Ich bin unfähig Entscheidungen zu treffen

    • (1) 17.08.11 - 10:40
      *XYZ

      Hallo, ich bin schon länger in diesem Forum unterwegs.

      Ich bin Mitte 20 und frisch verheiratet.
      Privat ist wirklich alles super - ich habe einen tollen Mann und eine tolle Familie. Beruflich ist es so, dass ich seit meiner Ausbildung einen Betrieb leite (aber als Angestellte) mein Chef ist einfach unfähig d.h. ich erledige alle seine Arbeiten und kann mich wenn er schlecht drauf ist auch noch blöde anreden lassen. Letztes Jahr war ich nervlich wirklich am Ende und hatte ein Burnout und natürlich Depressionen. Warum ich nicht kündige? Tja ich Bewerbe mich immer wieder, um dann kurz vorher doch nen Rückzieher zu machen - weil mir trotz allem mein Chef leid tut wenn ich ihn hängen lassen, dann würde er die Firma zu machen können (ist er natürlich anderer Meinung - er erzählt jedem dass ALLES er erledigt - nur er arbeitet).

      Privat würden wir uns demnächst (ca. 1 Jahr) Nachwuchs wünschen. Aber selbst da bin ich wieder im Zwiespalt dass ich meinen Chef hängen lassen.

      Im Allgemeinen ist es eigentlich immer in meinem Leben so, ich hab ständig Angst vor Entscheidungen hört sich blöd an aber selbst einfache Dinge will ich nicht entscheiden (was machen wir Samstag? Entscheid du!)

      Das lustige daran ist, niemand würde auf die Idee kommen das ich so bin, im Alltag bin ich die Powerfrau die alles meistert die immer einen Ausweg findet die allem gewachsen ist. Aber so Kleinigkeiten wie der Abschluss eines Handyvertrages überfordern mich teilweise aber wenn ich dann unterschrieben habe ist es in Ordnung aber vorher überleg ich Oft tagelang hin und her und es beschäftigt mich den ganzen Tag.

      Gut, das Beispiel mit dem Handyvertrag war jetzt wirklich die höchste Form, normalerweise sind es schon "wichtigere" Entscheidungen. Wo wir wieder beim Baby sind, wir wünschen uns wirklich sehr ein Baby aber ich habe immer Angst das nicht zu schaffen, was ist wenn gerade wir ein Fall für die Super Nanny werden? Wenn unser Kind in der Schule der Aussenseiter ist? Wenn das Schlimmste eintritt und wir unseren Job verlieren? Wenn wir unserem Kind nichts bieten können?

      Also wie ihr seht - ich gehe immer ja wirkich IMMER vom Schlimmstmöglichen aus - das ist schon immer so. Als Jugendliche war ich schon immer sehr pragmatisch - wenn andere ihre Freunde angehimmelt haben mit "ich geb dich nie mehr her" hab ich immer gesagt XY ist nur Lebensabschnittspartner obwohl ich meine Partner immer sehr geliebt habe war mir klar das man mit 15 nicht ewig zusammen bleibt.

      Ich weiß, der totale widerspruch aber ich hab null Ahnung wieso ich so bin???

      Was ich jetzt eigentlich von euch will? Ich weiß es nicht, einfach vielleicht mal Meinungen von fremden hören?

      Liebe Grüße

      *XYZ

      • (2) 17.08.11 - 10:48

        hallo!
        ich denke, deine erwartungshaltung an dich ist zu hoch. du setzt deine meßlatte viel zu kritisch.
        du hälst dich im job für unentbehrlich - schätzchen, jeder ist ersetzbar! auch du!;-) ich denke, du überschätzt dich permanent und wunderst dich dann, das du einfache alltagsdinge nicht streßfrei geregelt bekommst.

        vielleicht solltest du deine grundsätzliche haltung zum leben und zu dir selbst überdenken.

        alles gute!

        • (3) 17.08.11 - 10:57

          Hallo danke für deine Antwort.

