starke Erinnerungslücken

    • (1) 30.11.11 - 19:22
      hmmmja

      Hallo,

      ich weiß nicht so recht wo mein Anliegen hingehört, aber da ich lieber anonym bleiben möchte erstmal hier :-)

      Ich bin mittlerweile fast 30 Jahre alt, habe Familie, nen Job, soweit alles gut.

      Meine Mutter ist an meinem 17. Geburtstag gestorben was für mich sehr traumatisch war. Einerseits weil es so plötzlich kam und der Verlust der Mutter sowieso schon furchtbar ist, andererseits weil dadurch die Familie zum Teil zerbrochen ist. Es war einfach nie mehr das selbe, sie hat alles zusammengehalten. Heute, 13 Jahre später, habe ich noch Kontakt zu meinen Geschwistern aber nicht mehr zu meinem Vater aus diversen Gründen (es liegt ihm auch nichts daran). Natürlich ist das für mich nicht immer einfach, aber mit meinem Vater habe ich abgeschlossen, meine Mutter fehlt mir sehr, aber naja, so ist das Leben oder? Ich habe Halt in meiner eigenen Familie und bin glücklich.

      Soviel zur Vorgeschichte...

      Die erste Zeit nachdem meine Mutter gestorben ist habe ich mich sehr viel mit Tod und dem vermeintlichen Leben danach beschäftigt, irgendwann habe ich aber alles verdrängt und irgendwann bin ich damit gut zurecht gekommen.

      Nun ist es so, dass ich - zumindest empfinde ich selbst das so - sehr große Erinnerungslücken habe was meine Kindheit betrifft. Meine erste Erinnerung habe ich für das Alter von etwa 7 Jahren, danach kommt sehr lange nichts. D.h. ich weiß was ich damals so gemacht habe, aber es gibt keine konkrete Erinnerung. Wie meine Mutter war weiß ich nur noch schemenhaft, ich kann mich kaum noch erinnern wie das so war mit ihr, das Zusammenleben, ihre Eigenarten. Manchmal kommen Erinnerungsfetzen hoch, aber ich habe das Gefühl, dass da mehr sein sollte. Auch von meiner späteren Schulzeit kann ich mich nicht so richtig an etwas erinnern. Ich muss teilweise in meinem Gedächtnis ewig nach Namen suchen von Menschen mit denen ich 8 Jahre zur Schule gegangen bin ..

      Ich finde das seltsam und frage mich warum das so ist. Irgendwie belastet es mich auch, meine Vergangenheit gehört ja auch zu mir. Woran kann das liegen? Kann es wirklich sein, dass ich die schmerzhaften Erinnerungen gleich mit allen anderen weggepackt habe? Unterbewusst natürlich ...

      Für Kommentare und Anregungen bin ich dankbar ;-)

      • (2) 30.11.11 - 19:50

        Hi,

        Entweder habe ich das gleiche Problem oder es ist normal.
        Ich bin mit 19 weggezogen, sprich auch keinen Kontakt mit Mitschülern gehabt. Und jetzt mit 40 habe ich echt Probleme. Ich an Namen zu erinnern. Ich war nie in eine enge Bindung mit vielen Schulkameraden nur mit 2-3 und an die Mann ich mich erinnern...die anderen kann ich über stayfriends wieder die Namen in Erfahrung bringen.

        Auch Erinnerungen an meine Kindheit habe ich wenig. Weihnachten und Ostern schon aber wenn jetzt jemand fragt, ob meine Kindern was von mir haben....also ich kann mich auch nicht mehr so richtig dran erinnern, wie ich so als Kind war. Grobe Umrisse ok aber detailliert nur recht wenig.

        Und meine Mutter kann ich mit 5 Worten umschreiben wie sie war und das sagt alles. Und bei meinem Vater der auch schon lange verstorben ist, kann ich auch nicht sooo viel sagen, nur bestimmte erinnerungen habe ich.
        Wenn ich aber mit meinen Geschwistern drüber rede, dann sprudeln die Erinnerungen wieder....
        Ich finde die Erinnerungen genauso wichtig wie ein Fotoalbum. Man blättert mal drin rum aber legt es wieder schnell zur Seite bis zum nächsten Jahr.....

        Grüße
        Lisa

        (3) 01.12.11 - 05:15

        Ich denke, das ist nichts Ungewöhnliches.

        An manches aus meiner Kindheit erinnere ich mich erschreckend detailliert, weiß oft sogar noch, welche Kleidung ich getragen habe. #schock Im Umkehrschluss dazu fehlen auch mir manchmal Jahre in meiner Vita. Ich finde das allerdings nicht bedenklich. Manche Erinnerungen verblassen eben einfach und verschwinden irgendwann ganz. Eindrucksvolle Momente bleiben manchmal länger als gewöhnlich haften und Banales verschwimmt im Laufe der Zeit, vor allem, wenn diese Erinnerungen sehr lange nicht abgerufen werden oder nur bruchstückhaft vorhanden sind.

