Keine Kraft mehr

    • (1) 15.04.12 - 13:15
      heute leider schwarz

      Ich weiß nicht, ob mich irgendwer verstehen kann. Aber in der Hoffnung, dass irgendjemand einen Rat für mich hat, versuche ich es einfach. Ich hoffe ihr steigt bei meinem Geschreibsel halbwegs durch... Stehe momentan durch Schlafmangel total neben mir, daher weiß ich auch echt gerade nicht ob ich nun total verrückt bin, oder mein Mann, oder ob eigentlich alles halb so wild ist.

      Wir sind seit 14 Jahren verheiratet. Seit einem halben Jahr haben wir endlich unser Wunschkind (nach 7 Jahren unerfülltem Kiwu!). Und da fängt das Problem schon an: Seit der Geburt hat mein Mann (meiner Meinung nach!) sowas wie Depressionen. Er hält es kaum bei mir und unserem Kind aus und hat meistens schlechte Laune. Er spielt ein paar Minuten mit dem Kind solange es gut drauf ist, aber wenn unser Schatz schreit könnte er durchdrehen und muss sofort weg. Wir wohnen jetzt sogar in unterschiedlichen Etagen in unserem Haus. Er kommt nur ein paar Minuten pro Tag zu uns hoch, aber selbst das klappt meistens nicht, nach kurzer Zeit ist es ihm wieder zu viel. Ich muss also quasi alles mit dem Kind alleine machen, was "eigentlich" okay für mich ist (Alleinerziehende müssen es ja auch irgendwie packen!).
      Ich bin es nur bisher gewohnt, dass wir alles gemeinsam machen. Wir haben gemeinsam ein Unternehmen aufgebaut, ein Haus gebaut, wir haben sogar die täglichen Aufgaben was Haus- und Gartenarbeit gerecht aufgeteilt. Wer mehr gearbeitet hat, tat weniger im Haushalt und wurde bekocht, ein klassisches Rollendenken gab es bei uns nie. Und jetzt erzählt mir alle Welt (Freunde, Verwandte und er selbst), es sei völlig normal, dass Männer mit kleinen Babys nichts anfangen können. Das würde mit der Zeit schon von selbst besser. Ist das so? Ich finde es gänzlich unnormal, dann gleich die Familie quasi in zwei Etagen aufzuteilen. Vor einigen Wochen ist die Lage sozusagen eskaliert, ich hatte nachts Migräne und mußte mich übergeben, daher bat ich ihn wenigstens kurz dem Baby eine Flasche zu geben, während ich über der Kloschüssel hing. Weil das Babyfon noch an war hörte ich dann wie er sagte "Jetzt trink endlich und stell dich nicht so blöd an, wie kann man nur so bescheuert sein, jetzt geh mir nicht auf die Nerven!", wodurch das Baby natürlich noch mehr schrie statt sich zu beruhigen. Da war es für mich vorbei, auch wenn er sich natürlich entschuldigt hat: ich habe beschlossen ihn nie wieder mit dem Kind allein zu lassen, und seitdem habe ich auch irgendwie das Gefühl, dass ich niemanden lieben kann, der so mit meinem Baby spricht, Depressionen hin oder her.

      Er sagt: er hat Stress in der Firma, deshalb verträgt er keinen Lärm, er gibt auch zu, dass es Depressionen sein könnten. Wenn das Kind alt genug ist nicht mehr gleich loszuschreien und sich mit nem Spielzeug oder nem Eis beruhigen lässt, geht das schon alles wieder. Es hat alles nichts mit mir zu tun. Er entschuldigt sich dauernd für sein Verhalten und bemüht sich auch scheinbar, etwas zu ändern (fragt dauernd, ob ich auch klarkomme oder ob er etwas tun kann).

      Ich sehe das aber in viel dunkleren Farben. Es fühlt sich schlimm an, dass er das Baby scheinbar nicht mag (auch wenn er sagt, er liebt es!). Ich sitze halt hier und warte, ob er mal vorbeischaut. Aber ich habe keine Lust mehr ihn zu fragen ob er herkommt. Wenn ich ihn nicht frage, kommt er wahrscheinlich nur im Notfall zu uns. Ich fühle mich allein. Auch wenn er das bestreitet, fühle ich mich von ihm mindestens ebenso abgelehnt wie das Baby. Ich fühle mich, als müßte ich immer eine Maske tragen. Das Baby soll nicht merken, dass ich traurig bin. Er soll nicht merken, dass ich traurig bin, weil ich gaube ich kann diese Ehe nur retten, wenn ich diese seltsame Lebenssituation noch etwas durchhalten kann. Ich habe das Gefühl, stark sein zu müssen, und so zu tun, als wäre das alles normal. Nur meine Kraft reicht leider nicht mehr aus, ich werde jeden Tag müder und habe immer stärker das Gefühl, mir jetzt einfach das Baby zu schnappen und zu verschwinden. Wenn er uns nicht will, hat er eben Pech gehabt!
      Kann das jemand verstehen? Was würdet ihr tun?

      • hallo!

        sucht euch externe hilfe. eheberatung, therapeut...

        glg

        (3) 15.04.12 - 13:56

        Hallo,

        wenn Dein Mann Depresionen hat, ist er doch sicherlich in Behandlung, oder? Wäre jedenfalls anzuraten.

        Es stimt schon, dass manche Männer wenig mit Schwangerschaften, Neugeborenen und auch kleinen Kindern anfangen können. Und es gibt auch welche, für die Kindergeschrei einen großen Stressfaktor darstellt. So einen scheinst Du erwischt zu haben, und da bringt es wenig ihm Vorwürfe zu machen.

