Burnout - ist das Gleichberechtigung?

    • (1) 22.01.11 - 13:15
      einer Mama

      Liebe Urbianer....

      es fällt mir sehr schwer meinen Zustand zu beschreiben. Zuerst einmal kurze Fakten. Wir sind eine 4-köpfige Familie mit Haus, Hund, großem Garten. Alles erst einmal wunderbar. Mein Mann arbeitet hart um nach oben zu kommen - oft ist er im Ausland. Unsere Kinder sind im Vorschulalter. Ich arbeite von zu Hause mit Kundenkontakt. Die Arbeitszeiten bei mir sind sehr unterschiedlich. Mal ein 6-8 Stunden Tag, mal nur 2-4 Stunden und dann auch mal freie Tage dazwischen. Die Kinder sind tgl. von 8 bis 12 im KiGa - danach bei mir, auch während meiner Arbeit.
      Ich kümmere mich komplett alleine um den Haushalt in einem 180 qm Haus. Ich koche überwiegend frisch und ich bin ohne Eltern und Schwiegereltern (verstorben) und ohne Geschwister, die helfen könnten.

      Ich bin ein sehr lebensfroher, offener und spontaner Mensch (gewesen?). Doch irgendwie kann ich nicht mehr. Meine Lust etwas zu unternehmen ist oft am Nullpunkt. Meine Reizgrenze liegt mitlrweile recht tief und ich bin sehr antriebslos. Vermisse Anerkennung, Geborgenheit,
      Streicheleinheiten, Sex.

      Meine Kinder sind wundervoll - auf die beiden süßen lasse ich nichts kommen und die beiden belasten mich nicht, sondern bereichern mich.
      Momentan ist es bei uns finanziell nicht so dufte, wie man es vermuten könnte. Wir kommen gut über die Runden, aber Extras sind erstmal nicht drin. Ich versuche mit meinem kleinen Geld Rechnungen zu begleichen, um meinen Mann damit nicht zusätzlich zu belasten. Ich gönne mir nichts - gehe selten zum Friseur, rauche nicht, gehe nicht ins Nagelstudio oder ins Solarium. Wenn gönne ich meinen Kindern etwas - sie kommen niemals zu kurz. Mein Mann hingegen raucht und geht auch ca. 1 mal im Monat Party machen. Durch seinen Job bedingt gibt er eh schon mehr Geld aus, für außer Haus essen/trinken. Auch auf Geschäftsreisen hat er seine Auszeiten und feiert gelegentlich - meiner meinung nach nicht selten.

      Ich stellte in letzter Zeit fest, daß ich immer mehr Kopfschmerzen hatte. Schwindel und eben diese Antriebslosigkeit. Mein Hausarzt hat einen Blutdruck von 70/40 im Sitzen festgestellt und beim Aufstehen viel er nochmals ab. Habe Tropfen bekommen für den niedrigen Blutdruck und Stimmungsaufheller. Die Stimmungsaufheller habe ich nicht vertragen. Nun habe ich neue bekommen, sie aber aus Angst noch nicht genommen.

      Mein Mann krümmt im Haushal KEINEN Finger. Er ist der einzige, der nie seine Straßenschuhe auszieht. Er räumt noch nicht einmal den Geschirrspüler ein oder irgendwas...nichts!
      Er ist für das handwerkliche Zuständig. Zur Zeit bauen wir einen Raum um und das nimmt Zeit und Geld in Anspruch - allerdings läuft dieses Projekt seit März 2010 - ich will damit sagen, er ist da nicht täglich am werkeln. Hat auch Hilfe dabei und über den letzten Sommer hatten wir einen geplanten Umbaustop aus finanziellen Gründen.

      Ich quäle mich durch die letzten Wochen und mein Mann schien auch erst etwas besorgt, als er von der Diagnose Burnout hörte. Aber er trägt keineswegs zu meinem Wohlbefinden oder meiner Entlastung bei. heute stand er um 11:45 Uhr auf (nachdem wir uns gestritten hatten). Er meinte, daß er ja schließlich weniger schlafen würde. Ich als seine Frau würde ja tagsüber immer mal schlafen können. Klar...mit 2 Kindern, Job und Haushalt SCHLAFE ICH STÄNDIG!
      Natürlich schaue ich mal im Liegen TV - da ist meine Entspannung. Ich kann ja nicht groß raus ohne Kinder, wenn der Mann im Ausland ist. Soll er doch froh sein, wenn mir etwas "Assi-TV" zum abschalten reicht. Ich fahre unsere Kinder hin und her. Knete mit ihnen, Bekoche sie. Lese Bücher vor. Bringe sie jeden Abend liebevoll ins Bett, entdecke mit ihnen Wälder und unsere Umgebung.

      Ich bin gerade voller Worte und doch so unglaublich leer. Mein Körper schreit nach völliger Entspannung. Mein Mann meinte heute Morgen, warum ich so ein Faß aufmache, es sei erst viertel vor zwölf (da hatten die Kids und ich bereits gefrühstückt, geduscht, ich hatte etwas Hausarbeit erledigt und mich um den Hund gekümmert). Ich habe nichts gegen einen Spätstart, aber ICH darf es mir nicht erlauben länger liegen zu bleiben. Immer mache ich Frühstück. Er läßt sich 5 mal wecken und kommt verspätet an den Frühstückstsich - manchmal auch gar nicht....


