Beziehungen und Freundschaften in der Corona Krise

Ein Jahr ist seit Beginn der Corona Krise vergangen und zunehmend habe ich das Gefühl, dass sich manche Beziehungen geändert haben im letzten Jahr.
Wir sind von unseren Freunden und Familie eher die „vorsichtigen“, treffen uns schon das ganze Jahr reduziert und seit November nur noch draußen im freien. Verabredungen haben wir selbst bei Regen eingehalten, da wir uns „schuldig“ fühlen, aber klar, so oft haben wir uns mit der Familie und Freunde nicht getroffen, wie früher, gemütlich kaffeetrinkend im Wohnzimmer.
Es geht nicht spurlos an uns vorbei und wir sehnen uns auch danach wieder, wollen aber uns und unsere Eltern schützen in dem wir eben Konsequent sind.
Überwiegend verstehen das viele. Aber es gibt auch andere, bei denen merkt man langsam, dass sie sich über uns und unsere Vorsicht/Angst/wie man es auch immer nennen will ärgern.
Mein Schwager und seine Familie. Die halten es uns schon seit Anfang an vor, auch weil die Kinder sich nicht drinnen zum Spielen verabreden dürfen und wir nicht auf Familienfeiern gehen mit 3/4/5 Haushalten. Ich merke mittlerweile eine gewisse „Kühle“ wenn mein Schwager mit mir spricht. Das tut mir weh.
Eine sehr gute Freundin von mir hatte immer sehr viel Verständnis, sagte sie zumindest, obwohl sie alles sehr locker sieht. Jetzt mussten wir eine Einladung zum pizzaessen bei uns im Garten zurücknehmen, weil es bei ihrem Sohn in der Stufe ein Corona Fall gibt (Mutant) und erst mal alle Kinder getestet wurden. Unsere Verabredung wäre noch vor dem Test gewesen, was uns zu heikel war.
Jedenfalls hat sie sich jetzt sehr zurückgezogen und ich habe das Gefühl, sie hat die Schnauze voll von mir.
Ich habe die Angst, dass manche Beziehungen nie wieder so werden wie vor Corona und das finde ich schlimm.
Geht es jemand ähnlich und wie geht ihr damit um? Zweifelt ihr manchmal dran, ob es überhaupt alles wert ist wegen einer „Erkältung“ Beziehungen zu ruinieren oder seid ihr euch so sicher, dass ihr es selbstbewusst durchziehen könnt?

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Mir geht es nicht so, ich gehöre eher zu den anderen, die versuchen weitgehend normal weiter zu leben. Und dazu gehören für mich Freundschaften unmittelbar dazu.

Aber natürlich gibt es auch in meinem Umfeld Leute, die da ganz streng sind und Treffen rigaros vermeiden.
Anfangs hatte ich dafür noch Verständnis und Geduld. Im Sommer hatte ich dann keine Lust mehr auf distanzierte Spaziergänge oder Skype-Abende mit Rotwein. Das ist doch alles zu mühsam und anstrengend, kein Ersatz für echte , gemütliche Treffen.
Inzwischen denke ich gar nicht mehr richtig an diese Leute. Und von den Leuten kommt auch nicht mehr viel.
Mal sehen, was daraus nach Corona wird, falls es jemals es jemals ein "nach Corona" gibt.

Ich bin mir absolut sicher, das durch Corona etliche Freundschaften/ Bekanntschaften zerstört werden. So viel Distanz hält kaum jemand aus ohne schaden.
Interessant wird auch, wieviele Leute mit extremen Verhaltensauffälligkeiten aus dieser kontaktlosen Zeit hervorgehen werden. Das wird so richtig spaßig werden.

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Wie viele von den unvorsichtigen Leuten durch Corona Spätfolgen erleiden, wird genauso interessant.

Dazu gehören übrigens auch Depressionen, Psychosen und Angststörungen.

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Genau, von einer Depression hat man länger was als von long-covid.

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Ich denke jeder muss für sich entscheiden wie er sich im Moment verhält. Dem einen macht es nichts aus wenn er sich sozial von allen distanziert, der andere braucht Kontakte.
Wir haben unser Leben nicht wirklich verändert, weil uns das wichtig ist. Wir treffen uns nicht mit mehreren Haushalten gleichzeitig aber trotzdem haben wir zu allen Freunden regelmäßigen Kontakt ( wenn auch meist telefonisch) wir treffen uns mit einer einzigen Familie regelmäßig, teilweise draussen, teilweise auch drinnen. Wir haben alle keine Angst vor der Krankheit und kennen das Risiko, wir haben alle durch die Arbeit viele Kontakte und sind uns bewusst das da Mal was passieren kann. Da wir aber sonst kaum Kontakte haben können wir gut damit leben. Unsere Familien haben wir
seid Sommerr nicht mehr gesehen, das ist halt so, bei denen wäre das Risiko einer Erkrankung viel höher, also treffen wir uns da nicht.

