Bildungsunterschied

    • (1) 14.06.12 - 16:05
      songof2humans

      Hallo,

      wie ist das bei euch und eurem Partner? Gibt es Paare, in denen Akademikerin plus Facharbeiter o.ä. funktioniert?

      Wie funktioniert das, wenn seine Familie eher dörfliche Arbeiterschicht ist, vom Bildungsniveau, von der Ausbildung, den Ansichten und Interessen her, und Ihre eine politisch engagierte (und etwas bildungsversnobte)Akademikerfamilie ist?

      Unabhängig von den Partner selbst, können die völlig unterschiedlichen Familien miteinander auskommen oder gibt das nur Ärger?

      Für mich ist es recht schwer, ein Gespräch mit der Schwimu in Spee aufrecht zuerhalten, da Ihre einzigen Themen Kinder, Haushalt und Kochrezepte sind und ich damit von ihrer Welt genausowenig Ahnung habe, wie sie von meiner Welt und der ganzen 'Moderne'. Ich befürchte, dass es eine Katastrophe geben würde, wenn meine Familie auf seine trifft. Wir sind die, die seine Familie immer verächtlich als Bonzen bezeichnet, als Fachidioten, die nie richtig gearbeitet haben und mal ein paar Wochen in einen Steinbruch gehören, Steine kloppen. Und das gibt man mir auch zu spüren.

      Gleichzeitig würde meine Familie, meine Eltern sind Althippies, mit ihren eher traditionellen, oder auch rückständigen Ansichten, dem Unwillen über den Tellerrrand zu schauen und der Herabwürdigung von Bildung, Lifestyle und Eigentum überhaupt nicht konform gehen.

      Ich denke da über die Dinge nach, in denen sich beide Familien näher kommen- also Kinder, Hochzeit etc. pp. Dass aus diesem Umständen auch teilweise Schwierigkeiten in unserer Beziehung entstehen kann ich nicht von der Hand weisen- damit kommen wir allerdings selbst bestens zurecht.

      Freue mich über vernünftige Antworten!

      • Meine Cousine (Lehrerin) ist mit einen Klempner verheiratet, der "nur" einen Hauptschulabschluß hat, scheint gut zu laufen. Er ist allerdings durchaus an Bildungsthemen interessiert. Seine Familie kenne ich nicht.

        Letztlich müßtest Du Dich wohl darauf einstellen, mit der Schwiegermutter eben über Rezepte und Kinder zu reden. Die Begegnungen Eurer Eltern miteinander könnte man ja auf ein Minimum beschränken.

        Hallo Unbekannte,

        unterschiedlicher Bildungsstand als solcher muss nicht zwangsläufig zu Konflikten innerhalb der Familie(n) führen, so lange man offen für andere Ansichten und Lebensmodelle ist. Ein Facharbeiter ist nicht zwangsläufig bildungsfern und ein fachlich hoch qualifizierter Akademiker nicht zwangsläufig gebildet.

        Aus deinem Beitrag klingt aber durch, dass es in beiden Familien mit der Offenheit so eine Sache ist: auf der eines Seite 'etwas versnobte' Akademiker, auf der anderen Seite ewig gestrige, einfach gestrickte Zeitgenossen.

        Hier würde ich Konfliktpotenzial vermuten.

        Viele Grüße

        Ralf

        • (5) 14.06.12 - 16:36
          songof2humans

          Hallo,

          ja genau das ist das Problem. Zwischen den beiden unterschiedlichen Welten könnte man eine Brücke schlagen.

          Wenn nicht jeder der festen Ansicht wäre, dass sein Lebensstil und Hintergrund der einzig wahre ist und die anderen minderwertig bzw. überflüssig. Ich erwische mich ja auch schon bei Gedanken wie 'wissen die eigentlich nichts' oder 'das brauche ich nicht erzählen, das verstehen die eh nicht'

          Das tut mir in der nächsten Sekunde wahnsinnig leid und das ist eigentlich mein Hauptgefühl für seine Familie: Mitleid. Das die nicht so vile haben, nicht soviel wissen, so wenig verstehen und sich nichts trauen und damit auch keine Möglichkeit haben, das zu verändern. Wobei die Familie anscheinend so glücklich ist. Das geht natürlich nicht in meinen Kopf und meine Eltern z.B. würden eher das rechte Bein abgeben als so unmündig und desinteressiert zu leben.

          So wie seine Familie für Leute meines Standes nur Unverständnis und Abwehr aufbringt- ich habe mich bis heute nicht getraut das ich in einem EInfamilienhaus und sogar mir Pool aufgewachsen bin. Ab einer Doppelhaushälfte fängt es nämlich an mit den Bonzen, den Steuersündern, die andere ausbeuten um sich zu bereichern, sich ohne Qualifikationen hochgeschleimt und hochgeschlafen haben, in die Oberstufe gegangen sind, während andere mit 16 schon ehrlich gearbeitet haben etc.

