine hohe Arbeitsbelastung.
Durch Corona ist es aber dermaßen eskaliert, dass es für mich untragbar geworden ist, das was ich in 2020 tragen und ertragen musste ist für mich ein Grund zu kündigen.
Im März dachte ich noch, ob, ein paar Wochen das geht schon. Was war ich naiv.
Im Sommer dann ein wenig Besserung, seit Oktober wieder unhaltbare Arbeitsbedingungen.
Einige meiner Kollegen sind dauerhaft wegen Überlastung ausgefallen, einige haben schon ihre Konsequenzen gezogen, die personelle Situation ist katastrophal.
In Krankenhäusern sieht es ähnlich aus, meine Schwester war auf einer Covid Station, bis sie selbst erkrankt ist, sie sagt, das wars, auch sie seit 8 Wochen zu Hause, Kündigung zum 31.1.ist raus.
Lieber Hartz IV als das, so sehe ich das auch.
Ab April werde ich mir was Neues suchen, lieber gehe ich putzen oder Regale einräumen als meinen Beruf weiter auszuüben.
Wie ist die Situation in euren Altenheimen oder Krankenhäusern?

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Wenn alle so denken und handeln würden, wer versorgt dann die Kranken und Hilfebedürftigen?

Putzen oder Regale einräumen für den halben Lohn ist doch keine Lösung.

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Keine Pflegekraft hat den Beruf gewählt um sich völlig aufzuopfern oder physisch und psychisch vor die Hunde zu gehen.

Wenn deine Frau damit gut klar kommt, ist das bewundernswert, aber das trifft nunmal nicht auf alle zu.

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Aber genau diese Denkweise "wenn alle so denken...." hat doch zu der aktuellen Situation im Gesundheitswesen beigetragen. Viele Jahre wurde so gedacht, die Quittung wird jetzt serviert. Um diese Jobs in der Pflege zu machen braucht es eine riesige Portion Mitgefühl udn genau das wurde viele Jahre schamlos ausgenutzt.

Natürlich ist ein Job im Supermarkt keine Lösung, aber er ist eine Alternative, nämlich dann, wenn die eigene Gesundheit auf dem Spiel steht. Und das mit dem halben Lohn entspricht ja auch nicht so ganz der Realität.

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Mein Mitgefühl und Dank für das was du geleistet hast! Es ist so unglaublich traurig, dass durch den Egoismus der Menschen (auf die Maßnahmen zu scheißen) und die Entscheidungen der Regierung (auf diese Berufe zu scheißen) solche Konsequenzen gezogen werden müssen! Ich wünsche dir und deiner Schwester alles Liebe und hoffe, dass keine allzu große Verbitterung bleibt.

Liebe Grüße

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Ich kann dich verstehen.
Bei dir i n der alte Pflege ist es sicher noch schlimmer.ich arbeite "nur" in einer Arztpraxis.
95% des Tages besteht nur aus "corona".
Gefühlt alle 2 Tage ändern sich regeln, abrechnungsarten, man wird am Telefon beschimpft weil wir keinen Abstrich machen bei 1kp, oder weildas Ergebnis noch nicht da ist, weil die nicht einsehen daheim bleiben zu müssen wenn sie Kontakt hatten und und und.
Ständig muss man Patienten bitten NICGT an die Anmeldung zu kommen weil noch jemand da steht, aber sie wollen ja alle immer "nur schnell" was abgeben oder sagen. Und dies trotz Ampel System vor der Tür.
Unsere Pausen sind keine Pausen mehr da wir mittlerweile durchgehend geöffnet haben müssen um kranke von gesunden Patienten zu trennen.
Unser pausenraum ist nicht do groß, deshalb darf nur noch eine Person drin sein und essen da sie ja die Maske dafür abnehmen muss. U d zwei gleichzeitig ohne Maske im gleichen Raum ist nicht erlaubt.

Es macht einfach kein Spaß mehr, man zu erschöpft sich um andere Sachen zu kümmern. Und dann gibt es für uns nicht mal ein corona Bonus. Klar würde das das Problem nicht lösen - besser wäre eine langfristige Verbesserung des Gehalts, aber das wäre zumindest ein kleiner Trost.

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Ich verstehe dich! Kann ich vollkommen nachvollziehen.
Aber bitte gedenkt bei euren Kündigungen die Sperrfrist beim Alg.

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Kann ich überbrücken, kein Problem.
Ich werde die freie Zeit so was von genießen, eine Therapie machen um das alles zu verarbeiten.
Ich kann mir gut vorstellen, ein ganzes Jahr nicht zi arbeiten, ich kann einfach nicht mehr.
Die Leidtragenden sind die Menschen in den Heimen und Krankenhäusern, die einfach nicht mehr versorgt werden.