        Die Beziehung zu einem Kind muss erst einmal sich entwickeln, manche Menschen auch Mütter tun sich da schwerer.

        Ich schließe mich meiner Vorrednerin an, dass ihr in dieser Hinsicht am besten mit professioneller Hilfe fahren würdet.

        Erst wenn Dein Mann sich auf diesen Weg nicht einlassen will, würde ich an Deiner Stelle über getrennte Wege nachdenken.

        Dann aber wäre es für Dein Kind besser, wenn ihr diese merkwürdige Situation des getrennten Zusammenlebens über seine Kindheit hinweg nicht praktizieren würdet.

        Kinder sind ganz oft im ersten Jahr alles andere als beziehungsfördernd. Bei Deinem Mann wird hinzukommen, dass er mit Dir 7 Jahre um etwas gekämpft hat, was ihn jetzt nachträglich einfach nervt.

        Ob er Depressionen hat oder Schwierigkeiten in seinem Leben als Vater anzukommen, weiß ich nicht. Ich würde ihn aber bitten, mit Dir zusammen Hilfe zu holen, damit die Beziehung zwischen Vater und Kind eine Beziehung wird.

        Wenn er DAZU nicht bereit ist, damit sich dieser Zustand ändert, dann würde ich wohl über Trennung nachdenken.

        LG

      • Hallo,

        sorry - aber was habt ihr für einen bescheuerten Freundeskreis, der diese Situation normal findet #schock#kratz?

        Ich lese das hier zwar öfter, dass Männer ja ne Schonfrist bräuchten mit Babys usw., aber als Mutter muss man ja auch von heut auf morgen mit einem Säugling klarkommen, da wird das einfach erwartet, dass es funktioniert.

        Also ich kenne eine solche Situation nicht, dass sofort das ganze Haus aufgeteilt wird und der Mann, wenn er einmal die Mutter im Krankheitsfall "vertreten" muss (#augen) sofort mit dem Baby schimpft wie du es beschrieben hast.

        Dein Mann sollte sich schleunigst ärztliche Hilfe holen, falls wirklich Depressionen der Grund für sein Verhalten sind.

        LG juju

        (6) 15.04.12 - 16:21

        Es ist NICHT normal das MÄNNER sich so verhalten!
        Mag sein das es einige Männer gibt die das tun, NORMAL ist es dennoch nicht!

        Holt euch dringend Hilfe und wenn Du das Gefühl hast das Du das alles so nicht mehr schaffst dann zieh zu einer Freundin, deinen Eltern oder jemand anderem (für eine Zeit) um einfach mal NICHT ALLEIN zu sein mit eurem Baby.

        In keinem Fall empfehle ich dir diese Situation aufrecht zu erhalten! Das bringt weder deinem Mann, noch eurem Kind was. Und DICH macht es kaputt.

        Übrigens können tatsächlich auch Männer eine Art Wochenbettdepression haben. Aber vom NIX DAGEGEN TUN und SICH NICHT HELFEN LASSEN wird es auch nicht besser. Er und ihr braucht dringend Hilfe.

        Das muss nicht euer familiäres Ende sein.

        Doch wenn sich auf Dauer nichts ändert dann geh in ein Leben das eurem KIND UND DIR GUT TUT!
        Ich hoffe allerdings das ihr wieder zueinander findet. Aber ohne das DU alles alleine auf deine Schultern nimmst und daran kaputt gehst...

        Ich wünsche dir von Herzen alles erdenklich Liebe und Gute

      • (7) 15.04.12 - 18:21

        Hallo!

        Ich kann leider auch nur sagen, dass ich das Verhalten deines Mannes nicht normal finde. Mein Mann ist eigentlich auch eher distanziert, zu fremden Menschen sowieso, aber seine Kinder sind sein absolutes Ein und Alles. Er nimmt sie überall hin mit. Ob abends zum Spazieren, zum Einkaufen, ob zum Schrottplatz oder in den Baumarkt. Als unser erster Sohn geboren wurde, war er so unglaublich stolz. Und im Wochenbett hatte eher ICH eine Depression, weil ich wirklich das Gefühl hatte, dass seine Vatergefühle stärker waren als meine Müttergefühle.

        Abends, wenn wir im Bett liegen, schwärmt er mir dann meistens von den Kindern vor, was der eine schon wieder gelernt hat und kann - dabei bin ICH es, die die meiste Zeit mit ihnen verbringt. Auch in der Zeit, wo wir hier die Hölle hatten, mit 2 Kleinkindern auf der Baustelle und es um unsere Ehe wirklich nicht gut bestellt war, waren die Kinder immer mit von der Partie. Auch von anderen Männern kenne ich es nicht viel anders. Sicher hat nicht jeder so eine Eselsgeduld wie mein Mann, aber so ein ablehnendes und aggressives Verhalten gegenüber einem Baby - das habe ich von gesunden Vätern noch nie gehört.

        Dein Mann braucht wirklich professionelle Therapie. Bei Frauen gibt es doch auch postnatale Depressionen. Warum sollte es das bei Männern nicht geben?
        Ich würde so handeln, wie du es tust: Ich würde jetzt erst mal gute Mine zum bösen Spiel machen, aber meinem Mann ein klares Ultimatum stellen. Entweder er lässt sich helfen, dann wäre auch ich bereit zu warten oder das wäre es dann gewesen. Auf Dauer kann man das als Frau, Partnerin und Mutter psychisch nicht aushalten! Auch dem Kind tut dieses ablehnende Verhalten des eigenen Vaters auf Dauer sicher nicht gut. Es gibt auf jeden Fall HAndlungsbedarf! Durch den Umzug in eine andere Etage wird das Problem nur verschleiert, nicht gelöst.

        Liebe Grüße und alles Gute
        Luka

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