Warum ich mich nicht trennen kann... Bin ich "normal"?

    • (1) 22.10.12 - 18:20
      lost in love

      Seit knapp 4 Jahren bin ich in einer Beziehung. Als wir zusammen kamen, war ich 19 - er 23. Es ging ziemlich schnell, wir waren uns einfach sicher. Schon immer haben wir relativ viel und heftig gestritten. Es war aber auszuhalten und die guten Momente haben deutlich überwogen. Ich liebe ihn sehr. Und ich dachte, dass es eben intensiv ist. In jeder Hinsicht und Streiten gehört eben dazu.
      Zuvor war ich schon einmal 2,5 Jahre in einer Beziehung. Diese verlief sehr friedlich, es war für mich aber immer klar - das ist nicht für immer. Anders bei meinem jetzigen Freund. Wir haben schnell "geklärt" wann und wie viele Kinder wir wollen, es war direkt klar, dass das was für immer sein könnte. Und mit den Jahren wurde klar, dass das was für immer ist. Ich habe mein Leben nach ihm ausgerichtet, wir haben geplant, wann wir uns vorstellen könnten, zu heiraten und sind zusammengezogen. Dann kam seine Karriere dazwischen und er musste in eine andere Stadt ziehen, ich bin alleine in der vorher gemeinsamen Wohnung geblieben. Auf einmal war da die Fernbeziehung, doch die Pläne sind geblieben. Ich habe ihn unterstützt so gut ich konnte (Wohnung finden, Umzug, wasche und bügle weiterhin seine Wäsche, usw.) und richte alles darauf aus, ihm in einem Jahr zu folgen (habe Praktika in der neuen Stadt gemacht, muss aber hier noch mein Studium beenden).

      Mittlerweile ist es aber so, dass ich mich von meinem Freund nur noch schlecht behandelt fühle. Erst kürzlich haben wir uns wieder heftig gestritten und er sagte "Es ist mir egal, wie du dich fühlst. Es ist mir egal, ob es dich verletzt (es ging um sein Verhalten). Behalte es für dich und schluck es runter. Es interessiert mich nicht!". Ja und genau so kommt es mir auch vor. Wobei ich ein sehr sensibler Mensch bin und immer versuche auf seine Gefühle einzugehen. Mir ist es nämlich nicht egal, ob es ihm schlecht geht oder nicht. Und so tut es doppelt weh, dass meine Gefühle ihm so komplett egal sind.
      Aber wenn ich meine Augen öffne, dann muss ich sagen, dass er schon immer ein Egoist war. Er ist ein sehr kalter Mensch. Ich habe es durch die rosarote Brille die ersten Monate und Jahre nur einfach nicht gesehen.

      Seit einigen Wochen geht mir nun ganz konkret durch den Kopf "Trenn dich! Das hast du nicht für den Rest deines Lebens verdient!".
      Aber dann wird mir klar, dass es ALLES, was ich mir vom Leben erhofft habe, verändern würde.

      Ich wollte immer jung heiraten. Aus Liebe. Nicht, weil direkt ein Kind geplant ist oder man "Angst hat" in ein paar Jahren auf dem Markt eh nichts mehr zu kriegen. Sondern ich wollte mich jung binden, obwohl man noch alle Zeit der Welt und alle Möglichkeiten hat. Als echten Liebesbeweis. So wie es meine Eltern vor über 25 Jahren getan haben.
      Mittlerweile bin ich 23. Und da ich einige Jahre Beziehung als Voraussetzung für eine Hochzeit sehe, ist klar: Trenne ich mich, werde ich nie jung heiraten.

      Ich wollte immer jung Mutter werden. Nicht wie all die anderen Akademikerinnen. Ja, ich wollte erst mein Studium beendet und einen festen Job haben, aber dann nicht noch bis Ende 20 oder gar Anfang 30 warten.
      Voraussetzung für mich ist hier aber eine langjährige Beziehung und verheiratet zu sein. Aber trenne ich mich, dann werde ich niemals jung Mutter werden.

