"Hobby" vs. Beziehung

    • (1) 06.06.12 - 09:28

      Hallo ihr Lieben,

      ich weiß im Moment nicht weiter, weiß nicht, ob ich das Richtige getan habe.
      Ich versuche es möglichst kurz zu halten, daher hier zunächst ein paar Eckdaten:

      Wir 24/25 führen seit 2 Jahren eine Fernbeziehung über 200km, kannten uns aber schon vorher, da wir aus der gleichen Stadt kommen. Ich studiere noch etwa 1,5 Jahre und werde dann zumindest für den Anfang in unsere Heimatstadt zurückkehren.

      Er arbeitet ca 10-12h pro Tag schwer körperlich und verdient wenig, finanziell sind für uns also keine großen Sprünge möglich, da ich von BAFöG und Stipendium lebe. Nach der Arbeit geht er zusammen mit seinen Freunden einem speziellen Hobby nach.
      Sie bauen Deko für Goa-Partys. Das bedeutet, dass sie viel mit Stretch-Stoff, Neonwolle, Holz, Draht usw. arbeiten. Fast jedes Wochenende ist eine Party. Also fährt er jeden Abend nach der Arbeit zu dieser Location (meist draußen) und da bauen sie auf, bis meistens 23 Uhr. Sie sind gewerblich angemeldet, sein Kumpel hat sich damit selbstständig gemacht, neben seinem Beruf.
      Die Jungs geben dort alles. Die Einnahmen reichen aus, um neues Material und neue Geräte/Maschinen zu kaufen und immer weiter zu expandieren, aber mehr nicht.
      Mittlerweile haben sie sich einen Namen gemacht und werden gerne und immer häufiger gebucht, dann auch für größere Veranstaltungen.

      Für ihn bedeuten das Dekobauen und die Crew ALLES. Hier kann er sich kreativ entfalten, hat Erfolge und bekommt viel Lob und Anerkennung. Das sind Sachen, die es in seiner Kindheit wohl selten gab. Die Crew ist seine Familie.

      Zusammengefasst ist er 20h am Tag auf Achse und an den Wochenenden auf den Partys.

      Wo komme ich? Irgendwo an vierter Stelle nach Arbeit, Deko und schlafen.
      Das war nicht immer so, denn sein Hobby nimmt ihn erst in letzter Zeit sehr sehr viel in Anspruch. Ihm war das nicht so klar. Es gab mehrere Gespräche und ich weiß sehr wohl, dass ich ihn nicht vor die Entscheidung stellen kann: Dein Hobby/Freunde oder ich.
      Ich weiß wie viel es ihm bedeutet und ich weiß, dass er immer wehmütig hinüberschielen würde, selbst wenn er kürzer tritt und wir wieder Zeit miteinander verbringen. Ein halbes Wochenende in vier Wochen reicht einfach nicht für eine Beziehung..

      Er hat eingesehen, dass es so nicht geht. Wir haben ein paar Kompromisse durchgesprochen, die alle darauf hinauslaufen, dass er weniger Zeit für die Crew investiert. Eine Option war auch die Trennung. Er möchte beides - crew und mich, möchte irgendwie den Spagat schaffen. Ja aber wie?

      Ich bat ihn, sich das in Ruhe zu überlegen. Darüber nachzudenken, was ihm wichtig ist, womit er leben kann.
      Daraufhin meldete er sich jeden Tag "normal". Hat mir von seiner Arbeit erzählt, gefragt wies mir geht... Ich fand das schwierig. Einfach so weiter machen? Das wollte ich nicht. Ich wollte ein klares Statement von ihm.
      Er hat das verstanden, bat um ein bisschen Zeit. Seitdem sind 4 Tage vergangen. Und ich warte.
      Bis nach dem Wochenende (nach der Party) wird er gar keinen freien Kopf haben darüber nachzudenken..Aber wenn die Beziehung kurz vor dem Ende steht, sollte man doch dazu in der Lage sein?!

      Aber was bedeutet das eigentlich für die Beziehung? Wenn jemand nicht klar sagen kann: Du bist mir wichtiger, wir schaffen das.

