Wieso hält man eigentlich so lange an etwas fest,

    • (1) 02.04.12 - 11:08

      was einen nicht glücklich macht.

      Der Thread unter mir, hat mich mal wieder zum Nachdenken gebracht.

      Ich selbst war jahrelang in einer Beziehung gefangen, die mich letztendlich kaputt gemacht hat.
      Irgendwann hab ich resigniert und einfach nur noch funktioniert...das ist doch arm, oder?
      Es waren keine Kinder da, die mich zum Bleiben "gezwungen" hätten und trotzdem hatte ich erst nach über 15 Jahren den Mut zu gehen.
      Er hat mich nie geschlagen oder so...eher psychisch klein gemacht. Und das schlimmste daran war, dass ich immer dachte, es liegt an mir. Heute weiß ich, dass er einfach ein Arsch war und meinte, mich klein halten zu müssen mit so Sätzen wie: "Ohne mich kommst Du eh nicht klar...Du bist doch gar nicht lebensfähig ohne mich." oder "sowas wie mich findest Du nie wieder...mit mir haste schon verdammtes Glück gehabt".

      Recht hat er...sowas wie ihn hab ich nie wieder gefunden, denn jetzt habe ich einen Mann an meiner Seite, der mich liebt und mir das Gefühl gibt, ein wunderbarer Mensch zu sein.

      Aber die Frage bleibt für mich bis heute...wieso habe ich das so lange mit mir machen lassen, denn eigentlich bin ich kein "Schwächling"?

      Bin gespannt, auf Eure Antworten...

      • (2) 02.04.12 - 12:32

        Tja, das ist eine gute Frage, die ich Dir nicht beantworten kann - ich war zu Anfang meiner letzten Beziehung auch kein "Schwächling", wurde aber von meinem Ex systematisch "klein gemacht", immer weiter und immer mehr, bis ich schließlich selbst daran geglaubt habe.

        Die Selbstzweifel habe ich heute - zwei Jahre nach der Beziehung - immer noch.

        Ich wollte mich lange trennen, habe es aber nicht zustande gebracht. Keine Ahnung warum, es war erst zuende, als ich ihm den Geldhahn zugedreht habe und er sich deshalb eine Neue gesucht hat.

        Und JA, ich schäme mich dafür.

        • vielen dank für deine antwort.

          krass, was man alles mit sich machen läßt, wenn man meint, jemanden zu "lieben".

          meine selbstzweifel hab ich auch erst nach einigen monaten verloren.

          heute weiß ich viel besser, was ich will und auf was ich mich nicht mehr einlassen würde...ich schreibe extra nicht "nie", weil das leider nicht offensichtlich passiert, sondern ein schleichender prozess ist. aber ich glaube, dass ich heute viel schneller meine konsequenzen ziehen und gehen würde.

          dir alles gute!
          poldy

      Es gibt viele Gründe. Er hat dich so klein gemacht (die Voraussetzungen dafür hast du mit gebracht), dass du es irgendwann auch geglaubt hast, was er gesagt hat. Vielleicht nicht vom Kopf her, aber vom Bauch.

      Oft sind die Beziehungen dann so, dass man emotional mehr gegeben hat, als man bekommen hat. Da fehlt der Ausgleich, die Waage ist total ungleich. Es fehlt so viel und man hofft immer, dass auch mal etwas zurück kommt,
      dass es irgendwann mal so wird, wie man es ich vorgestellt hat.

      Und fast jeder Mensch hat positive Seiten und ist mal lieb und nett, auch davon fällt die Trennung schwer.

      Die größte Rolle spielt wie sehr man abhängig vom Partner ist und sich nicht zutraut, es auch allein zu packen.

    • Hallo,

      Du bist wohl damals einem Narzissten auf den Leim gegangen. Solche Beziehungen funktionieren oft so, dass der Narzisst auf einen Menschen mit Helfersyndrom trifft. Und dann geht dies Spirale los.....

      Der Partner des Narzissten kann da nicht gewinnen und rutscht immer schlimmer durch diese Gehirnwäsche ins Loch. Meist dauern diese Beziehungen lange und brauchen ein Wunder, damit das Opfer den Absprung findet.

      LG

      Tja wenn es darauf eine einfache Antwort gäbe... vielleicht, damit wir zu dem werden was wir jetzt sind?

      Meine letzten 2 Beziehungen habe ich auch viel zu lange aufrecht erhalten.

