Ist monogam noch zeitgemäß??

    • (1) 02.10.12 - 11:03
      flamingo girl-34

      Dass Menschen von Natur aus, Männlein wie Weiblein, nicht monogam veranlagt sind, weiß man ja eigentlich.

      Trotzdem zwingen wir uns immer noch dazu, dass monogam die beste, ideale, schönste, tollste, einzige, und was weiss ich, Form des Zusammenseins ist.

      Ich frage mich immer öfter warum. Wenn tatsächlich 70% der Kerle und 50% der Frauen ohnehin fremd gehen, warum versucht man dennoch das Falsche (weil häufig nicht umsetzbar) als den Idealzustand hinzustellen?

      Sind das Nachwirkungen katholischer Glaubengrundsätze (immerhin die die monogame Ehe eine Erfindung religiöser Instanzen), ist das ein natürlicher Egoismus, der uns sagt, wenn ein Partner, dann soll der ganz mir gehören, ist es die Sehnsucht nach Sicherheit, oder was für Zwänge umgeben uns, dass Monogamie immer noch so hoch gehalten wird?

      Es würde doch eine Menge Streit vermieden werden können wenn man bei Paarwerdung oder Eheschliessung nicht die Monogamie austomatisch voraussetzt sondern einfach so tut, dass meine Partner auch weiterhin Sex mit anderen hat. Wenn es dann nicht macht, ist es auch okay.

      Zwar ist Fremdgehen nicht mehr so verpönt wie vor 50 Jahren aber trotzdem prangern wir den, der körperlich untreu ist, immer noch an. Andererseits, wenn jemand ganz offen sagt, dass er nicht treu sein kann und und will bzw. nur mit einem Menschen Sex haben will, lassen sich wohl viele eher nicht auf ihn/sie ein.

      Auch der Gesetzgeber setzt Monogamie voraus. Entgegen besseren Wissens oder die Statistiken ignorierend.

      Ich sage es mal ganz provokant: Monogamie ist völlig out. Wir reden zwar darüber aber bei vielen Paaren (den meisten?) geht einer von beiden früher oder später fremd. Im Grunde sind wir eine Gesellschaft von Polygamen, die nur über Monogamie theoretisiert.

      Ich glaube, treu wird man erst ab 50 oder 60. Aber nicht weil man charakerfester ist sondern weil man einfach nicht mehr die Libido hat.:-)

      • Interessant.

        Aber aus welcher Studie genau nimmst du jetzt die 70% und 50%?

        • (3) 02.10.12 - 11:56
          flamingo girl-34

          Es gibt sicher einge Quellen im Netz. Hier mal eine:

          http://www.news.de/gesundheit/855218483/nur-einer-von-fuenf-maennern-ist-treu/1/

          Ob es jetzt zehn Prozent mehr oder weniger sind, spielt eigentlich auch keine Rolle. Es geht ja darum, dass viele auf Treue schwören, es dann aber doch nicht umsetzen.

          • das ist doch dann aber eher eine charakterliche schwäche als genetische indisponiertheit. mutmaßlich lebt keiner von uns mehr auf bäumen. die sache mit der affektkontrolle plus funktionsfähiger triebsteuerung sollte man als erwachsener schon draufhaben.

            damit wir uns nicht falsch verstehen: ich hab kein problem mit offenen beziehungen. die sollten dann aber tatsächlich OFFEN sein, sprich: beide beteiligten wissen davon. das ist in der realität ja doch häufig anders, da lebt einer eine offene beziehung und der andere fällt aus allen wolken, wenn es rauskommt. für mich beruht jede beziehung auf deals und an die hat man sich zu halten. wenn der deal besagt, wir lassen die finger von anderen, dann gibt's keine statistik der welt, die anderes rechtfertigen könnte.

            • (5) 02.10.12 - 12:10
              flamingo girl-34

              Das ist mir alles zu theoretisch.

