Sternenkinder?

    • (1) 22.06.12 - 13:51

      Hallo

      ich weiß ich bin hier in einem Forum für Väter. Doch mir schwirrt eine Frage im Kopf herum, und sie geht mir eben nicht aus dem Sinn. Im letzten Jahr mussten mein Mann und ich unser drittes Sternenkind ziehen lassen. In der siebten Schwangerschaftswoche sah man ein klopfendes kleines Herz. Da mein Mann nicht dabei sein konnte, war meine bereits große Tochter bei diesem Ultraschall dabei. Sie freute sich riesig ihr kleines Geschwister auf dem Ultraschallschirm zu sehen. Doch nur eine Woche war alles wieder vorbei, denn das Herzchen schlug nicht mehr. Es folgte eine AS, bei der mich mein Mann begleitet hat. Doch auch da war ihm nichts an zu merken.
      Nachdem ich meinem Mann die traurige Nachricht überbrachte, sagte er nur, macht nichts wir versuchen es wieder. Ich kann das nicht verstehen wie kann man einfach so zur Tagesordnung übergehen? Was empfinden Väter die so früh in der Schwangerschaft ihrer Frauen ihr Kind wieder gehen lassen mußten?

      Genau deshalb habe ich mich hier gemeldet, und nicht bei frühes Ende, weil ich nicht weiß ob dort auch Väter rein schauen.

      Vielleicht kann mir einer der Väter helfen der auch schon ein Kind oder mehr, in den Sternen hat.

      Liebe Grüße Aniteb70

      • Ich bin zwar eine Frau, aber ich antworte dir trotzdem. Für (d)einen Mann war das noch nicht greifbar. er hat das Herz nicht schlagen sehen, er hat noch keinen Bezug zu dem Etwas in dir aufbauen können, da er es nie gesehen und nie gespürt hat. Auch für mich als Frau ist es in der 7. Woche noch nicht realisierbar gewesen, dass etwas in mir anfängt, sich zum Lebenden wesen zu entwickeln. Für mich war es zu so einem frühen SS Zeitpunkt noch nicht real, es war ein "Es", es lebte noch nicht, ich spürte es noch nicht, ich konnte es noch nicht als Baby bezeichnen oder als Mensch sehen. Es wird erst einer. Ein schlöagendes Herz allein ist für mich noch kein Leben. dazu gehört mehr, das Aussehen eines menschen, die Hirnfunktion, das es fühlen kann, denken kann, all das zusammen eribt für mich erste ein menschliches Leben. Vor der 12. woche war es für mich kein Lebewesen, es WÜRDE es erst WERDEN. Und so wird das wwohl auch dein Mann sehen. Für Männer wird eine Schwangerschaft meist erst dann für sie greifbar, wenn sie das baby in dir spüren können, wnn sie sehen, dass der Bauch rund wird und er sich bewegt, es muss plastisch greifbar für sie sein. Vorher ist es für sie nicht da, weil sie es nicht spüren, sehen, hören können. das ist aber völlig normal. Und sich in der 7. woche, wo man selber ja weiß, dass da immer etwas passieren kann, so reinzusteigern, halte ich persönlich auch nicht für gesund.

        • Also ich kann dir nur sagen das jede Schwabgerschaft anders ist. Jede Frau empfindet es auf ihre Weise. Bei meiner ersten Schwangerschaft war es für mich sogar nach der Geburt meiner Tochter schwer realisierbar. Erst als ich mit ihr nach sechs Tagen nach Hause durfte, erst da kamen bei mir Glücksgefühle auf.

          Jetzt da ich schon über 40 bin ist allein das schwanger werden schon schwer. Und bei allen drei vorangegangen Schwangerschaften war ich sofort mit. Herz und Seele dabei. Ich konnte die Kleinen in mir spüren. Wie sie wuchsen, und wie mein Körper sich schon veränderte. Mein letztes Sternenkind ging in der achten Woche. In der siebten Woche schlug das Herzchen. Dann eine Woche später nicht mehr.

          Ich habe nun erneut mit meinem Mann darüber gesprochen, und er sagte mir das er ebenso empfindet wie ich. Da meine Tochter nicht von ihm ist, sondern von meiner ersten Ehe stammt, hat er nie die Erfahrung gemacht Vater zu sein. Darum, so meinte ist es für ihn doppelt schlimm. Vor kurzen bekam seine Schwester einen Sohn, und er wurde sehr neidisch auf sie. Danke ich glaube ich kann ihn nun besser verstehen. Danke auch für die guten Wünsche
          Liebe Grüße Aniteb70

          (4) 23.06.12 - 12:08

          Rein biologisch kann ich das ja verstehen.

          Aber vllt ist es auch gerade beim ersten Kind noch anders.
          Also mein Mann und ich haben schon sehr viel darüber nachgedacht und automatisch "geträumt", auch eben so früh zur Schwangerschaft schon.
          Und dann platzte eben der Traum.
          vllt war es nicht eine konkrete Bindung zu diesem Kind, aber es war erstmal ein Abschied von der Vorstellung, eine Enttäuschung, geplatzte Seifenblase eben.

