Ehemann mit Sozialphobie ..

    • (1) 19.11.12 - 12:10
      ***~~~***

      Ach Leute,

      wo soll ich eigentlich anfangen?
      Am besten erkläre ich erstmal das Wesentliche über diese Erkrankung;
      Menschen mit einer sozialen Phobie leiden unter Ängsten in der Öffentlichkeit.Fühlen sich immer und überall beobachtet,sind der Überzeugung jeder will ihnen was böses.Sie können aufgrund ihrer Ängste keine nähreren Freundschaften knüpfen.Sie können sich nicht öffnen auch dem eigenen Partner nicht(falls überhaupt vorhanden).Ganz wesentlicher Bestandteil sind auch Depressionen und Minderwertigkeitsgefühle..

      Ich kenne meinen Mann seit 10 Jahren, sind genauso lange zusammen und seit 4 Jahren verheiratet.
      Sex gab es nie viel.Streit und Missverständnisse gab es anfangs deshalb umso mehr.
      Ich habe allerdings im Laufe der Zeit gelernt,es zu akzeptieren.Weil er mir glaubhaft erklärt hat,dass er sich durch seine Krankheit einfach nicht so öffnen kann wie er gerne möchte und deshalb Sex an hinterletzter Stelle steht.

      Nur ist das sehr schwierig für mich,weil es immer und immer weniger wird.Und ich immer und immer frustrierter!
      Waren es vor 4 Jahren immerhin noch alle paar Wochen kann ich mich heute freuen wenn wir noch 2 mal im Jahr Sex haben :-(
      Ich bin 26 Jahre alt und muss mich fragen,ob das nun alles war in meinem Leben?Ich konnte/durfte mich nie richtig ausleben.Obwohl ich im Gegenzug zu ihm in diesen Dingen sehr aufgeschlossen bin und gerne vieles ausprobieren würde.
      Haben wir denn mal Sex,ist es eintönig,kurz und für mich eher unangenehm weil es kein Vorspiel gibt und ich deshalb total trocken bin.
      Kein Küssen,nichts.
      Dennoch genieße ich diese seltenen Momente,allein weil ich IHN als Ehemann vermisse und die Nähe zu ihm brauche.
      Ich schlafe seit Ewigkeiten auf der Couch,weil ich Streit vermeiden möchte(wenn ich will und er nicht) und ich ja auch weiß,dass ich Lust bekäme wenn ich nur neben ihm liege.

      Vor ein paar Jahren kam er dann auf die Idee,ich solle meine "Triebe" bei einem anderem Mann ausleben.
      Nach langen Gesprächen und Zweifeln habe ich es versucht.
      Es war schön.Aber nicht das,was ich wollte.
      Ich liebe meinen Mann und möchte den Sex mit ihm erleben.
      Das kann kein anderer ersetzen.Schon gar keiner,den ich nicht liebe.

      Er ist wirklich ein sehr liebenswerter großzügiger und fürsorglicher Mensch deshalb liebe ich ihn.
      Auf der anderen Seite hat er mich unabsichtlich zu einer sehr traurigen Frau gemacht,die durch die jahrelangen Abweisungen immer weniger Selbstwertgefühl hat.
      Einmal zum Beispiel das war der letzte Versuch meinerseits, vor etwa einem Jahr.

      Habe ich mich und das Schlafzimmer,so gut ich es eben kann für ihn in Schale geworfen.
      Ich machte mir große Hoffnungen,denn nach seinem Sport(sein einziges Hobby) ist er eigentlich immer recht gut gelaunt.
      Seine Reaktion war die Selbe wie die,wenn er unter Druck steht.Er ging auf Abwehr und wurde patzig.
      Das hat mich so verletzt dass ich die paar Wäscheteile die ich überhaupt besaß in die Tonne schmiss und mich seitdem kein einziges Mal geschminkt/zurecht gemacht habe.
      Ich habe aufgegeben.
      Manchmal wünsche ich mir,es gäbe ein Mittel gegen die Lust auf Sex :-(
      Dann wäre auch unsere Ehe gut.Denn streiten tun wir eigentlich nie,ausser eben es würde um Sex gehen.

      Tja und dann,ertappe ich ihn gestern Abend wieder einmal wie er aus seinem Schlafzimmer kommt und seine benutzten Taschentücher ins Klo schmeißt #schmoll
      Er dachte halt,ich schlafe schon...
      Das kann ich überhaupt nicht verstehen und trifft mich mal wieder auf´s neue wie ein Schlag ins Gesicht.
      Er sagte einmal,er hätte schon Fantasien aber er kann sie einfach nicht ausleben weil er sich nicht traut,sich nicht öffnen kann.