        Darüber würde ich mir keine Gedanken machen. Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass man Schwierigkeiten damit hat, sich an ein Gesicht zu erinnern, welches man Jahrzehnte nicht gesehen hat, geht mir nicht anders. Dabei spielt es keine große Rolle, ob diese Menschen nur aus meinem Blickfeld verschwunden oder verstorben sind. Und oft ist es sogar so, dass das Bild, welches man in seiner Erinnerung hat, mit der Realität nicht ganz übereinstimmt. Das merkt man dann beim Klassentreffen oder beim Betrachten längst vergessener Photos.

        Ich kann gut verstehen, dass es Dich besonders traurig macht, dass das Bild von Deiner geliebten Mama so langsam verblasst, aber immerhin hast Du sie nun seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr sehen dürfen und unser Erinnerungsvermögen weist leider auch große Lücken auf, wenn wir darauf zurückgreifen möchten. Es macht uns sehr traurig, wenn ein geliebter Mensch "verblasst". Mir geht es da nicht anders. So lange Du Deine Mama im Herzen trägst - und das tust Du ja sicher - ist es vollkommen egal, welche Frisur sie trug, wie ihr Gang war oder was sie täglich zum Briefträger sagte. Ich weiß von meinen verstorbenen Lieben auch nur noch Bruchstücke, das ist normal. Aber es grämt mich ebenso, wenn ich versuche, mich zu erinnern und mir Kleinigkeiten nicht einfallen wollen, weil es einfach schon zu lange her ist.

        An unwichtige Dinge erinnert man sich aber seltsamerweise oft besser als erwartet, Erinnerungen, die man nicht als "wichtig" abgeheftet hat. Und wenn es Dich tröstet: Bei jedem Klassentreffen lerne ich "neue" Leute kennen, von denen ich längst vergessen habe, dass sie über Jahre mit mir im selben Raum die Schulbank gedrückt haben. Manche Erinnerungen sortiert unser Kopf einfach ohne vorherige Nachfrage aus. Bei mir zumindest... ;-)

        Sei nicht traurig... #liebdrueck

        (4) 01.12.11 - 06:43

        Hallo,

        du schreibst das der Tod deiner Mutter traumatisch für dich war. Ich denke das kann jeder nachvollziehen.

        Kann es sein das, du noch andere traumatische Erlebnisse hattest. Nach deinem Beitrag denke ich das dein Vater eventuell auch eine Rolle dabei spielen könnte.

        Ich denke unsere Psyche versucht negative Ereignisse oft zu verdrängen,bzw zu vergessen. Viellicht hattest du in der Zeit in der die großen Erinnerungslücken sind wirklich Erlebnisse die du nicht verarbeitet hast und somit kann es sein das daran die Erinnerung sehr Lückenhaft ist.

        Freundliche Grüße blaue-rose

      • (5) 01.12.11 - 08:01

        Das hat doch was mit den Kurzzeitgedächnis und Langzeitgedächnis zu tun?

        Meine Mutter (60) erzählte mir das sie sich jetzt im Alter an die Dinge ihrer Kindheit besser erinnern kann.

        Ob das aber generell so ist weiss ich nicht.

        Ihre Mutter, meine Oma, starb vor 57 Jahren da war meine Mutter 3 und heute kann sie sich an 1-2 Erlebnisse erinnern.

        (6) 01.12.11 - 12:44

        Hi!

        Deine Geschichte kommt mir sehr bekannt vor.

        Ich war 18, als meine Mama gestroben ist. Sie war damals 36. Mit meinem Vater habe ich seit der Zeit auch keinen Kontakt mehr. Auch eine längere Geschichte, aber sie belastet mich nicht mehr.
        Erinnerungslücken an meine Kindheit habe ich auch. Ich glaube, das liegt daran, dass uns der Gesprächspartner fehlt, der hier und da Licht ins Dunkel bringen könnte.
        Wenn ich mich beispielsweise mit meinem Bruder über unsere Kindheit unterhalte, dann erinnern wir uns Beide dann auch wieder teilweise.
        Ich glaube, Eltern spielen bei der Erinnerung an die Kindheit doch eine wesentliche Rolle.

        Wenn ich jetzt meine Beziehung zu meiner Tochter betrachte, dann ist es doch so, dass ich mich noch an Dinge in ihrem Leben erinnere, die sie gar nicht mehr weiß. Gut, sie ist noch nicht wirklich alt, aber ich denke, der Lauf der Dinge wird immer so weitergehen. Sie wirds sich an Dinge in ihrer Kindheit erinnern und ich werde mich an gewisse Dinge erinnern. Und im gemeinsamen Gespräch entstehen dann ganz viele unterschiedliche Erinnerungen an diese Zeit!

        Vielleicht schaust Du Dir alte Fotos an oder versuchst Dich mit Deinen Geschwistern an die gemeinsame Zeit zu erinnern.

        Ansonsten glaube ich, hast Du wenig Chancen, die Erinnerungslücken zu schließen.

        Ich hab das für mich erledigt. Ich freu mich, wenn mir wieder was einfällt und ich habe sehr engen Kontakt zu meinem Bruder!
        Ich erlebe jetzt dafür sehr intensiv die Zeit in meiner Familie zusammen mit meinem Mann und unserer Tochter. Ich schaffe mir neue Erinnerungen, die ich festhalte!

        LG

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