      Dazu kommt, dass wir sehr verschieden sind und viel Höhen und Tiefen haben.

      Wenn wir uns sehen, ist er meistens dann auch sehr erschöpft und nicht sehr unternehmungslustig.. Für ihn ist die Beziehung wenig greifbar, wenn ich nicht da bin. Auch darüber haben wir lange geredet.

      Dennoch bedeutet er mir sehr viel, ich fühle mich sehr wohl in seiner Gegenwart.

      War es richtig, ihm die "Entscheidung" zu überlassen? Wobei ich wirklich denke, dass es nahezu unmöglich ist, sich zwischen Hobby und Frau "entscheiden" zu müssen..

      Im Moment weiß ich einfach gar nichts mehr. Bin ich zu egoistisch?
      Die Beziehung für 1,5 Jahre auf Eis zu legen wäre auch merkwürdig. Zumal ich nicht denke, dass er mehr Zeit für uns hätte, selbst wenn wir in ein und derselben Wohnung leben würden.

      Tja. Und jetzt? #gruebel

      Fienchen

      • (2) 06.06.12 - 09:37

        Wenn er nicht einmal die Zeit hätte, über die Beziehung und seine Entscheidung auch nur nachzudenken, dann schliesse ich mal völlig aus, dass er irgendwie die Zeit hätte, diese Beziehung auch zu leben.

        Ich persönlich würde mir eine Frist setzen bis zu der ich abwarten würde was von ihm kommt. Sollte es sich dann nicht zum Positiven wenden würde ich entsprechende Konsequenzen ziehen. Ich weiss, wie das ist, auf jemanden und dessen Zuwendung zu warten und wüsste, wie ich mich entscheiden würde.

        Wer wirklich will findet Wege..

        Hmm.... schwierige Situation. Ich kann dir sagen wie es bei mir war.

        Als mein Mann und ich uns kennenlernten war mein Hobby das Tanzen. Ich hatte auch die ganze Woche nach der Arbeit noch bis spät nachts Training und an den Wochenenden Auftritte.

        Bei meinem Mann war es genauso mit Fussball!

        So hatten wir so gut wie keine Zeit füreinander und haben irgendwann beide beschlossen unsere Hobbys an den Nagel zu hängen um mehr Zeit für uns zu haben.

        Zwölf Jahre später sind wir zwar beide traurig das wir unseren Hobbys nur noch ab und zu nachgehen, aber auch Froh das wir uns so entschieden haben. Ich denke wenn wir das nicht gemacht hätten, wäre es nie so weit gekommen das wir jetzt eine Familie mit zwei Kindern sind.

        Er kann doch ab und zu bei diesen Veranstaltungen mithelfen und den Rest der Zeit mit dir verbringen?

        • Ich hatte vorgeschlagen, dass er in der Woche aufbauen fährt und die Partys mitnimmt, zu denen er uuuunbedingt will. Die anderen Wochenende gehören uns. Aber irgendwie hat er das Gefühl, dass ohne ihn beim Aufbauen nichts läuft. Er gehört zu den 2 Personen, die sich die Konstruktionen ausdenken und die Umsetzung planen. Die restlichen führen quasi nur die Anweisungen aus... Ist ja auch schön, dass er etwas gefunden hat, das ihm solche Freude bereitet... Aber wenn man darüber nachdenken muss, ob es einem überhaupt möglich wäre, sich einzuschränken.. na ich weiß nicht.

          Ich selbst muss viel lernen (Medizinstudium) und werde später ebenfalls lange arbeiten. Es ist also nicht so, dass ich die ganze Zeit Däumchen drehe und mich langweile. Gerade deshalb kann ich seinen Zeitmangel verstehen.

          Aber ich sehe es ähnlich wie du. Eine Familie gründen usw wird nur klappen, wenn für beide die Beziehung an erster Stelle steht...

          Ich finde es wahnsinnig traurig, wenn die Beziehung aus so einem Grund enden würde..

