Weihnachten - den Kindern zuliebe zusammenreißen?

    • (1) 03.12.12 - 22:57
      Ho ho ho

      Hallo und guten Abend,

      sorry, dass ich schwarz schreibe - ist doch sehr viel persönliche Info. Ich wollte erst ins Weihnachtsforum, aber mag nicht so viel im Internet schreiben, falls mich doch einer (er)kennt. Es wird glaube ich ziemlich lang.

      Ich habe das Problem, dass ich (und meine Geschwister) uns nie so wirklich gut mit unseren Eltern verstanden haben. Unsere Eltern sagen heute selbst, dass sie keine Erfüllung im Elterndasein fanden und sie waren die meiste Zeit unserer Kindheit und Jugend angenervt und nicht besonders verständnisvoll. Sie sagen selbst, dass sie eigentlich keine Kinder wollten und uns bekommen haben, weil halt Ende der 60er jeder Kinder hatte. In der Familie haben wir immer um die wenige Gunst der Eltern gebuhlt und wir konnten das erst als Erwachsene reflektieren - seitdem habe ich ein total gutes Verhältnis zu meinen Geschwistern. Meine Kindheit und Jugend habe ich als sehr lieblos in Erinnerung.

      Weil diese (emotionale) Kälte sehr schwer zu ertragen war, bin ich mit 16 daheim ausgezogen. Der Kontakt zu meinen Eltern war extrem spärlich, obwohl ich emotional sehr an ihnen hing und ich habe mich immer wieder gemeldet. Sonst wäre der Kontakt vermutlich komplett abgerissen. In diesen Jahren bin ich immer nur an Weihnachten heimgefahren und dann ehrlich nur, damit ich meine Freunde treffen konnte (die auch alle an Weihnachten heimgefahren sind) und damit ich meine Geschwister sehe und weil wir irgendwie die irre Hoffnung hatten, dass wir vielleicht doch mal eine sehr liebevolle Familie werden. Natürlich hat sich diese Hoffnung nie erfüllt.

      Weil mich das doch ziemlich belastet hat, habe ich versucht, all das aufzuarbeiten. Ich hatte dann eigentlich mit dem Thema "Eltern" abgehakt, man hat so alle sechs bis acht Woche kurz telefoniert und hatte sich nichts zu sagen, als ich wirklich meine absolute Traumstelle im Wohnort meiner Eltern fand. Ich zog also wieder her - aber natürlich nicht mehr daheim ein. Kontakt zu meinen Eltern war sehr spärlich, man traf sich manchmal bei Geburtstagen oder beim Einkaufen oder zufällig auf der Straße. Es war traurig. Meinen Geschwistern geht es auch so. Es liegt also nicht an mir. Es ist auch nichts Schlimmes vorgefallen. In der Zeit haben wir angefangen, Heiligabend bei uns zu feiern (meine Eltern haben kein Interesse an einer gemeinsamen Feier), also meine Geschwister, ihre Lebenspartner und meine Familie.

      Ich habe geheiratet und Kinder bekommen - und da begann das Unglaubliche. Meine Eltern entwickelten sich zu liebevollen, verständnisvollen, interessierten und motivierten Großeltern. Meine Geschwister und ich hatten daran emotional wirklich zu knabbern, da wir einfach zu dem Schluss gekommen waren, dass unsere Eltern vielleicht gar nicht über so ein familiäres Gefühlsspektrum verfügten - nun sahen wir, doch, es geht, leider ging es nicht bei uns. Es ist so, als ob sie mit den Kindern nun alles nachholen, was wir nie bekommen haben. Meine Kinder lieben meine Eltern heiß und innig.

      Traditionell gibt es am 1. Weihnachtsfeiertag immer ein Essen bei meinen Eltern, nicht wegen uns, aber wegen der Enkel. Wir essen dann, bleiben drei Stunden da, Kids packen Geschenke aus und alle sind glücklich (oder tun zumindest so). Ich könnte eigentlich darauf verzichten, will aber meinen Kindern den Kontakt mit den Großeltern nicht vermiesen und auch die Kids nicht als Waffe und Rache für meine eigene mißglückte Kindheit einsetzen. Für meine Eltern ist das "Weihnachten", für die Kinder ein wichtiger Bestandteil.