      Der ExEx hat mich auch immer mit so Sprüchen wie 'ein Anderer hätte es gar nicht so lange mit dir ausgehalten', 'du bist so schwierig'... systematisch klein gemacht. Was er sich am Anfang der Beziehung für Mühe gab kehrte sich Stück für Stück in Gemeinheit um, bis er sich von mir mehr oder weniger aushalten ließ betüddeln ließ. Naja, ich hab irgendwann geglaubt, dass ich so schwierig bin und hatte wirklich Angst, auf ewig allein dazustehen. Seine bockigen Phasen haben mich aber dazu gebracht, mich emotional zu distanzieren, um mich nicht so verletzen zu lassen. Irgendwann war ich dazu in der Lage, nein zu sagen. Gut, es hat 3 Anläufe gebraucht um Schluß zu machen, weil er mich immer wieder weich gekocht hat aber letztendendes bin ich den Schritt gegangen, diese Beziehung hat mich viele 1000€ Lehrgeld gekostet.

      Der Ex war auch einer, Anfangs Mühe ohne Ende, später gammelte er nur noch rum und ließ sich bekochen, ob er mich richtig betrogen hat weiß ich nicht aber er war aktiv auf der Suche nach Mädels.

      Komischerweise fielen Beide aus allen Wolken als ich Schluß machte und waren damit überhaupt nicht einverstanden, versuchten mich mit allen Mitteln zu halten.

      Im Nachhinein haben sie sich anfangs verdächtig viel Mühe gegeben ;-)

      Naja, ich bin daraus schlauer geworden und führe mittlerweile eine absolut problemlose und unkomplizierte Beziehung mit gegenseitigem Respekt und Zuneigung. Hier bricht sich keiner einen ab, wenn er dem anderen was Gutes tut sondern tut es gern und ohne eine Gegenleistung zu erwarten.

      Ich würde sagen, trotz vieler Widrigkeiten von außen (Job) war ich noch nie an einem Punkt wo ich zufriedener gewesen bin als jetzt! Und dafür mußte ich 30 Jahre alt werden...

    • >>>Es waren keine Kinder da, die mich zum Bleiben "gezwungen" hätten und trotzdem hatte ich erst nach über 15 Jahren den Mut zu gehen.<<<

      Das ist für mich ein Beweis dafür, dass dieses "wegen der Kinder.... nicht den Vater wegnehmen" wirklich fast immer nur dummes Geschwätz ist.

      Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Viele Mesnchen wollen da bleiben, wo sie sich auskennen, haben Angst vor etwas Neuem, auch wenn ihnen das "Gewohnte" nicht gut tut.
      Und dass es einem nicht gut tut, muss man ja erst mal realisieren.

      Ich glaube, daß jeder Mensch bestimmte Erfahrungen in diesem Leben machen will und Du hast bewußt und unbewußt die Deinen gewählt.
      Du wirst reifer, erfahrener, wägst Werte und Gefühle ab und wenn Deine Seele reif genug ist, dann veränderst Du etwas oder es wird Dir von Außen zu Teil.

      Es ist so wie es ist und es hat alles seine Zeit, vorher wärst Du evtl. gar nicht offen und dankbar für Deine jetzige Beziehung gewesen. Menschen die schmerzhafte Erfahrungen machen, sind in meinen Augen oft sehr empathisch oder entwickeln sich dahin, was ihnen dann, wenn sie ausgeglichene Beziehungen eingehen zum Vorteil wird und Ihnen eine Tiefe verleiht, welche davor nicht möglich gewesen wäre.

      Und das ist für mich auch eine Form der Schönheit des Lebens.

      LG
      Marcus

      Lies mal das Buch: Ich hasse Dich, verlass mich nicht.

      Das Phänomen nennt sich double-bind und ist gar nicht selten. Mit Schwachheit hat das nichts zu tun. Hier spielen ganz viele psychologische Mechanismen eine Rolle.

      Du hast es hinter Dir und hast den Absprung geschafft! Darauf solltest Du stolz sein!

      starshine, die sich die Frage nicht mehr stellt, warum sie 11 Jahre (!) mit einem Alkoholiker und Junkie zusammen gelebt hat und auch stolz ist den Absprung geschafft zu haben ;-)

      Vielen lieben Dank für Eure Antworten, Gedanken, Erfahrungen, Meinung etc

Top Diskussionen anzeigen