              Wenn es so wäre, wie du sagst, müssen aber eine Menge Menschen (die Mehrzahl?) charakterschwach sein. Und sie sind ja nur deswegen "charakterschwach" weil sie einer Neigung nachgeben. Und diese Neigung enspricht wohl ihrer Veranlagung ihre Sexualtrieb nicht nur auf einen Menschen zu konzentrieren.

              "die sache mit der affektkontrolle plus funktionsfähiger triebsteuerung sollte man als erwachsener schon draufhaben."

              Das "sollte" ist eben der theoretische Teil. Die Realität ist aber eine andere. Warum?

              Und wenn sich eben viele Menschen nicht im Griff haben, warum dann ein Modell hochhalten, was offenkundig nicht so funktioniert?

              • weil den menschen vom tier unterscheidet, dass er ein bewusstsein hat und reflektieren kann. weil man verantwortung seinem partner und auch möglichen kindern gegenüber zu tragen hat. ich weiss nicht, wie es im tierreich in bezug auf geschlechtskrankheiten und alimentierung geregelt ist, ich weiss auch nicht, ob ein tier sich hintergangen fühlt, wenn sein partner auf anderen tieren rumgondelt, obwohl vereinbart war, das machen wir nur miteinander. tiere legen ihren fokus darauf, zu essen, zu schlafen, ihre brut zu pflegen und ihre geschlechtsteile in das nächstbeste reinzustecken, das passend erscheint. von meinem partner erwarte ich dann doch ein bisschen mehr als das.

                <<warum dann ein Modell hochhalten, was offenkundig nicht so funktioniert?>>
                so offenkundig find ich das gar nicht. für mich funktioniert das seit nunmehr 11 jahren. ich habe, als ich meinen mann kennengelernt habe, sicherlich nicht mein augenlicht verloren - ich seh durchaus gelegentlich jemanden, den ich anziehend finde und gucke dann vielleicht sogar auch noch ein zweites mal hin. dabei bleibt's aber auch. eine kiste bier aus dem keller rauftragen find ich schwerer als das.

                • (7) 02.10.12 - 12:29
                  flamingo girl-34

                  "weil den menschen vom tier unterscheidet, dass er ein bewusstsein hat und reflektieren kann. "

                  Und du bist ganz sicher, dass Tiere das nicht können?

                  "für mich funktioniert das seit nunmehr 11 jahren. "

                  Ich schreibe aber nicht wegen dir oder anderen Einzelfällen. es geht mir hier um eine Gesamtbetrachtung.:-)

                  • nein, natürlich weiss ich nicht, was in tieren so vorgeht. da muss ich mich schon auf die einschlägige literatur verlassen, die tieren ein so komplexes bewusstein abspricht. alle mir bekannten tiere scheinen diese theorie auch zu bestätigen #cool

                    nun, die gesamtbetrachtung scheint ja zumindest in dieser kleinen erhebung hier zu ergeben, dass die mehrheit monogame beziehungen befürwortet. bis jetzt bist du jedenfalls die einzige, die der animalischen triebabfuhr ohne rücksicht auf verluste applaudiert.

                    • (9) 02.10.12 - 12:42
                      flamingo girl-34

                      "un, die gesamtbetrachtung scheint ja zumindest in dieser kleinen erhebung hier zu ergeben, dass die mehrheit monogame beziehungen befürwortet."

                      Das habe ich auch nirgends bestritten. Nur HANDELN sie oft anders. Entweder jetzt oder später.

                      Erzählen und auch vornehmen kann ich mir viel.

                      Wenn 70 oder 80% der Männer fremdgehen aber dennoch 90% der Männer körperliche Treue total wichtig finden, komme wenigstens ich auf den Gedanken, dass irgendwas nicht stimmt.

                      Ist das nicht Wasser predigen und Wein saufen?

                      Gilt für Frauen natürlich auch.

