Die Angst ruiniert meine Beziehung - und mein Leben!

    • (1) 03.01.12 - 13:46
      justscared

      Hallo ihr Lieben

      Ich bin völlig verzweifelt und da ich Angst habe, dass hier auch gleich Steine fliegen, schreibe ich lieber in schwarz.

      Mein Problem ist, dass ich seit Jahren an einer Angststörung und an Emetophobie leide. Therapie mache ich seit langem, war auch einmal stationär in einer Klinik. Gebracht hat es leider nicht viel.

      Die Angst ist jeden einzelnen Tag präsent. Mein Leben zieht an mir vorbei und ich kann es nicht geniessen. Da ist immer nur Angst. Manchmal sind es Panikattacken, die mich aus heiterem Himmel überfallen, manchmal ist es nur die Phobie. Ich kann mich auf nichts mehr freuen, habe vor jedem neuen Tag Angst. Das kann es doch nicht sein.

      Seit etwas mehr als einem Jahr bin ich in einer neuen Beziehung. Gleich am Anfang habe ich ihm von meinem Problem erzählt, weil ich wollte, dass er weiss, worauf er sich einlässt. Er meinte, das sei kein Problem. Nur ganz so einfach ist es jetzt natürlich nicht. Viele Dinge, die er gerne macht, machen mir Angst. Ich habe Mühe, raus zu gehen. Er aber besucht oft und gerne seine Familie und will, dass ich immer dabei bin. Wenn ich dann nicht möchte (eben aus Angst) versteht er mich logischerweise nicht und ist enttäuscht. Manchmal haben wir dann auch Streit deswegen.

      Deswegen habe ich ich jetzt natürlich auch Angst, ihn zu verlieren und dass verschlimmert mein Problem. Was soll ich nur tun? Ich versuche mich zu zwingen, ganz normal zu leben. Aber dann bin ich oft am Abend nur noch am zittern und er ist dann enttäuscht, weil ein entspannter Abend versaut ist.

      Habt ihr Tipps? Was kann ich denn noch tun gegen meine Angst? Auch meinen Kindern wäre ich so gerne eine entspannte Mutter, aber die Angst hält mich davon ab. Ständig habe ich Angst, dass einem der Kinder schlecht wird. Habe Angst, wenn sie sich schmutzig machen etc. Das ist so krank. Aber egal was ich tue, es hilft einfach nicht. Ich bin so verzweifelt.

      Danke fürs Lesen.

      • Ich denke, daß Du nicht mehr machen kannst, als Du jetzt schon tust.

        Wie lange warst Du denn in der Klinik? Hast Du schon einmal eine andere Art der Therapie versucht?

        wartemama

        • (3) 03.01.12 - 15:22

          Ich war vier Monate in der Klinik.

          Ausser der Gesprächs- und Verhaltenstherapie habe ich auch schon Hypnose und Kinesiologie versucht. Bin auch ratlos und weiss nicht, was ich noch tun könnte.

      Hallo justscared,

      ich denke es gibt keinen Grund das hier Steine fliegen sollten und wer meint er muss mit Steinen um sich werfen hat nicht die geringste Ahnung was du täglich durchmachst.

      Mit einer Angsterkrankung ist sehr schwer zu leben. Oft fehlt auch das Verständnis der Umwelt. Ich denke du wurdest bestimmt auch schon als Simulant oder ähnliches hingestellt.

      Diese Vorwürfe und Verurteilungen sind wenig hilfreich und verstärken deine Probleme noch zusätzlich.

      Ich finde es aber sehr gut das du deinem neuen Partner gleich erzählt hast welche Erkrankung du hast. Er wird sich nicht ganz bewusst gewesen sein welches Ausmaß deine Erkrankung hat. In meinen Augen ist es sehr hilfreich wenn ihr es schafft über eure Probleme zu reden ohne euch gegenseitig Vorwürfe zu machen. Sag ihm auch wie er sich dir gegenüber verhalten soll, denn niemand außer dir weiß wie er reagieren sollte.
      Sag ihm auch das du gern seine Familie besuchen möchtest, aber dich deine Angst daran hindert und es nichts mit ihm oder seiner Familie zu tun hat.

      Ist denn bekannt was deine Ängste auslöst. Oft gibt es Erlebnisse die schon sehr weit zurückliegen können die diese Ängste auslösen.