      Einerseits habe ich schon mal daran gedacht wie es wäre,wenn wir uns trennen.
      Ich möchte auch eine Familie haben,was mit ihm nicht möglich ist!Aber abgesehen von der Tatsache,dass ich natürlich immernoch sehr viel für ihn empfinde,fühle ich mich auch etwas für ihn verantwortlich,weil er ja sonst niemanden hat.Er meidet seit längerem sogar den Kontakt zu seiner Familie so gut er kann.Er sagt,ich sei alles was er noch hat.Das kann ich ihm doch nicht nehmen??!!!:-(

      *Seufz
      Danke fürs "zuhören" das musste einfach alles mal raus.

      • Hallo

        wer hat denn diese Diagnose gestellt? War dein Mann schon mal in Therapie ?

        L.G.

        • (3) 19.11.12 - 12:33

          Vergessen zu erzählen;

          er leidet schon seit seiner Jungend daran.Mehrere Neurologen haben diese Diagnose erstellt.
          Er hat sowohl jahrelange ambultante Gesprächtherapien hinter sich als auch eine stationäre in der Klinik in Bad Dürkheim.
          Im moment sind weitere Therapien von der KK abgelehnt. Er "darf" in etwa 2 Jahren nochmal einen Antrag stellen laut AOK.

      Die Frage, die sich stellt ist, warum Dein Mann sich nicht behandeln lässt. Die Antwort ist wahrscheinlich: Es fehlt der Leidensdruck, er kommt ja in allen Situationen klar und dass Du leidest ist für ihn nicht problematisch genug, um an sich arbeiten zu wollen. Damit würden für mich auch Zweifel an seiner Liebe entstehen.

      Ich würde ihm ganz konkret über die Trennungsgedanken berichten und ihm sagen, es gibt nur die Wahl "Therapie" oder "Trennung". Es hat keinen Sinn, wenn sich jemand sein ganzes Leben verbaut, nur damit ein Anderer glücklich ist.

        • Und die Behandlung war erfolgreich?

          • (8) 19.11.12 - 12:47

            Da gab es zwischenzeitlich Besserungen,aber auch genauso viele Rückfälle.
            Es ist ein ständiges auf und ab.

            Wenn ich nicht wüsste,dass er im Grunde nichts dafür kann, hätte ich ihm schon lange ein Ultimatum gestellt oder mich getrennt.Aber so einfach ist das leider nicht für mich!

            Die Idee mit der Eheberatung werde ich ihm vorschlagen.

            • Eine Eheberatung wäre erst einmal an 2. Stelle wichtig!

              Es gibt ambulante KJPs die eine richtige Diagnose bei ihm machen können!
              DAS wäre jetzt erstmal wichtiger für IHN selber - und dann für euch aufbauend darauf könnt ihr euch gemeinsam Hilfe suchen!

              Eine Sozialphobie hat seine Gründe - oft bei Autisten!

              Es ist dann umso wichtiger, immer am Ball zu bleiben. Vor allem dann, wenn sich Verschlechterungen der aktuellen Situation einstellen. Da muss man direkt wieder eingreifen, bevor es immer "tiefer" geht. Du weisst was ich meine?

              Den Trennungsgedanken habe ich deswegen argumentativ gebracht, weil auch Du nur eine gewisse Leidenslast hast. Irgendwann ist das Maß für Dich auch voll und dann ist Dir eine Trennung trotz Liebe wichtiger, als weiter zu leiden. Und genau das musst Du ihm vermitteln. Aussitzen funktioniert hier nicht!

              Bleibt weiter dran. Kontaktiert seinen ehemaligen Therapeuten wenn der gut war und er damit zurecht kam. Fragt dort um eine Beratungssitzung um die aktuelle Situation zu schildern (Ihr beide zusammen) und lasst Euch von einer einmaligen Absage der AOK auch nicht abschrecken. Der Therapeut soll Euch dann beraten, wie Ihr vorgehen müsst. Das hat nichts zu sagen.. im schlimmsten Fall wechselt man nämlich die Krankenkasse.

      schon mal an einer Sozialphobie gelitten?

      Da ist allein das auf die Straße gehen, arbeiten gehen, jemanden anrufen müssen, einem Nachbarn guten Tag wünschen schon ein großer Leidesdruck.