      Ich hatte mir immer gewünscht, nicht so viele Männer in meinem Leben zu haben. Den Richtigen früh kennenzulernen und somit einen sehr großen Teil meines Lebens mit diesem einen Mann zu verbringen. Und all die Erinnerungen, die ich mit meinem Freund in den letzten 4 Jahren gemacht habe, all diese tollen Erfahrungen - das alles könnte ich nie wieder mit jemandem Teilen. Ich habe ALLES zurückgestellt für ihn. Vor allem meine Freundschaften. Ja, ich habe noch Freundschaften, aber ich bin kein super geselliger Mensch, sondern liebe die Zeit zu zweit und bin gerne zu Hause. Über die Jahre habe ich 90% meiner Erinnerungen zusammen mit meinem Freund gemacht und all diese Momente nie wieder mit jemandem rekapitulieren zu können, finde ich so schade. Es ist, als würde ich bei einer Trennung einen wichtigen Teil meiner Vergangenheit verlieren. Ich war fast mein gesamtes Studium mit diesem Mann zusammen und ich habe das Gefühl einen ganzen Lebensabschnitt in meiner Geschichte "zu verlieren".

      Ich bin hin und her gerissen. Auf der einen Seite stecke ich in einer Beziehung, die mich unglücklich macht. Ich liege abends alleine im Bett und bin nur am heulen. Ich habe alles gegeben und so wenig zurückbekommen.
      Auf der anderen Seite würde ich durch eine Trennung alles verlieren, worauf ich mich die ganzen Jahre so gefreut habe. Ich würde wahrscheinlich nicht einmal in die Stadt ziehen, welche ich jetzt ein Jahr lang für meine zukünftige Heimat gehalten habe. Ich habe dort wie gesagt Praktika gemacht, mir sogar so etwas wie Freundschaften aufgebaut usw. Ich würde die Familie meines Freundes verlieren, welche mir über die Jahre sehr ans Herz gewachsen ist.

      Und obwohl er mich wirklich schlecht behandelt: Ich liebe ihn.

      Ich weiß, dass mir niemand sagen kann, was ich tun soll. Trennung ja oder nein.

      Aber versteht mich jemand? Oder klingt das total verrückt?

      Wenn ich es so durchlese, dann denke ich: Ist doch klar. Trenn dich. Aber mein Herz sagt: Nein. Ich kann mich nicht trennen. Da sind die gemeinsamen Erinnerungen und Pläne. Die Vergangenheit und Zukunft. Die ganzen Gefühle. Ich kann das nicht wegschmeißen.

      • Ja. Jeder hat Ziele im Leben und das ist auch gut so. Andererseits Menschen entwickeln sich weiter und leider nicht immer positiv, daran festzuhalten hieße sich selbst aufzugeben. Lese gerade das Buch "wenn Frauen zu sehr lieben" kann ich nur empfehlen für Dich.

        Ich wollte auch immer mein Kind bis 27. Dann wollte ich 4 davon und verheiratet bleiben.

        Mein erstes kam mit fast 30. Kinder sind es zum Glück nur 2 und ich bin schon zum zweiten Mal geschieden.

        Und das ich meine ganz große Liebe mit fast 40 kennenlernte stand auch nicht auf dem Plan aber

        That's life!!!!

      (4) 22.10.12 - 18:46

      ICh war wie du in einer festen Beziehung, 5 Jahre lang. Aktuell bin ich 23.
      Wir wollen auch heiraten, Kinder ect und wir waren kaum am streiten. er ist taub, ich kann gebärdensprache.

      Sein betreuer hasste mich und köderte ihn dann mit allerlei versprechungen wie eigene Wohnung für ihn (vorher wohnheim) usw.

      Dadurch wurde er egoistisch und wollte dan eine und der betreuer meinte wenn dann eine weit weg.

      Und die aussicht endlich alleine wohnen war verlockender.

