Ausland, Geburt, Heimweh

    • (1) 13.07.12 - 02:19
      -einsam-

      Hallo liebe Leser!

      Seit einem Jahrzehnt lebe ich im Ausland. Für mich war es bis jetzt immer ok, habe mich wohl gefühlt, da ich viel gearbeitet habe und immer unter Menschen war. Echte Freundschaften konnte ich aus beruflichen und zeitlichen Gründen nicht pflegen. Hin und wieder war mal ein Austausch mit Arbeitskollegen möglich, aber eine dauerhafte Freundschaft, wie ich es manchmal gewünscht hätte, konnte ich nicht schließen. Einige Jobwechsel und Umzüge waren für beständige Freundschaften auch nicht förderlich.

      Ich lebe nun hier mit einem Landsmann zusammen und wir bekamen im Frühling ein Baby. Meinen Job mußte ich wegen unseres Nachwuchses kündigen und nun fällt mir hier langsam die Decke auf den Kopf. Zwar kümmere ich mich gerne um mein Kind, aber ich hätte gern jemanden mit dem ich mal reden kann. Im Moment beschränkt sich mein Austausch nur auf den mit dem Kinderarzt. Mit der Zeit geht mir als pure Hausfrau noch dazu der Selbstwert flöten und es kommt mir vor, als würde mein Mund zu wachsen. Jetzt wohnen wir ländlich, was es auch nicht einfacher macht Kontakte zu knüpfen.

      Das schwerwiegendste für mich aber ist, daß ich wie noch nie meine Familie vermisse! Sonntags Kaffee und Kuchen bei meiner Mutter oder Schwiegermutter, das Baby mal abgeben und in guten Händen wissen. Mir fehlt die familiäre Unterstützung, der Zusammenhalt, mal einen Ratschlag abholen und alles was sonst dazu gehört. Mir tut mein Kind leid, daß es ohne Familie aufwachsen muß und keine Oma in der Nähe hat. Meine Mutter und Schwiegermutter bedauern das ebenfalls.

      Mein Mann möchte zur Zeit auf keinen Fall zurück, er ist beruflich gut eingespannt und verdient unseren Lebensunterhalt, was ich auch sehr gut verstehe. Wir können hier die Zelte nicht abbrechen und blauäugig Risiken eingehen.
      Nur weiß ich bald nicht mehr was ich machen soll, ich gehe ein, fühl mich einsam und vermisse auf einmal Deutschland. Hier ist alles so öde!

      Sorry, ich mußte mal abladen! Vielleicht geht es jemandem ähnlich?

      • (2) 13.07.12 - 03:08
        kann nachfühlen

        Mir ging es ähnlich. Sicher nicht mit der großen Entfernung, wie du sie hast. Aber 300 Km sind auch zu weit, um mal eben Opa und Oma zu besuchen.
        Ich habe das häufig beobachtet. Niemals braucht eine Frau ihre Familie mehr, als wenn ein Kind geboren wird.
        Kannst du nicht mal für zwei Wochen Urlaub nehmen und zur Familie fahren?
        Ich kann deine Gefühlswelt zu 100% nachempfinden, ich habe das nie verwunden und würde heute nie mehr die gleiche Entscheidung treffen, wegzuziehen.

        • (3) 13.07.12 - 14:45

          Hallo!

          Für mich war es bis jetzt in Ordnung und ich kann nicht behaupten, daß ich die zehn Jahre bereue, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich die Zeit ab jetzt nicht irgendwann bedauere nicht zu Hause gewesen zu sein. Die Zeit geht so schnell vorbei, beide Opas waren schon tot, bevor mein Kind auf der Welt war. Da fragt man sich schon manchmal, was eigentlich wirklich wichtig ist im Leben.

          Nächsten Monat werden wir nach Deutschland reisen. Leider ist das nur 1-2 Mal im Jahr möglich.

          Alles Liebe

      (4) 13.07.12 - 03:17

      Fühl dich gedrückt! #liebdrueck

      Ich bin nicht in der exakt selben Situation, ich habe nur mein Studium in einem Ausland gemacht und etwas gearbeitet und gehe jetzt ins nächste Land und auch das war teilweise kein Zuckerschlecken. Heimweh kenne ich, vor allem, wenn es nicht so gut ging... ich hatte das auch auf anderen Reisen und Aufenthalten, deshalb kann ich ein bisschen nachvollziehen, wie es dir geht.