      (7) 06.06.12 - 10:56

      Also, ich verstehe dein Posting so:

      Du studierst 200 km fern der Heimat, während er in der Heimat geblieben ist, 10 bis 12 Stunden täglich arbeitet und anschließend für diese GOA-Parties die Deko baut.

      In 1,5 Jahren kehrst du, zumindest für den Anfang, in deine Heimatstadt zurück.

      An We, wo ihr euch sehen könnt, laufen meist die Parties.

      Die Crew, in der dein Freund arbeitet, hat sich einen Namen gemacht und der Laden fängt langsam an zu brummen.

      Dein Problem ist, dass du dich momentan als 4. Rad empfindest.

      Bei uns sieht das momentan so aus: Wir führen seit 10 Jahren eine Fernbeziehung, sind beide in unseren Jobs etabliert, haben beide Kinder. Ihr Junior hat jetzt die Schule fertig und eigentlich wollte sie sich anschließend in meine Richtung verändern. Beruflich gehört sie zu den absoluten Topleistern in ihrem Bereich und hat, seit ich sie kenne, beruflich zwei Träume gehabt. Den ersten konnte sie sich erfüllen, die zweite Trumpfkarte hat ihr AG gezückt, nachdem sie angedeutet hat, sich verändern zu wollen.

      Ich persönlich vertrete die Meinung, dass sich ein Paar alles verzeihen kann, bis auf die vergebenen Chancen. Deswegen war es mein Wunsch (und ihrer auch, auch wenn sie es nicht zugegeben hat), dass sie sich auf diesen Posten bewirbt. Und jetzt schauen wir uns das einfach mal an, wie sich das entwickelt.

      Eigentlich könnte man sagen, dass unsere Situationen vergleichbar sind.

      Ich persönlich finde deine Einstellung nicht ok. Die Woche über bist du nicht da, da studierst du, lebst dein Leben, so wie er. Am We forderst du jetzt "deine Rechte" ein. Das funktioniert nicht. Jeder von euch hat sich sein Leben eingerichtet. Natürlich wirst du deinen Freund so lange bedrängen können, bis er entweder der Crew oder dir den Stuhl vor die Tür stellt. Physikalisch gesehen erzeugt Druck Gegendruck.

      Medina über mir schreibt, dass sie das Tanzen und ihr Partner den Fußball dran gegeben haben, sie haben beide Opfer gebracht, die sie heute noch traurig stimmen, allerdings sehen sie das gemeinsame Plus, trotz Traurigkeit. Wo ist dein Opfer? Du schreibst jetzt schon, dass du nach den 1,5 Jahren Studium dich wieder weg bewegen könntest, du willst dich jobtechnisch verwirklichen (was ich persönlich total ok finde).

      Versteh mich bitte nicht falsch aber solche Forderungen sind in meinen Augen Betrug an der Beziehung, Betrug an der Behauptung, den anderen zu lieben, zu respektieren... Und Betrug basiert auf Betrug...

      • Ich verstehe, was du meinst. Ich sehe aber absolut keine Lösung: denn so, wie es jetzt ist, sehen sie sich einen halben Tag im Monat.
        Du führst auch eine Fernbeziehung, aber ihr seht euch doch am WE oder? Ihr kommuniziert auch unter der Woche, wenn auch nur kurz.
        Der Freund der TE hat weder unter der Woche noch am WE Zeit für sie. GAR nicht. Wie stellst du dir eine Beziehung unter diesen Umständen vor?

        • Du schon wieder! ;-) Wir sehen die ganze Sache mal wieder ziemlich gleich. Nur sehe ich das Problem darin, dass sie unglücklich ist und er nicht. Eigentlich hat er eine ziemlich klare Wertigkeit in seinem Tagesablauf, der mit einem Inhalt gefüllt ist, der auch dann stattfindet, wenn sie da ist. Sicherlich kann man jetzt sagen "Bitte, wo ist das Problem, dann tritt er halt am We kürzer und gut ist!", nur scheint das nicht zu gehen.

