Von eigener Mutter verstoßen

    • (1) 14.01.12 - 18:51
      Unschlüssig

      Hallo!

      Sorry dass ich schwarz schreibe, das muss heute sein.

      Meine Mutter hat meinen Bruder und mich sehr lieblos großgezogen. Der Vater hatte nie was zu melden, sein Gehalt ging für irgendwelche Kredite und Schulden (eigene Schwester legte ihn rein) auf, so dass die Mutter stricken und nähen musste, damit wir was zu essen haben.

      Das war für die bestimmt hart, kein Thema, aber sie tat nichts dagegen. Es war einfacher mich täglich auf brutalste Weise zu verdreschen, mich vor anderen auszulachen und fertig zu machen... eine Ohrfeige vor egal wem war keine Seltenheit und der Grund dafür konnte alles mögliche sein, schon dass ich nicht über das Auslachen mitlachte (wer lacht noch, wenn er selbst ausgelacht wird, mit?). Bei meinem jüngeren Bruder war sie etwas anders.

      Ich war ein eingeschüchterstes, verunsichertes Mädchen, hatte immer kurze Haare (ihre Entscheidung), trug zum Teil zu kleine und zu enge Klamotten, durfte mir die Schuhe nicht selbst aussuchen... Und so gut wie täglich gab es Linseneintopf zum Essen. Den konnte ich irgendwann nicht mehr schlucken und so schlug sie mich mit dem Teller, schlug mein Gesicht in den Eintopf, bis ich kotzte.

      Es gab nie ein schönes Wort, nie eine Umarmung...
      Ein einziges Mal hatte ich im Halbjahreszeugis 3 2-er, sonst alles andere einser. Sie schlug mich, weil ich sie blamierte.

      Es gibt unendlich viele Beispiele. Oder als sie mich mal mit dem Holzkochlöffel so ins Gesicht geschlagen hat, dass mein Auge lage geschwollen und blau war und mein Nasenrücken noch eine Mulde hat - nach 30 Jahren. Natürlich musste ich dem Papa sagen, dass ich gestürzt bin.

      Später sagte sie immer wieder, wie sie sich für uns opferte (ja, in dem sie uns zurauchte und schlug und erniedrigte und auslachte)

      Irgendwann ist mein Papa gestorben. Sie ist jetzt alleine und von uns finanziell abhängig. Ich habe mir die letzten 2 Jahrzente die größte Mühe gemacht, ihr ein schönes Leben zu ermöglichen. Und neulich bekomme ich einen Brief von ihr, der mir den Boden unter den Füßen wegzog.

      Sie kann meinen Mann nicht leiden und ich hätte ihn schon längst verlassen sollen. Ich bin dreckig und schlampig. Mein Bruder ist faul und undankbar. Meine Kinder werden vernachlässigt (wir schlagen unsere Kinder nicht, nur weil sie der Meinung ist, dass es getan werden sollte - ihre beliebte Erziehungsmethode)

      Gerade lese ich das Buch "Vergiftete Kindheit" und entdecke unsere Geschichte in vielen Beispielen. Aber es gibt da ein paar "Kleinigkeiten", die ich für mich klären möchte und nciht weiter komme:

      1. Da sie den Kontakt abgebrochen hat, habe ich ihr kein Geld geschickt, sie würde es nicht annehmen. Ich bin hin und her gerissen. Soll ich einen anderen Weg suchen, damit sie das Geld bekommt und nicht verhungert, oder es sein lassen? Wenn wir so undankbar und böse sind

      2. Sie erwartet jetzt, dass wir angekrochen kommen. Das will ich nicht. Aber ist es okay, es den Eltern zu überlassen, den ersten Schritt zu tun? Sie hat es ja auch "verbockt". ausserdem weiss ich ja gar nicht, ob ich überhaupt noch was von ihr will

      3. Ihre Vorwürfe beziehen sich auf das Motto: Die Fassade aufrecht erhalten. Sprich, mein Haus müsste täglich komplett geputzt werden, damit jederzeit jemand reinplatzen kann. Meine Kinder müssten 10 Sportarten treiben, 5 Sprachen sprechen, nur 1-er schreiben und vor ihr auf die Knie fallen

      4. fällt mir gerade nicht ein

      Es ist zu viel, ich weiß, es tut mir leid. Ich wollte es kurz machen.
      Es tut mir irgendwie auch weh. Wir werden von ihr nur dann akzeptiert, wenn wir das machen, was sie von uns erwartet (und was ihre Umwelt von ihr und uns erwartet). Sie lebte ihr ganzes Leben unter diesem Zwang. Jetzt bekomme ich mein 4. Kind uns ihr ist der Kragen geplatz. Denn das ist assozial. Keiner hat 4 Kinder. Und ich bin eine schlampige Mutter, weil ich mich ab und zu lieber hinsetze mit meinem Kaffee und einem Buch, statt zu putzen bis zum Umfallen.