          So ist es ja eben nicht, als ich letztes Jahr krank war ging die Firma
          schon den Bach runter - ich hab die Firma vor der Insolvenz gerettet, ich habe neue Auftraggeber an Land gezogen usw.
          Da will ich mich auch jetzt gar nicht hervorheben wie toll ich das alles geregelt bekomme - darum geht es nämlich nicht weil ich hab ja auch berechtigtes Interesse daran das die Firma weiter läuft weil das ja auch mein Arbeitsplatz ist.

          Und von Alltagsdingen nicht geregelt bekommen kann auch nicht die Rede sein, wir haben ein Haus mit riesen Grundstück und bei mir kann man vom Boden essen, bei mir ist wirklich alles tip top - meine Freundinnen sind immer ganz neidisch - bei mir liegt nie was rum bei mir ist es sauber alles ist in Ordnung.

          Ich habe nicht Probleme im Alltag - ich habe Probleme Entscheidungen zu treffen - was ist richtig - was ist falsch? Was ist wenn ich das Unterschreibe? Ich hinterfrage immer sämtliche Entscheidungen - gehe immer vom worst case aus .

          LG

          • (4) 17.08.11 - 11:06

            hallo!

            ----------Und von Alltagsdingen nicht geregelt bekommen kann auch nicht die Rede sein, wir haben ein Haus mit riesen Grundstück und bei mir kann man vom Boden essen, bei mir ist wirklich alles tip top - meine Freundinnen sind immer ganz neidisch - bei mir liegt nie was rum bei mir ist es sauber alles ist in Ordnung. -------------------------

            und darüber definierst du, das du dich und deinen alltag im griff hast? über den blank geputzten boden, den tip top - haushalt? das lob deiner freundinnen?

            merkst du was? ;-)

            • (5) 17.08.11 - 11:11



              Nein ich merks eben nicht - deswegen schreib ich ja hier?!


              Im übrigen hab ich dir doch nur eine Antwort gegeben - DU hast geschrieben ich wäre überfordert mit meinem Alltag - und ICH hab dir
              das als Beispiel geschrieben das ich es eben nicht bin.

              Aber du darfst mich gerne aufklären was ich nicht "merke"

              Dann bin ich vielleicht ein wenig schlauer

              LG

              • (6) 17.08.11 - 11:16

                meine meinung:

                wenn man sich über solche profanen alltagsdinge quasi definiert, stolz darauf ist, alles ja so gut im griff zu haben, aber dennoch das gefühl hat, eben die dinge nicht im griff zu haben - dann stimmt was nicht.

                und wie ich schon schrieb, ich interpretiere bei dir, das du deine meßlatte zu hoch hängst, dich über die falschen sachen definierst (haushalt...da definiert man sich nicht drüber, den macht man einfach) und da braucht man auch nicht stolz drauf sein, das der boden so schön blinkt#kratz -

                ich denke, dir fehlt der eigentliche sinn im leben und so suchst du krampfhaft bestätigung. beim chef, beim haushalt etc.

                meine interpretation.

                • (7) 17.08.11 - 11:22

                  Hallo,

                  danke für deine Meinung.

                  Ich hab ja mit keinem Wort gesagt dass ich die Dinge nicht im Griff habe. Ich habe lediglich zweifel daran ob ich das mit Baby schaffen würde.
                  BZW das ich Angst habe das mein Kind gemobbt wird oder sonstige schlimmen Dinge auf uns zukommen, liegt aber sicher daran dass ich wie gesagt immer vom worst case ausgehe.

                  Naja also über meinen Haushalt definiere ich mich sicher nicht - wie vorher schon geschrieben war dies ein Beispiel.

                  Aber dein letzter Satz ist schon richtig - der Sinn des Lebens - genau so ist es - das hinterfrage ich - ständig.