      Wie sind denn deine Therapien bis jetzt gelaufen, konnte man schon die Ursachen für deine Ängste finden?

      Ich denke eine Therapie wäre jetzt auch sinnvoll, Mann wird aber erst einmal in die Stabilisierung gehen müssen bis du stabil genug bist um an den Problemen zu arbeiten.

      Ich wünsche dir ganz viel Kraft.

      Fg blaue-rose

      • (5) 03.01.12 - 15:21

        Danke vielmal für Deine Antwort.

        Also die Therapeuten denken, dass es mit meiner Ehe (seit 2010 geschieden) zu tun hat. Mein Mann war schizophren und wurde dadurch sehr gewalttätig. Unter anderem hat er mir mal in einem Anfall von Eifersucht die Haare abgeschnitten, hat mich nachts (da arbeitete er) in der Wohnung eingesperrt ohne Telefon, sogar als ich hochschwanger war. Er hat mich auch geschlagen damals und mich an den Haaren über den Boden geschleift.

        Ich brauchte damals sehr lange, bis ich mich getrennt habe, weil er eben krank war. Erst als er mit einem Messer auf mich losging bin ich ausgezogen.

        Es muss wohl daher kommen, die Ängste sind auch immer abends/nachts am schlimmsten.

        Die Therapien liefen eigentlich nicht schlecht. Bisher haben wir vor allem Gesprächs- und Verhaltenstherapie gemacht. So gelang es mir auch, wieder ins Leben zurück zu finden. Vorher ging ich nicht mehr aus dem Haus, war sogar alkoholabhängig, weil ich mit dem Alkohol meine Angst betäubt hatte. Seit vier Jahren bin ich nun trocken, seit zwei Jahren arbeite ich wieder 70% und führe nach aussen ein normales Leben. Nur jetzt stagniert das Ganze.

        • Ich denke diese Erlebnisse werden dich traumatisiert haben.

          Hat man schon in Richtung Trauma gedacht?

          Sollte keine Traumatisierung vorliegen könnte eventuell eine Konfrontationstherapie möglicherweise.

          Für mich sieht es nicht so aus das bei dir viel stagniert. In meinen Augen hast du schon sehr große Schritte geschafft. Du hast deine Alkoholabhängigkeit besiegt. Gehst wieder Arbeiten und führst nach außen ein normales Leben. Das alles in der kürze der Zeit zu erreichen ist eine sehr große Leistung. Setze dich aber jetzt bitte nicht unter Druck wenn die Schritte kleiner werden.

          FG

          • (7) 03.01.12 - 15:35

            Ich danke dir.

            so habe ich es noch gar nie betrachtet. Vielleicht werden die Schritte tatsächlich nur kleiner und es braucht länger Zeit. Kann sein, dass ich jetzt zu ungeduldig bin, weil ich eben vor allem auch für ihn "normal" und gesund sein möchte.

            Die Ärzte sprechen schon von Trauma. Da soll eben die Gesprächstherapie helfen. Zugleich machen wir auch immer Konfrontationstherapie, bloss in letzter Zeit weniger, eben weil ich ja eigentlich fast alles wieder mache.

            Ich werde jetzt versuchen, geduldiger zu sein. Vielleicht habe ich wirklich einfach zu viel erwartet.

            Dir alles Liebe.

            • Kannst du deinen Partner mit in der Therapie einbeziehen?

              Vielleicht kann er dann besser verstehen was in dir vorgeht.

              Liebe Grüße

              • (9) 03.01.12 - 15:42

                ja, geplant ist, dass er jetzt regelmässig an Gesprächen teilnimmt. Hoffe auch, dass das etwas bringt.

                Liebe Grüsse

                • Ich denke schon das es etwas bringen wird. Du hast ja am Anfang gleich mit offenen Karten gespielt. Ich denke er wusste aber nicht wirklich was ihn erwartet.

                  Angsterkrankungen sind für dritte immer schwer zu verstehen. Es kann lange gut gehen und von jetzt auf nachher sind starke Ängste da. Für Angehörige gehört dann viel Einfühlungsvermögen dazu die Angelegenheit zu entspannen. In meinen Augen ist hilft es Angehörigen wenn sie viele Informationen über die Ängste und auch die damit verbunden Reaktionen haben. Unter Umständen ist es dann auch möglich Angstauslösende Situationen zu umgehen.