      Irgendwie fällt es mir schwer, Dir zu antworten. Im wesentlichen, weil ich damit anfangen muss, dir zu sagen, dass wir Deine schlimmen Erfahrungen nicht teilen mussten, wir gehörten zu den glücklichen, wo bislang fast alles klappte.

      Vielleicht kann ich Dir dennoch ein wenig helfen, indem ich DIr Einblick in mein Seelenleben gewähre. Es ist jedoch nur meines, nicht das der Männer oder gar Deines Mannes.

      Zur Vorgeschichte folgendes. Wie wahrscheinlich die meisten von uns kenne natürlich auch ich MKenschen, die ihre Kinder in der Anfangsphase der Schwangerschaft verloren haben und ich muss ehrlich sein, bis vor wenigen Monaten konnte ich mit der Gefühlslage dieser Menschen nichts anfangen. Es war mir zwar klar, dass sie einen Verlust erlitten haben aber irgendwie war ich da völlig empathieunfähig. War halt so.

      Nun kam es, dass ich feststellen musste, dass eine weitere, von mir mitverursachte Schwangerschaft nahezu ausgeschlossen ist, soweit ich keine hilfe in Anspruch nehme. Also das procedere durch und da passierte es.

      Alleine der Umstand, dass wir "unsere Krümel" vor dem Wiedereinsetzen drei Tage in der Klinik alleine lassen mussten, bereitete mir Schwierigkeiten. Vor dem Einsetzen bekam ich dann ein Foto der beiden Krümel, die eingesetzt wurden. Meine Frau wollte dieses Bild in ein extra für das Vorhaben angelegte Tagebuch eingeklebt haben, ich konnte es nicht, da ich mich zu diesem Zeitpunkt bereits mit den Krümeln identifizierte.

      Nur einer schaffte es und ist heute unser Sohn und jedesmal, wenn ich das bild vom vierzeller sehe bin ich traurig, dass es einer nicht geschafft hat.

      Ich habe es meiner Frau sagen können, wie ich mich fühlte, ich konnte es aber nicht zeigen. Nicht weil ich hart wirken wollte, sondern wiel ich schlicht die Fassung verloren hätte und das braucht man in dieser Zeit nicht. Und es entwickelte sich noch schlimmer. Eigentlich jeden Tag kämpfte ich mit der Angst, etwas geht schief. Jeder Anruf ließ mich zusammenzucken. Gezeigt habe ich davon nur sehr wenig. Wäre es schief gegangen, so hätte ich alles mögliche getan, um für meine Frau und meinen großen Sohn da zu sein, zu funktionieren. Dies bedeutet nicht, dass ich nicht getrauert hätte. Aber es können sich in einer Partnerschaft nicht beide fallen lassen, die Maschine muss arbeiten. Meine Zeit, mich fallen zu lassen wäre später gekommen.

      Meine Anspannannung ließ übrigens erst am Tage der Geburt nach. Als ich Joshua im Geburtbecken empfing, konnte ich nicht mehr und erst am nächsten Tag konnte ich mich erst wieder fassen.

      Vielleicht geht es Deinem Mann ähnlich und er will schlicht für Dich da sein. Hast Du ihn mal gefragt? Viele Männer wollen oder können Gefühle nicht zeigen.

      Pete, der hofft, dass Du das gleiche Glück erfährst wie er

      Jeder Mann nimmt das anders auf. Sie sind ja nicht alle gleich.
      Mein Mann war auch sehr bedrückt und enttäuscht. Nicht nur ich hatte so meine Vorstellungen, sondern auch er.
      "Gelitten" hat er zwar anders, aber ihm tat es auch weh.

    • Hallo Aniteb,
      leider ist es bei mir ähnlich. Wobei mein Mann das Baby einmal lebend gesehen hat und beim nächsten Mal dabei, als uns die Ärztin sagte, dass das Herz seit 10 Tagen nicht mehr schlagen würde. Es ist bei mir in der 11./12. Woche passiert. Ich kann schwer damit umgehen und habe höllisch gelitten, was so langsam besser wird. Aber eine wirkliche Hilfe war und ist er mir nicht. Er hat bis heute nicht geweint und ist recht schnell in den Alltag über gegangen. Aber was soll er auch tun, soll er sich neben mir setzen und mitweinen, macht es das besser? Dennoch hat uns das nicht näher zueinander gebracht, eher irgendwie das Gegenteil. Es war meine 1. SS und natürlich völlig aufregend... ein Mann schnallt das auch alles gar nicht so wirklich, erst wenn der Bauch zu sehen ist. Glaub ich. Wir reden zwar schon viel darüber, aber mir wird immer bewusster, dass es ein Aussenstehender nicht versteht, auch nicht der Mann. Leider habe ich niemanden, mit dem ich mich austauschen kann, da ich in meinem Bekanntenkreis die erste war. Die haben sich nichteinmal gemeldet, weil sie nicht wussten wie sie mit der Situation umgehen sollten. Wirklich alles richtig, richtig schrecklich...
      ich wünsche dir dennoch viel Kraft und tausch dich mit anderen Frauen aus, gerne auch im Forum "Frühes Ende" Wir sind wirklich tolle und starke Frauen #winke

      • Hallo Dorella
        Nein es macht es nicht besser, nur geteiltes Leid ist halbes Leid. So sehe ich es und wenn man es seinem Partner nicht mal anmerkt wie er sich dabei fühlt, ist es sehr schwer nach zu voll ziehen. Ich wollte ihn nur so gerne verstehen und habe immer wieder versucht mit ihm darüber zu reden. Er blockte immer sofort ab und meinte nur, was geschehen ist, ist geschehen und du kannst es nicht mehr rückgängig machen.

