Es lässt mich nicht los - Achtung lang

    • (1) 24.10.11 - 23:11
      esgehörthiernichthin

      Hallo Liebe Urbianerinnen,

      ich weiss das ich hier ein wenig in der falschen Kategorie bin, aber vielleicht doch nicht ganz, denn unsere Beziehung ist dadurch auch belastet.

      Ich besuche einen Erziehungskurs. Ich möchte gerne Fehler vermeiden, die meine Eltern (meine Mutter vorweg) bei mir gemacht haben, einen Teufelskreis durchbrechen. Nun ging es schon häufiger darum die eigene Kindheit zu reflektieren. Dafür das ich immer dachte ich erinnere mich an fast nichts aus meiner Kindheit fällt mir immer mehr ein wie es früher bei uns war. Das ist nicht erst seit dem Kurs, es begann schon mit der Planung unseres ersten Kindes und wurde halt immer mehr. Aber seit diesem Kurs lässt es mich nicht mehr los. Ich hatte keine glückliche Kindheit. Meine Mutter stammt selbst aus einem Haus voll Psychopathen (wenn ich das mal so krass ausdrücken darf, aber es wurde geschlagen, terrorisiert, niedergemacht,... ihre beiden Geschwister sind in Behandlung wegen Depressionen, sie selbst hätte es nötig will aber nicht). Wenn man es vor diesem Hintergrund betrachtet ging sie mit mir und meinen Geschwistern gut um. Aber nur vor diesem Hintergrund. Sie hat uns seltener körperlich angegangen (aber wenn dann richtig), aber sie hat uns (überwiegend mich, denn ich war nicht nur ungeplant, sondern auch ungewollt) systematisch runtergeputzt. Ich kann mich an keine Situation erinnern in der ich je ein Lob von ihr erhalten habe. Ich wurde beschimpft, beleidigt, runtergemacht, tagelang ignoriert. Noch heute findet sie es lustig zu erzählen das sie mich mal einen ganzen Tag im Gitterbett vergessen hatte. Für mich war es die Hölle. Mein ganzes Bestreben über Jahre war ihr aus dem Weg zu gehen. Meinem Vater werfe ich eigentlich nur vor das er mich hat hängen lassen. Er hat mich nicht vor ihr geschützt und mich diesem Hass ausgeliefert. Dabei war auch er nicht untätig. Aber da erinnere ich mich nur an eine Situation, da hat er mir einen Daumen gebrochen als er nach mir getreten hat. Eigentlich bezeichnend das ich das nicht als schlimm empfinde im Vergleich zu dem was meine Mutter gemacht hat.
      In meiner Jugend bin ich von zu Hause weggelaufen. Ich hatte lange Selbstmordgedanken. Meine Schwester ist Bulemikerin.

      Ich hatte über vieles den Schleier des Vergessens gehängt. Aber nun in der Situation selbst Mutter zu sein geht das nicht mehr. Ich schlafe schlecht, meine Gedanken drehen sich im Kreis. Ich gehe mit meinen Kindern ins andere Extrem. Ich erdrücke sie mit Liebe lass ihnen vielzuviel durchgehen. Mein Partner bekommt dann allen Frust ab. Wenn er nur den Ansatz eines Verhaltensmusters meiner Mutter zeigt (Kind ignorieren weil er grad beschäftigt ist, das kommt schon mal vor), dann tut es mir fast körperlich weh. Und dann krieg ich auch wirklich die Krise und er bekommt sofort Wind von vorn.

      Ich könnte mich jetzt Stunden darin ergehen. Denn in meinem Kopf hat fast nichts mehr anderes Platz. Manchmal habe ich das Gefühl in einem Sog zu stecken und aus diesen schlechten Gedanken nicht mehr rauszukommen. Kennt ihr einen Weg wieder positiver zu werden?

      Danke, wer auch immer sich die Mühe gemacht hat das alles zu lesen.

      • Du bist der Meinung, deine Mutter hätte eine Therapie nötig, sie will aber nicht. Warum erkennst du das, was du bei deiner Mutter siehst, nicht bei dir?
        Du erkennst schon Vieles , warum machst du keine Therapie?