          Wir sehen uns im Allgemeinen zwei Mal im Monat, ich bin eine Woche bei ihr und arbeite auch von dort und sie kommt ein Mal hoch. Aktuell sehen wir uns aber einen Monat gar nicht, weil es zeitlich nicht passt.

          Unter diesen Umständen würde ich mir die Frage stellen, ob ich meine Partnerin dermaßen reglementieren möchte und dabei mit einblenden, wie ich meine Wertigkeiten setze. Sie setzt die Wertigkeiten momentan so, dass sie momentan studiert und sich später auch wieder aus der Heimat weg bewegen wird. Sprich, es wird unter den gegebenen Umständen keine geordnete Beziehung möglich sein. Weder jetzt, noch später. Sie opfert ihre Wertigkeit nicht, sprich, wenn sie ehrlich und fair ist, heißt es Klamotten packen und jemanden suchen, mit dem eine solche Beziehung, wie sie es sich vorstellt, möglich ist.

          • (10) 06.06.12 - 12:23

            Ich habe zu keinem Zeitpunkt gesagt, dass ich mich aus der Heimat wegbewegen werde.
            Der Unterschied zwischen uns liegt auch darin, dass du und deine Partnerin bereits Kinder habt.

            • (11) 06.06.12 - 12:35

              Hinzu kommt, dass ich einen Unterschied machen würde zwischen Verwirklichung im Job und Verwirklichung im Hobby. Denn mit dem Dekobauen lässt sich kein Geld verdienen. Nur eben so viel, um neue Sachen, Gerätschaften, Transporter zu finanzieren. Es kostet eher noch Geld und die Jungs machen es aus reinem Spaß an der Freude. Was ja auch Sinn und Zweck einer Freizeitbeschäftigung ist.

              Weiterhin hat keiner seiner Kumpels eine Beziehung.. Alle sind frei.

              • "Alle sind frei"

                Ich denke, darauf wird es bei euch auch hinaus laufen.

                Wie stellt ihr euch denn eine gemeinsame Zukunft vor? Es sei denn, du klinkst dich da mit ein, wirst eine von ihnen. Den Dekobauern, meine ich jetzt.

                Denn ansonsten hat badguy recht, wenn der eine sich zu sehr für den anderen einschränken muss, nicht, weil er selbst es will, sondern weil es von ihm gefordert wird, dann bleibt das hängen.

                Alles Liebe

                White

            (13) 06.06.12 - 12:42

            Du schreibst, dass du nach dem Studium, zumindest am Anfang in die Heimat zurück gehst. D. h. für mich, dass du damit kalkulierst, die Heimat über kurz oder lang auch wieder zu verlassen. Ist das falsch?

            Wir haben Kinder, jeder für sich aber keine gemeinsamen.

            • (14) 06.06.12 - 12:59

              Ich werde wahrscheinlich nicht unbedingt in unserer HeimatSTADT bleiben, da ich dort meine Assistenzarztausbildung nicht vollständig beenden kann. In der Gegend bleibe ich aber auf jeden Fall, da es dort für mich gute Chancen gibt.

              Und auch er hat dort einen festen Job..

        Ja, wir sind häufiger einer Meinung.;-)

        Klar, eine Beziehung kann man nicht daran messen, wie häufig man sich sieht. Aber man braucht trotzdem eine Verbindung, einen Zusammenbund, man fühlt, dass man zusammengehört und versucht es so gut wie möglich zu gestalten.

        Das fehlt mir leider bei der TE und ihrem Freund. Sie sagt, sie telefonieren ganz kurz über allgemeine Dinge, am WE ist er auch dauernd beschäftigt. WANN führen sie überhaupt eine Beziehung?
        Zudem du und deine Frau schon Kinder habt und eigentlich aus dem Alter, wo man eine Familie erst gründen will, raus seid, oder? Ich meine, ihr habt nicht vor eine klassische Familie mit gemeinsamen Kindern zu gründen?
        Wie ich verstehe, hat die TE es vor (so grundsätzlich) und unter diesen Umständen ist so eine Beziehung wirklich unmöglich.

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