                      • ich kenne aus meinem näheren umfeld gleich zwei personen, die schon mal fremdgegangen sind, das aber für grundfalsch halten, sehr bereuen und weiterhin eine monogame beziehung führen wollen, weil sie jeweilig treue grundsätzlich für sehr wichtig halten. vielleicht erklärt das deine statistik?

                        aber dir scheint es mehr darum zu gehen, dass man den gedanken an monogamie generell in frage stellen sollte, weil es nicht zeitgemäss sei. das ist ja nun nicht das gleiche wie fehler machen und diese auch als solche zu erkennen. (und: ja, es ist ein fehler, jemandem weh zu tun und dessen vertrauen zu enttäuschen, weil man sich selbst für einen moment nicht im griff hatte. jedenfalls in meiner welt.)

                  Hallo,

                  du möchtest eine Gesamtrachtung anstellen und bringst als Argument gegen eine vom sozialverhalten geprägte Gattung Mensch mit ein paar wenigen Bänkern, deren Job auch nur ein Teil ihrer Person ist, in einem Land von wenigen?

                  Konsequent...:-p

    "Es würde doch eine Menge Streit vermieden werden können wenn man bei Paarwerdung oder Eheschliessung nicht die Monogamie austomatisch voraussetzt sondern einfach so tut, dass meine Partner auch weiterhin Sex mit anderen hat"

    Das würde auch jede Menge Streit provozieren.

    Mein Eindruck: Die meisten möchten sich der Monogamie verweigern, um sich ein Hintertürchen offen zu halten, falls sie jemand anderes nettes treffen.

    • So ist das.

      (14) 02.10.12 - 11:38

      Und beim ganzen rechts und links gucken verpasst man die Möglichkeiten die eine monogame und glückliche Beziehung im sexuellen Bereich bietet.

      Ausleben von Wünschen gepaart mit Vertrauen und Liebe ist für mich Das Beste.
      Es steht und fällt doch alles mit der herz- und kopfklugen Wahl des Partners....

      Den Rumvögel-Part kann man problemlos in die Zeit davor verlagern..... ;-)

Ich denke, wenn eine Spezie nicht monogam veranlagt ist, ist ein Wechseln des Männchens oder Weibchens zu einem anderen (Sexual)partner problemlos möglich. Es gäbe keine Eifersucht, keinerlei Probleme mit dem Verlust des Partners, weil eben diese Veranlagung vorliegt.
Ist das bei Menschen unter 50 oder 60 generell so?
Müssten dann nicht 100% Frauen und Männer über kurz oder lang fremdgehen, weil sie, laut Deiner Theorie, nicht monogam veranlagt sind?

(16) 02.10.12 - 11:20

>>Ich glaube, treu wird man erst ab 50 oder 60. Aber nicht weil man charakerfester ist sondern weil man einfach nicht mehr die Libido hat<<

wenn du dich da mal nicht täuschst - das mit der Libido meine ich ;-) (ich kenne etliche Gegenbeispiele)

das verletzende am fremdgehen ist für den betrogenen ja weniger der körperliche akt an sich, als vielmehr das belogen und hintergangen werden. von daher: würde jemand, der für sich kein monogames leben führen will, dies beizeiten auch seinem partner mitteilen, gäbe es da kein problem. entweder, der partner "erlaubt" ihm das oder er sagt, "nein danke, auf so einen wanderpokal habe ich keine lust, aber danke für die offenheit und ein schönes leben noch."

ich persönlich schätze die exklusivität in einer monogamen beziehung. ich finde den gedanken, mein partner könnte neben mir noch mit anderen personen diese art von (körperlicher) intimität haben, schlichtweg eklig. selbst wenn da kondome zum einsatz kämen, die decken ja nun mal nur einen bruchteil des körpers ab #cool

Hi!

"Trotzdem zwingen wir uns immer noch dazu,(...)"

Es gibt kein "wir".

"warum versucht man dennoch das Falsche (...) als den Idealzustand hinzustellen?"

Es ist nunmal nicht für jederman "falsch".

