Die Neue meines Freundes

    • (1) 25.01.12 - 19:32
      besorgt

      Hallo

      ich würde euch gerne um Rat bitten. Zu mir, ich bin männlich und seit Kindertagen habe ich einen besten Kumpel. Wir haben uns in schweren Zeiten beigestanden, zusammen studiert und sind immer noch dicke miteinander. Vor drei Jahren hat er sich scheiden lassen, was für ihn nicht einfach war. Er hat eine Weile übergangsweise bei mir gewohnt, bis er eine neue Wohnung gefunden hat. Wir haben also eine nette Männerfreundschaft aber jetzt bin ich in einer Situation, in der ich nicht mehr weiter weiß.

      Er hat vor gut einem halben Jahr eine Frau kennengelernt. Sie ist zehn Jahre jünger als er (wir gehen beide mittlerweile auf die 40 zu), sie ist alleinerziehend und hat fünf Kinder, hat noch nie in ihrem Leben gearbeitet und mit den Kindern ist wohl auch einiges in Schieflage. Das älteste Kind lebt in einer Pflegefamilie, weil es vom Jugendamt rausgenommen wurde. Momentan läuft wieder ein Verfahren, es geht wohl darum, ob sie grundsätzlich erziehungsfähig ist, hierfür wurde sogar ein psychologischer Gutachter bestellt.
      Als mein Freund mir das alles erzählte, war ich erst einmal platt und vor allem habe ich mich gefragt, warum er überhaupt noch bei der Frau ist. Anscheinend leidet sie unter einer Borderline-Persönlichkeitsstörung. Er hat sie als eigentlich starke Alleinerziehende kennengelernt, nach kurzer Zeit fing das Bild an, zu bröckeln. Nun hat er mir erzählt, dass er befürchtet, wenn er sich von ihr trennte, dass sie sich was antut. Sie hat ihm wohl ein paar Mal schon drastisch zu verstehen gegeben, was dann passiert.

      Ich habe ihm gesagt, er sei dafür nicht verantwortlich, er solle sich an die Psychiatrie wenden. Das will er jedoch nicht wegen dem laufenden Verfahren gegen sie. Ich habe meinen Freund noch nie so erlebt. Ich hatte ihn eine Weile nicht mehr gesehen, und wir haben nur telefoniert, er ist völlig fertig. Er sorgt sich und hat begründete Angst, möchte aber auch nicht, dass sie wegen ihm die Kinder verliert, wie er sagt.

      Habt ihr eine Idee was man tun könnte? Ich habe ihm natürlich gesagt, er wäre jederzeit wieder bei mir willkommen, und sei es nur um Abstand zu gewinnen.

      Am liebsten würde ich selbst Rücksprache mit der Psychiatrie nehmen, aber ich denke, damit könnte ich eine bisher lebenslang bestehende Freundschaft aufs Spiel setzen, weil er das als Einmischung empfinden könnte, womit er ja recht hätte. Für die Kinder von ihr sehe ich es aber auch als dramatisch an, einer solchen Mutter ausgesetzt zu sein, die zudem offen mit Selbstmord droht.

      • (2) 25.01.12 - 19:47

        Hallo,

        ich muss als erstes sagen, ich kenne mich mit der Borderline-Störung nicht aus.

        Mein Ex-Mann hat mir während der Beziehung oft und während der Trennung noch öfter gedroht, dass er sich umbringt, wenn ich gehe.

        Die Trennung ist nun fast 8 Jahre durch, er lebt noch...

        Ich habe vor ein paar Jahren einen Mann kennengelernt, der hat mir irgendwann per SMS geschrieben, dass er sich umbringen wird.
        Da ich weit von ihm weg wohnte, rief ich die Polizei an und schilderte die Situation.
        Die fuhren bei ihm vorbei und schauten, was da los ist.
        Auch er, redete/schrieb, meinte es aber nicht so....

        So, was ich Dir sagen will, wenn jemand so offen droht, ist es in der Regel nur ein Versuch, den Menschen zu halten.
        Wenn man wirklich angst davor hat, dann bitte Trennen und die Polizei über diese Drohung informieren.

        Meinst Du, es ist gut, wenn eine Frau suizid androht und das noch vor den Kindern??

