Schwermütige Gedanken

Hallo,

ich muss es einfach mal loswerden: Ich hab manchmal Angst vor mir selbst und meinen Gedanken.

Ich hab ziemlich viele Chancen in meinem Leben verpaßt und merke manchmal, wie ich darüber nachdenke, wie einfach es wäre aufzugeben. Wenn meine Eltern nicht mehr wären und mein Partner mich verlassen würde, ich glaube nicht, dass ich dann weitermachen würde. Der Gedanke daran nicht mehr dazusein erschreckt mich an sich nicht. Ich bin noch hier, weil es Menschen gibt, die mich lieben und deren Leben ich damit kaputt machen würde. Wären sie nicht da, wäre ich mir egal.

Meine Probleme sind eher klein und nicht dramatisch. Ich bin nicht schwer körperlich krank, ich hab einen Job, nichts, was solche drüben Gedanken rechtfertigt. Mir ist nichts dramatisches passiert oder so, trotzdem werde ich die Gedanken nicht los. Tut mir auch leid gegenüber denen, die ein echt hartes Leben haben und mich gar nicht verstehen können. Ich versichere allen Menschen mit schwerden Schicksalsschlägen, die dennoch ihren Lebensmut behalten, ich mache es nicht mit Absicht mich so zu fühlen! Ich kann es nur nicht einfach abstellen.

Und ja, ich halte mich immer mal wieder daran fest, dass noch Vieles auf mich wartet und ich noch tausend Chancen habe, aber mit jedem Jahr, habe ich mehr Angst, dass meine positiven Hoffnungen sich nicht erfüllen und die Menschen wegbrechen, die ich gerne hab. Ja, ich kann auch die Natur genießen oder lachen oder verwundert über die Vielfalt in der Welt staunen und habe Spaß mit Freunden, aber immer wieder kommen eben doch diese miesen Gedanken hoch! So aus dem Nichts.

Ich fühl mich dann schäbig, dass ich mein Leben dann - ohne, dass es die Betroffenen wissen - von ihnen abhängig mache. Ich war schon beim Arzt, aber so richtig depressiv verhalte und scheine ich nicht - die Gedanken kommen einfach ab und an über mich. Ein bisschen Schilddrüsenprobleme wurden gefunden und die leichte Depression darauf geschoben... Ich bin da eher skeptisch.

Gibt es vielleicht jemanden, der so etwas auch hat und dem eine Therapie geholfen hat? Wie fang ich sowas an ohne meinen Job und mein Leben aufzugeben? Mit wem rede ich darüber und wie reagieren Ärzte auf sowas? Ich will nicht in eine Klinik oder so, ich will nur schaffen meinen Lebensmut auch ohne Menschen um mich herum zu bewahren. Es ist auch nix aktues! Ich habe nur Angst vor dem Moment irgendwann in der Zukunft - ich hoffe, er trifft nicht ein - in dem ich ganz alleine sein werde. Versteht mich irgendwer?

Ich freue mich auf eure Tipps, Erfahrung und hoffe, das mich nicht zu viele fertigmachen :/

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Das mit der Schilddrüse kann durchaus der Auslöser sein. Bekommst du denn Medikamente? Sind die Werte eingestellt?

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Ja, seit 9 Monaten nehm ich SD-Hormone und ja, die Blutwerte haben sich laut Arzt zufriedenstellend/gut entwickelt.

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Nun gut, über einen solchen Zeitraum sollte sich dann auch eine leichte depressive Verstimmung wieder gegeben haben.

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SD-Störung kann es durchaus auslösen. Wenn es nicht hilft, würde ich unbedingt zum Arzt (Psychotherapeut, kein Hausarzt), sag bei Terminvergabe, dass du Suizidgedanken hast, dann bekommst du ruckzuck einen Termin.
Es ist wirklich ernst, der Arzt wird dich auch ernst nehmen und nein, du musst nicht in die Klinik, aber du wirst Medikamente bekommen.

Ich drücke dir die Daumen, dass du den Mut aufbringst und zum Arzt gehst.

LG

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Du hast das böse Wort ausgesprochen. :/ Ich hab echt Angst vor dem Anruf beim Doc - es ist so grundlos bei mir: Ich weiß, was es alles Schöne und Gute gibt. Ich seh die Welt nicht nur schwarz und grau, ich bin nicht hoffnungslos gegenüber allem und jedem. Ich passe gar nicht auf das Klischee, das man (oder ich) von solchen Personen im Kopf hat. Ich versteh mich selbst nicht. Hoffe, dass es wirklich von der Schilddrüse kommt. Vor Psychopharmaka hab ich nen Heidenrespekt und Angst.