      Ich weiß nicht, ob ich ein Einzelfall bin. Ich bin Enttäuscht und habe Angst mich ganz zu verlieren. Ich würde am liebsten alles ignorieren und nur an mich denken, aber ich mache mit einem Lächeln im Gesicht weiter für die 2 wunderbarsten Kinder der Welt.

      In diesem Sinne....danke an die, die bis zum Ende durchgehalten haben und irgendwie durch mein Wirrwarr durchsteigen. Es tat gut alles aus mir raus zu tippen. Grüße von einer Mama

            • (5) 22.01.11 - 14:36

              Da sind wir ja wieder beim Anfang. ER nimmt aber nichts an. Beispiel Schuhe ausziehen> Ich habe gerade frisch gewischt...ich bitte ihn wie ALLE Schuhe auszuziehen. Macht er. 10 Minuten spaeter geht er vor der Tuer eine rauchen, zieht dafuer natuerlichSchuhe an. Und er kommt NATUERLICH wieder mit Schuhen rein. Ich bin es satt immer und immer und immer wieder zu betteln und Ansagen zu machen.
              Vielleicht sieht er in mir nur noch die jammernde, langweilige, Mutter und Hausfrau, die nur noch abnervt.

              • Sei ehrlich... Wie siehst du dich?
                Soll ich dir mal was sagen?
                Menschen, die in die Burnout-Falle tappen, sind verdammte Perfektionisten. Das sind Menschen, die machen keine halben Sachen, die machen die Dinge ganz. Gar nicht gibt es für sie nicht.
                Trifft das in etwa auf dich zu?
                Das sind so kleine Sätze, die dich verraten: "Ich koche immer frisch". "Ich möchte einfach mal Entlastung."
                Dann sei doch mal nicht perfekt, reiß mal ne Tütensuppe auf und kauf Brötchen dazu.
                Dein Mann macht wieder alles dreckig. Drück ihm ein Lappen in die Hand und sag ihm, er soll seinen Mist in Zukunft selbst wegwischen. Und dann geh und lass den Dreck einfach liegen. Das ist abgeben.
                Der Herr will frühstücken. Soll er sich halt was machen, wenn er verschläft.
                Du nimmst dir keine Zeit für dich. Nimm dir Zeit für dich, dein Mann ist doch da am Wochenende. Es sind eure Kinder.
                Aber abgesehen von ridigen Verhaltensweisen, du musst ihm das in einer ruhigen Minute kommunizieren. Aber nicht aus einer Haltung heraus, dass du dich als jammernde, weinerliche Ehefrau siehst, sondern als ein eigenständiger Mensch mit Bedürfnissen, die einfach viel zu kurz kommen.
                Könntest du das versuchen, so als ersten Schritt?

                • Besser kann man es nicht in Worte packen.

                  (8) 22.01.11 - 14:58

                  Mir kamen gerade einfach nur die Traenen, als ich Deine Worte gelesen habe. Ja, ich moechte gerne alles perfekt. Ruecke im vorbeigehen den Stuhl schnell gerade. Aber das versuche ich gerade etwas abzulegen. Ich versuche mal etwas auf spaeter zu verschieben. Es gelingt mir auch.

                  Nach einem Gespraech vor ein paar Wochen versprach mein Mann zu wischen, da er so viel Dreck rein getragen hat. Da warte ich heute noch drauf. Haette ich mich nicht drum gekuemmert, wuerden wie hier wohl festkleben. Er macht es einfach nicht. Ich hatte in paar mal nachgehakt. Seine Antwort> Ja mache ich. Machte eraber nicht und ich musste mich arg zusammenreissen ihm das Wischzeug nicht vor die Fuesse zu werfen.

                  Heute kam er ja auch nicht aus dem Bett, ich habe den Fruehstueckstisch wieder abgedeckt als die Kids und ich fertig waren. Es juckt meinen Mann nicht. Er mault nur rum, weil ich ihn um 1145 anmaule.

                  Ich wuensche mir eine feste hand, eine Schulter. Jemanden, der meinen Mann erreicht un ihm vor Augen fuehrt was los ist. Ich dringe nicht durch.

