Warum ich mich nicht trennen kann... Bin ich "normal"?

    • (1) 22.10.12 - 18:20
      lost in love

      Seit knapp 4 Jahren bin ich in einer Beziehung. Als wir zusammen kamen, war ich 19 - er 23. Es ging ziemlich schnell, wir waren uns einfach sicher. Schon immer haben wir relativ viel und heftig gestritten. Es war aber auszuhalten und die guten Momente haben deutlich überwogen. Ich liebe ihn sehr. Und ich dachte, dass es eben intensiv ist. In jeder Hinsicht und Streiten gehört eben dazu.
      Zuvor war ich schon einmal 2,5 Jahre in einer Beziehung. Diese verlief sehr friedlich, es war für mich aber immer klar - das ist nicht für immer. Anders bei meinem jetzigen Freund. Wir haben schnell "geklärt" wann und wie viele Kinder wir wollen, es war direkt klar, dass das was für immer sein könnte. Und mit den Jahren wurde klar, dass das was für immer ist. Ich habe mein Leben nach ihm ausgerichtet, wir haben geplant, wann wir uns vorstellen könnten, zu heiraten und sind zusammengezogen. Dann kam seine Karriere dazwischen und er musste in eine andere Stadt ziehen, ich bin alleine in der vorher gemeinsamen Wohnung geblieben. Auf einmal war da die Fernbeziehung, doch die Pläne sind geblieben. Ich habe ihn unterstützt so gut ich konnte (Wohnung finden, Umzug, wasche und bügle weiterhin seine Wäsche, usw.) und richte alles darauf aus, ihm in einem Jahr zu folgen (habe Praktika in der neuen Stadt gemacht, muss aber hier noch mein Studium beenden).

      Mittlerweile ist es aber so, dass ich mich von meinem Freund nur noch schlecht behandelt fühle. Erst kürzlich haben wir uns wieder heftig gestritten und er sagte "Es ist mir egal, wie du dich fühlst. Es ist mir egal, ob es dich verletzt (es ging um sein Verhalten). Behalte es für dich und schluck es runter. Es interessiert mich nicht!". Ja und genau so kommt es mir auch vor. Wobei ich ein sehr sensibler Mensch bin und immer versuche auf seine Gefühle einzugehen. Mir ist es nämlich nicht egal, ob es ihm schlecht geht oder nicht. Und so tut es doppelt weh, dass meine Gefühle ihm so komplett egal sind.
      Aber wenn ich meine Augen öffne, dann muss ich sagen, dass er schon immer ein Egoist war. Er ist ein sehr kalter Mensch. Ich habe es durch die rosarote Brille die ersten Monate und Jahre nur einfach nicht gesehen.

      Seit einigen Wochen geht mir nun ganz konkret durch den Kopf "Trenn dich! Das hast du nicht für den Rest deines Lebens verdient!".
      Aber dann wird mir klar, dass es ALLES, was ich mir vom Leben erhofft habe, verändern würde.

      Ich wollte immer jung heiraten. Aus Liebe. Nicht, weil direkt ein Kind geplant ist oder man "Angst hat" in ein paar Jahren auf dem Markt eh nichts mehr zu kriegen. Sondern ich wollte mich jung binden, obwohl man noch alle Zeit der Welt und alle Möglichkeiten hat. Als echten Liebesbeweis. So wie es meine Eltern vor über 25 Jahren getan haben.
      Mittlerweile bin ich 23. Und da ich einige Jahre Beziehung als Voraussetzung für eine Hochzeit sehe, ist klar: Trenne ich mich, werde ich nie jung heiraten.

      Ich wollte immer jung Mutter werden. Nicht wie all die anderen Akademikerinnen. Ja, ich wollte erst mein Studium beendet und einen festen Job haben, aber dann nicht noch bis Ende 20 oder gar Anfang 30 warten.
      Voraussetzung für mich ist hier aber eine langjährige Beziehung und verheiratet zu sein. Aber trenne ich mich, dann werde ich niemals jung Mutter werden.

      Ich hatte mir immer gewünscht, nicht so viele Männer in meinem Leben zu haben. Den Richtigen früh kennenzulernen und somit einen sehr großen Teil meines Lebens mit diesem einen Mann zu verbringen. Und all die Erinnerungen, die ich mit meinem Freund in den letzten 4 Jahren gemacht habe, all diese tollen Erfahrungen - das alles könnte ich nie wieder mit jemandem Teilen. Ich habe ALLES zurückgestellt für ihn. Vor allem meine Freundschaften. Ja, ich habe noch Freundschaften, aber ich bin kein super geselliger Mensch, sondern liebe die Zeit zu zweit und bin gerne zu Hause. Über die Jahre habe ich 90% meiner Erinnerungen zusammen mit meinem Freund gemacht und all diese Momente nie wieder mit jemandem rekapitulieren zu können, finde ich so schade. Es ist, als würde ich bei einer Trennung einen wichtigen Teil meiner Vergangenheit verlieren. Ich war fast mein gesamtes Studium mit diesem Mann zusammen und ich habe das Gefühl einen ganzen Lebensabschnitt in meiner Geschichte "zu verlieren".