        Alles gute und viel Kraft für Dich und Deinen Kumpel!

        LG coffea

        • (3) 25.01.12 - 19:49

          Natürlich ist das riesengroßer Mist. Deshalb auch die Idee mit der Psychiatrie. Ob die eine Einweisung vornehmen lassen oder die Polizei kommt ja im Endeffekt auf das gleiche raus. Nur würde mein Freund mir einen solchen Schritt verzeihen?

          Ich weiß es nicht

          • (4) 25.01.12 - 19:53

            Hat Dein Freund denn sich mal schlau gemacht, über diese Erkrankung?
            Ich weiss gewisse Dinge, von nem Freund, der auch über Jahre in einer solchen Beziehung steckte und diese Frau hat ihm ganz viel kaputt gemacht.

            Wieso will Dein Freund denn an dieser Beziehung festhalten??

            • (5) 25.01.12 - 20:02

              Ja, er hat sich schon darüber informiert, aber vor allem aus Internetquellen. Im Moment ist es wohl vor allem die Angst um sie, die dazu führt, dass er sich nicht trennt. Ob Hoffnung im Spiel ist kann ich nicht sagen. Das bekam ich nicht aus ihm raus, dafür war er selbst zu fertig.
              Ich habe ja selbst nur schwer verstehen können, weshalb er sich überhaupt auf die Frau eingelassen hat.... Und ich habe so eine vage Ahnung, er selbst genauso wenig.

      Wir könnten via PN darüber reden.

      Schreib mich an!

      White.

    Ich denke, das sich Deine Hilfe nur auf Ratschläge, ein offenes Ohr und evtl. eine Bleibe beschränken sollte.

    Lebt Dein Freund mit der Frau und ihren Kindern zusammen? Obwohl sie sich erst seit einem 1/2 Jahr kennen? Will er sich denn wirklich trennen oder ist er unentschlossen - unabhängig von der Selbstmorddrohung? Wenn er in ihrer Wohnung wohnt, sollte er sich zunächst eine eigene Bleibe suchen und sich beraten lassen, wie man bei einer angestrebten Trennung von einer Borderlinerin, die mit Selbstmord droht, am besten vorgeht. Z.B. hier:

    http://www.borderline-angehoerige.de/
    http://borderline-angehoerige.net/

    (9) 25.01.12 - 21:10

    als ich das erste (und einzige) Mal mit einem "Borderliner" Kontakt hatte, war ich ca 16. So im Umgang war sie total nett und wir haben viel miteinander reden können beim ausreiten (habe sie über den Stall kennen gelernt). Sie hat mir sehr viel von ihren Tieren (man kann fast schon sagen Heimtierzoo, arbeitslose Besitzerin) erzählt.
    Mit der Zeit wurde sie aber immer nachlässiger, was die Stallarbeit anging (war unter Besitzern aufgeteilt).

    In einem Stalltreffen wurde die Situation besprochen und sie mit Samthandschuhen angefasst, was die Hinführung zum Streitpunkt anging, da ihre Erkrankung (mit den daraus folgenden Eigenheiten und Gefahren) allen bekannt war.

    Wir im Stall haben immer allen eine Chance gegeben ohne vorher zu urteilen, deswegen haben wir sie und ihr Pferd aufgenommen, auch wenn klar war, dass es nicht einfach wird.

    Naja, um zum Punkt zu kommen: Sie hat irgendwann wütend die Runde verlassen und gemeint, dass wir alle es nur schlecht mit ihr meinen und sie gar nicht wollen usw. Der letzte Satz war nur, dass sie sich umbringt, wenn sie nicht bleiben darf, was logischerweise die Konsequenz gewesen wäre/war, wenn sie keine Einsicht bezüglich ihrer Unzuverlässigkeit gezeigt hätte/hat.
    Ich bin dann später heimgefahren und habe mich daheim erst einmal kräftig ausgeheult bei meiner Mutter. Ich fühlte mich mitschuldig, dass sie es in Betracht ziehen würde, sich umzubringen. Ich war total fertig!!!

    Mit der Zeit habe ich sie vergessen, sie hatte ihr Pferd dann nicht mehr bei uns im Stall. Irgendwann bin ich zufällig auf ihre Internetseite gestoßen, wo sie ihre (Wohnzimmer)Meerschweinchenzucht vorstellte.