      Schon in der beziehung lernte ich einen anderen kennen der sehr schnell mein bester freund wurde.
      als mein ex weg war wurden wir noch bessere freunde.

      auf einmal fragte er mich spontan ob ich ihn heiraten will, 2 monate später waren wir es auch und 2 jahre später kam unsere gemeinsame tocher #verliebt#verliebt

      So kanns gehen :-)

    • Hallo, ich verstehe dich sehr gut. Wenn du jetzt alles "hinschmeisst", werden sich deine Träume nicht erfüllen. Du wirst, wie du selbst geschrieben hast, nicht jung heiraten, nicht jung Mami, und und und.
      Wenn du an dieser Beziehung festhältst, wirst du all das vielleicht erreichen, dafür stehst du dann in ein paar Jahren alleinerziehend und geschieden da.

      Ich wüßte, wofür ich mich da entscheiden würde ;-)

      Vielleicht lernst du in einem Jahr den richtigen Mann kennen, wirst schnell schwanger, ihr heiratet.. Wer weiss. Auf Nummer Sicher gehen im Leben bringt's leider nicht..

      Alles Gute von AgD

      • (6) 22.10.12 - 21:07

        Tja, so sehe ich es eigentlich auch. Und die Perspektive alleinerziehend und geschieden dazustehen ist nicht so prickelnd. Aber dann ist da wieder diese Stimme, die sagt "Wer weiß, vielleicht würde es ja doch gut gehen..." und der Wunsch alles zu versuchen, um meinen "Traum vom Leben" doch verwirklichen zu können.

        Aber ich weiß ja eigentlich, dass Du recht hast. Wer weiß, wenn ich mir die Beiträge hier noch 100 Mal durchlese, vielleicht sickert es dann ja endlich richtig durch. ^^

    Verstehen kann ich das nur bedingt. Es ist natürlich immer traurig, wenn man seine Träume (vorerst) begraben und seine Zukunftspläne ändern muss.

    Aber das Leben ist nicht planbar. Du bist erst 23 und hast dein zukünftiges leben durchgeplant als würde das Ende der Welt unmittelbar bevorstehen. Was versprichst's du dir davon, wenn du deinen Eltern nacheiferst? Früh binden, bis Datum xy Kinder, vorher heiraten etc. Bei so viel Planung, muss ja beinahe etwas schiefgehen, wenn man derart seinen Idealen hinterherjagd. Und zu welchem Preis? Ein Freund, der dich nach eigenen Worten schlecht behandelt und sich nicht für deine Gefühle interessiert!

    Du machst den Eindruck, als könntest du nicht allein sein, als seien dir äußere Umstände wichtiger als dein eigenes Leben. SEINE Familie, du hast dich voll und ganz auf ihn eingestellt und deine Freunde vernachlässigt - das macht dich recht uninteressant und langweilig für einen so jungen Mann. Mach dich mal unabhängiger von ihm und gib ihm nicht ständig das Gefühl, der Mittelpunkt deines Universums zu sein. Du bist keine 60 Jahre alt und feierst bald Silberhochzeit, dann könnte man es noch annähernd nachvollziehen.

    In deinem Älter sollte man erstmal eigene Erfahrungen sammeln, lebendig sein, beruflich Fuß fassen und sich entwickeln und nicht krampfhaft an einen Partner Klammern und das Leben nur nach ihm ausrichten. Das ist ziemlich ungesund.

    • (8) 22.10.12 - 21:00

      "Du machst den Eindruck, als könntest du nicht allein sein, als seien dir äußere Umstände wichtiger als dein eigenes Leben."

      Ja, da hast du wohl Recht. Mein Vater ist gestorben als ich 12 war. Bis dahin waren wir eine sehr glückliche Familie und ich liebe meinen Papa wirklich über alles und als männliche Bezugsperson fehlt er mir heute wie damals. Vielleicht bin ich deshalb mehr auf die jetzt einzige männliche Bezugsperson in meinem Leben fixiert als es mir gut tut - und das ist eben mein Freund.