        • (3) 24.10.11 - 23:35
          esgehörthiernichthin

          Gute Frage! Da habe ich was zu grübeln für den Rest der Nacht.

          Ich habe vielleicht Angst mir einzugestehen das etwas mit mir nicht in Ordnung sein könnte.

          Ich habe definitiv Angst davor das noch mehr zu Tage kommt, was vielleicht besser im Verborgenen bleibt (es gibt einen Mißbrauchsfall in der Familie, aus dieser Zeit habe ich keinerlei Erinnerung, dabei habe ich es angeblich mitbekommen müssen).
          Ich habe definitiv Angst über diese Dinge mit meinem Mann zu reden, denn auch seine Familie ist Therapievorbelastet und er sieht es immer so negativ.
          Ich wüsste gar nicht wie ich es angehe.

          • >>>Ich habe vielleicht Angst mir einzugestehen das etwas mit mir nicht in Ordnung sein könnte.<<<

            "Nicht in Ordnung".... das hört sich so negativ an.

            Du hast für dich erkannt, dass du nicht adäquat reagierst (lässt den Kindern zu viel durchgehen, lässt den Frust an deinem Mann aus) und du bist dir auch bewusst, dass das mit deiner Vergangenheit zu tun hast.

            Was läge näher, als das mit einem Profi aufzuarbeiten?

            >>>Ich wüsste gar nicht wie ich es angehe.<<<

            Verstehe ich jetzt nicht, hast du Angst, deinem Mann zu sagen, dass du eine Therpie machen möchtest?

      Hallo,

      ich kenne die Situation ähnlich wie du sie erleben mußtest.Nur war es in meinem Fall,mein Vater,der mich immer wieder runtergedrückt hat."Du bist nichts,du kannst nichts".
      Ich bin erwachsen und doch trägt man es immer noch in sich.
      Letztes Jahr hab ich mich dann von 65kg auf 47kg runter gehungert.Bin dann für 8 Wochen in eine Klinik gegangen und da kahm dann raus,dass der Auslöser mein Vater war.
      Mein Vater hatte sich dann einem gemeinsamen Gespräch mit dem Therapeuten verweigert.
      Mir wurde da gesagt,"entweder Du lässt die Gefühle weiterhin zu und lässt dich immer wieder verletzen oder du ziehst einen Schlußstrich"!
      Ich rede mit meinem Vater nur noch das nötigste und versuche ihm aus dem Weg zugehen,weil ändern tut er sich nicht,egal wie sehr ich es mir wünschen würde (was ich aber nicht mehr mache).
      Versuch auf jedenfall deine Vergangenheit komplett aufzuarbeiten.Und dann entscheide für dich,was dir gut tut,ob du dir das verletzende Gerede von deiner mutter noch anhören möchtest oder eben auch nur noch das nötigste!

      Viel Kraft wünsche ich dir!

      LG

      • Seit dem Tod meines Vaters hat meine Mutter sich geändert. Ich bin kurz darauf ausgezogen, weil ich Angst hatte mit ihr alleine zu sein. Der Kontakt war lange unterbrochen. Solange wir uns nicht häufig sehen verstehen wir uns recht gut. Wenn sie verletztend wird (es kommt nur noch selten vor), dann gehe ich und warte bis sie sich wieder meldet. Aber es gibt Dinge die gehen nicht. Sie darf nicht auf meine Kinder aufpassen. Meine Angst ist zu groß, das Vertrauen was man haben sollte seinen Eltern gegenüber ist nicht vorhanden.

    Ich hatte eine ganz gute Kindheit, aber eine schlimme Jugendzeit.

    Und ich ertappe mich manchmal, dass ich so bin wie meine Mutter! #schock

    Aber ich habe das Glück einen ganz anderen Charakter zu haben. Und der überwiegt in der Erziehung, ohne dass ich mir viel Gedanken darum mache.

    Die Erziehung der Eltern prägt, aber man ist ein eigentständiger Mensch und kein Abklatsch der Eltern!

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