betreutes Wohnen

    • (1) 05.10.11 - 23:35
      _schalom_

      Hallo,

      meine Frau ist psychisch schwer krank (Schizophrenie) und wir haben ein Kind (Grundschulalter) zusammen.

      Seit Jahren haben wir eher betreutes Wohnen als eine Ehe. Ich kann nun nicht mehr und möchte für mich und unser Kind ein "normales" Leben. Das geht mit meiner Frau nicht aufgrund ihrer Krankheit.

      Meine Frau kommt alleine nicht klar. Unser Gesundheitssystem in Deutschland ist so, dass es schwierig ist, Hilfe zu bekommen. Solange die Patientin - also meine Frau - nicht auffällig wird, gibt es Hilfe nur in der Form, dass immer neue und immer mehr Medikamente verschrieben werden, die die Gehirntätigkeit dämpfen.

      Meine Frau ist auch nicht therapierbar. Versuche, die Medikation zu reduzieren, endeten nicht gut.

      Ich möchte für meine Tochter und mich ein neues Leben und hätte gerne, dass andere Menschen sich um meine Frau kümmern.
      Ich glaube, dass meine Frau in einer betreuten Wohngruppe am besten aufgehoben wäre.

      Mit meiner Frau kann ich unsere Probleme nur sehr schwierig besprechen, weil sie aufgrund ihrer Krankheit sehr "vulnerabel" ist. Ich muss ganz einfühlsam und vorsichtig mit ihr sprechen, was ich auch getan habe und was natürlich zu einer weiteren Verschlechterung ihres Gesundheitszustands geführt hat.

      Sie möchte mit mir und unserer Tochter zusammen bleiben.

      Mir geht es zunehmend schlechter. Seit ein paar Tagen habe ich Zuckungen am linken Auge, Einschlafschwierigkeiten, Beklemmungen im Brustkorb und teilweise "weiche Knie" wegen dem Stress.

      Wenn meine Frau eine erneute psychotische Krise bekäme, käme sie ins Krankenhaus und der psycho-soziale Dienst würde zuständig.
      Genau das will der Arzt natürlich verhindern und dämpft das Gehirn meiner Frau immer mehr.

      Mir tut meine Frau auch total leid und unsere Tochter auch und ich komme mir schäbig vor bei dem Gedanken, meine Frau in eine betreute Wohngruppe abschieben zu wollen.

      Die Alternative wäre, dass ich meiner Frau eine kleine Wohnung in der Nähe suche und ihr die Wohnung einrichte und sie weiter betreue. Das fände ich für mich aber ziemlich hart, wenn ich bedenke, dass ich als allein erziehender Vater schon alle Hände voll zu tun hätte.

      Hat jemand eine Idee, wie ich das Problem lösen könnte?

      • Hmmmm ich kann dich verstehen.
        Es gibt manchmal Dinge im Leben die kann man nicht schaffen und deiner/eurer Tochter bringt es auch nichts wenn du auch noch schlapp machst.

        Klar möchte sie bei dir bleiben aber es kann ja nicht sein das du daran kaputt gehst und auch eure Tochter soll eine schöne Kindheit haben.
        Sie betreuen lassen heißt ja nicht sie zu vergessen.

        Ich kenne persönlich nur einen Mann der seine Frau mal in ein Heim gegeben hat.
        Er konnte es auch nicht mehr, war allerdings eine andere Krankheit.
        Die Frau erkannte niemanden mehr, wusste nichts mehr.......
        Er ist sogar soweit gegangen und hatte dann eine "neue" Freundin".
        Viele Menschen haben ihn dafür verurteilt, aber ich konnte es irgendwie verstehen.
        Die Frau war viele lange Jahre in dem Heim.
        Er war noch kein alter Mann.

        Ich hab da keine Idee, aber mir als Mutter würde es das Herz zerreißen, wenn mein Partner mich abschieben und die Kinder bei sich behalten würde.

        Das es dir schlecht geht, kann man nach vollziehen, Schizos sind keine einfachen Menschen, aber es muss doch Möglichkeiten für dich geben, damit du mal regenerieren kannst. Also Urlaub ohne deine Frau. Liebst du sie denn gar nicht mehr oder ist da jemand neues? Vielleicht wäre eine Gesprächstherapie auch was für dich? Andere Medis, anderer Arzt.... Oder steht der Entschluss der Trennung fest? Was sagt deine Tochter dazu, dass du vorhast mit ihr allein, also ohne Mutter zu leben?

      • (13) 06.10.11 - 00:52

        Mit meiner Tochter habe ich das Thema noch nicht besprochen. Erstmal müssen die Erwachsenen das klären.

        Ich habe auch niemand neues. Ich bin da etwas altmodisch...

        Ich möchte für mich auch keine Therapie, weil ich denke, dass das nichts bringt. Ich weiß selbst, dass man die Ansprüche ganz stark herunterschrauben muss und eine ganz große Toleranzgrenze haben muss und dass man es mit einem schwer kranken Menschen zu tun hat.
        Viel mehr wird ein Therapeut auch nicht machen können bei mir.

        Andere Medis und anderer Arzt wurde alles schon versucht. Meine Frau und ich müssen akzeptieren, dass sie schwer krank ist und dass man sie nicht "reparieren" kann.

        Mir zerreißt es auch das Herz und ich hätte es lieber anders.

        Du fragtest: "liebst du sie denn gar nicht mehr".
        Ich fühle mich von meiner Frau nicht geliebt und ein Therapeut würde mir wahrscheinlich erklären, dass das bei dieser Krankheit nunmal so ist.
        Ich möchte aber nicht für den Rest meines Lebens jemanden lieben, der selbst nicht in der Lage ist, Liebe zu zeigen, auch wenn das wegen Krankheit nachvollziehbar ist.

        Trennung steht nunmal gar nicht fest, weil z.Zt. gar nicht möglich. Wo soll meine Frau denn hin?


        • Hm, letztlich wäre für euch wohl ein Unterbringung deiner Frau in einem betreuten wohnen wohl wirklich eine Lösung. Man spürt deinen Schmerz beim lesen :-(

          Hast du schon einen Termin bei ihrem Arzt, um das mit ihm zu besprechen?

          Was dich angeht sehe ich das wie eine andere Schreiberin hier auch, du bist nicht gesund, deine Psyche hat in letzter Zeit viel abbekommen. Du bist nicht so krank, dass du eine Gefahr bist, aber du brauchst Zeit um mit dem was alles passiert ist Fertig zu werden. Gespräche helfen da sehr gut, ob mit einer Bezugsperson oder >Therapeuten. Auch deine Tochter wird viel reden wollen...
          Es ist wirklich traurig, dass deiner Frau nicht geholfen werden kann. Mit den richtigen Medis eingestellt, können auch diese Menschen normal Leben, Arbeiten.... Schade!

      <<<aber mir als Mutter würde es das Herz zerreißen, wenn mein Partner mich abschieben und die Kinder bei sich behalten würde.>>>

      In dem Fall musst Du aber anders herum denken. Zudem scheinst Du Dir gerade nicht mal im Ansatz vorstellen zu können, was es bedeutet dauerhaft mit einem psychisch schwer kranken Menschen zusammen zu leben.....und ich bitte Dich, das jetzt nicht als Vorwurf oder Angriff zu werten.....so ist es wirklich nicht gemeint.

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