      "Was versprichst's du dir davon, wenn du deinen Eltern nacheiferst?"

      S.o. Ehe und Familie verbinde ich nur mit Positivem. Und Beides ist etwas, was ich sehr vermisse bzw. mir wünsche. Ich verspreche mir davon also so glücklich zu werden, wie meine Eltern es immer waren.

      Ich finde nicht, dass das prinzipiell unrealistisch ist. Meine Eltern sowie viele viele andere glückliche Paare, haben es ja schließlich auch hingekriegt. Das muss natürlich trotzdem nicht heißen, dass das mit meinem Freund und mir auch so laufen würde. Es wäre eben nur mein Wunsch (gewesen).

      • Ich glaube, glücklich werden kannst Du erst, wenn Du Dich von Deinen Eltern abgenabelt hast. Sicherlich ist es gut, Vorbilder zu haben. Aber nur dann zufrieden zu sein, wenn man den Weg kopiert, kann m. E. nicht funktionieren.

        Du musst doch Deine eigenen Fußabdrücke im Sand hinterlassen und nicht in die Deiner Eltern springen. Du hinterlässt doch sonst gar keine eigenen Markenzeichen.

        Lebe DEIN Leben, nicht das Deiner Eltern.

        LG

        (10) 23.10.12 - 14:01

        Ich glaube tatsächlich, dass das dein Problem ist.

        Du verbindest persönliches Glück mit Personen oder äußeren Umständen. Ob dein Eltern immer so glücklich waren, kann man als 12 Jährige vermutlich gar nicht beurteilen. Sicher gab es auch dort Höhen und Tiefen wie überall und ob deine Eltern die nächsten 30 Jahre das Paradies auf Erden gemeinsam gehabt hätten, weißt du auch nicht.

        Dein Partner soll ein Ideal (vorzugsweise das deines verstorbenen Vaters) erfüllen und Familie und Ehe sollen dich glücklich machen. Ich glaube aber, dass man erst einmal mit sich selbst im Reinen sein muss. Niemand anderes ist dafür zuständig, einen glücklich zu machen. Findet man dann einen Partner, mit dem man seine Wünsche und Ziele teilt, ist das die Kirsche auf der Sahnetorte. Aber nicht umgekehrt! Punkt 1, 2 und 3 müssen abgearbeitet werden in meiner Lebensplanung, dann kommt mein Glück von ganz allein vom Himmel gefallen.

        Für Menschen, die so denken wie du, wird es m. E. ganz schwer, glücklich zu bleiben, denn das Leben ist nicht statisch. Ändern sich die Umstände, ist man schwer enttäuscht und am Boden zerstört und kann vermeintlich nicht glücklich sein, weil man sich nicht anpassen kann an etwaige Veränderungen. Ich würde auch niemanden wollen, dem ich die Bürde aufladen müsste, nun für mein Lebensglück verantwortlich zu sein. So bekommt man eine Last aufgestülpt, der man möglicherweise nicht gerecht werden kann und auch nicht sollte. Vielleicht empfindet es dein Freund genauso und fühlt sich irgendwie in der Verantwortung, weil du bestimmte Ansprüche an ihn stellst. U. U. merkt er unbewusst, das er dem gar nicht gewachsen ist und verhält sich deshalb dir gegenüber so schroff. Bei euch läuft es nach einem Anspruchsdenken ab: du tuest alles für ihn und erwartest im Gegenzug, dass er sich nach dem von dir festgelegten Muster verhält. Da würde wohl jeder Junge Mann kalte Füße bekommen.