        Er wollte immer nur nach vorn schauen und sich nicht mit dieser Thematik auseinander setzen. Das war für mich unverständlich. Doch jetzt habe ich nochmals mit ihm darüber gesprochen, und er sagte mir das er mich auch nie hat weinen sehen. Ja und es stimmt auch, ich habe immer geweint wenn er nicht da war. Jedoch habe ich zwischenzeitlich immer wieder versucht mit ihm darüber zu reden. Doch da er bis jetzt immer abblockte, wollte ich ihn nicht weiter damit behelligen.
        Vor einigen Tagen dann erzählte er mir endlich wie er empfunden hat. Das er auch traurig war und auch noch ist. Das er sich dieser Erfahrung beraubt sieht, Vater sein zu dürfen. Er sagte für mich müsse es anders sein da ich schon Mutter bin, und weiß was es bedeutet.

        Ich sagte ihm das es dennoch einen unglaublichen Schmerz für mich bedeutet hat, da dieses kleine Wesen nun mal in mir war, und so sehe auch ich mich einer Erfahrung beraubt. Denn bei meiner ersten Schwangerschaft hatte ich einen Mann an meiner Seite der ganz und gar nicht dazu bereit war Vater zu werden. Das ist jetzt anders, mein jetziger Mann wäre überaus stolz und glücklich darüber wenn er Vater sein darf. Ich weiß nicht wie es ist Mutter zu sein und die Freude darüber mit dem Partner teilen zu können. Ich weiß nicht wie es ist ein Kind groß zu ziehen und dabei von dessen Vater unterstützt zu werden. So also hoffe ich inständig Mutter Natur lässt mich noch einmal dieses Mutterglück erleben, mit einem Partner an der Seite der überaus dazu bereit ist Vater zu sein.
        Ich habe das schon im letzten Jahr in frühes Ende hinein gesetzt, ich bin nur jetzt hier weil ich es gerne mal aus der Sicht eines Vaters habe sehen wollen, weil mein Mann mir keine Einsicht gewehrt hat, das hat sich erst jetzt geändert. Sicher ist es etwas sehr persönliches und niemand muß mir darauf eine Antwort geben. Schön aber das sich doch einige Männer mal getraut haben es doch zu tun. Ich danke euch dafür.

        Liebe Grüße und einen schönen Sonntag Aniteb70

    Hi,

    das war halt noch soooo früh....bei vielen Frauen bemerkt man in diesen Wochen den normalen Abgang gar nicht.

    Ich habe auch ein Sternenkind und das war auch recht früh...ich habe es gar nicht als Baby wahrgenommen auch heute nicht, weil es so früh war.
    keine Ahnung ob es Selbstschutz war oder weil es noch nicht greifbar war. Auch mit meinem Mann rede ich nicht drüber, weil es einfach kein Thema ist. Es gibt auch kein Jahrestag oder Gespräche " was wäre wenn".

    Ich bin meinem Mann nicht böse deswegen, weil es auch nicht ein Thema für mich ist. Wir haben am Anfang intensiv drüber geredet und es hat gereicht um es zu verarbeiten.

    Grüsse
    lisa

    • (10) 25.06.12 - 12:30

      Hallo twin

      Jeder geht mit Trauer anders um. Egal wie früh es war, man hat sich darauf gefreut und es sich vorgestellt wie es sein wird. Beim letzten Mal hatten wir bereits einen Herzschlag auf dem US sehen dürfen. Und so war es für mich auch schon am Leben. Sicher war sich das Kleine dessen nicht bewusst, aber das spielt in meinen Augen keine Rolle. Denn beginnendes Leben ist wenn das Herz anfängt zu schlagen. Wenn das Herzchen dann wieder aufhört zu pochen, dann ist es gestorben. Und was stirbt muß zuvor gelebt haben.

      Bei den anderen beiden SS, war die Frucht nie so weit gekommen. So konnte ich mich damit trösten das es noch kein Leben war, nur eine Ansammlung von Zellen. Aber wie schon geschrieben beim letzten Mal war es anders, und so ist die Trauer eben auch eine Andere.

      Aber nun kann ich meinen Mann ganz gut verstehen, denn auch ich kann nur weinen wenn ich für mich bin. Ich weiß nicht warum das so ist, aber es ist eben so.

      Liebe Grüße Aniteb70

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