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Es müssen ja nicht sofort die hammerharten Psychopharmaka sein. Wenn es evtl. eine leichte depressive Verstimmung sein sollte, so kann da auch durchaus schon Johanniskraut helfen.

Du solltest auf jeden Fall mit deinem Arzt nochmal mit deinem Arzt darüber sprechen. Sollte er das Problem nicht ernst nehmen, dann such dir einen anderen Arzt.

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Hallo,

ich kann Dich so gut verstehen... Diese Gedanken habe ich auch hin und wieder, meistens kann ich sie gut verdrängen. Das Leben wurde doch ohne mich weiter gehen, fast genau so wie mit mir... Das einzige was mich hält ist meine Tochter, gäbe es sie nicht, wäre ich auch nicht da...
Doch es macht mir immer wieder Angst, dass irgendwann der passende Moment kommt...

Die Lösung für Dich habe ich leider nicht, keine Ahnung was man damit macht. Ich versuche wie gesagt, die Gedanken zu verdrängen, so gut es geht. Mich abzulenken, so gut es geht. Mich an irgendwas fest zu halten so gut es geht.

Vielleicht hilft ein neuer Job? Neue Aufgabe? Neue Menschen um Dich rum?

Viele Grüße

Kulka

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Danke für deine Tipps und dass Du mir das Gefühl gibst, dass ich nicht alleine mit sowas bin. Ich hab auch schon überlegt, ob ein neuer Job und mehr Bekannte was helfen, aber müsste ich mir nicht selbst genügen? Weißt Du, was ich meine?

Es kann doch nicht sein, das Frauen oder Männer oder Kinder alles Leid der Welt und große Verluste wegstecken und weitermachen und gar nicht daran denken aufzugeben und ich das, ganz ohne traumatische Erlebnisse, nicht kann. Ich will diese doofen idiotischen Gedanken nicht und ich will die loswerden! Abschütteln! Leben, als gäbe es kein Morgen ohne die Angst alleine aufzuwachen und aufzugeben! Das will ich! Ich finde es überhaupt nicht angenehm solche Gedanken zu haben und kann tausend Sachen aufzählen für die es sich lohnt jeden Tag zu leben. Das ist doch total paradox.

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Genau dafür gibt es Therapie, aber bei einem Hausarzt kommst du nicht weiter.
Normalerweise wartet man Monate auf einen (kostenlosen) Therapieplatz, aber wenn du erwähnst, dass du solche Gedanken hast, müsstest du sehr schnell drankommen.

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Bei mir ist der Grund ein anderer, aber ich kann es sehr gut nachvollziehen. Mein Grund ist eher, dass ich nichts mehr vom Leben erwartete. Ich hatte jahrelang keinen Wunsch, kein Ziel. Meine Wunschzettel waren immer leer. Weder materielle Besitztümer, noch Menschen oder persönliche Errungenschaften (Urlaub, Sportauszeichnungen, Erfolg im Job) waren für mich wichtig. Das Leben plätscherte vor sich hin und ich lebte nur noch für meine engere Familie, da alle stolz auf mich, meine Fähigkeiten und Leistungen waren. Wir waren eine sehr arme Familie, meine Familie ab Großeltern (und ich) sind in sehr ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen (kein Bett, kein fliessend Wasser/nur Regenwasser, Plumpsklo, wenig essen, definitionsgemäß so etwas wie ein Slum). Ich habe den Teufelskreis der Armut durchbrochen (ich trage einen Doktortitel, dem dt. Bildungssystem sei dank) und meine selige Großmutter hat bei meinem letzten Besuch geheult vor Glück darüber.

Ich habe jahrelang heimlich immer Menschen gesucht, denen das Leben auch nicht so viel bedeutet. Der Wunsch nach Freitod ist nahezu überall zu finden. Aber die Menschen hatten alle fest zementierte Gründe für ihren Freitod. Viele Menschen sandten es auch oft als Hilferuf aus, aber bei mir war es weder ein Hilferuf, noch eine Belastung irgendwo. Ich merkte auch, dass diese Menschen nur mißmutig, depressiv waren und auch ihre Lage nicht wirklich erforschen, verändern oder partiell aufarbeiten wollten. Daher wandte ich mich von diesen Menschen ab suchte mir positiv gestimmte Menschen. Und es reicht -eine- Person, mit der man auf der selben Wellenlänge über den Sinn des Lebens reden kann. Das reicht, um einen ersten Ansatzpunkt zu haben. Das Thema Freitod ist natürlich absolut tabu, denn wir reden über die Ursache, nicht das Symptom.