      Ich bin hin und her gerissen. Auf der einen Seite stecke ich in einer Beziehung, die mich unglücklich macht. Ich liege abends alleine im Bett und bin nur am heulen. Ich habe alles gegeben und so wenig zurückbekommen.
      Auf der anderen Seite würde ich durch eine Trennung alles verlieren, worauf ich mich die ganzen Jahre so gefreut habe. Ich würde wahrscheinlich nicht einmal in die Stadt ziehen, welche ich jetzt ein Jahr lang für meine zukünftige Heimat gehalten habe. Ich habe dort wie gesagt Praktika gemacht, mir sogar so etwas wie Freundschaften aufgebaut usw. Ich würde die Familie meines Freundes verlieren, welche mir über die Jahre sehr ans Herz gewachsen ist.

      Und obwohl er mich wirklich schlecht behandelt: Ich liebe ihn.

      Ich weiß, dass mir niemand sagen kann, was ich tun soll. Trennung ja oder nein.

      Aber versteht mich jemand? Oder klingt das total verrückt?

      Wenn ich es so durchlese, dann denke ich: Ist doch klar. Trenn dich. Aber mein Herz sagt: Nein. Ich kann mich nicht trennen. Da sind die gemeinsamen Erinnerungen und Pläne. Die Vergangenheit und Zukunft. Die ganzen Gefühle. Ich kann das nicht wegschmeißen.

      • Ja. Jeder hat Ziele im Leben und das ist auch gut so. Andererseits Menschen entwickeln sich weiter und leider nicht immer positiv, daran festzuhalten hieße sich selbst aufzugeben. Lese gerade das Buch "wenn Frauen zu sehr lieben" kann ich nur empfehlen für Dich.

        Ich wollte auch immer mein Kind bis 27. Dann wollte ich 4 davon und verheiratet bleiben.

        Mein erstes kam mit fast 30. Kinder sind es zum Glück nur 2 und ich bin schon zum zweiten Mal geschieden.

        Und das ich meine ganz große Liebe mit fast 40 kennenlernte stand auch nicht auf dem Plan aber

        That's life!!!!

      (4) 22.10.12 - 18:46

      ICh war wie du in einer festen Beziehung, 5 Jahre lang. Aktuell bin ich 23.
      Wir wollen auch heiraten, Kinder ect und wir waren kaum am streiten. er ist taub, ich kann gebärdensprache.

      Sein betreuer hasste mich und köderte ihn dann mit allerlei versprechungen wie eigene Wohnung für ihn (vorher wohnheim) usw.

      Dadurch wurde er egoistisch und wollte dan eine und der betreuer meinte wenn dann eine weit weg.

      Und die aussicht endlich alleine wohnen war verlockender.

      Schon in der beziehung lernte ich einen anderen kennen der sehr schnell mein bester freund wurde.
      als mein ex weg war wurden wir noch bessere freunde.

      auf einmal fragte er mich spontan ob ich ihn heiraten will, 2 monate später waren wir es auch und 2 jahre später kam unsere gemeinsame tocher #verliebt#verliebt

      So kanns gehen :-)

    • Hallo, ich verstehe dich sehr gut. Wenn du jetzt alles "hinschmeisst", werden sich deine Träume nicht erfüllen. Du wirst, wie du selbst geschrieben hast, nicht jung heiraten, nicht jung Mami, und und und.
      Wenn du an dieser Beziehung festhältst, wirst du all das vielleicht erreichen, dafür stehst du dann in ein paar Jahren alleinerziehend und geschieden da.

      Ich wüßte, wofür ich mich da entscheiden würde ;-)

      Vielleicht lernst du in einem Jahr den richtigen Mann kennen, wirst schnell schwanger, ihr heiratet.. Wer weiss. Auf Nummer Sicher gehen im Leben bringt's leider nicht..

      Alles Gute von AgD

      • (6) 22.10.12 - 21:07

        Tja, so sehe ich es eigentlich auch. Und die Perspektive alleinerziehend und geschieden dazustehen ist nicht so prickelnd. Aber dann ist da wieder diese Stimme, die sagt "Wer weiß, vielleicht würde es ja doch gut gehen..." und der Wunsch alles zu versuchen, um meinen "Traum vom Leben" doch verwirklichen zu können.