      Es tut mir leid, ich schaffe es nicht, meine Gedanken zu ordnen.

      Hoffentlich blickt es jemand durch und kann mir von irgendeiner Erfahrung oder ähnlichem erzählen, oder mir sagen, wo ich mir Hilfe holen kann.

      Danke fürs Lesen

      • Was wünschst Du Dir denn von Deiner Mutter?

        • (3) 14.01.12 - 19:05

          Das weiß ich selber nicht.
          Manchmal wünsche ich mir, sie wäre einfach weg, auch wenn das so hart klingt.
          Und manchmal wünsche ich mir (und das habe ich auch lange gehofft), dass sie sich verändert und mich akzeptiert so wie ich bin - ganz anders als ihre Erwartung

          • Ich verstehe Deine Wünsche. Irgendwann wird sie auch weg sein, klar. Aber das wird noch dauern. Was aber eher unwahrscheinlich ist - und ich schätze, das wird Dir mit jedem Lebensjahr klarer - ist, dass sie sich ändern wird. Vor allem kann auch eine späte Änderung oder Einsicht ihrerseits Deine Kindheit nicht ändern. Es ist wie es ist.

            Die zweite Frage ist dann: Warum möchtest Du ihr Geld schicken? Du solltest mal tief in Dich gehen, vielleicht auch über einen längeren Zeitraum und Dir überlegen, was der Grund ist, warum Du sie finanziell unterstützen willst. Es gibt sicher Gründe, die sinnvoll sind, aber auch Gründe, die Dir letztlich wieder selbst schaden.
            Vor allem (meine Meinung) musst Du Dich nicht als Dank für Unterstützung noch beschimpfen lassen. Das finde ich unabhängig davon, welcher Person gegenüber Du Dich hilfsbereit zeigst.

            Abschliessend kann man Dir noch raten, dass Du eine Therapie machen kannst, um das Verhältnis zu Deiner Mutter für Dich zu klären. Egal wie Du Dich ihr gegenüber verhältst und entscheidest - zumindest kannst Du dort ein offenes Ohr finden, alles mal los werden und ganz sicher auch Unterstützung bei Deinen Entscheidungen bekommen. Ich denke nämlich, dass da tiefer gegangen werden muss, als man es so auf die Schnelle in einem Forum kann.

            Und es nutzt Dir auch nichts, wenn Dir hier alle raten würden, den Kontakt abzubrechen, wenn das letztlich nicht das ist, wofür Du bereit bist.

            (7) 14.01.12 - 19:46

            Meine Angst ist auch, dass sich nach ihrem Tod nichts ändern oder klären kann und ich weiß nicht, wie lange nach ihrem Tod noch das Echo in mir bleibt
            Mit dem Geld ist es so, dass sie mit ihrem Einkommen verhungern würde, da sie teuere Medikamente braucht und nicht in Deutschland lebt. Und irgendwie kann ich mein Essen nicht runterschlucken, wenn ich mir denke, dass sie vielleicht gerade hungert. Ich erwarte auch keine besondere Dankbarkeit von ihr, ich weiß auch, dass es ihr doch etwas peinlich ist und aber auch, dass es für die irgendwie selbstverständlich ist, dass Kinder ihre Eltern unterstützen... Ich finde es nicht selbstverständlich. Mein Mann ist aber auch der Meinung, dass man eigene Mutter nicht verhungern lassen soll (ist ähnliches durchgegangen wie ich)

            An der Hilfe komme ich nicht vorbei und die werde ich mir auch holen. In dem genannten Buch wimmelt es vor so traurigen Beispielen, aber das Buch alleine reicht mir nicht. Darum fragte ich hier nach. Ich weiss, dass es hier so nette User gibt - wie Dich - die einem gute Tips geben.

            LG und danke nochmal

            (8) 15.01.12 - 00:58

            Da schliesse ich mich sniksnak gerne an!

    Hallo!

    Ich weiß gar nicht so recht, was ich sagen soll... Außer, dass ich wirklich erschüttert bin :-( Du willst sicher kein Mitleid, aber dennoch: Es tut mir wirklich leid, dass du so schreckliches erleben musstest.