Übrigens habe ich auch jahrelang mehrere Psychotherapien besucht. Das war zwar cool, was ich über mich selbst gelernt habe, aber man darf sich die Psychotherapie nicht wie eine Fabrik vorstellen: Hingehen, therapieren lassen und "geheilt" rausgehen - so funktioniert das nicht. In der Psychotherapie arbeitet der Klient, nicht der Therapeut. Geholfen hat es mir etwas, aber es fehlte trotzdem ein entscheidender Baustein. Meine Krankenkasse hat das im übrigen alles bezahlt (ein Hoch auf das dt. Gesundheitssystem).

Der entscheidende Baustein setzt sich aus 2 Komponenten zusammen. Die eine Komponente ist meine jetzige Frau. Sie ist (oberflächlich) so ziemlich genau das Gegenteil von mir und jeder Tag kann eine Herausforderung sein. So klischeehaft es auch klingen mag, aber sie hat die Komponente "zusammen" in mein Leben gebracht. Ich muss den ganzen Mist hier nicht allein aushalten, denn wir machen das "zusammen". Und sie gibt kräftig Ziele und Wünsche vor ;-); ich bringe zwar das Geld rein, bekomme aber meist nur Taschengeld (Scherz).

Die zweite Komponente ist unser Sohn. Ich war seit jeher eigentlich Kinderhasser (Haha! Anonym kann ich das schreiben), aber mit der richtigen Frau hat sich auch das geändert. Unser Sohn bringt aber nicht die Komponente "Verantwortung" - das habe ich auch so genug. Er ist ein "Leuchtfeuer" für mich. Seine Entwicklung liegt vor mir wie ein Leuchtfeuer, woran ich arbeiten möchte. Ich freue mich schon darauf, wenn er das erste mal eine Scheibe einschiesst, FreundInnen nach Hause bringt, betrunken auf's Sofa kotzt, mein Auto kaputt fährt oder sich entscheidet zu studieren - das sind kleine Stationen, die mir zeigen, wie es voran geht.

Ich habe meine Ziele im Leben gefunden. Meine materiellen Wunschzettel sind nach wie vor leer, aber nicht mein Herz. Hin und wieder kommt wie früher der Gedanke auf, dass mein Leben recht wertlos/nicht lebenswert ist. Aber ich habe mit diesen Gedanken gelernt zu leben. Diese Gedanken sind ein Teil von mir und haben mich mitunter dahin gebracht, wo ich jetzt stehe.

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Hi,

wow, danke für deinen Text. Weißt Du, ich werd sicher den Rat der anderen befolgen und noch mal mit einem Arzt sprechen und mir auf der Schiene helfen lassen, aber dein Text war schon besonders für mich.

Sicher unterscheiden wir uns, aber ich kenn das auch sehr gut Dinge nur erreichen zu wollen, weil es andere stolz macht und selbst sind einem die Ziele nicht so wichtig. Meine erste Ausbildung war so ein Fall - niemand war da stolz auf mich, es war einfach, hat mich nicht gefordert und ich habe es antriebslos in den Sand gesetzt. Ehrlich gesagt, ich bereue es nicht mal - nur, dass ich damals Menschen enttäuscht habe, die mich lieben.

Ich frage mich, ob ich das darf, meine Lebensziele so auf andere stützen. Mich verunsichert das schon - alle Welt erzählt Dir, dass man alleine stehen und funktionieren muss und ich kann es derzeit nicht. Ich brauche andere Menschen, denen ich wichtig bin (und die mir wichtig sind) zum Überleben. Ich würde mich gerne auf die Kompetenten verlassen, die Dir geholfen haben, aber heute lernen wir ja an jeder Ecke: "Irgendwann bist Du eben doch allein auf Dich gestellt und musst funktionieren."

Vielleicht muss ich den Menschen um mich herum auch mehr zutrauen, nämlich, dass ich nicht irgendwann allein sein werde. Ich zweifle gerade schon an meinem Kinderwunsch und frage mich, ob ich ein Kind mit meinem Partner zeugen darf, wenn ich ab und an solche Gedanken habe. Sicher ist ein Part meines Kinderwunsch, dass ich ihn oder sie aufwachsen sehen will, ihm/ihr ermöglichen will die Welt kennenzulernen und sich zu entfalten. Es gibt nichts lebensbejahenderes als ein Kind. Darf man sagen: "Wegen Euch, die ihr mich liebt, gehe ich jeden Tag an - egal ob Sonnenschein oder Regenwetter!" oder sowas wie "Ich würde Dich/Euch nie im Stich lassen!" und es auch so meinen? Nämlich: "Ohne Euch würde ich gerne die Welt im Stich lassen!"