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Du musst aber auch die Kk und andere Sozialabgaben zahlen!

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Das Bild, welches du beschreibst, das ist überall dasselbe.
Corona hat ganz klar aufgezeigt, in welcher beschissenen Situation das komplette Gesundheitswesen in den letzten Jahren rumgedümpelt ist.

Viele sind vorher schon auf dem Zahnfleisch gekrochen, jetzt kann eigentlich nur der persönliche Zusammenbruch folgen. Es sind nun mal die vielen kleinen Räder, die das Ganze zusammen am Laufen halten, brechen sie weg, dann geht nichts mehr.

Ich habe vor vielen Jahren schon gelernt, mich da abzugrenzen und für meine Gesundheit einzustehen. Das hilft mir jetzt, ganz klar. Im Grunde habe meine beiden aktuellen Jobs nur durch Corona, es würde sie schlichtweg nicht geben, wenn es das Virus nicht gäbe. Vielleicht wäre da auch etwas für dich zur Überbrückung dabei: Einmal im Altenheim die Schnelltests machen und im Testzentrum halt testen. Und wenn die Impfzentren durchstarten, gibt es da auch genug Arbeit. Der Vorteil ist ganz klar, du arbeitest nicht mehr direkt am Pflegebdürftigen und hast so emotionalen Abstand um für dich selber zu lernen, dich vernünftig abzugrenzen.
Um im Gesundheitswesen dauerhaft zu arbeiten braucht man eine gesunde Portion Egoismus, den Mut nicht sein Herzblut mit in den Job fließen lassen, dann klappt es auch jetzt noch. So traurig das auch ist.

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Es wird sich leider durch corona nichts ändern

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Nö, im Gegenteil. Es ist mittlerweile auch für den Letzten offensichtlich, was da Hinter den Kulissen in der Pflege abläuft, das man auch die letzten Mutigen für diese Berufe abschreckt.

Back to the Roots, Oma und Opa werden halt wieder zu Hause im Mehrgenerationenhaus gepflegt, nix mehr mit Oma kommt ins Heim, damit ich mein Leben weiter leben kann und jemand anders ihr den Hintern abputzt....sorry für den leichten Anfall von Sarkasmus.

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ich arbeite in der Ambulanten Pflege,
alles sehr entspannt.
Kann überhaupt nicht schimpfen.
Habe aber auch nur eine 20% stelle.

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Hallo,

ich arbeite auf einer Pandemie- Station und die Arbeitsbelastung ist enorm. Was bei uns aber besonders ist, ist der Zusammenhalten im Team. Wir ziehen gemeinsam an einem Strang und unterstützen einander. Das macht sehr viel aus.

Ich muss ehrlich gestehen, ich möchte auch raus aus der Pflege und habe mich schon oft auf Stellen beworben, die meiner Qualifikation entsprechen, aber nicht direkt in der Pflege sind. Letztendlich war das Gehalt der Grund, warum ich nicht gewechselt habe.

Ich wünsche dir alles Gute 🍀!

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Bei Freunden ähnlich.

Eine Freundin war in einer Burn Out Klinik. Ca. die Häfte oder mehr der Patienten kamen aus der Pflege.

Gesund werden? Nicht möglich. Auch die Klinik war unterbesetzt. Burn Out Patienten aus der Pflege wurden auf Mitgefühl angesprochen hier und da doch selbst auszuhelfen, sich selbst zu versorgen (wissen ja wie es geht), andere mitzuversorgen, da das Team unterbesetzt ist. Um die noch arbeitenden Pflegekräfte nicht bald als Mitpatienten zu haben.

Ich selbst hatte in der Reha eine über 70jährige Ärztin. Urlaubs- und Krankenvertretung in der Klinik. Sie selbst schon in Rente.
Die Ärztin war super, hatte Zeit, Erfahrung etc. Allerdings wird das jetzt nicht mehr möglich sein mit Corona.

An der Grundschule meines Kindes wurden vor Corona auch Lehrer aus der Rente zurückgeholt um Ausfälle abzudecken.

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Huhu;)

Ich bin kinderkrankenschwester auf einer frühchenstation.

Bei uns in der Klinik ist es nun schon so weit, das wir von der frühchenstation auf eine corona Station aushelfen müssen.

Es nervt alles ziemlich. Zumal wir von der Erwachsenenpflege überhaupt keine Ahnung haben.

Liebe Grüße