                  • Dann reißt du dich eben mal nicht zusammen und knallst ihm das Zeug vor die Füße. Klare Ansagen sollen Wunder bewirken, denn ganz ehrlich, was will man mit einem Mann der eigentlich sein eigenes Leben hat und sich nicht am Familienleben beteiligt??? Er ist doch kein Single, der in den Tag hinein lebt, wie er es gern möchte. Mein Mann ist auch auf Dienstreisen, hat einen 12 bis 15 Stunden Tag und arbeitet oft noch bis spät zu Hause, aber er vergisst uns dabei nicht und versteht auch, wenn ich eben mal nichts gemacht habe, obwohl auch ich lange damit zu kämpfen hatte Dinge einfach mal liegen zu lassen. Er hilft mir, ich muss es nur sagen. Aber gerade das ist schwer, ich weiß. Man macht es lieber selbst, weil der andere es nicht so macht, wie man es selbst gern hätte.
                    So einen Egositen hätte ich nicht gern zu Hause, vielleicht soltest du ihn einfach mal alleine lassen, 3-4 Tage dein Ding machen, deine Dienstreise eben und dann soll er mal sehen, was zu tun ist und wie er das hin bekommt und wehe du schreibst ihm auf, was er zu machen hat#nanana

                    LG

                    • (10) 22.01.11 - 15:18

                      Meine Dienstreise ... das klingt wunderbr. Fuer meinen Berufszweig findet gerade dieses Wochenende eine interessante Messe statt. Nur gut eine Autostunde entfernt. Ich bin nicht hin, weil es finanziell nicht so locker sitzt im Januar. Mein Mann geht aber naechste Woche Samstag feiern. Ruecksicht? Ja....nehme ich. warscheinlich dumm.
                      Soll ich dir was sagen? Ich habe mir einen gebrauchten Mantel auf ebay ersteigert vorgestern. Echtes Glueck. Markenteil, schick und genau meins.
                      Fuer 9,06 EURO zzgl. Versand...und nun halt dich fest: Das hat er mir heute Morgen zum Vorwurf gemacht, als ich meinte, eigentlich is Geld zum weg gehen und Party machen nicht drin.

                  Ich denke, deinem Mann das Wischzeug vor die Füße zu werfen, so dass der wassergetränkte Lappen aufklatscht und ordentlich hochspritzt, wäre eh nicht so dein Ding, oder? Aber der Grundgedanke ist gar nicht einmal so schlecht- bisher hat altbekanntes nicht gefruchtet- probier was neues, was überraschendes. Sowas zieht in der Regel tatsächlich mehr Aufmerksamkeit auf sich als die "ewig gleiche Leier", die du ja auch satt hast bis obenhin- da fällt mir ein, dass du doch erwähnt hast, dass du eigentlich ein spontaner Mensch bist. Ich denke, du bist das immer noch, nur hat die Perfektionistin die Spontane ganz schön gewürgt und verschüchtert und überhand genommen. So wirklich kompatibel ist das ja auch nicht, für den Perfektionisten, wenn da jemand spontanes die Ordnung im Ablauf durcheinander bringt.
                  Ich denke deine Not ist sehr deutlich spürbar geworden und ich wünsche mir für dich dass du sie annimmst... Nicht, um daran zu zerbrechen, sondern sie zu nutzen um ab jetzt sofort in kleinen, manchmal kleinsten, manchmal mit Rückschritten verbunden neu zu starten. Wenn du dich entschieden hast- so nicht mehr- was hält dich?
                  Alles Gute für dich

            PS.: Es wäre völlig verkehrt, diesen perfektionistischen Anteil in dir komplett unterdrücken zu wollen; der ist nun einmal da, und er hat sicherlich auch eine Menge Vorteile. Nur solltest du darüber auch deine anderen Anteile nicht vernachlässigen, geschweige denn unterdrücken. Es gibt auch Möglichkeiten, deinen Perfektionismus in weniger selbstschädigende Bahnen zu lenken- wobei das Schritt zwei wäre. Hier kann dir nur ein guter Therapeut bei helfen...

Gegen Burnout helfen keine Pillen. Solange du die Diagnose nicht ernst genug nimmst, darfst du dich nicht wundern, wenn dein Mann es nur abtut.
Ich versteh nicht, warum man sich ein 180qm Haus ans Bein bindet, wenn die Finanzdecke so dünn ist.
Ein Teil deines Problems ist, das dein Mann dich ankotzt, das gehst du auch nicht an. Von allein wird sich nichts ändern.

  • (14) 22.01.11 - 14:17

    Das Haus ist mein Elternhaus - meine Eltern sind beide frueh verstorben und es ist schuldenfrei.

    Wie bitte meinst Du denn, soll ich das ernst nehmen? Ich nehme es sehr ernst, wie es mir geht. Aber ich habe ja schon geschrieben, dass ich noch Vorwuerfe von meinem Mann bekomme, wenn ich mal zu Hause "rum haenge". Soll ich vor ihm zusammen brechen? WIE?

    • Mal alles liegen lassen wo ist das Problem?
      Dieses "alles muss sauber sein" Problem machst du dir selber nicht dein Mann.
      Wenn ich mal nicht kann, dann bleibt einfach mal der Haushalt liegen wobei ich einen Mann habe der 10 Stunden am Tag arbeitet, 12 insgesamt außer Haus ist, abends noch lernt und mir trotzdem wo es geht hilft.
      Trotzdem wird mir mal alles zuviel, gerade weil die beiden Großen im Trotzalter sind und es manchmal schwer ist ihnen beizukommen.
      Und ja, beschimpft mich als Rabenmutter geht mira ber am Allerwertesten vorbei, manchmal schreie ich dann auch.

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