      Nun ist es so, dass ich vor einigen Wochen einen heftigen Streit mit meinem Vater hatte. Auslöser war eine Nichtigkeit, er ging völlig in die Luft und warf mir einfach Dinge an den Kopf, die mich unglaublich verletzten. Dummerweise habe ich geantwortet, sonst gehe ich bei solchen Ausbrüchen einfach, aber dieses Mal ... nun ist absolute Funkstille. Ich bin ihm gestern in der Stadt begegnet und er hat die Straßenseite gewechselt. Meine Kinder gehen weiterhin Oma und Opa besuchen, da hat sich nichts geändert, ich will sie auch nicht als "Waffe" einsetzen, aber beim Gedanken, dass ich am 1. Feiertag da hin muss, dreht sich echt mein Magen um, einfach, weil doch noch so viele Emotionen aus meiner Kindheit und Jugend mit hochkommen. (Gott, ich hoffe, ich klinge nicht wie der letzte Jammerlappen).

      Wenn ich überlege, gibt es drei Möglichkeiten:
      1) Meine gesamte Familie geht dieses Jahr nicht - dann sind aber meine Kinder mit- gestraft, weil sie wirklich gerne gehen und sich auf den 1. Feiertag freuen
      2) Wir gehen hin und hoffen, dass nichts eskaliert. Zur Not ertrage ich, dass mich mein Vater ignoriert.

      3) Der Rest meiner Familie geht zu Oma und Opa und ich bleibe daheim. Ehrlich habe ich keine Lust darauf, an dem Tag alleine zu sein, ich will ihn mit meinen Kindern verbringen.

      Was tun? Ihr könnt dazu neutralere Antworten geben. Ich bin euch für eure Meinungen sehr dankbar!

      • Ich bin sehr viel älter als du.

        Ich weiß nicht, wie ich als junge Frau reagiert hätte in so einer Situation, kann mir allerdings auch so eine lieblose Kindheit, wie du sie hattest, nicht vorstellen.

        Mit meiner Erfahrung von heute würde ich an deiner Stelle nicht hingehen. Zwischen dir und deinen Eltern wäre sehr viel aufzuarbeiten, habt ihr aber nicht gemacht, sondern einen Weg gefunden, irgendwie unverbindlich miteinander umzugehen.
        Jetzt wurdest du wieder mit einer Situation konfrontiert, mit der du eigentlich nicht fertig wirst und wieder in die Rolle des "Kindes" gedrängt. Wieder nur schlucken, hinnehmen?

        Wie lange soll das gehen, bis du 50 bist, deine Kinder aus dem Haus und deine Eltern Berufstyrannen?

        Als du Kind warst, konntest du nicht aufbegehren, du hättest an der Situation sowieso nichts ändern können, aber es hat dich mit 16 Jahren aus dem Haus getrieben. Jetzt bist du erwachsen und hast eine eigene Familie, irgendwann musst du das Muster durchbrechen, sonst wirst du ewig das "Kind" bleiben, das alles hinzunehmen hat.

        • (3) 04.12.12 - 13:22

          Hallo,

          danke. Ich weiß, dass du Recht hast. Dumm ist, dass ich den absolut kindlichen Wunsch nach einer Familie habe - meine rationale Ebene weiß, dass es einfach nicht passieren wird, meine emotionale geht lieber 1000 Mal hin, holt sich wieder und wieder und wieder eine Abfuhr. Ist vermutlich der gleiche Mechanismus, der Angehörige von Alkoholikern bei ihren Partnern bleiben lässt, etc. etc. etc.

          Wir (alle Kinder) wären an einer Aufarbeitung sehr interessiert - dazu wird es aber nicht kommen, weil meine Eltern immer alles richtig gemacht haben und sich nichts vorzuwerfen haben. Du verstehst?

      Hallo.

      Mach nichts, was du nicht willst. Gehe eben dann nicht dahin. Oder vielleicht könntet ihr über die Feiertage wegfahren. Dann würdest du nicht alleine und mit Familie feiern. Ich würde deinen Eltern spüren lassen, dass du nicht klar kommst damit. Du siehst, wie deine Kinder die Liebe bekommen, die du damals und vielleicht auch jetzt noch haben wolltest. Und das tut verdammt weh. Lass deine Kinder nach den Feiertagen dort hin gehen.