      Ich verstehe ja durchaus was du der TE vermitteln möchtest, aber manchmal langt man dabei kräftig daneben.

      • Nein ich leide nicht unter Sozialphobie aber ich habe berufliche Erfahrung damit. Was ist Deine Qualifikation?

        • ich bin Betroffene und lebe tagtäglich mit dem Leidensdruck den diese "Krankheit" ( irgendwie empfinde ich Krankheit als seltsames Wort dafür) auslöst, vom ersten Blick in den Spiegel morgens, bis zum letzten am Abend.

          • Ja, habs grad mit großem Interesse gelesen. Das Problem ist nur, Du kannst da nicht nur von Dir aus auf die Anderen schliessen. Die Sache mit der Selbstkritik (ich denk Du weisst was ich meine) trifft beispielsweise nicht unbedingt auf jeden zu. Es wäre in der Tat möglich, dass der Mann der TE andere Ursachen für seine Unlust bei ihr aufzählen würde.
            Aber sie kann ihn zumindest nach Deinem Bericht mal gezielt fragen, wenn sie will.

            Trotzdem hilft es Beiden nicht (das habe ich jetzt auch nochmal so formuliert), wenn sie das Thema totaschweigen und er sich nicht bewegt. Denn letztendlich wird sie sich dann trennen, ihre Leidensfähigkeit wird auch nicht unendlich belastbar sein. Und dann sind beide unglücklich und ihm ist immer noch nicht weiter geholfen.

            Und Du bist ein absolut gutes Beispiel dafür, wie man mit einer Sozialphobie leben lernen kann. Das sehe ich bei ihm halt nicht, er scheint sich nur zu arrangieren und erwartet eventuell von ihr, dass sie das mitmacht.

            • nein natürlich dürfen sie das nicht todschweigen, was ich persönlich nur erfahrungemäß ( eben von mir selber und aus der Selbsthilfegruppe raus...*lach*...super eine Selbsthilfegruppe für Sozialphobiker *lol* das war auch nicht einfach da eine zu finden und hinzugehen) weiß ist das mehr Druck fast zwangsläufig zu mehr Rückzug führt ( weil du meintest sein Leidensdruck wäre vielleicht nicht hoch genug, vielleicht ist auch schon zu hoch).

              • Also unser Chefarzt sagte mal: "Bei gewissen Krankheiten MUSS es auch einen Druck geben zu handeln. Nämlich dann, wenn man auch Zweite oder Dritte reinzieht und sie dadurch auch krank werden."

                Es gibt leider auch Fälle, in denen Angehörige psychisch erkranken, weil der ursächlich Erkrankte sich partout nicht helfen lassen will. Und letztlich sollte einem bis zu einem gewissen Grad auch das Wohl der geliebten Menschen (in dem Falle hier das Wohl der Frau) wichtig sein. Oder hast Du Dir nur für Dich selbst helfen lassen? Also die Frage ist aufrichtig gemeint, nicht provokativ.

                • hmmm hmm ich denke nicht das es viele Menschen mit sozial Phobie gibt die sich tatsächlich ausschliesslich für sich selber helfen lassen. Der Grundgedanke ist ja immer das die anderen Recht haben, das man minderwertig ist und deshalb Angst vor dem ganzen sozialen Gefüge haben muß.
                  Der Punkt ist einfach der das Hilfe erst in dem Moment wirklich funktionieren kann wo man sich selber ins Boot holt. Erst als ich mir bewußt wurde das ich das nicht nur für meine Tochter mache, sondern das es auch mir selber damit besser geht...habe ich mir selber helfen können, vorher ist man nur bemüht es den anderen so recht wie möglich zu machen und gerät dabei so unter Druck das man genau das überhaupt nicht schaffen kann.

                  Wie das bei dem Mann der TE ist kann hier definitiv niemand wissen, da wir nur eine einzige Version dieser Geschichte gelesen haben und bei solchen Geschichten gibt es immer MINDESTENS 2 Versionen die beide zumindest zum Teil wahr sind. Deshalb erlaube ich mir da kein wirkliches Urteil, sondern berichte nur wie es mir mit dieser Sache geht.

            (18) 19.11.12 - 14:29

            Da ich nicht betroffen bin und auch niemanden mit diesem Leiden kenne, würde mich interessieren wo die Grenze zwischen z.B. großer Schüchternheit und eben der Soziophobie liegt? Erleidet ein schüchterner nicht zwangsläufig ähnliche Symptome und meidet fremde Menschen? Oder ist ein extrem schüchterner und unsicherer Mensch nicht in der Lage eine Partnerschaft einzugehen (Kennenlernen von potenziellen Partnern) und wird demnach zum Einzelgänger und ein Soziophobiker nicht?

