MManchmal fühle ich mich so allein, obwohl ich seit Jahren eine Beziehung führe

    • (1) 24.03.12 - 09:45

      Hallo.

      ich lebe seit 14 Jahren in Deutschland, damals war ich grad frisch verheiratet und bin meinem Mann nach Hamburg gefolgt. Ich habe hier studiert und unseren Sohn groß gezogen und versucht eine gute Ehefrau zu sein. Allerdings musste ich schnell merken das es nicht einfach ist alles unter einen Hut zu bekommen. Oft war ich unglücklich und auch mal überfordert, mir hat die Unterstützung meiner Eltern gefehlt. Natürlich hatte ich mir das selbst zu zuschreiben, schließlich wurde ich schon mit 16 Mutter. Ich wollte schon aufgeben und zurück nach Norwegen gehen als mein Mann bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam.
      Plötzlich war ich ganz alleine, natürlich stimmte das nicht. Ich hatte meine Schwiegereltern und wirklich nette Freunde die für mich da waren. Dennoch hatte ich das Gefühl ganz alleine zu sein. Es war schrecklich. Noch heute bekomme ich Magenschmerzen wenn ich an diese Zeit zurück denke. Ich fühlte mich wie eine totale Versagerin, bis der beste Freund meines Mannes plötzlich das Zepter in die Hand nahm. Er war nicht so vorsichtig mit mir, sagte ich solle endlich meinen Hintern hochbekommen und anfangen mein Leben neu zu ordnen, schließlich hatte ich ein Kind zu versorgen.
      Ich glaube bis heute er war meine einzige Rettung. Ohne ihn wäre ich zurück gegangen und hätte wohl nichts aus mir und meinem Leben gemacht.
      Schießlich verliebten wir uns ineinander, er war gut zu meinem Sohn. Sie waren zwar nie wie Vater und Sohn, aber wie Freunde. Das war mir auch wichtig, ich wollte die Erinnerung an Oskars Vater lebendig erhalten.

      Mein Sohn ist jetzt 18 und geht nächsten Monat ein Jahr auf große Weltreise bevor er entscheidet wie es in seinem Leben weitergeht. Ich bin so stolz auf ihn, er ist ein so viel besserer Mensch als ich es jemals sein werde.
      Doch je näher seine Abreise anrückt desto unruhiger werde ich. Ich weiß das er es schaffen wird, daran liegt es nicht. Vielmehr habe ich nun das Gefühl plötzlich wieder alleine zu sein. Ich dachte mit 34 müsste man endlich mal wissen wie das Leben läuft und man wüsste wissen wo sein Platz ist. Meine Freunde fangen grad an eine Familie zu gründen oder haben noch kleine Kinder. Ich habe das alles schon hinter mir, mein Sohn ist schon groß und nabelt sich immer mehr von mir ab.
      Ich habe da schon mit meinem Partner drüber gesprochen, wir unterhielten uns auch darüber ob wir vielleicht heiraten sollten und versuchen sollten schwanger zu werden. Doch irgendwie wollen wir das Beide nicht so richtig, wir haben nicht das Gefühl es unbedingt tun zu müssen. Für mich ist das in dem einen Moment okay und im nächsten frage ich mich dann wohin meine Beziehung überhaupt führen soll.
      Mittlerweile habe ich das Gefühl mit mir stimmt irgendwas nicht. Und ich finde es schrecklich so negativ zu sein, schließlich habe ich ein schönes Leben und sollte mich nicht andauernd beschweren, doch immer wieder beginnt es von vorne.
      Mein Freund meinte letztens vielleicht sollte ich mir auch einfach eine Auszeit vom Leben gönnen, meine Taschen packen und schauen vohin eine Reise mich führt. Er würde daheim auf mich warten.
      Ich glaube nicht das ich das kann, schließlich muss ich arbeiten und mein Geschäft läuft erst seit 5 Jahren wirklich gut. Dann denke ich mir wieder ich sollte fortgehen, einfach damit Andere mich nicht dauernd jammern sehen müssen. Vielleicht sollte ich eine Weile zu meinen Eltern fahren und mich von meiner Mama umsorgen lassen.

      Irgendwie fühle ich mich alleine, nirgendwo wirklich Zuhause. Ich habe das Gefühl mein Leben schon gelebt zu haben, dass nichts mehr kommt. Aber dem ist natürlich nicht so. Ich sollte eigentlich glücklich sein endlich mehr Zeit für mich zu haben, doch ich bin es nicht. Ich wünschte ich hätte noch ein paar Jahre Zeit mich daran zu gewöhnen das mein Sohn erwachsen wird und mich nicht mehr so häufig braucht. Ich wünschte ich würde wissen wohin mich meine Beziehung führt.