      Viel Glück.

      LG Hermina

      • (5) 04.12.12 - 13:45

        Ja, je länger ich nachdenke, um so sicherer bin ich, dass ich nicht hingehe. Die Frage ist, ob die Kinder dürfen. Vermutlich ja.

    Für mich ist an dieser Stelle die Frage entscheidend, wie die Beziehung zwischen Eltern und Kindern ist und nicht zwischen Eltern und Enkeln.

    Du kannst natürlich eine Faust in der Tasche machen und dort hin gehen, nur, was bringt dir das? Das ist ein Ignorieren von dem, was seit Jahren zwischen euch steht. Deinen Eltern geht es um die Enkel und nicht um dich. Sorry, das ist so. Du bist im Grunde ein notwendiges Übel, um das eigentliche Ziel zu erreichen. Und da würde ich mich schwer fragen, ob ich mir das geben muss.
    Die ganzen Dinge, die unausgesprochen zwischen euch stehen, werden ignoriert, so lange, bis es heftigst knallt, so wie jetzt passiert. Es gibt kein, wir haken die Vergangenheit ab und fangen neu an, es gibt nur die gleiche Form von Ignoranz und Unter- und Überordnung, wie in eurer Kindheit. Lieblosigkeit. Muss man sich Lieblosigkeit und Ignoranz an Weihnachten geben? Ich meine nicht.

    • (7) 04.12.12 - 13:44

      Danke - ja, es ist echt so. Hätte ich keine Kinder (und meine Eltern keine Nachbarn) wäre vermutlich keiner von uns eingeladen.

      Das Problem ist, dass meine Eltern überhaupt nicht anerkennen, dass etwas zwischen uns steht. Meine Geschwister und ich haben jahrelang immer wieder versucht, das zu klären. Unsere kleine Schwester hat am meisten gelitten (sie hat eine etwas andere Biografie, da sie zunächst fast alle Zuneigung bekommen hat und dann plötzlich fallen gelassen wurde) - der Therapeut hat sich sehr bemüht, meine Eltern da ins Boot zu holen, aber sie haben sich total gesträubt, es wäre alles in Ordnung, wir wären eine undankbare Meute, die nicht zu schätzen wüssten, welch wunderbare Kindheit wir hatten. Das ist der Standpunkt, den sie vertreten.

      • Lass mich raten... Der Therapeut hat euch oder sie gefragt, was denn der Einstieg in einen Dialog sein könnte...

        Aufrichtiges Bedauern ist m. E. angebracht... Wie sie denken schreibst du... Also, warum gibst du dir das? Lass dich doch nicht treten. Dein Vater wechselt die Straßenseite... Ich habe meinen Kindern erklärt, wie ich fühle, was Sache ist und das ich einfach nicht mehr möchte. Bei uns kriecht meine Ex meinen Eltern bis zu den Schultern in den Arsch... Für Geld macht man ja alles... Der Kommentar meiner Tochter, 12 Jahre nach dem letzten Besuch... Oma ist ne dumme Kuh, die geht uns allen auf den Nerv.

        Mein Vater hat mich die Tage angerufen und mir mitgeteilt, dass meine Mutter in der Uniklinik liegt... Ich hab mich für die Info bedankt und das war es. Nix mehr, Ende, ich lebe so viel besser.

Hallo,

es gibt noch Lösung 4, wenn die Entfernung zwischen euren Wohnungen nicht sehr groß ist:

Die Kinder gehen am 1. Feiertag alleine zu Oma und Opa und ihr Eltern bleibt zu Hause.

LG Litha

  • (10) 04.12.12 - 13:40

    Danke! Erst dachte ich "nee, das mache ich nicht", aber eigentlich gefällt mir die Idee ganz gut. Ich schlafe nochmal drüber, aber es könnte wirklich die Lösung des Problems sein.

das wäre auch mein Vorschlag!

so können die Kinder Oma + Opa sehen, die Großeltern können DIR nix vorwerfen und Mama und Papa können sich einen schönen Nachmittag zu zweit machen! #glas

ich an deiner Stelle würde aber denke ich nicht zu meinen Eltern gehen in dieser blöden Situation - erst recht nicht an Weihnachten.