        Aber ich weiß ja eigentlich, dass Du recht hast. Wer weiß, wenn ich mir die Beiträge hier noch 100 Mal durchlese, vielleicht sickert es dann ja endlich richtig durch. ^^

    Verstehen kann ich das nur bedingt. Es ist natürlich immer traurig, wenn man seine Träume (vorerst) begraben und seine Zukunftspläne ändern muss.

    Aber das Leben ist nicht planbar. Du bist erst 23 und hast dein zukünftiges leben durchgeplant als würde das Ende der Welt unmittelbar bevorstehen. Was versprichst's du dir davon, wenn du deinen Eltern nacheiferst? Früh binden, bis Datum xy Kinder, vorher heiraten etc. Bei so viel Planung, muss ja beinahe etwas schiefgehen, wenn man derart seinen Idealen hinterherjagd. Und zu welchem Preis? Ein Freund, der dich nach eigenen Worten schlecht behandelt und sich nicht für deine Gefühle interessiert!

    Du machst den Eindruck, als könntest du nicht allein sein, als seien dir äußere Umstände wichtiger als dein eigenes Leben. SEINE Familie, du hast dich voll und ganz auf ihn eingestellt und deine Freunde vernachlässigt - das macht dich recht uninteressant und langweilig für einen so jungen Mann. Mach dich mal unabhängiger von ihm und gib ihm nicht ständig das Gefühl, der Mittelpunkt deines Universums zu sein. Du bist keine 60 Jahre alt und feierst bald Silberhochzeit, dann könnte man es noch annähernd nachvollziehen.

    In deinem Älter sollte man erstmal eigene Erfahrungen sammeln, lebendig sein, beruflich Fuß fassen und sich entwickeln und nicht krampfhaft an einen Partner Klammern und das Leben nur nach ihm ausrichten. Das ist ziemlich ungesund.

    • (8) 22.10.12 - 21:00

      "Du machst den Eindruck, als könntest du nicht allein sein, als seien dir äußere Umstände wichtiger als dein eigenes Leben."

      Ja, da hast du wohl Recht. Mein Vater ist gestorben als ich 12 war. Bis dahin waren wir eine sehr glückliche Familie und ich liebe meinen Papa wirklich über alles und als männliche Bezugsperson fehlt er mir heute wie damals. Vielleicht bin ich deshalb mehr auf die jetzt einzige männliche Bezugsperson in meinem Leben fixiert als es mir gut tut - und das ist eben mein Freund.

      "Was versprichst's du dir davon, wenn du deinen Eltern nacheiferst?"

      S.o. Ehe und Familie verbinde ich nur mit Positivem. Und Beides ist etwas, was ich sehr vermisse bzw. mir wünsche. Ich verspreche mir davon also so glücklich zu werden, wie meine Eltern es immer waren.

      Ich finde nicht, dass das prinzipiell unrealistisch ist. Meine Eltern sowie viele viele andere glückliche Paare, haben es ja schließlich auch hingekriegt. Das muss natürlich trotzdem nicht heißen, dass das mit meinem Freund und mir auch so laufen würde. Es wäre eben nur mein Wunsch (gewesen).

      • Ich glaube, glücklich werden kannst Du erst, wenn Du Dich von Deinen Eltern abgenabelt hast. Sicherlich ist es gut, Vorbilder zu haben. Aber nur dann zufrieden zu sein, wenn man den Weg kopiert, kann m. E. nicht funktionieren.

        Du musst doch Deine eigenen Fußabdrücke im Sand hinterlassen und nicht in die Deiner Eltern springen. Du hinterlässt doch sonst gar keine eigenen Markenzeichen.

        Lebe DEIN Leben, nicht das Deiner Eltern.

        LG

        Ich glaube tatsächlich, dass das dein Problem ist.

        Du verbindest persönliches Glück mit Personen oder äußeren Umständen. Ob dein Eltern immer so glücklich waren, kann man als 12 Jährige vermutlich gar nicht beurteilen. Sicher gab es auch dort Höhen und Tiefen wie überall und ob deine Eltern die nächsten 30 Jahre das Paradies auf Erden gemeinsam gehabt hätten, weißt du auch nicht.

        Dein Partner soll ein Ideal (vorzugsweise das deines verstorbenen Vaters) erfüllen und Familie und Ehe sollen dich glücklich machen. Ich glaube aber, dass man erst einmal mit sich selbst im Reinen sein muss. Niemand anderes ist dafür zuständig, einen glücklich zu machen. Findet man dann einen Partner, mit dem man seine Wünsche und Ziele teilt, ist das die Kirsche auf der Sahnetorte. Aber nicht umgekehrt! Punkt 1, 2 und 3 müssen abgearbeitet werden in meiner Lebensplanung, dann kommt mein Glück von ganz allein vom Himmel gefallen.