    Ich war erleichtert, dass sie ihre Drohung doch nicht wahr gemacht hat und noch lebt und sogar Freude am Leben zeigte.

    Ich wünsche deinem Freund, dass er den Mut aufbringt, den Schritt der Trennung zu gehen. Nachdem, was du geschildert hast, bezweifle ich, dass er je ein entspanntes Familienleben mit ihr führen kann.
    Versteht mich nicht falsch: Ich habe absolut nichts gegen Menschen mit psychischen Erkrankungen, aber ich finde, dass alle Mitmenschen ohne entsprechende Ausbildung damit überfordert sind eine so enge Beziehung mit ihnen zu führen, solange sich der Patient nicht in Behandlung begibt!!!

    lg

    (10) 25.01.12 - 21:10

    "Nun hat er mir erzählt, dass er befürchtet, wenn er sich von ihr trennte, dass sie sich was antut. Sie hat ihm wohl ein paar Mal schon drastisch zu verstehen gegeben, was dann passiert."

    Du kannst letztendlich nur für deinen Freund da sein und ihn darin bestärken, dass er den Schritt wagt, sich zu trennen. Wenn er sich von den Suizidandrohungen seiner Freundin einschüchtern lässt, sehe ich für ihn leider keine Möglichkeit, aus dieser Beziehung herauszukommen. Dass die wenigsten Menschen, die das vorab androhen, sich wirklich umbringen, wird ihn wahrscheinlich auch nicht überzeugen.

    (11) 26.01.12 - 08:45

    jemand der sich wirklich umbringen, also der ernsthaft mit dem Gedanken spielt!... der droht damit nicht!!

    die Freundin sieht dieses Druckmittel wohl als einzigen weg ihren freund zu halten.

    Mein Ex freund sagte damals auch, wenn ich mich trenne dann hat sein leben keinen sinn mehr und er bringt sich um!

    ...er lebt heute noch.

    (12) 26.01.12 - 09:36

    Ach je, das kommt mir bekannt vor.

    Ich hatte auch mal eine Beziehung mit einem Borderliner. Als wir zusammenkamen hatte ich keine Ahnung, was diese Krankheit alles mit sich brachte und wie sie sich auf unser Leben auswirken würde.

    Meine Güte, war das eine furchtbare Zeit! Ohne zu sehr ins Detail zu gehen: ich wollte die Beziehung beenden und mein Freund sagte mir, dann werde er sich umbringen. Er hatte auch schon 5 Versuche hinter sich bevor wir uns kennenlernten. Wollte man zynisch sein könnte man natürlich sagen: wer sich wirklich umbringen will, der schafft es auch beim ersten Mal.

    Ich hatte natürlich fürchterliche Angst, daß er sich wirklich meinetwegen das Leben nimmt. Schlußendlich habe ich dann zufällig einen Therapeuten kennengelernt, der mich bestärkt hat und mir klar machte, daß ich nicht für das Leben meines Freundes verantwortlich bin.

    Also habe ich mich getrennt und zwar radikal von jetzt auf gleich und ohne anschließenden Kontakt. Dinge, die ich zurückgeben wollte, habe ich mit der Post geschickt. Ein paar Monate später habe ich dann durch andere Leute erfahren, daß es meinem Ex-Freund gut ging. Kein Selbstmordversuch oder ähnliches.

    Ich war dann übrigens über mehrere Jahre mit dem Therapeuten zusammen, aber das ist eine andere Geschichte. ;-)

    Mein Tip an Deinen Freund - er soll sich trennen. Je länger er wartet, desto schlimmer wird es alles nur. Und ehrlich - eine Alternative hat er doch gar nicht. Und irgend etwas ist immer gerade unpassend... ein Gutachten, Valentinstag, dann Geburtstage, zu Weihnachten kann man sich ja auch nicht trennen, usw...

    Versuch ihm klarzumachen, daß er nicht für das Leben dieser Frau verantwortlich ist, auch wenn es sich anders anfühlt. Er kann froh sein, so einen guten Freund wie Dich zu haben.

    Liebe Grüße,
    BumbleBees

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