                  Liebe Grüße

        (11) 03.01.12 - 23:00

        Hallo,

        ich kenne diese Ängste auch, Emetophobie und Panikattacken vor allem abends und nachts. Bei mir fing es nach der Geburt des zweiten Kindes an. Ich habe zwei Jahre Therapie gemacht, Gesprächstherapie und EMDR. EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) ist eine spezielle Traumatherapie. Meine Therapeutin hat sie bei mir angewendet, weil sie vermutete, dass meine Angst durch einen traumatisierenden Autounfall verursacht wurde, den ich während der Schwangerschaft hatte. Im Lauf der Therapie hat sich jedoch herausgestellt, dass die Ursachen der Ängste tiefer in meiner Kindheit lagen.

        Die EMDR-Therapie hat bei mir am besten geholfen. Leider wird sie von den Krankenkassen nicht bezahlt und es ist auch nicht ganz leicht, einen Therapeuten zu finden, der das kann (und es hilft auch nicht bei jedem gleich gut - das nur als Warnung vor übermäßigen Erfolgshoffnungen).

        Was mir auch hilft ist regelmäßiges Yoga und Meditation bzw. im Akutfall Atemübungen aus der Yoga-Praxis.

        Meine Angst ist sehr viel besser geworden, aber so ganz bin ich sie trotz allem nicht los geworden. Gerade um diese Jahreszeit habe ich immer wieder Rückfälle, was zum einen wohl an den steigenden Magen-Darm-Grippe-Fällen liegt, zum anderen daran, dass ich im Winter leicht depressiv werde und dadurch die Angst wieder verstärkt wird. Seit kurzem habe ich eine Lichttherapie-Lampe, die gegen Winterdepressionen hilft. Ansonsten versuche ich im Wesentlichen, die Angst so zu nehmen, wie sie kommt. Also dass ich, wenn ich wieder eine Panikattacke hatte, nicht gleich anfange alles infrage zu stellen und zu denken, dass ich jetzt wieder tief in die Angst rutsche, sondern dass ich versuche mir zu sagen: Okay, ich habe jetzt wieder ein paar schlechte Tage, das haben Leute ohne Angststörung auch, ich akzeptiere es und warte darauf, dass es wieder besser wird. Ich habe den Eindruck, dass mir das hilft.

        Ich finde es übrigens ganz toll, dass du deine Alkohlabhängigkeit trotz deiner Ängste überwunden hast. Ich kenne selbst diese Versuchung, gegen die Angst zu trinken, und kämpfe immer wieder mal damit. Dass du es geschafft hast trocken zu werden und im Wesentlichen ein normales Leben zu führen, ist ein Riesenerfolg und zeigt, wie stark du bist. Darauf kannst du echt stolz sein.

        LG und alles Gute!
        berenice

        • (12) 04.01.12 - 12:33

          Herzlichen Dank für Deine Antwort! Ich werde auf jeden FAll meine Therapeutin mal nach EMDR fragen. Lustig ist, dass ich mich auch gerade für einen Yoga-Kurs angemeldet habe. Ich hoffe sehr, dass es hilft!

          Ich wünsche Dir alles Liebe und hoffe für uns beide, dass wir irgendwann mal angstfrei leben können!

          LG

    (13) 03.01.12 - 15:24

    Das mit dem Simulant kenne ich tatsächlich nur zu gut! Das bekam ich oft zu hören. Und dass ich mich nur vor unangenehmen Dingen drücken will und eine psychische Krankheit vorschiebe. Das tut sehr, sehr weh. Denn ich bin ja so auch nicht glücklich. Jeder Tag ist ein Kampf und manchmal habe ich keine Kraft mehr...

>>Seit etwas mehr als einem Jahr bin ich in einer neuen Beziehung. Gleich am Anfang habe ich ihm von meinem Problem erzählt, weil ich wollte, dass er weiss, worauf er sich einlässt. Er meinte, das sei kein Problem.<<

Er scheint eher weniger Verständnis für Dein Problem zu haben.

Ihr seid 1 Jahr zusammen und du hast es ihm gleich anfangs erzählt...... Normalerweise müsste er doch damit umgehen können,oder?

Du bist nicht schuld, ER muss mehr Rücksicht nehmen!

Wünsche Dir alles Gute!#winke

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