(11) 22.10.12 - 19:26

mein gefühl ist: du hängst weniger an deinem partner als der mensch, der er ist, als vielmehr an deinem lebensplan. und den verknüpfst du unglücklicherweise mit diesem mann, der dir nicht gut zu tun scheint.

versuch doch mal, deinen plan unabhängig von diesem typ zu sehen. gut, du wirst an der einen oder anderen stelle ein bisschen neu justieren müssen - z.b., was seine familie betrifft, denn die ist nun mal seine, da machste nix... - aber einen großen teil dessen, was du dir sonst so wünschst, wirst du sicher auch ohne ihn realisieren können.

ich verstehe total dein gefühl und deine angst, du würdest einen teil deiner geschichte verlieren, so kam mir das nach der trennung von meinem ersten freund auch vor (wir waren rund 10 jahre zusammen, sind also zusammen erwachsen geworden). aber: es ist ja immer noch DEINE geschichte. was war, bleibt, du verlierst nicht deine vergangenheit. nur das, was kommt, wird anders, weil du deine zukunft nicht mit jemandem verbringen willst, der dich so behandelt. das kann ich übrigens gut nachvollziehen. für mich wäre die sache in dem moment klar, wo mein partner mir sagen würde, es sei ihm egal, wie ich mich fühle. was willst du mit so einem?

(12) 22.10.12 - 19:36

Ich möchte mal ganz plump fragen: Möchte er Dich unter diesen Umständen überhaupt heiraten und Kinder mit Dir haben? Trotz seiner offensichtlichen Abneigung und Gleichgültigkeit Dir gegenüber? Und wenn ja: Warum? Was schätzt er an Dir?

  • (13) 22.10.12 - 20:41

    Ja, er möchte mich heiraten und Kinder mit mir haben. Beides natürlich nicht sofort, aber das ist die Perspektive für ihn.

    Vor kurzem habe ich ihm im Streit gesagt, dass für mich die logische Alternative zu unserer Beziehung - so wie sie jetzt ist - eine Trennung ist. Er ist aus allen Wolken gefallen. Trennung? Das ist für ihn keine Alternative, meinte er. Kann ich aber auch verstehen. Denn was er an mir schätzt ist mit Sicherheit, dass ich alles für ihn tun würde. Angefangen bei Wäsche waschen über Massagen, Kochen, Anrufe und Interesse zeigen (er teilt sich sehr gerne mit) und und und... Ich denke nicht, dass er unter unserer Beziehung leidet. Für ihn ist wohl alles gut, so wie es ist.

    • (14) 22.10.12 - 21:36

      glaub ich gerne, dass für ihn alles gut ist, wie es ist. ehrlich gesagt, wenn ich das so lese, möchte ich eigentlich selbst mit dir zusammen sein #winke

      bloß: wo bleibst du dabei? kommt in seiner welt eventuell auch der punkt vor, wie du dich fühlst, welche bedürfnisse du hast, wie es dir geht? was tut er für dich? du willst eine beziehung, keinen pflegefall.

      • (15) 22.10.12 - 22:37

        "wo bleibst du dabei? kommt in seiner welt eventuell auch der punkt vor, wie du dich fühlst, welche bedürfnisse du hast, wie es dir geht? was tut er für dich?"

        Ich muss ehrlich sagen, wenn ich ihn wirklich brauchte (z.B. Todesfall in der Familie) war er für mich da. Er hat mich durch halb Deutschland gefahren und sich frei genommen. Er hat sicher auch gute Seiten. Aber der Alltag mit ihm sieht traurig aus. Und ich komme immer mehr zu der Erkenntnis, dass das ist, was zählt...
        Man hat halt bis zuletzt die Hoffnung, dass sich entscheidende Dinge doch noch ändern könnten.
        Aber er hat kein Einfühlungsvermögen, er kann meine Gefühle nicht nachvollziehen und WILL es ja auch gar NICHT. Ich weiß nicht, was ich schlimmer finden soll.

    "Angefangen bei Wäsche waschen über Massagen, Kochen, Anrufe und Interesse zeigen (er teilt sich sehr gerne mit) und und und..."

    Das ist, was Liebe ist: Dafür sorgen zu wollen, dass es dem geliebten Menschen gut geht. Gerne etwas für ihn tun. Ihm zeigen, dass man ihn schätzt und möchte, dass er sich wohl fühlt.