            • ich glaube nicht das es da wirklich klare Grenzen gibt, dafür ist die menschliche Psyche einfach zu komplex.

              Ein, meiner Meinung nach häufiges, Merkmal der sozialen Phobien sind tatsächliche, körperliche Attacken, Panikanfälle, die völlige Unfähigkeit zu sprechen, Krämpfe und dergleichen mehr. Ich denke nicht das diese bei einem Menschen der "nur" ( um Himmels Willen...nur...ist da sicherlich nicht angebracht) sehr schüchtern sind so häufig auftreten.

              Aber die Grenze zwischen schwitzigen Händen weil man aufgeregt ist und einer heftigen Panikattacke sind wahrscheinlich ebenso fliessend.

              Ich glaube auch das ein Mensch der unter sozialen Phobien leidet eher zu einem Einzelgänger wird als der, der "nur" ( da ist es wieder) schüchtern und unsicher ist.
              Denn schüchtern und unsicher sind wir auch, bei uns kommt aber ein praktisch nicht vorhandenes Selbstwertgefühl, oftmals depressive Phasen und ein völlig falsches Bild von unseren Mitmenschen hinzu.

Hast du schon mal dran gedacht, dass er vielleicht anders ist. Das er sich auch für das andere Geschlecht interessiert. Er kommt gut gelaunt vom Sport und ihr habt so gut wie keinen Sex mehr.

Bis zur Mitte des Textes dachte ich, ok, kann schon sein, aber dann als der Satz kam

>>Tja und dann,ertappe ich ihn gestern Abend wieder einmal wie er aus seinem Schlafzimmer kommt und seine benutzten Taschentücher ins Klo schmeißt<<

das ist dann nicht mehr so normal.

LG

  • (22) 19.11.12 - 13:07

    Doch das ist normal. Nur weil er sich aufgrund seiner Krankheit nicht überwinden kann Sex mit ihr zu haben heisst das doch noch lange nicht, dass er ein asexuelles Wesen ist. Natürlich hat er sexuelle Gefühle, ist aber dermaßen gehemmt, dass er sie nur mit sich alleine auslebt.

    Barrik

    • (23) 19.11.12 - 16:10

      Echt. Selbst nach zehn Jahren Vertrautheit. Wenn sich nichts ändern würde, könnte ich glaub ich mich nicht damit abfinden. Würde mich immer hintergangen fühlen, auch wenn er nicht fremd geht.

      Da wüsste ich jetzt nicht, was man raten kann, als nur Therapie, wenn das helfen kann.

      Danke für die Info, wie etwas schlauer.

      Lg

doch das ist leider vollkommen normal in so einem Fall.

Es ist, meines Erachtens nach, nicht zwangsläufig so das er keine Lust auf Sex hat, ihm fehlt momentan nur die Möglichkeit einen Menschen so nah an sich heran zu lassen.

Und hey......"ich habe keine Lust" ist viel, viel einfacher als " ich fühle mich häßlich und habe Angst das du nur mit mir ins Bett gehst weil du einen so großen Hormonkoller hast das es dir völlig egal ist wie ich aussehe und mich anfühle oder das du das nur aus Mitleid mit mir behauptest"

Hallo,

das du leidest verstehe ich sehr gut. Ich war zwei Jahre mit einem Mann zusammen der auch ein Sozialphobiker war und depressiv. Irgendwann konnte ich einfach nicht mehr und habe mich getrennt. Das mag herzlos erscheinen aber du darfst dich selbst auch nicht vergessen und ein paar Fragen ehrlich beantworten: möchtest du den Rest deines Lebens (oder wenn er nochmals Therapien macht zumindest noch einige Jahre) so verbringen? Möchtest du aus einem Verantwortungsgefühl heraus, was nicht gerechtfertigt ist - du bist nicht seine Mutter sondern seine Frau-, mit ihm zusammenbleiben?

Ich habe mir diese Fragen gestellt und nach der Beantwortung gehandelt. DAs hier soll kein Aufruf zur Trennung sein. Aber versuche dich in einer wirklich ruhigen Minute ganz ehrlich diese Dinge zu fragen und wenn du eine Antwort hast, dann folge ihr.

Gruß Barrik

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