      • Ich fand es sehr berührend deine Geschichte zu lesen, Danke dafür!

        Du hast Angst vor der Zukunft, weißt nicht, jetzt wo alles offen ist, wo sie dich hinführen wird.
        Dein ganzes Leben warst du eingebunden ist Sachzwänge: Umzug nach D, Muttersein,...
        Jetzt ist es das Geschäft das dich bindet.
        Du musst doch jetzt gar keine groooße Reise machen.
        Fang doch mal mit einer kleinen Reise an und kuck wie es dir gefällt.
        Ich glaube, es geht im Moment mehr darum, reinzuschnuppern, welche Komponenten deine Leben in Zukunft bereichern können.
        Einen lieben Mann hast du doch! Und das ist schonmal goldwert, oder?#liebdrueck

        (3) 27.03.12 - 14:21

        hallo,

        auch mich hat dein beitrag sehr berührt. er könnte in teilen von mir sein..

        ich fühle mich auch oft sehr einsam. meine familie (und die ist sehr klein) lebt 600 km entfernt, auch haben wir nicht so ein gutes verhältnis.. die kinder sind zwar noch klein, aber ich habe jetzt schon angst, wenn sie erwachsen werden und fort gehen. mein mann ist leider nicht mehr greifbar für mich. jeder macht sein eigenes ding und ich fühle mich nicht aufgehoben... aber ich habe es mir so ausgesucht.

        ich glaube, das ein großteil der psychischen erkrankungen damit zusammenhängt, dass wir alle so flexibel sind und die familie nicht mehr denselben stellenwert hat wie noch in der generation meiner eltern.. mein großvater hat seine beiden kinder um sich und wird inzwscihen von ihnen gepflegt.

        ich denke man braucht eine sehr starke persönlichkeit, seine familie zu verlassen und alles alleine zu machen.

        vielleicht möchtest du ja auch mal mit einem therapeuten reden?

        lg

        • Oh, ich bin seit dem Tod meines Mannes in psychologischer Beratung, sie ist nicht mehr so intensiv wie früher, aber ich kann gehen wenn ich das Verlangen dazu habe.

          Ich habe meines Mann sehr geliebt, er war klasse. Einfach klasse und er war ein so toller Vater. Ich habe mich imer geliebt gefühlt, auch als er schon in Deutschland war. Er hat alles dafür getan das mein Sohn und ich ein gutes Leben haben konnten. Auf seinen Schultern lag eine wirklich große Verantwortung und dafür bin ich ihm bis heute dankbar.
          Man hat nicht oft das Glück einen Menschen kennen zu lernen der einen so bedingungslos liebt wie er es getan hat. Diese Lücke zu füllen war eine große Anstrengung für mich, aber ich hatte immer Rückendeckung und nur so konnte ich das alles verkraften.
          Ich liebe meinem Mann auch jetzt noch, nur ist es nach all diesen Jahren eine andere Liebe geworden. Ich kann das auch schwer beschreiben, ich fühle mich einfach tief mit ihm verbunden. Die Liebe zu meinem Lebensgefährten ist eine andere wie zu meinem Mann, eine erwachsenere Liebe würde ich sagen. Für ihn war die Umstellung vom besten Freund zu meinem Partner eine schwere Entscheidung, aber er war immer stark. Viel stärker als ich es jemals hätte sein können.
          Ich hatte "Glück" meine Familien haben immer zu uns gehalten, sie haben uns unterstützt und mit Rat und Tat zur Seite gestanden.
          Das mein Sohn jetzt für ein Jahr fortgeht reißt einfach eine Lücke in die Familie, aber es ist wichtig das er seine eigenen Erfahrungen macht, dass er die Welt kennen lernt und hinterher weiß wie es weitergehen soll.
          Er kommt ja zurück, aber danach wird er ein Anderer sein. Erwachsener und erfahrener, dass er meine Hilfe jetzt nicht mehr so häufig braucht wie früher macht mich manchmal traurig. Er ist ein guter Junge und er wird zu einem fantastischen Erwachsenen. Er ist wie sein vater, einfach klasse.
          Klar, mein Freund und ich könnten heiraten und ein baby bekommen, aber wir sind beruflich so eingespannt das ein Baby einfach momentan nicht "passt". Ich habe schonmal den Fehler gemacht unüberlegt schwanger zu werden, so was wird mir nicht nochmal passieren. Vielleicht bekommen wir ja in ein paar Jahren ein Baby, dann ist es geplant und ich kann ihm die Aufmerksamkeit schenken die es verdient.
          Manchmal glaube ich das ich meinem Sohn nicht genug Zeit geschenkt habe, aber er streitet es ab.

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