    Wie zeigt er es Dir?

Ganz ehrlich du hast nen Sockenschuß. ABer sicherlich bin ich nicht dagegen Ziele und Pläne fürs Leben zu haben. Aber ich glaube du hast dich so in deine Vorstellungen reingesteigert das du von Anfang an gar nicht sehen wolltest wie er ist! Jetzt aber nur aus Wahn noch an diesen Vorstellungen festzuhalten auch wenn sie dich unglücklich machen finde ich krank. Sorry für diese fast direkte Aussage aber das finde ich eben so.
Ela

Herrje... was für ein Dilemma.

Meine Geschichte ist deiner ähnlich: ich wollte immer früh Mutter werden, früh heiraten, aber trotzdem selbständig sein und auf eigenen Füßen stehen.

Unmittelbar nach dem Ende meiner Ausbildung lernte ich meinen Mann kennen. Er schien der perfekte Partner für diesen Weg zu sein, auch wenn er knapp 600km von meiner Heimat entfernt lebte. Mit Sack und Pack zog ich nach 9 Monaten Beziehung zu ihm. Glücklicherweise konnte ich mich jobtechnisch einfach versetzen lassen, sonst hätte ich das wohl nicht gemacht.
Noch während des Umzuges wurde ich ungeplant schwanger. So war das nicht gedacht, aber ich, gerade 22 geworden, hielt es für keine schlechte Sache, denn ich wollte ja immer früh Mutter werden.
Ich gewöhnte mich am neuen Wohnort schnell ein, hatte nette Kollegen und bald auch tolle Freunde. Ich bekam mein erstes Kind, weitere 9 Monate später heirateten wir. Einige Zeit später kam das zweite Kind. Und mir wurde mit der Zeit immer deutlicher, dass ich meinen Mann überhaupt nicht wirklich liebte, vielleicht nie geliebt hatte.

Wir passten überhaupt nicht zusammen, sodass ich in der Beziehung immer unglücklicher wurde und mich schließlich im letzten Jahr, nach 10 Jahren Beziehung und gut 7 Jahren Ehe trennte.

Mir scheint auch, du bist mehr in die Idee verliebt, deinen Lebensweg wie geplant zu verfolgen, als in deinen Freund. Die äußeren Umstände mögen passen, aber heiratest du diesen Mann (will er überhaupt noch? Habt ihr das in letzter Zeit mal angesprochen?) und bekommst Kinder mit ihm, ist die Wahrscheinlichkeit, dass du über kurz oder lang alleinerziehend sein wirst, relativ hoch. Dein Freund wertschätzt dich nicht, so liest es sich zumindest. Bekommst du ein Kind mit ihm (von der Heirat mal abgesehen) begibst du dich in ein Abhängigkeitsverhältnis. Oftmals sieht man nicht klar, wenn man in diesem Leben, welches richtig zu sein scheint, drin steckt. Von außen betrachtet sieht das oftmals ganz anders aus.

Bitte brich nichts übers Knie. Weder eine Heirat, noch einen Umzug, noch eine Schwangerschaft, aber auch nicht das Beziehungsaus. Wäge ab. Aber du bist unglücklich und zwar nicht, weil dein Partner weit von dir weg ist, sondern weil du deine Wünsche, deine Lebensplanung davonschwimmen siehst.

Ich wünsche Dir von ganzem Herzen alles Gute und eine Entscheidungsfindung, mit der du glücklich werden kannst.

LG

  • (19) 22.10.12 - 20:48

    Wow, vielen Dank für deine lieben Worte! #herzlich

    Ja, man sollte wohl nichts übers Knie brechen - weder 4 Jahre einfach wegwerfen, noch die nächsten 40 oder mehr Jahre mit "dem Falschen" verbringen.

    Es ist noch ein Jahr, bis ich mich entscheiden muss, ob ich ihm in die neue Stadt folgen möchte.
    Das sollte ich wohl nicht tun, wenn ich mir bis dahin nicht absolut sicher bin...