"Zwar ist Fremdgehen nicht mehr so verpönt wie vor 50 Jahren aber trotzdem prangern wir den, der körperlich untreu ist, immer noch an"

Weil das in den meisten Fällen ein Vertragsbruch ist. Und Vertragsbruch ist nunmal nicht nett. Wenn mein Mann mit einer anderen ins Bett geht, prangert ihn niemand an, wenn er sich eine Zweitfrau zulegt, dann schon. Das liegt daran, dass er im ersten Fall keinen Vertragsbruch begeht, aber im zweiten Fall eben schon.

"Andererseits, wenn jemand ganz offen sagt, dass er nicht treu sein kann und und will bzw. nur mit einem Menschen Sex haben will, lassen sich wohl viele eher nicht auf ihn/sie ein."

Es werden sich eben die Menschen auf ihn einlassen, die mit den Vertragsbedingungen umgehen können. Wenn das nicht viele sind, muss man das akzeptieren, man kann (in unserer Zeit und unserem Land) Menschen nicht dazu zwingen, Bedingungen zu akzeptieren, die nicht ihren Vorstellungen entsprechen.

"Monogamie ist völlig out."

Karierte Holzfäller-Daunen-Jacken auch, trotzdem trage ich im Moment gerade eine.

In- und Out-Listen gehören für mich zum Überflüssigsten, was die Menschheit je erfunden hat.

"Ich glaube, treu wird man erst ab 50 oder 60. Aber nicht weil man charakerfester ist sondern weil man einfach nicht mehr die Libido hat."

Ähm...nette Theorie:-)

Grüsse

serdes

(22) 02.10.12 - 11:59
flamingo girl-34

"Weil das in den meisten Fällen ein Vertragsbruch ist. Und Vertragsbruch ist nunmal nicht nett. "

In welchem Vertrag steht bitte, dass man nicht fremdgehen darf?

Das Gesetz (BGB), wenn du das meinst, sagt nichts dazu.

Es ist wohl vielmehr so, dass es viele stillschweigend voraussetzen.

  • Wenn man eine Beziehung eingeht, schliesst man miteinander eine Art Vertrag.

    Man steckt damit einen Beziehungsrahmen. Darin legt man fest, wie man miteinander umgehen will, wie man Aufgaben teilt...etc.

    Man kann sich darin zur Treue verpflichten oder auch nicht. Man trifft eben Abmachungen. Die kann man auch nachverhandeln, ausweiten, eingrenzen...wie auch immer.....man muss das allerdings gemeinsam machen.

    Natürlich gibt es auch Menschen, die sich nicht überlegen, wie sie sich eine Partnerschaft vorstellen und nicht mit ihrem (potentiellen) Partner darüber reden, was innerhalb der Partnerschaft möglich ist und was nicht. Da muss man sich dann aber auch nicht wundern, wenn dann plötzlich gewisse Differenzen auftauchen.

    • (24) 02.10.12 - 12:14
      flamingo girl-34

      Und das hast du so mit deinem Partner gemacht?

      Einen Rahmen festgelegt und Punkt für Punkt besprochen, was geht und was nicht? Und unter § X stand: Nicht fremdgehen?

      Übrigens ist Treue ein sehr weit gefasster Begriff. Man kann fremdgehen und dennoch zu einem Partner loyal sein.

      • "Und das hast du so mit deinem Partner gemacht? Einen Rahmen festgelegt und Punkt für Punkt besprochen, was geht und was nicht?"

        Natürlich habe ich das gemacht.

        Wir haben festgelegt, dass ich monogam lebe und er mit anderen Frauen auch sexuell verkehren kann. Wenn er das möchte. Allerdings muss er mich vorher darüber in Kenntnis setzen. Eine Affäre oder eine Zweit-Beziehung liegt aber nicht drin. Sexuelle Eskapaden im Freundeskreis auch nicht.

        "Übrigens ist Treue ein sehr weit gefasster Begriff. Man kann fremdgehen und dennoch zu einem Partner loyal sein. "

        Ich weiss.

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