Wenn mir aber immer wieder einer absagt weil er Angst vor einer Infektion hat würde ich den Kontakt nicht aufrecht erhalten. Ich denke jeder muss für sich klar entscheiden wie er leben möchte, wenn man Angst hat soll man sich isolieren das finde ich absolut legitim, dann aber auch nicht rumjamnern das man einsam ist. Wer sich mit anderen trifft muss immer im Hinterkopf haben das man sich anstecken kann, wenn das passiert ist das dann halt so und auch da sollte man dann nicht rumjamnern.

Wenn das hier alles wieder wie vor der Pandemie läuft, werde ich mich nicht um ehemalige Freunde kümmern die jetzt den Kontakt abgebrochen haben, ich finde diese haben sich eindeutig entschieden und damit müssen sie dann auch leben.

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Ich finde, in solchen Zeiten zeigt sich, welche Freundschaften Bestand haben. Ich bin es gewohnt, auch über Distanz Freundschaft zu halten und mache den Wert eines Freundes nicht an der Art des Treffens fest. Mit meinen besten Freundinnen ist der Zoom-Abend toller als jedes Treffen mit Bekannten in der coolsten Kneipe.
Nimm es als Anlass Freundschaften neu zu bewerten. Ich nehme meinen Freunden Absagen prinzipiell nicht übel, außer der Grund ist Desinteresse. Ansonsten gehe ich davon aus, dass sie einen Grund haben.
Ich denke, jetzt gerade sieht man, ob man rein der Unterhaltung dient, oder ob da mehr ist. Und ob man überhaupt noch auf einer Wellenlänge liegt.

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Hallo,

ich bin auch eher auf der anderen Seite, also nicht besonders ängstlich und streng mit mir und meinen Kontakten. D.h. heißt nicht, dass hier große Feiern und Runden stattfinden, aber mit Treffen im Haus habe ich jetzt grundsätzlich kein Problem, auch wenn diese aktuell nicht sehr häufig und mit wechselnden Freunden stattfinden.

Ich denke du wirst damit leben müssen, dass Du auf Deine Freundin zugehen musst, um den Kontakt zu halten. Wärst du meine Freundin würde ich mich tatsächlich auch zurückziehen und es dir überlassen etwas vorzuschlagen bzw. mir mitzuteilen, ob und wie es Dir recht ist. Kann schon sein, dass sich bei Deiner Freundin ein gewisser Verdruss eingestellt hat und es ihr womöglich derzeit etwas umständlich mit Dir ist.

Zu Deinem Schwager, hattet ihr den vorher engen Kontakt und habt euch regelmäßig getroffen und seit einem Jahr nicht mehr bzw. nur noch unter bestimmten Bedingungen? Könnte ich schon verstehen, wenn das Verhältnis etwas abgekühlt ist bzw. dein Schwager gekränkt ist. So innerhalb der engsten Familie abgewiesen zu werden, kann schon verletzen.

Die Pandemie dauert nun schon ein Jahr und wird uns noch eine ganze Weile begleiten. Ich finde es schon schwierig andere über einen so langen Zeitraum abzuweisen und fürchte das kann durchaus Spuren in den Beziehungen hinterlassen.

LG Nenea

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Engen Kontakt halten wir in dem Sinn, dass wir uns alle bei den Großeltern getroffen haben einmal in der Woche. Die Wohnung ist super klein und es sind dann 6 Erwachsene und 5 Kinder. Das wollen wir nicht.
Wir gehen jetzt alleine zu den Großeltern an einem anderen Tag und mit dem Schwager treffen wir uns auf dem Spielplatz oder im Garten. Eben seltener. Unser Neffen hat Asthma und sie wollen bei nass und kalt nicht raus.

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Hm also ich wäre schon auch recht enttäuscht wenn ihr ein angekündigtes Pizzaessen absagt, weil in der STUFE meines Kindes 1 Kind Corona hat.....
Vielleicht hatte das Kind da ja gar keinen Kontakt, der hat sein Klassenzimmer im anderen Stock und die laufen sich nie über den Weg....
Also da wäre ich auch recht enttäuscht und hätte erstmal weniger Lust auf weitere Treffen.