                  • (8) 17.08.11 - 11:35

                    ahhh, da kommen wir der sache doch schon näher.der sinn des lebens.
                    suchen wir den nicht alle? ;-)
                    es ist wichtig, das man seine innere mitte findet, mit sich im reinen ist.

                    das scheinst du nicht zu sein. du wirkst unausgeglichen und angstbeladen.

                    wie kannst du dich davon lösen? selbst an dir arbeiten oder eben mit professioneller hilfe? würde ich vorschlagen.

                    mit kind das schafft jeder - du ganz sicher, denn du bist sehr verantwortungsbewusst, umsichtig und hängst dich rein. das interpretiere ich mal so aus deinen erzählungen. :-)

                    das einzige, was du ablegen solltest, sind deine ängste. empfange das leben mit seinen unabwägbarkeiten mit offenen armen! nichts kann schöner sein, als spontane, ungeplante situationen!

                    ok, autounfälle u.dergleichen meine ich nun nicht;-)

                    • (9) 17.08.11 - 11:43



                      Hallo,

                      ich konnte es nicht so formulieren, aber genau das ist der Punkt
                      ich bin unausgeglichen und angstbeladen.

                      Wobei ich wirklich den Schwerpunkt auf Angstbeladen setzen würde, ich hatte schon immer Ängste die das Leben usw betreffen.

                      Ich muss mich wohl mal umsehen ob ich eine entsprechende Lektüre finde.

                      Vielen liebe Dank für deine ehrliche Meinung

                      • (10) 17.08.11 - 12:00

                        alles gute!

                        genau, les dich mal rein - da gibt es sicher fachliteratur. parallel dazu sprich mit deinem hausarzt darüber. gemeinsam könnt ihr einen gesunden weg für dich ausarbeiten!

                        lg!

      (11) 17.08.11 - 10:49

      Überleg Dir "einfach" mal: Würde Dein Chef umgekehrt genauso Rücksicht auf Dich nehmen? Ich kenne das und in meiner Firma neigen wir alle ein bißchen zu diesem Pflichtbewusstsein - allerdings, weil wir uns hier sehr sehr wohl fühlen und ein echt gutes Team sind.

      Und auch ich habe vor Kinderwunsch überlegt, ob das jetzt gerade so geht - haben gerade eine neue Azubine bekommen und wie klappt das dann in der Firma und und und... ABER: Es ist MEIN Leben und das kann und werde ich nicht von der FIrma abhängig machen - denn das dankt einem im Endeffekt keiner.

      Die Firma wird auch ohne mich und in Deinem Falle DIch nicht den Bach runtergehen - Du hattest schon gesundheitliche Probleme - meinst DU nicht, es wäre mal an der Zeit umzudenken?

      • (12) 17.08.11 - 11:00



        Hallo,

        genau das gleiche erzählt mir meine Mama und mein Partner.

        Aber ich hab irgendwie trotzdem Angst davor

        Schwer zu erklären.

        Danke für deine Antwort

        LG

    (13) 17.08.11 - 14:19

    Hi!

    Meine Interpretation:

    Du hast eine Art Lebensangst - Angst zu verlieren. Hab da gerade was Spannendes in der Brigitte drüber gelesen. Vll gibts das ja auch online zu lesen.

    Du hast Dir ja einiges aufgebaut und jetzt fürchtest Du natürlich umso heftiger, dass Dir irgendwas mal NICHT gelingt. Und sei es der Handyvertrag.

    Es ist, gerade wenn das meiste gut läuft, sehr schwer, auch mal eine Niederlage einzukassieren. Du scheinst Angst vor einer Niederlage zu haben, daher entscheidest Du am liebsten gleich gar nichts.

    Du bist sehr drauf bedacht, nach vorn zu kommen, nichts falsch zu machen, keine Rückschritte, alles aufeinander aufzubauen.

    Aber glaub mir, die Angst vor der Niederlage, der falschen Entscheidung, ist 1000x schlimmer, als wenn Du es wirklich komplett verpatzt hättest - da legt nämlich eine Chance drin. Das Festhalten ist dagegen hauptsächlich anstrengend.