          Danke für deine Antwort!

          • Aber das hört sich sehr danach an, als wenn beide Seiten völlig verbohrt sind und auch nur von selbst eingenommen und voller Vorurteile oder?

            ##
            Ich erwische mich ja auch schon bei Gedanken wie 'wissen die eigentlich nichts' oder 'das brauche ich nicht erzählen, das verstehen die eh nicht'
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            Wichtiger als daß sich die Eltern verstehen, ist aber daß sich die "Kinder" mit den Schwiegerletern verstehn bzw. eben klarkommen oder?

            Und hier solltest du dich mal zügeln.
            Sind seine Eltern denn nette Leute? Oder nicht?
            Wenn ja, dann mußt du eben eine Ebene finden, sie selbst werden es wohl nicht.

          • (7) 14.06.12 - 16:45

            -Das tut mir in der nächsten Sekunde wahnsinnig leid und das ist eigentlich mein Hauptgefühl für seine Familie: Mitleid. Das die nicht so vile haben, nicht soviel wissen, so wenig verstehen und sich nichts trauen und damit auch keine Möglichkeit haben, das zu verändern. Wobei die Familie anscheinend so glücklich ist. Das geht natürlich nicht in meinen Kopf und meine Eltern z.B. würden eher das rechte Bein abgeben als so unmündig und desinteressiert zu leben.-

            Aber sie scheinen glücklich damit zu sein, warum willst Du sie ändern?
            Lass sie doch leben wie sie es möchten oder können.

            Einfamilienhaus mit Pool, ganz ehrlich, soooooo was tolles ist das nun auch wieder nicht.
            Ich bin auch in einem Einfamilienhaus aufgewachsen bzw. haben meine Eltern ein Zweifamilienhaus gebaut, damit später jemand von uns Kindern dort einziehen kann, wenn er/sie möchte. Wir hatten einen 1000qm² Garten. Zwei von uns sind zur Realschule, eine zur Hauptschule (aber nur wegen "Faulheit" nicht wegen Dummheit) wir haben alle unsere Lehre abgeschlossen und Weiterbildungen belegt, teilweise nun schon unsere eigenen Familie. Eine ein schönes kleines Einfamilienhaus mit einem 80qm² großem Schwimmteich, zwei Garagen, eine wohnt nun bei den Eltern im Zweifamlienhaus, eine in einer großen Wohnung zur Miete.
            Ich weiß jetzt gerade ehrlich gesagt selber nicht was ich damit genau sagen möchte. Aber irgendwie diese ganzen Schichten, es hört sich für mich eher so an, als WENN DU denkst das Du was besseres bist.
            Also von meiner Sicht her bist du ganz normal aufgewachsen und ich kenne es nicht anders, aber ich habe noch einige Freundinnen die hatten noch viel mehr und andere etwas weniger.

            Ich finde Du bist Mittelschicht. Wo liegt denn Dein Freund, wenn bei denen schon DDH als Bonzen gelten?

            • (8) 14.06.12 - 17:00
              songof2humans

              Nein, das ist nichts Tolles und nichts Besonderes und das ist der Punkt.

              Kennt ihr diese Art von Leuten, die nichts aus sich und ihrem Leben machen und den ganzen Tag neidisch über andere Leute lästern?

              Sie wohnen seit Jahrzenten in einer Mietwohnung im Wohnblock, in der es völlig überhitzt ist und nach Kohl riecht. Eingerichtet mit Möbeln Marke billig, die zig mal geflickt sind und wohl nie ersetzt werden.

              Das liegt aber nicht an den finanziellen Mitteln, sondern an der Einstellung (Geld ist dazu da, gehortet zu werden und Eigentum ist elitär) und auch z.B. daran, dass es für jedes männliche volljährige Familienmitglied alls paar Jahre einen Neuwagen geben muss (Die Mutter hat keinen Führerschein).

              Und dann wird die ganze Zeit über Leute hergezogen, die eben ein kleines Häuschen haben oder mal in den Sommeruraub fahren.

              Das die Prioritäten einfach anders verteilt sind darf man gar nicht erwähnen, dann kommt eine Schimpftirade auf die unfähre Politik, die unfairen Arbeitgeber und eine Litanei, dass im Osten eh alles besser war.

              Genau diese Unterstellung höre ich immer, dass ich denke, ich wäre etwas besseres mit meinem Studium, mit meinem Job, mit meinem Urlaub, mit meiner Auslandserfahrung und mit meinem ,angeblich geheucheltem, Interesse an Kultur und Fremdsprachen.

              Und das stört mich schon, mir ist das alles nicht in den Schoß gefallen und mein Studium war weiß Gott kein Ponyhof.

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                Genau diese Unterstellung höre ich immer, dass ich denke, ich wäre etwas besseres mit meinem Studium, mit meinem Job, mit meinem Urlaub, mit meiner Auslandserfahrung und mit meinem ,angeblich geheucheltem, Interesse an Kultur und Fremdsprachen.