Ansonsten sind in meinem Umkreis eigentlich alle vorsichtig und wir haben ein gutes Maß gefunden. Meine Eltern (60-70Jahre) hab ich seit Weihnachten nicht mehr getroffen, da ich sie schützen will.
Meine Kinder waren in der Notbetreuung, ich arbeite selbst mit Kindern und mein Mann hat in der Arbeit und der UBahnFahrt auch einige Kontakte, also isolieren konnten wir uns eh nicht.
Trotzdem haben wir aus Vernunft darauf verzichtet uns mit befreundeten Familien zu treffen, deren Situation auch so aussah, dass die Kinder und Eltern durch Arbeit und KIGA eben eh sehr viele Kontakte haben.
Und wenn da bei einem Treffen jetzt einer was hätte, wären eben im Worstcase gleich mal 4 Kindergartengruppen, 2 Schulen und 2 Arbeitsgruppen in Quarantäne.
Das muss ja nicht sein.
Mit der besten Kiga Freundin waren wir dann eben am Spielplatz oder ich hab meine Freundin alleine auf einen Spaziergang getroffen, ohne unsere Kinder.
Also unsere Freundschaften haben bisher darunter nicht gelitten.

Nur zu Bekannten hat der Kontakt leider deutlich abgenommen. Sonst haben wir uns auch nur 1-3mal im Jahr getroffen aber jetzt in Pandemiezeiten eben noch gar nicht:-(.
Das fehlt mir schon etwas aber da waren wir uns auch alle einig dass das jetzt nicht sein muss.

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Ist eine kleine Grundschule und die komplette 2. klasse wurde getestet, weil die Betreuung am Nachmittag gemischt ist und es sich eben um den Mutanten handelt. Ist das echt so schlimm da abzusagen bevor ein negatives Testergebnis vorliegt? Ich bin darüber echt perplex ehrlich gesagt.

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Also schlimm find ich das jetzt auch nicht. Jeder hat auch sowieso seine eigene „Angststufe“ - das muss man doch auch respektieren? Ich hab Freundinnen, die seit Monaten nicht mehr Bahn fahren und niemanden persönlich sehen wollen, und andere vom Kaliber „komm ruhig vorbei, ist doch mein Geburtstag“. Wie ich mich verhalte, entscheide ich selber, und wenn jemand es anders hält, dann brauche ich doch nicht enttäuscht oder böse zu sein.. Hauptsache, man gefährdet nicht mutwillig irgendwelche unschuldigen Dritten.

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"Ich habe die Angst, dass manche Beziehungen nie wieder so werden wie vor Corona und das finde ich schlimm. "

Mein Vater hat ausgemistet, als er einen Schlaganfall hatte (lange vor Corona).
Anfangs fand er es doof.
Später sagte er, dass er froh ist. Echte Freunde sind geblieben. Die anderen konnten bleiben wo der Pfeffer wächst. Als es ihm besser ging, kamen einige wieder. Sie hätten es geschafft, dass er wieder kann. Es sei ihr Verdienst, jetzt wollen sie was vom Kuchen usw.

Er meinte trocken: da zeigt sich, wer in der Not zu dir hält. Auf die anderen verzichtet er gerne. Jetzt da er weiß (wusste), wie sie wirklich sind.


Als ich selbst krank war vor einigen Jahren war es ähnlich.
Echte Freunde waren ehrlich. Entweder sie blieben oder sie sagten offen, dass sie mich in der Zeit nicht mittragen können. Dass es ihnen Leid tut. Sie denken an mich, sie wünschen mir alles Gute und sie hoffen, dass wir uns wieder finden. Wenn sie könnten, würden sie mir beistehen.
Diese Freundschaften haben überlebt und sind heute stärker denn je. Corona haut uns nicht um, wir kennen Krise ja schon.

Die anderen? Wollte ich nach Krankheit vor Corona nicht zurück. Wer kommt und fordert oder nur auf schön Wetter macht, keine Rücksicht nimmt, den brauch ich nicht im Leben.
Grüßen ja, ok. Freundlicher Small Talk ok. Infos, wie es mir geht, was ich dazwischen erericht habe, Hinweise wo man andocken könnte um was abzugreifen (egal ob Müllschlucker, Problemlöser, materielles, Helden feiern lassen, besser da stehen wollen) .... die brauch ich nicht.

Dass es hart ist, steht außer Frage.
Es tut weh.
Auch Selbstzweifel, wie man nur darauf reinfallen konnte. Selbstzweifel, ob ich selbst vorher schon so oberflächlich war oder einfach das Leben genossen habe (es war wohl beides).