    Da wird ein Baby, das völlig unberechenbar ist, natürlich einiges durcheinanderwirbeln ;-) Aber das nur am Rande, erstmal gehts ja um Deine jetzige Lage.

    Ich rate Dir zu versuchen (ich weiß nicht, ob Du es allein schafft) Dich von diesen Erfolgszwängen frei zu machen. Nimm Dir zum Beispiel 2 Dinge pro Woche vor, die Du völlig ungeplant und völlig ohne Erfolgsgarantie einfach machst. Kannst ja mit Kleinigkeiten anfangen. Nimm Dir ne Landkarte, Augen zu, Finger auf die Karte und da fährst Du dann mal ein Wochenende hin. Du musst spontan eine Unterkunft suchen, Dich beschäftigen etc etc. Ohne vorher alles durchzuplanen und DIch für das beste entscheiden zu wollen. Denk Dir noch andere Dinge dieser Art aus.

    Du solltest versuchen zu erreichen, dass Dich die Option zu verlieren oder etwas falsch zu machen/falsch zu entscheiden nicht so fertig macht. Denn im Prinzip hat es der Verlierer leichter, für ihn gehts wieder nach oben. Er kann draus lernen, es anders versuchen, noch mal beginnen etc. Der Gewinner muss immer festhalten... das ist anstrengend. Und auch nicht normal, denn jeder verliert mal. Und damit umzugehen, kann man lernen, es macht einen stark.

    LG, Nele

    • (14) 17.08.11 - 15:05


      Hallo,

      vielen Dank für deine Antwort.

      Was du schreibst ist für mich sehr interessant.

      In gewisser weise hast du recht ich hab Angst davor das mir etwas nicht gelingt. Liegt vielleicht auch daran: ich habe eine ältere Schwester, die so jeden Mist gemacht hat den es gibt (für fremde Leute gebürgt, sehr jung ein ungeplantes Kind, sehr gute Jobs in den Wind geschossen)
      und ich hab das schon als kleines Kind immer mitgekriegt und war immer sehr bedacht darauf das ich keinen "Mist" baue usw.

      Ich habe meine 1. Ausbildung damals wegen sex. Belästigung abgebrochen und der Chef meinte daraufhin ich werde nie wieder einen
      Fuß auf den Bode bekommen. Ich bin froh, dass ich wieder auf die Füße gekommen bin.

      Aber ich hab wirklich permanent Angst davor irgendwelche Rückschläge zu erleiden. Ich bin sehr bedacht darauf keine "falschen" Entscheidungen zu treffen - ich hab einfach Angst davor wie zb meine Schwester Jahre lang Schulden abzuzahlen nur wegen einer Unterschrift.

      Wobei ich wirklich sagen muss ich bin durch meinen Mann schon sehr viel lockerer geworden, er schafft es mich "runter" zu holen. Ich hab schon gelernt spontane Dinge zu Unternehmen, Kurzurlaube usw - vorher habe ich jede Minute durchgeplant.

      LG

      • (15) 18.08.11 - 09:04

        Hi,

        in gewissem Sinne kann ich das gut verstehen... ich hätte auch gern einen Hellseher, der mir immer erzählt, was demnächst so ansteht, damit ich bloß nicht mit irgendwas vor die Wand fahre :-) Mein Arbeitsvertrag endet in 2 Jahren und ich wälze das Thema jetzt schon wieder im Kopf, obwohl ich noch massig Zeit hätte.

        Man muss ja keine "kommeste-heut-nicht-kommste-morgen"-Natur werden. Aber halt aufpassen, dass einem der Planungszwang und die Angst, etwas falsch zu machen oder zu verlieren, in seinem Leben lähmt. Daher rate ich Dir dringend, dieses Problem anzugehen, da es ja schon weit in Dein Leben eingreift.
        Melde Dich z.B. mal bei einer Beartungsstelle, die können sicher gute Impulse geben. Dann stehst Du nicht so allein vor dem Problem. Und wenn Dich Dein Mann weiter unterstützt, kann das doch werden...

        Alles Gute!

        LG

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