  • (12) 04.12.12 - 13:39

    Danke, das ist echt ein Aspekt, den wir so noch nicht überlegt haben. Beim ersten Lesen dachte ich "nie im Leben", aber inzwischen ....

    • natürlich musst du dir absolut sicher sein können, dass deine Eltern die Sache mit deinen Kids auch richtig machen. aber so wie ich das gelesen hab, warst du ja schon des Öfteren dabei und hast das Miteinander von Großeltern und Enkeln beobachten können.

      also wenn du keine Einwände hast, was den Umgang und die Versorgung (mein Papa hätte z. B. bestimmt ein Problem mit dem Toilettengang bzw. dem Popo abputzen #rofl) angeht, wäre das bestimmt ne gute Lösung. wichtig ist aber natürlich, dass DU dich mit der Sache wohlfühlst. wenn du dir sonst die ganze Zeit nur Sorgen und Gedanken machst, hast gerade du auch nichts gewonnen.

      wenn das aber klappt, hast du vielleicht auch für die Zukunft dann immer eine gute Möglichkeit, deine Kinder mal ein paar Stunden unterzubringen und deinen Eltern "einen Gefallen" zu tun (du bist ihnen natürlich nichts schuldig, aber so können sie auch nichts unterstellen).

Hallo,

ich kann deine Gefühle sehr gut nachvollziehen,ich habe ähnliches als Kind durch.
Nur mit dem Unterschied,dass mein Bruder alles bekam,Liebe und Zuneigung Verständnis und ich,das Kind aus erster Ehe,war nur das Mitbringsel,das lästige Etwas,das eben dabei war.
Ich bin auch mit 17 davon gelaufen und ich habe es bis heute keine Sekunde bereut.
Solche Weihnachten wie Du sie mit deinen Eltern hast,haben wir nicht und auch darüber bin ich irgendwie froh.Meine Eltern interessieren sich kaum für ihre Enkel,die Schulanfänge haben sie vergessen,obwohl ich ihnen das mehrmals am Telefon erzählt habe und auch Taufe und Geburtstage werden mit einem abgestellten Geschenk bei der Haustüre abgefertigt,worin sich meistens Dinge befinden,die überhaupt nicht passend sind(Diddlplüschmaus für meinen 10-jährigen Sohn,ein Trike,also so ein Dreirad für die großen für meinen damals 2-jährigen,der erst jetzt,4 Jahre später mit den Füßen an die Pedale rankommt.#augen)
Aber ist egal,ich hab da nie etwas dazu gesagt und auch noch gelogen,wenn dann die Frage kam,wie die Kinder die Geschenke fanden.
Und nein,meine Eltern leiden nicht an Demenz,sie sind kerngesund und um die 53)

Lustigerweise kamen sie jetzt vor 2 Jahren an,nachdem sie meinen neuen Freund kennengelernt hatten.Sie waren so begeistert von ihm und sprachen von einem neuen Anfang für unsere Familie und so Bla Bla von Zusammenhalt,usw.
Und man möchte es nicht glauben,ich bin heute 35 und trotzdem habe ich mich gefreut wie ein kleines Kind darüber,hatte gehofft,endlich klappt es doch noch mit der Familie,wo einfach der eine für den anderen da ist,mehr hätte ich auch nicht mehr gewollt.
So und nun heiraten wir,mein Schatz und ich.Da hättest sie mal sehen sollen! Aufgeplatzt wie rohe Eier haben sie sich aufgeführt,weil sie hätten ja 130 km zu fahren und das mitten im Winter und warum muss man ausgerechnet im Winter heiraten und ihr Auto wäre für solche Fahrten nicht ausgelegt(ein 5 Jahre alter Audi A2!)
Kurz und eiskalt,sie kommen nicht,wenn,dann kommt der Vater und der bezahlt sein Essen selbst!Das war die nüchterne Erkenntnis und wieder mal ein Schlag ins Gesicht.So wie so viele Jahre zuvor,wo ich immer wieder versucht habe,den Kontakt besser werden zu lassen.
Jedesmal,wenn es eine Weile gut lief,kam wieder so ein Hammer!
An der Taufe meines Kleinen hatte meine Mutter einen langgebuchten Yogakurs(am Sonntag!)
und an meiner ersten Hochzeit war sie krank im Bett,am nächsten Tag sind sie Häuser anschauen gefahren zum möglichen Kaufen,da war sie urplötzlich wieder fit und gesund!