Es ist völlig ok, das Leben zu genießen, wenn es gut läuft.
In einer Krise kommen die Fragen. Nicht nur zu Menschen, sondern auch zu sich selbst. Will ich das? Wollte ich das? Warum war es für mich ok? Bin ich darauf reingefallen, habe ich mich blenden lassen? (jja, das war auch dabei).
Aber auch die Erkenntnis, dass nichts ewig ist. Es gibt tolle Menschen, Lebensabschnitsbegleiter. Diese weiß ich sehr zu schätzen. Auch rückblickend. Mit manchen haben sich einfach die Wege getrennt. Auch in guten Zeiten.

Und manche, nun ja.... aus der Krise habe ich gelernt, achtsamer mit mir selbst umzugehen.
Mit wem möchte ich meine kostbare Zeit verbringen.

Oberflächlich und einfach Spaß haben ist völlig ok. Das darf auch sein. Es gibt Bekannte, mit denen ich gerne Zeit verbringe (momentan nicht; irgendwann wieder) und Menschen, die ich rückblickend nach "trauern", schmerzerfüllten Zeit des Abschied nehmens (des gemeinsamen Abschnittes) froh bin sie los zu sein.

"Ich habe die Angst, dass manche Beziehungen nie wieder so werden wie vor Corona und das finde ich schlimm. "
Veränderung bedeutet Abschied, loslassen, manchmal auch Trauer, Arbeit - mit sich selbst , Fragen (wo will ich hin, was will ich, was ist mir wichtig). Gewohnheiten sind was Feines - sie lenken auch schön von sich selbst ab. Was gut läuft, muss man ja nicht in Frage stellen ;-)
Ich liebe meine Gewohnheiten.
Es schmerzt immer wieder liebgewonnene abzulegen.
Es ist harte Arbeit, mich nicht mit Gewohnheiten abzulenken
Es tut weh zu betrachten, wo der Kern des Schmerzes liegt
Es fühlt sich sehr intensiv an , um los zu lassen.

Auch wenn ich weiß, dass nach einer Veränderung was Neues Gutes kommt .... es sind Gefühle, die erst mal da sind ....

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Hi. Wir treffen uns auch noch mit Freunden etc. Mit einer Freundin gehe ich nur spazieren, weil sie es gerne so möchte. Ist für mich auch in Ordnung. Man muss ja nun nicht grade jeden Tag sich mit mehreren treffen.
Warum du deiner Freundin das Essen abgesagt hast, verstehe ich nicht. Es wäre draußen gewesen und man hätte ja Abstand halten können. Wie alt ist das Kind von ihr? Hatte ihr Sohn Kontakt zu dem infizierten Kind? Wenn es sein bester Freund wäre, würde ich es anders sehen. Aber wahrscheinlich haben die nicht einmal Kontakt gehabt.
Und nur weil man Corona bekommen kann, heißt es nicht, das man auch einen schweren Verlauf hat. Die meisten haben eher einen leichten bis sehr leichten Verlauf. Vg

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Hmmm interessant, das sehe ich komplett anders.... Wenn ich oder mein Kind getestet werden muss, weil auf der Arbeit oder in der Schule ein Mutantenfall bekannt ist, dann würde ich nicht drauf warten ausgeladen zu werden, sondern würde freiwillig erst mal alle treffen absagen um meine Freunde zu schützen und warten bis ich negativ getestet bin.....Also das wäre für mich selbstverständlich, daher bin ich etwas überrascht über viele Antworten hier.

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Naja wie viele Kinder sind da in seinem Jahrgang? Wahrscheinlich viele. Und wenn er gar keinen Kontakt hatte zu dem Kind, wird er er sicherlich nicht angesteckt haben. VL waren die nicht einmal zur gleichen Zeit in der Schule wenn Wechselunterricht war.
Anders sieht es aus, wenn man bewusst Kontakt hatte.

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Hier hat sich nichts geändert obwohl wir sehr vorsichtig sind.
Wer der Meinung ist,plötzlich einen Menschen nicht mehr einzuladen weil Einladungen in Coronazeiten nicht angenommen wurden der hat nicht alle Latten zusammen....

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Also ich bin weder super streng, noch super ängstlich. Denke ich bin so ein Zwischending 😄 Kommt bei mir auch stark auf die aktuelle Inzidenz an. Wir treffen uns zwar aber mit wenige Personen und immer lieber an der frischen Luft. Trotzdem würd ich niiiiiemals auf ne Freundin oder Familienmitglied sauer sein, wenn die mehr Angst haben wie ich. Da würde ich nicht mal auf die Idee kommen! Traurig - KLAR! Sauer, auch! Aber auf CORONA, denn es hat sich doch niemand ausgesucht.
Wer eingeschnappt oder beleidigt ist, hat keine Empathie und auf solche Freunde könnte ich persönlich gerne verzichten.