    Noch mal Danke für den "Erfahrungsbericht".

(20) 22.10.12 - 21:05

Was hällst n du davon, mal die Unnahbare zu spielen? Sei du doch auch mal so eiskalt!
Und binde im bei der Hausarbeit ein.
Sonst hast du nacher 1 Kind mehr!

  • (21) 22.10.12 - 21:13

    Ja, das probiere ich auch gerade. Schreibe ihm kaum noch tagsüber. Wenn dann nur knapp. Und am Telefon bin ich teilnahmslos, so dass er schon 2,3 mal gefragt hat "Alles in Ordnung bei dir?" und ich dann nur gesagt habe "Jaja. Bin müde/hungrig/beschäftigt...".

    Hoffe, dass er dann irgendwann (hoffentlich in den kommenden Wochen) von sich aus versteht bzw. MERKT, dass eine Beziehung nicht läuft, wenn der Eine dem Anderen keine Gefühle zeigt oder man sich GEGENSEITIG wertschätzt...

    • (22) 22.10.12 - 21:26

      >>>Hoffe, dass er dann irgendwann (hoffentlich in den kommenden Wochen) von sich aus versteht bzw. MERKT, dass eine Beziehung nicht läuft, wenn der Eine dem Anderen keine Gefühle zeigt oder man sich GEGENSEITIG wertschätzt... <<<

      Warum sprichst du nicht mit ihm?

      • (23) 22.10.12 - 22:18

        Habe ich. Ich habe ihm auch gesagt, dass ich als letzte Alternative durchaus eine Trennung sehe. Er versteht es nicht. Für ihn ist alles gut. Trennung ist für ihn keine Option. Wobei wortwörtlich sagte er "Trennung ist eigentlich keine Alternative, aber wenn es für dich eine ist, dann wird es ja auch für mich zu Einer. Aber wenn du es häufiger erwähnst, dann musst du wissen, dass ich es im Hinterkopf haben werde, wenn ich mal auf andere Frauen treffe, z.B. beim Feiern oder so...". Er wollte das Thema beenden mit dieser "Drohung", hat er auch geschafft. Aber sich ändern möchte er offensichtlich nicht. Zumindest reichen Worte da nicht. Deswegen hoffe ich eben, dass ihm durch mein Verhalten ein Licht aufgeht... Wie heißt es so schön: Wer nicht hören will, muss fühlen.

        • (24) 22.10.12 - 22:35

          >>>Er versteht es nicht.<<<

          Wenn er es nicht versteht, wenn du es ihm deutlich sagst, wird es auch nichts bringen, wenn du jetzt wochenlang theater spielst und dich verstellst.
          Er will es ja offenbar nicht verstehen.

          >>>Trennung ist für ihn keine Option.<<<

          Ist doch vollkommen egal, ob es für IHN eine Option ist oder nicht, für DICH ist es eine.
          Du sagst ihm, dass du eine Trennung schon als letzte Alternative ins Auge gefasst hast und er reagiert, indem er sagt, dass für ihn "alles gut" ist?
          Der nimmt dich nicht ernst.

          Zum Rest, den du geschrieben hast:

          Der Typ manipuliert dich massiv. Ich wette, falls er merkt, dass du dich anders verhältst, wirst du den Schwarzen Pter kriegen.

(25) 22.10.12 - 21:33

Hallo meine Liebe,
das ist so eine Sache mit den Lebensplänen. Da macht man sich so viel Mühe, sich die Zukunft genau vorzustellen, zu planen, auszuschmücken - und wenn sie dann losgehen kann, dann dauert es nie lange, bis sie wieder umgeworfen werden müssen.

Ob Du Dein aktuelles, praktisches Lebensglück einem nur theoretischen, eventuell zukünftigen Plan unterordnen solltest, kann ich dir nicht beantworten. Aber ich möchte Dir von einer sehr guten Freundin erzählen, die genau das getan hat.