Nunja,ich will nicht weiter ausholen,ich an deiner Stelle würde wohl auch eher die Arschbacken zusammen kneifen und mit den Kindern hinfahren.Obwohl von der Moral her wohl eher besser wäre,nicht hinzugehen und den Kindern mal ein anderes Weihnachtsfest zu bieten,sprich zuhause,um vielleicht auch mal an Dich zu denken.

Mir kommt das aber so bekannt vor,da denkt man,man ist nach so vielen Jahren drüber weg,hat es verarbeitet und es kommt 1 Satz aus der Kindheit und man stürzt ab,man begreift nicht,warum dass es noch immer so weh tut!
Ich habe echt auch die Gedanken,du bist mal 50 und es wird nicht besser,wie bekloppt ist das denn?? #kratz

Liebe Grüße und Alles Gute!
Sylvia

  • (15) 04.12.12 - 13:35

    Danke. Bist du zufällig meine Schwester? LOL. Bei uns gab es genau solche Szenen, mein Bruder und ich haben nicht mal 100km von unserem Wohnort weg studiert. Unser Studium haben wir beide im Sommer abgeschlossen, die Abschlussfeier war abends gegen 19.00. Wir wären vermutlich die einzigen gewesen, ohne Eltern. Dummerweise sind wir nicht hingegangen. Aber sie konnten nicht, man weiß ja nicht, wie der Verkehr so ist (können aber problemlos mit Freunden 250km zum Wandern fahren).

    Bei uns ist es auch so - phasenweise läuft es einigermaßen gut (was aber nicht daran liegt, dass es etwas wärmer ist, sondern, dass man sich arrangiert) und dann läuft nichts. Mir wäre es lieber, es wäre so wie bei euch, dann könnte ich einfach(er) abhaken. Bei uns ist es wirklich Zuckerbrot und Peitsche. Mit viel Peitsche und wenig Zuckerbrot.

    Manchmal ist viel Provokation dabei. Die Hitstory bei uns war, dass unsere kleine Schwester die absolute Schulversagerin war. Sie machte mit Ach und Krach den Realschulabschluss (das örtliche Nachhilfeinstitut hat sich dumm und dappig verdient). Dann machte sie eine Lehre und arbeitet seitdem.

    Wir haben das Abi ja schon außerhäusig gemacht (erst eine Ausbildung, dann Abi, weil der alte Herr gleich sagte, man müsste ihn verklagen, wenn man Abitur machen wolle, freiwillig würde er keinen Cent zahlen). Wir haben dann Schülerbafög bekommen (unabhängig von seinem Einkommen).

    Das Studium haben wir komplett selbst finanziert, was z.T. nahezu menschenunwürdig war. Ich hatte einen 400€ Job + Kindergeld und damit habe ich mich durchgeschlagen. In den Semesterferien habe ich immer Vollzeit gearbeitet. Mein Bruder hat es auch so gemacht. Wenn Krankenversicherung, Semesterbeitrag, Strom, Wasser, Miete abgebucht war, sah es echt immer mau aus. Ich lebte in einem kleinen Kellerzimmer bei einem alten Paar im Haus, durch mein Zimmer liefen Heizungsrohre (=Hauptsache billig).

    Als wir mit dem Studium fertig waren, hat mein Vater meiner Schwester dann eine Doppelhaushälfte finanziert, mit vollständiger Renovierung, mit der Begründung, wir hätten ja studiert und einen anderen Lebensunterhalt als meine Schwester und unser Studium hätte ihn ja einiges gekostet. Auf Nachfragen, was denn, bekamen wir keine Antwort. Das klingt nun, als ob ich super missgünstig bin. Wir waren einfach fassungslos.

    Inzwischen ist meine Schwester aber auch auf unserem Status - da sie mit dem Freund, den meine Eltern so toll fanden, Schluss gemacht hat und nun seit Jahren mit einem Mann liiert ist, der fast so alt wie mein Vater ist. Auf unseren Hinweis, dass da Zusammenhänge erkennbar seien, rastete er natürlich -mal wieder- total aus.

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