        Für Menschen, die so denken wie du, wird es m. E. ganz schwer, glücklich zu bleiben, denn das Leben ist nicht statisch. Ändern sich die Umstände, ist man schwer enttäuscht und am Boden zerstört und kann vermeintlich nicht glücklich sein, weil man sich nicht anpassen kann an etwaige Veränderungen. Ich würde auch niemanden wollen, dem ich die Bürde aufladen müsste, nun für mein Lebensglück verantwortlich zu sein. So bekommt man eine Last aufgestülpt, der man möglicherweise nicht gerecht werden kann und auch nicht sollte. Vielleicht empfindet es dein Freund genauso und fühlt sich irgendwie in der Verantwortung, weil du bestimmte Ansprüche an ihn stellst. U. U. merkt er unbewusst, das er dem gar nicht gewachsen ist und verhält sich deshalb dir gegenüber so schroff. Bei euch läuft es nach einem Anspruchsdenken ab: du tuest alles für ihn und erwartest im Gegenzug, dass er sich nach dem von dir festgelegten Muster verhält. Da würde wohl jeder Junge Mann kalte Füße bekommen.

mein gefühl ist: du hängst weniger an deinem partner als der mensch, der er ist, als vielmehr an deinem lebensplan. und den verknüpfst du unglücklicherweise mit diesem mann, der dir nicht gut zu tun scheint.

versuch doch mal, deinen plan unabhängig von diesem typ zu sehen. gut, du wirst an der einen oder anderen stelle ein bisschen neu justieren müssen - z.b., was seine familie betrifft, denn die ist nun mal seine, da machste nix... - aber einen großen teil dessen, was du dir sonst so wünschst, wirst du sicher auch ohne ihn realisieren können.

ich verstehe total dein gefühl und deine angst, du würdest einen teil deiner geschichte verlieren, so kam mir das nach der trennung von meinem ersten freund auch vor (wir waren rund 10 jahre zusammen, sind also zusammen erwachsen geworden). aber: es ist ja immer noch DEINE geschichte. was war, bleibt, du verlierst nicht deine vergangenheit. nur das, was kommt, wird anders, weil du deine zukunft nicht mit jemandem verbringen willst, der dich so behandelt. das kann ich übrigens gut nachvollziehen. für mich wäre die sache in dem moment klar, wo mein partner mir sagen würde, es sei ihm egal, wie ich mich fühle. was willst du mit so einem?

Ich möchte mal ganz plump fragen: Möchte er Dich unter diesen Umständen überhaupt heiraten und Kinder mit Dir haben? Trotz seiner offensichtlichen Abneigung und Gleichgültigkeit Dir gegenüber? Und wenn ja: Warum? Was schätzt er an Dir?

  • (13) 22.10.12 - 20:41

    Ja, er möchte mich heiraten und Kinder mit mir haben. Beides natürlich nicht sofort, aber das ist die Perspektive für ihn.

    Vor kurzem habe ich ihm im Streit gesagt, dass für mich die logische Alternative zu unserer Beziehung - so wie sie jetzt ist - eine Trennung ist. Er ist aus allen Wolken gefallen. Trennung? Das ist für ihn keine Alternative, meinte er. Kann ich aber auch verstehen. Denn was er an mir schätzt ist mit Sicherheit, dass ich alles für ihn tun würde. Angefangen bei Wäsche waschen über Massagen, Kochen, Anrufe und Interesse zeigen (er teilt sich sehr gerne mit) und und und... Ich denke nicht, dass er unter unserer Beziehung leidet. Für ihn ist wohl alles gut, so wie es ist.

    • glaub ich gerne, dass für ihn alles gut ist, wie es ist. ehrlich gesagt, wenn ich das so lese, möchte ich eigentlich selbst mit dir zusammen sein #winke

      bloß: wo bleibst du dabei? kommt in seiner welt eventuell auch der punkt vor, wie du dich fühlst, welche bedürfnisse du hast, wie es dir geht? was tut er für dich? du willst eine beziehung, keinen pflegefall.

      • (15) 22.10.12 - 22:37

        "wo bleibst du dabei? kommt in seiner welt eventuell auch der punkt vor, wie du dich fühlst, welche bedürfnisse du hast, wie es dir geht? was tut er für dich?"

        Ich muss ehrlich sagen, wenn ich ihn wirklich brauchte (z.B. Todesfall in der Familie) war er für mich da. Er hat mich durch halb Deutschland gefahren und sich frei genommen. Er hat sicher auch gute Seiten. Aber der Alltag mit ihm sieht traurig aus. Und ich komme immer mehr zu der Erkenntnis, dass das ist, was zählt...
        Man hat halt bis zuletzt die Hoffnung, dass sich entscheidende Dinge doch noch ändern könnten.
        Aber er hat kein Einfühlungsvermögen, er kann meine Gefühle nicht nachvollziehen und WILL es ja auch gar NICHT. Ich weiß nicht, was ich schlimmer finden soll.

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