Ich kenne sie schon, seit wir 10 waren. Immer war das wichtigste für sie erst ein gemeinsames Haus, dann eine Hochzeit, dann ein Kind, dann das ewigwährende Glück bis in den Sonnenuntergang - in genau der Reihenfolge und in keiner anderen. Egal wie alt wir wurden, daran hat sie immer festgehalten. Das Haus, die Hochzeit, das Kind - für alles gab es auch schon ein festgelegtes Alter, in dem was erreicht sein musste. Dier besetzung der männlichen Rolle blieb dabei immer irgendwie im Dunkel. Sie hatte nie konkrete Vorstellungen, wie so ein Mann charakterlich zu sein hat, mit dem sie all das bis ans Lebensende durchziehen könnte.

Während meine anderen Freundinnen und ich uns in den folgenden Jahren immer wieder neu erfunden haben und dabei auch alle unsere Lebenspläne mehrere Male neu überdacht und ausgerichtet haben, hielt sie immer an ihrem irgendwann in der Spätpubertät gefassten Plan fest.

Passenderweise hatte sie auch gegen Ende 20 endlich einen Mann gefunden, der schnell bereit war, mit ihr zu bauen. Kaum stand das Haus und der damit verbundene Stress war beendet, stellten die beiden allerdings fest, dass sie sich eigentlich nicht viel zu sagen hatten. Immer wieder beklagte sie sich bei mir, dass ihr Freund so gefühlskalt und unromantisch sei, so gar nicht, wie sie es sich wünschen würde. Trotzdem, weil ihre selbstgewählte Grenze der magischen 30 immer näherrückte, stellte sie ihm ein Ultimatum, ihr vor ihrem 30. Geburtstag einen Antrag zu machen oder zu verschwinden. Kurz darauf haben die beiden geheiratet, obwohl jeder der sie kannte, dringend abgeraten hat.

Das Verhältnis verschlechterte sich zunehmend, verstärkt durch die Tatsache, dass die beiden trotz mehrerer medizinischer Versuche keine Kinder bekommen konnten. Vor einiger Zeit hat sie ihren Mann dann verlassen, weil sie ihn nur noch verabscheut hat. (Er hat ihr nichts getan, er war nur nicht in der Lage, sie glücklich zu machen. So wie sie ihn auch nicht.) Damit verbunden hat sie auch ihr Haus verlassen, weil sie es nicht mehr darin ausgehalten hat. Sie nennt es bis heute ein Gefängnis.

Das letzte Jahr hat sie wegen starker Depressionen vorwiegend in einer Klinik verbracht, bis heute ist sie in Behandlung und nimmt starke Medikamente. Der entscheidende Grund dafür (laut ihrer Aussage)? Sie ist fast 40 und hat nichts erreicht - kein Haus, keinen Mann, kein Kind - sie hat nichts von dem, worum sie ihr Leben lang gekämpft hat. Und sie versteht nicht, warum das Leben so gemein zu ihr war. Sie selbst ist meines Erachtens noch nicht soweit zu erkennen, dass sie einfach den falschen Idealen nachgeeifert hat, indem sie wie verrückt ohne Rücksicht auf Verluste und Realität ihren Teenie-Plan durchgezogen hat. Ich weiß auch nicht, ob es ihr hilft, wenn sie irgendwann dahinter kommt. Ich mache mir jedenfalls schon lange große Sorgen um sie.

Was will ich Dir sagen? Pass gut auf Dich auf und verwechsele nicht Deine reale Zukunft mit irgendwelchen Träumen und Plänen, die du mal gehegt und gepflegt hast. Du bist so jung! Genieße die Freiheit, Deine starren Pläne Deinem aufregenden Leben anzupassen und nicht umgekehrt. Auch wenn Dir das jetzt schwer fällt, weil dein Herz an diesen Träumen und Plänen hängt.

Aber glaub mir, es kommen neue.

Alles Gute für Dich
sakawa

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