Entfremden wir uns? Oder schon passiert?

    • (1) 15.04.12 - 23:52
      Entfremdung

      Hallo,

      ich weiß zwar nicht warum ich hier schreibe, aber ich muss es mal aussprechen bzw. schreiben:

      Wir sind seit 5 Jahren zusammen unser Kind ist 7 Monate.

      Mein Freund ist unter der Woche sehr oft beruflich unterwegs und kommt nur am Wochenende heim, manchmal auch nur alle 2-3 Wochen.

      Als wir beide berufstätig waren, war das auch OK, aber inzwischen nervt mich die Situation und leider auch mein Freund.

      Früher wenn er gefahren ist war ich immer sehr traurig und am Anfang als das Baby da war besonders, weil er soviel von seinem Sohn verpasst.

      Wenn ich alleine bin komme ich mit baby gut klar, wir sind ein eingespieltes Team.

      Seit ein paar Wochen bin ich aber eher genervt wenn er mal zuhause ist. Ich habe mit dem kleinen einen guten Rhythmus, den ich dann immer änderen muss bzw. ändere wenn mein Freud daheim ist. Ich esse alleine zb nach Bedarf wenn er daheim ist koche ich, da mir Familienessen eigentlich wichtig sind. Ich muss alleine einfach auf nix merken, gehe später ins Bett, schlafe früh dafür länger, räume mal nicht gleich auf etc.

      Außerdem ist er zuhause auch immer müde weil er ja viel arbeitet unter der Woche und schläft oft auf dem Sofa ein. Früher haben wir uns oft unterhalten, geredet. Einerseits braucht er auch seine Erhohlung, aber so habe ich mir unsere Elternzeit nicht vorgestellt. Aber er ist ja nur 2,5 Tage da am Wochenende. Und wenn er sich dann mal ums Baby kümmern will und ständig fragt weil er keine Routine hat, dann nervt mich das auch. wenn ich dabei sein und anweisungen geben muss, dann kann ichs auch gleich selber machen denke ich mir immer.

      Ich muss mich auch um alles zuhause kümmern...Finanzen, Papierkram...und mache auch viel für ihn mit, da er ja immer nicht da ist.

      Nun habe ich den Gedanken gehabt, wenn ich mich trenne, ist es auch nicht anders als jetzt nur das ich für 1 Person weniger drum herum erledigen muss. Da ist dann nur der kleine und ich. Und der gedanke einer Trennung macht mir nicht mal mehr so große Angst wie noch vor paar Wochen. Ich habe mich schon gefragt ob ich ihn nicht mehr liebe?

      Wenn wir immer telefonieren ist alles gut, da reden wir auch viel, aber wenn er daheim ist, kommt kein gescheites Gespräch zusammen. Und wenn er da ist ist er eben da...dass ich dann richtig happy bin wenn er wieder zuhause ist habe ich schon nicht mehr so häufig und auch die Traurigkeit wenn er fährt hält sich inzwischen in Grenzen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass nur unter der Woche am tel. alles rosig ist und ich echt läuft was gewaltig falsch.

      Ich möchte ihn auch nicht bitten eine neue Arbeitsstelle zu suchen. Ich hätte gerne dass er das will und er auf die Idee kommt. Er sagt es zwar immer er macht es, aber den Hintern hoch bekommt er nicht.

      Entfremden wir uns? Was können wir dagegen tun? er ist in der kurzen Zeit in der er zuhause ist auch so faul geworden...es kommen keine Vorschläge was wir unternehmen können, das wir spazieren gehen können etc. wir machen das zwar, aber nur weil ich das gesagt habe.

      Wie sieht es für einen Ausenstehenden aus?

      • Wirf die Flinte nicht so schnell ins Korn.

        Euer Kind ist sieben Monate alt, viele Ehen scheinen bis zum ersten Geburtstag des Kindes kaputt zu gehen. Ihr müsst euch umstellen, das dauert.

        Wenn ich dich richtig verstanden habe, hast du bis zur Geburt des Kindes gearbeitet, du bist jetzt zu Hause und dein ganzes Leben hat sich total verändert, für deinen Mann hat sich unter der Woche kaum etwas geändert.

        Du musst mit deinem Mann reden. Du hast ja selber erkannt, dass dich sein Rhythmus erst jetzt stört, nachdem du nicht mehr erwerbstätig bist, dafür kann er nichts.

        >>>Nun habe ich den Gedanken gehabt, wenn ich mich trenne, ist es auch nicht anders als jetzt<<<

        Sehe ich anders. Du würdest dich trennen, weil es dann bequemer für dich ist? Bei einer Trennung würde dein Mann irgendwann die Zahlungen für dich einstellen, nämlich in gut zwei Jahren. Hattet ihr nicht irgendwann mal gemeinsame Ziele?

        (3) 16.04.12 - 10:50

        Hallo,

        wenn ich Dein Problem so lese, kommt mir eher der Gedanke, das Du bzw. Ihr Euch keine Gedanken gemacht habt, was es bedeutet eine Familie mit Kind zu sein.

        Vorher hat man halt eher für sich gelebt. Da hat man sich aufeinander gefreut, hatte weniger Verpflichtungen und Verantwortung, war selbstständig und es war wurscht ob man vor der Glotze ne Pizza gegessen hat oder die Füsse gemütlich auf dem Tisch lagen.

        Mit nem Kind sieht es halt anders aus. Da kommt man als Frau schnell mal auf den Gedanken, das es plötzlich klassisch rollenverteilt ist. Das man den ganzen Tag mit häuslichen und vor allem zeitlich abgesteckten Verpflichtungen überrollt wird, plötzlich Geldsorgen auftauchen können oder andere Erwartungen an das Leben gestellt werden. Ausserdem hat man als Frau (ich denke wahrscheinlich als Mann genauso) mit dem ersten Kind eine völlig andere Art der Liebe kennengelernt.

        So und da liegt wahrscheinlich auch der Knackpunkt: Er sichert Euch das Grundeinkommen und geht arbeiten. Kann so keine richtige Beziehung zu seinem KInd aufbauen und ist unsicher und zudem wahrscheinlich auch fertig vom arbeiten.

        Du erledigst all das was im Alltag so anfällt und bist eine Einheit mit dem Kind. Da passt kein Mann dazwischen.

        Ich hatte letztens noch ein Gespräch mit ner Freundin und wir stellten fest: Nach so einem Tag von uns mit Arbeiten, Kinder abholen zum Sport o.ä. fahren, Haushalt, Essen und ins Bett bringen hat man keine drei vernünftigen Sätze mit seinem Mann sprechen können. Man ist einfach total im Alltag eingespannt.

        Wichtig ist das man seine Zeit versucht vernünftig einzuteilen: Kind, Freizeit für sich allein (!), Zeit mit dem Kind allein (für beide Partner), Zeit nur für den Partner!
        Ich denke wenn man einmal im Monat ein paar Stunden für sich allein hat, ist das normal. Genauso wie für den Partner.

        Die Probleme die Du beschreibst, Deine Probleme, sind meines Erachtens Kinkerlitzchen und sollten, wenn man sich bewusst für eine FAMILIE entschieden hat, doch echt zu bewältigen sein. Sprecht miteinander aber nich mit Vorwürfen.

        Sprech doch mal mit Deiner Oma und Mutter , soweit die noch existent und verheiratet sind, wie schön:-p eine lange Ehe und Familie ist. Es ist auf jeden Fall harte Arbeit auch an sich selbst!

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