Mein Freund kriegt einfach nichts auf die Reihe

    • (1) 28.04.12 - 15:33

      Also zunächst einmal: Ich liebe meinen Freund. Wir haben sehr viel gemeinsam und ich weiß, dass er mich regelrecht vergöttert.

      Aber seit wir zusammen sind (ca. 3 Jahre) gibt es ein Problem, was mich Anfangs nicht so gestört hat, nun aber immer in meinen Gedanken ist und mir den schlaf raubt:
      Er ist einfach extrem unselbstständig, faul und kein bisschen ehrgeizig.
      Ich hingegen bin ein sehr ehrgeiziger Mensch und es war für mich eigentlich immer wichtig einen Partner zu haben, der das auch ist, auf den ich stolz sein kann und den ich bewundern kann.

      Aber von Anfang an: Kurz bevor zusammen kamen, ist sein Vater gestorben, was ihn selbstverständlich sehr mitgenommen hat. (Er hat keine Geschwister und die Beziehung zu seiner Mutter war noch nie sehr gut) Infolge dessen war er vor Kummer ständig krank und wurde in der Schule immer schlechter und schlechter. Ich musste mich immer sehr um ihn kümmern und dafür Sorgen, dass er überhaupt zur Schule ging. Das hat mir aber nichts ausgemacht, schließlich wollte ich für ihn da sein.
      Dann hat das letzte Jahr vor dem Fachabi mittendrin abgebrochen um es zu wiederholen. So hatte ungefähr ein halbes Jahr lang Pause, in dem er sich wieder ein bisschen erholen konnte. Das Problem ist nur, er hat sich wohl an das herumgammeln gewöhnt.
      Denn als die Schule dann wieder anfing, hat er wieder ständig gefehlt und blau gemacht (und mir das verheimlicht, was ich viel schlimmer finde) Letztendlich ist er dann von der Schule geflogen, weil er zu oft unentschuldigt gefehlt hatte.
      Das war für mich sehr heftig, aber ich wollte ihn unterstützen etwas anderes zu finden. Nun gammelte er aber wieder erstmal ein halbes Jahr lang herum ohne sich irgendwo zu bewerben oder ähnliches.
      Im letzten Moment hat er noch ein BfD vermittelt bekommen, das aber im September auch vorbei ist. Und wieder bewirbt er sich nicht ernsthaft irgendwo, außer halbherzig für Ausbildungen, für die er aber Abi gebraucht hätte.
      Immer wenn ich ihn auf diese Probleme angesprochen hatte, habe ich das gleiche zu hören bekommen, was ich auch jetzt immer zu hören bekomme: "Lass mich in Ruhe", "Nicht jetzt", "Hör auf mich zu bemuttern", etc. Er wurde/wird manchmal richtig verletzend :mad::weinen:

      Und das ist das Problem: er redet einfach nicht mit mir darüber (und auch mit sonst niemandem). Ich verstehe ja, das ihm das schwerfällt, aber ich als seine freundin sollte doch wohl die erste Adresse sein, wenns um sowas geht. Ich fühle mich manchmal wirklich mehr wie seine Mutter, als seine Freundin:geknickt:
      Wenn ich das Thema nicht anspreche und aus meinen Gedanken verbanne, läuft alles super! Aber so kann es doch nicht ewig weiter gehen?

      Ich möchte schließlich eine Beziehung führen, die potenziell ewig hält. Ich möchte nicht alleinversorgerin einer Famile sein, mit einem areitslosem ungelerntem Mann. Aber wie lange soll ich noch warten, dass sich was ändert? Denn das was ich euch hier erkläre, habe ich ihm gefühlt schon 100 mal erklärt!:schuettel:
      Und ausrasten könnte ich, wenn er mir dann mit Hirngespinsten ankommt wie, in ein paar Jahren hab ich dann den und den Job und kann mir n dickes Auto leisten und schönen Urlaub... JA WIE denn?, frag ich mich da!
      Ich in wirklich drauf und dran, die Beziehung zu beenden, weil nur Liebe einfach nicht reicht. Ich muss ja auch ein wenig realistisch denken. Schließlich will ich auch mal Kinder und mir persönlich ist ein starke Schulter, an die ich mich anlehnen kann, sehr sehr wichtig. Bis jetzt war ich aber immer diese starke Schulter:ratlos:
      Wäre es herzlos von mir, Schluss zu machen? Schließlich liebt er mich und ich liebe ihn.
      Entschuldigung, dass der Text so lang geworden ist. War nicht geplannt:o

      • (2) 28.04.12 - 15:53

        Du bist wirklich nicht seine Mutter und es ist auch nicht deine Aufgabe sich um sein leben zu kümmern, das muss er selbst tun. Einen Grund dazu hatte er aber bisher nicht, da du ihm alles abgenommen hast. Logische konsequenz wäre für mich jetzt, dass du dich absolut nicht mehr in seine berufliche Laufbahn einmischt, er muss das selbst und für sich hinbekommen. Er muss lernen, dass er allein dafür verantwortlich ist, sein leben zu ordnen, niemand sonst. Wenn du mit ihm, wie er jetzt ist, nicht mehr klar kommst, würde ich mich trennen. Denn eine Beziehung, an der nur einer arbeitet, der andere nicht, hat keinen Sinn.