      Mir hat es geholfen, wenn ich mit anderen Leuten raus bin - du sagst, du hast keine "echten" Freunde, aber hast du jemandem, um Mal einen Kaffee zu trinken? Ausserdem ist es nie zu spät, noch Freundschaften zu schliessen. Ich weiss nicht, in welchem Land du lebst, aber ich bin mir sicher, dass es an den meisten Orten irgendeine Form von Treffen mit Müttern gibt oder einen Ort, an dem sich Mütter eher aufhalten.

      Ich würde versuchen wirklich rauszugehen. In die nächste Stadt, in ein Museum!

      Du musst dich auch nicht schlechter fühlen, weil du "nur" Hausfrau bist, wenn du dich bereit fühlst, kannst du wieder arbeiten und wenn du ansonsten kannst, würde ich viel Kultur machen, Museen, Ausstellungen, Lesen - damit bleibst du geistig auch präsent und du gibst deinem Hirn Nahrung und man kann sich austauschen.

      Und ansonsten hilft es auch einfach mal wirklich Heim zu gehen. Notfalls ohne Mann. Und dir diese Portion Heimat und Familie zu holen, die du brauchst, damit du die Zeit bis zum nächsten Mal überbrücken kannst und wieder etwas Kraft holen!

      Ich bin mir sicher, dass ausländisch situierte Mütter mit Babies dir bessere Ratschläge geben können. :-)

      • (5) 13.07.12 - 14:53

        Hallo!

        Vielleicht hast du recht! Ich muß hier unbedingt mal raus.

        Selbst wenn die Kontakte vorerst nur oberflächlich sein werden, könnte ich ihnen doch etwas Abwechslung abgewinnen.

        Danke für deine Mühe! #liebdrueck

    Genau wie bei uns... Ich hatte nach der geburt unseres ersten auch so eine phase wo ich "nach hause" wollte.... Das ist jetzt fast 7 jahre her und wir sind nicht zurueck gegangen :)
    Wo lebt ihr denn? Gibt es keine spielgruppen, babyschwimmen massage etc?

    Alles gute

    • (7) 13.07.12 - 14:59

      Hallo!

      Doch es gibt so etwas wie einen Kindertreff. Habe es mir soeben was rausgesucht. :-) Trau mich gar nicht mehr recht, aber Augen zu und durch! #zitter

      Liebe Grüße

(8) 13.07.12 - 08:20

Ich habe leider noch keine Kinder, sehe es aber bei Freunden dass sie hier über Krabbelgruppen und so sich meist einen neuen Freundeskreis aufbauen. Gibt es sowas nicht dort wo Du bist?

#blume munya

Ich habe mein 1. Kind auch im Ausland bekommen. Allerdings hatte ich viele Freunde und wohnte in einer Großstadt. Eine liebe, schon ältere Freundin hat damals die Großmutter "ersetzt". Kannst Du nicht beim eigentlichen Problem ansetzen: Du bist einsam, weil Du keine Freunde hast und auf dem Land wohnst. Versuche, Dir Freunde zu suchen (jetzt hast Du nicht mehr die Hindernisse des Jobs) und sieht zu, das ihr umzieht. Zusätzlich würde ich einen Heimaturlaub planen bzw. meine Eltern einladen.

Anderer Ansatz: wie sieht es aus mit der Kinderbetreuung? Könntest Du nicht wieder arbeiten gehen, wenn das geregelt wäre?

  • (11) 13.07.12 - 15:04

    Hallo!

    Auch dir vielen dank für deine Denkanstöße! Habe weiter oben schon geantwortet. Arbeiten steht für mich im Moment außer Frage, das Baby ist noch viel zu klein.

    ... eventuell später. ;-)

    #winke

(12) 13.07.12 - 13:57

Ich muss dafür nicht mal ins Ausland!So fühl ich mich auch hier!

(15) 13.07.12 - 17:27

... das hätte mein Text sein können ;-)

Du kannst mich gern über VK anschreiben, wenn du magst.

Viele Grüße
#winke

(16) 13.07.12 - 20:23

Nach 10 Jahren zurueckgehen ist mit Sicherheit auch nicht einfach, da gibts dann auch nen reverse culture shock.

Ich vermute auch eher dass das Heimweh bei dir durch die Unterforderung kommt. Anstatt von der Rueckkehr nach D zu traeumen wuerde ich eher versuchen die Rueckkehr in den Job in deiner jetzigen Heimat zu finden.

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