    Zu den aufgelisteten Punkten...
    Rein rational gesehen: NEIN, natürlich sollt ihr ihr kein Geld schicken. Warum auch? Weil sie eure Mutter ist, vielleicht. Sie hat euch aber nie wie Kinder behandelt, sondern wie Dreck. In irgendeiner Form besteht so etwas wie emotionale Abhängigkeit, Pflichtgefühl o.ä.
    Nein, ihr müsst um Gottes Willen nicht "angekrochen" kommen. Warum auch? Was gibt sie euch denn? Was hat sie euch denn gegeben? Positives, meine ich!
    Es klingt vielleicht etwas missglückt, aber: Trenn dich. Trenn dich von deiner Mutter, leb dein Leben unabhängig. Nimm das Geld, das du ihr sonst geschickt hast und leg es für deine 4 Kinder (Herzlichen Glückwunsch!!) an. Mach was schönes damit, aber finde einen Weg, der dich aus dieser Verpflichtung, beziehungsweise dem Pflichtgefühl ihr gegenüber, führt! Hast du dir jemals Hilfe dafür gesucht? Wenn nicht, tu das.

    Deine Mutter wird dir niemals gut tun!

    Viele Grüße,
    sniksnak

    • (10) 14.01.12 - 19:08

      Hallo und danke!

      Wenn ich es nur rein rational betrachten könnte, wäre ich glücklicher. Aber das ist das kleine Kind in mir, dass wohl noch immer um ihre Gunst kämpft, das ist zum schreien!

      Ich weiß abe nicht, wo ich mir die Hilfe holen soll. Soll mich mein HA zum Psychologen überweisen oder gibt es bestimmte Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen für Leute in meiner Lage?

      Gruß

      • Hallo,

        ich glaube, es ist in der Tat relativ normal, dass du als ihr Kind (das wirst du ja immer bleiben), um ihre Gunst kämpfst!

        Du hast mehrere Möglichkeiten, Hilfe zu bekommen...
        1. Klar, ab zum Hausarzt, Überweisung zum Psychologen ausstellen lassen
        2. Direkt Psychologen abklappern, der Hausarzt muss da gar nicht zwischen sein
        3. Selbsthilfegruppen... Ich weiß nicht, ob es da spezifisch welche gibt, aber sieh doch einfach mal in deinen Gelben Seiten nach (oder halt online), ob es für deine Problematik, in deiner Nähe eine gibt!
        4. Du kannst auch Beratungsstellen aufsuchen. Caritas, AWO, vielleicht auch die Kirche...

        Sei mutig und google mal. Weiß dein Mann, wie es in dir aussieht? Vielleicht begleitet er dich zum ersten Termin, falls du Unterstützung brauchst.

        Ich persönlich würde Punkt 2 nehmen und mich, während ich auf den Platz warte, von Punkt 3 oder 4 unterstützen lassen. Aber jeder Mensch ist anders und hat andere Bedürfnisse! Nicht jedem hilft jeder Weg... Nur probier irgendwas und sieh nicht tatenlos zu. Kämpf nicht um die Gunst deiner Mutter, sondern um dein unabhängiges Leben!

        Grüße an dich!

(14) 14.01.12 - 19:15

Es ist doch wunderbar wenn sie keinen Kontakt mehr möchte ,sie hat diesen Weg gewählt nicht Du!
Also warum solltest Du ein schlechtes Gewissen haben und einen Weg finden ihr irgendwie Geld zukommen zu lassen?

Du kannst sie nicht mehr ändern ,Du kannst aber Dich ändern ,indem Dir das was sie sagt scheißegal ist!
Sei stolz auf Deine 4 Kiddies ,auf Deine Familie auf das was du geschaffen hast!

Ich kenne das alles! Es wurde viel gemeckert ,habe mir immer Mühe gegeben aber alles war falsch!Als ich gemerkt habe mehr als Arsch kriechen kann ich nicht ,habe ich es gelassen!

Lass sie ,lass los!
Lebe Dein Leben!
Denke darüber nach!
Sie wird immer meckern ,egal was Du tust!
Und krieche ihr bitte nicht in den Pöppes!

Alles Liebe und viel Kraft!#herzlich#herzlich#herzlich#herzlich#herzlich#herzlich

  • (15) 14.01.12 - 19:50

    Danke Dir!

    Ich bin es einfach leid und auch zu müde dafür, ihr hinterher zu kriechen. Ihr Brief und ihre Vorwürfe (sie hat sich so an der Vergangenheit festgebissen) haben mir den Rest gegeben. Und egal was ich jetzt tue, möchte ich mit klarem Kopf tun und mich in Ruhe für den nächsten Schritt entscheiden.

    Dir auch alles Liebe

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