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Hab ich ganz vergessen: Der Gang zum Psychiater tut nicht weh. Bei mir konnte der allerdings nichts verschreiben, da ich schlicht keine Depressionen im Sinne der Schulmedizin hatte. Wenn es etwas mit der Schilddrüse zu tun hat, auch gut.

Selbstständigkeit oder "auf sich allein gestellt" bedeutet für mich auf keinen Fall, dass man alles alleine stemmt. Sondern dass man weiß, wie es zu stemmen ist. Und es macht.
Ein Haus zu bauen ist so ein Beispiel. Oder noch ein anderes Beispiel für unterschiedliche Definitionen; die Zubereitung eines Essens. Heutzutage kocht man das Essen mit einer Packung fertiger Nudeln, die man nur noch aufkocht. Und das ist gesellschaftlich voll als Kochen anerkannt. Meine Oma hat dafür noch einen Teig angerührt. Zudem nutzt man die anderen Menschen ja nicht aus, es ist ein Geben und Nehmen. Wir leben ja nicht als isolierte Wandermönche in den Bergen.

Und das mit dem Kinderwunsch: Das hängt natürlich auch wieder von Deiner persönlichen Einstellung und bisherigen Erfahrung ab. Ich trage mein Päckchen nun fast 20 Jahre mit mir herum. In dieser Zeit hatte ich immer die Option des Freitodes und habe diese niemals wahr genommen. Was ich bisher geschafft habe, werde ich auch noch läppische weitere 55 Jahre bis zu meinem natürlichen Tod schaffen. Daher war mir klar, dass unser Kind immer mit mir als Vater rechnen kann. Und meine Einstellung zu meinem Leben sei mir auch gegönnt - ich bin auch nur ein Mensch. Letztlich ist es nicht mehr als eine Gefühlsregung die vergleichbar ist mit einem melancholischem, verregneten Sonntag. Denn ich habe die Kontrolle, mich wirft es nicht komplett aus der Bahn.

Wie es speziell bei Dir ist, kann man natürlich nicht in 5 min abhandeln, erst recht nicht über ein unpersönliches Forum und einem Laien wie mir. Aber ich hoffe, dass ich aufzeigen konnte, was es für eine andere Möglichkeit gibt.

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Wenn ich meine Schilddrüsenmedikamente zu niedrig dosiere oder mal vergesse zu nehmen (is mir normalerweise nie passiert... aber jetzt mit nem Säugling... *gäähn*) dann habe ich auch mal depressive Gedanken. Dann weiß ich, dass ich entweder die Dosis erhöhen muss oder stelle mir den Wecker, damit ich an die Einnahme denke. Und schwubbeldiwubbel sind die trüben Gedanken innerhalb ein paar Tage hinfort. :-)

Ich würds an deiner Stelle zumindest mal versuchen.

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@Schilddrüse: Auch das ziehe ich noch mal in Erwägung, muss mir dafür aber einen neuen Arzt suchen, denn mein Arzt sagt: "Paßt schon, alles ist gut!" und geht gar nicht darauf ein, wie es mir geht.

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hallo, ich kenne das auch, seit jahren! ich bin inzwischen beinahe 40 und habe immernoch solche gedanken.. und bin auch sicher, dass wenn meinen kindern und /oder meiner restlichen familie etwas zustoßen würde, wäre ich auch weg.

bei mir fing das schon früh an, mit 16?! und es wurde immer schlimmer mit den jahren.

ich habe ad genommen und habe ein notfall medikament. bei mir liegt es am lebenssinn und an meinen ansprüchen.

ich habe nicht viele freunde, bevorzuge qualität, aber die ist schwer zu finden und irgendwie hätte ich gerne mehr freunde und verwandte, die mich eben auch einfach os nehmen wie ich bin. wo ich mich nicht verstellen muß.

ich wünsche dir alles gut, wenn organische ursachen ausgeschlossen werden, wirst du nicht darum herum kommen, dich mit dir auseinanderzusetzen bzw. viell. auch medikamente nehmen.. bei mir reicht im moment auch johanniskraut und fischöl. aber wer weiß, wies weiter geht.

ich denke manche menschen kommen eben so auf die welt. da ist intelligenz auch nicht gerade von vorteil...

lg