                Und das stört mich schon, mir ist das alles nicht in den Schoß gefallen und mein Studium war weiß Gott kein Ponyhof.

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                Dann wirst DU sicher deine helle Freude haben.
                Es geht also auch oder vorwiegend doch um dich. Du wirst dir das dann wahrscheinlich alle Jahre anhören müssen.

                Erzählst du denn irgendetwas?
                ich meine, könnte man das ganze vermeiden, wenn man selbst eben nichts mehr sagt?
                Hört sich aber fast schon so an, als wenn sie voll darauf abfahren, sich an so etwas hochzuziehen.

                Man könnte nur mal klar darauf ansprechen, daß eben wirklich jeder andere Prioritäten setzt, manche wollen eben neue Autos verschenken, andere in den Urlaub fahren.
                Und dann muß es auch gut sein.

                • (10) 14.06.12 - 17:13
                  songof2humans

                  Ich erzähle nichts mehr, höchstes was ich gekocht habe und gehe den meisgten Gesprächen einfach aus dem Weg.

                  Aber dann, die ganze Familie arbeitet in Schichtarbeit, kommen so Sprüche wie : "Du hast es gut, den ganzen Tag im Büro sitzen und Kaffee trinken und um 17.00 frei".

                  Oder:

                  "Vielleicht musst du ja auch irgendwann mal richtig, mit den Händen, arbeiten, dann siehst du wie das ist. Im Büro sitzen und Tabellen am Computer tippen kann ja jeder, aber Paletten richtig stapeln und nen Gabelstaplerführerschein machen- dazu muss man schon mehr können als nett aussehen und zu allem ja und amen sagen."

                  Das macht mir absolut keine Freude. Mein Freund sitzt da leider komplett zwischen den Stühlen, ist aber schon soweit gegangen, seinen Eltern sein nachträgliches Fachabi und sein Studium zu verheimlichen,weil er weiß dass er dann unten durch wäre bei seinen Eltern.

                  • das nennt man Bildungsferne Schichten!

                    Also das ist wirklich krass.
                    Ich dachte zuerst, es wäre alles recht harmlos, also vom ausgangsthread her.
                    Aber wenn ein Kind seinen Eltern schon sein Fachabi und Studium verheimlichen muß...

                    Ich fürchte, so eine krasse Einstellung wirst du nie ändern können, das wird alles schwer.
                    Vllt könnten deine Eltern sich damit arrangieren und sich zurückhalten, weil sie evtl. einsichtiger sind, weiß ich ja nicht.
                    Aber wenn seine Eltern dich schon so bombardieren, werden sie es wohl auch mit deinen Eltern machen, und was das bedeutet, ist ja klar.

              (13) 14.06.12 - 17:29

              Irgendwie kann ich Dich schon verstehen.

              Ich arbeite auch im Büro und ganz ehrlich manchmal ist die Kopfarbeit härter wie die körperliche Arbeit.
              Würde dich allerdings auch eher zur gut betuchten Mittelschicht zählen, denn alles was Du erwähnst kenne ich von mir, habe zwar nicht studiert, aber ansonsten ist alles ziemlich gleich.
              Leider kenne ich solche Leute wie Du sie beschreibst nicht wirklich. Ich kann es auch nicht verstehen, dass man alles hortet, aber lebt wie ..... ok jeder soll so leben wir er es möchte, aber dann bitte auch nicht über andere meckern.

              • (14) 14.06.12 - 17:37

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                Ich arbeite auch im Büro und ganz ehrlich manchmal ist die Kopfarbeit härter wie die körperliche Arbeit.
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                Letztendlich sollte einfach jeder von seiner Erfahrung her oder seiner Arbeit in der Lage sein, auch die Schwierigkeiten oder die Belastung der anderen Seite zu sehen oder aber zumindest zu glauben. Und so gesehen, hat beides seine Vor- und Nachteile.

                Und das scheint hier nicht gegeben. und nicht nur das, es wird auch noch dagegen gefeuert, statt wenigstens den Mund zu halten.

                Da sind diese Schwiegereltern echt ziemlich verbohrt.

                • (15) 14.06.12 - 20:06

                  Naja, aber sie ist ja auch nicht viel besser, sie findet ihre Themen spannender wie die der Schwiegermutter (Familie, kochen, Haus ...). Die Schwiegermutter findet nun einmal ihre Themen spannender.

                  Das mit der Arbeit, da würde ich klipp und klar meine Meinung vertreten und sie fragen ob sie evtl neidisch sind.

                  Vielleicht fühlen sie sich auch immer genötigt so zu reden und alles schlecht zu machen, weil sie sich in ihrer Gegenwart nicht wohl fühlen.

                  Ach ich weiß es nicht, ich mag dieses "die sind besser gestellt" nicht, sowas finde ich ganz schrecklich.

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