        Hallo,

        Ich denke nicht, dass es Sinn hat, die Beziehung weiterzuführen. Es kostet zuviel Kraft, Ehrgeiz, Engagement und Initiative für zwei haben zu müssen...später dann vielleicht noch ein Kind - nee, das endet in Bitterkeit und Verlust von Respekt.

        Du solltest erwägen, dich vor deinem eigenen Helfersyndrom in Sicherheit zu bringen.

        Lg die hinterwäldlerin

        (4) 28.04.12 - 19:48

        Tut mir leid, auch ich sehe da keine Chance. Ich sage das rückblickend, denn das was du erlebst, kenne ich sehr gut!
        Als ich noch zur Schule ging und auch noch lange danach, machte ich mir da keinen so großen Kopf. Jeder kanns irgendwie schaffen, das wird schon noch, er ist aber ansonsten so ein lieber Kerl, er wär bestimmt ein prima Papa, lieber so als einen Krawattenträger, für den nix anderes zählt als Pflichtbewusstsein.

        Ich hatte damals noch kein Bewusstsein dafür, dass es durchaus Männer gibt, die es anpacken und trotzdem keinen Stock verschluckt haben.

        Wäre ich auch nur mit einem von diesen Typen (ich hab sie magisch angezogen) zusammengeblieben, wäre ich heute tatsächlich Alleinversorgerin, was nicht weiter tragisch wäre, wenn die Herren dann wenigstens in der Lage gewesen wären, den Haushalt zu schmeißen und den Schreibtischkram zu erledigen, statt Halligalli zu machen und sich immer weiter zu verschulden. Vergiss es.

        Das heißt: ich hätte nichts dagegen, wenn das klassische Rollenmodell andersherum laufen würde, aber dann nicht deshalb, weil der Mann einfach zu faul war, seinen Hintern zu bewegen.

        Tut mir leid, dass ich dir keinen Mut machen kann.
        Könnt ich nochmal von vorne anfangen, hätte ich mir gleich einen "gesucht", der zielstrebiger ist. (Das heißt nicht, dass er fett die Karriere macht und mich "aushalten" könnte, sondern einen Job hat, mit dem er ganz zufrieden ist und ein Gehalt, von dem er einmal pro Jahr in den Urlaub kann. Mehr muss ja nicht sein.)
        Da hätte ich mir einen Haufen Nerven, Tränen und Diskussionen erspart.

      • (5) 01.05.12 - 18:13

        Danke für eure Antworten.
        Das ist eigentlich genau das, was mir auch schon lange klar war.

        Heute habe ich Schluss gemacht und es war wirklich sehr schwer. Wir haben viel geredet. Er hat geweint, ich habe geweint.
        Es ist irgendwie schrecklich zu wissen, dass er jetzt nicht mehr mein Freund ist. Denn er hat sich um mich immer sehr gekümmert und wir waren halt ein Herz und eine Seele. Mit ihm konnte ich wirklich über alles reden und er war immer für mich da. Es ist einfach traurig diese Vertrautheit nicht mehr zu haben.
        Irgendwie fehlt er mir jetzt schon. Denn trotz allem hatten wir ja eine schöne Zeit zusammen und ich habe immer gehofft, dass sich alles irgendwann einrenkt und ich glücklich mit ihm sein kann.
        Ich weiß, dass es richtig war, Schluss zu machen, weil eine glücklich Zukunft mit ihm nicht mögich gewesen wäre. Aber eigentlich liebe ich ihn ja immer noch. Vielleich nicht so sehr wie er mich. Aber doch noch genug, dass ich nicht nur ihm das Herz gebrochen habe, sondern auch mir, indem ich die Beziehung beendet habe.

        Ist das normal, so zu leiden, nachdem man Schluss gemacht hat? Ich vermisse ihn und bin wütend, dass mich quasi dazu gezwungen hat, Schluss zu machen.

        Habt ihr irgendwelche Tipps oder aufmunternde Worte für mich?

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