Studie zu "(keine) Lust auf Kinder"

    • (1) 18.12.12 - 11:58

      Hallo,

      das Thema ist ja gerade in den Nachrichten und Medien präsent, aktuell geht es um eine Studie unter diesem Titel, die nicht nur die reinen Fakten sondern auch gesellschaftliche Hintergründe beachtet.
      Neben fehlenden Krippeplätzen, Finanzen und etc. wird auch das eher negative Bild gegenüber Kindern und Familien im Allgemeinen erwähnt.
      Und die Akademikerinnen kriegen natürlich die wenigsten Kinder...aber wirklich geklärt warum das so ist wird nicht.

      Ich bin so eine der hochgeistigen Tanten, mein Studium hat sechs Jahre gedauert...das hat für mich bedeutet, dass ich kein eigenes Gehalt verdient habe wie Freundinnen, die eine Lehre gemacht hatten, dass ich, obwohl ich hoch qualifiziert bin, drei Jahre lang mit einer 50% Stelle auskommen musste, erst seit 4 Jahren voll verdiene (die Kosten für das Studium haben sich beiweite noch nicht amotisiert, denn auch als Akademiker bekommt man nicht wesentlich höhere Gehälter) und die Stelle, die ich habe beinhaltet Führungsposition, ich kann also nicht einfach mal ein Jahr weg oder längere Zeit "ausfallen".
      Für meine Stadt (50T Einwohner) sind derzeit gerade mal 15! Tagesmütter offiziell beim Jugendamt gemeldet.

      Und dann ist da das Beispiel meiner eigenen Mutter (sowie anderer aus der Generation), die nach dem Erziehungsurlaub halbtags tätig waren und nun eine Rente kassieren, von der sie weder leben noch sterben könnten.
      Eine Freundin meiner Mutter sitzt wöchentlich! beim Sozialamt und muss um Stütze bitten...hat aber dem deutschen Staat erfolgreich zwei Kinder geschenkt mit respektabler Ausbildung.

      Was in der Studie bezüglich Finanzen auch nicht erwähnt wird, sind die hohen Wohnungsmietpreise, NK, hier in meiner Stadt ist es schwierig bis unmöglich, eine bezahlbare Eigentumgswohnung zu finden, wenn man ein haus nicht auf dem Land baut (bedeutet auch höhere Kosten wegen PKW usw.) dann kann man auf das zweite Gehalt nicht lange verzichten.

      Hinzukommt dass mein Partner jeden Tag pendelt, 12Stunden mind. unterwegs ist, und es lange die Frage war, ob wir überhaupt unter der Woche zusammen wohnen können oder eine Fernbeziehung führen müssen...und wir sind kein Einzelfall.

      Mich würde grade hier unter den "Akademikerinnen" interessieren, ob dies gleiche Gründe waren, warum ihr (noch) kein Kind, oder spät und dann nur Eines bekommen habt.
      Aber gerne auch andere Meinungen, warum es in Deutschland mit der Familie schwer ist, obwohl wir sogar sehr viele Regelungen haben, die es so im europäischen Ausland nicht gibt z.B. Mutterschutz, Elterngeld etc.
      Ist es wirklich nur das schlechte Bild von Familie und Kindern allgemein? (Das ich so ganz nicht empfinde...)

      • (2) 18.12.12 - 12:16

        Hi,

        bin keine Akademikerin.

        ich wollte nicht studieren, sondern gleich Geld verdienen.

        Und ich bin froh, diesen Weg eingeschlagen zu haben, denn während andere nach dem Studium an ihrer Karriere gearbeitet haben, bastelten wir an unserer Familie;-).

        Und nun arbeite ich an meiner Karriere, nachdem die Kids aus dem Gröbsten raus sind.

        VG

        Tattel 12,11, 7,5

        " Eine Freundin meiner Mutter sitzt wöchentlich! beim Sozialamt und muss um Stütze bitten...hat aber dem deutschen Staat erfolgreich zwei Kinder geschenkt mit respektabler Ausbildung. "

        Immer diese Polemik #augen

        Aus den Zeiten in denen dem Staat Kinder geschenkt wurden sind wir glücklicherweise schon lange raus.

        Jeder ist seines Glückes Schmied und kann sich entscheiden.

        Man kann dorthin ziehen wo man besser verdient, man kann dorthin ziehen wo Krippenplätze zu finden sind, man kann sich private Unterstützung organisieren, man kann seine Leben in die Hand nehmen und leben. Jeder wie er mag.

        Es gibt genug Studien die zeigen, dass materieller Wohlstand und ein gutes Angebot an Kinderbetreuung nicht automatisch mit steigenden Geburtenraten in Verbindung stehen.

        Wer Kinder will wird sie auch unter widrigen Umständen bekommen, wer kinderlos bleiben will wird es auch trotz guter Angebote tun.

        Und wenn die Alterspyramide irgendwann kippt ist endlich die Chance da, an den Strukturen von Rente/Altersversorgung/Zuwanderungspolitik und vielem mehr anzusetzen und Strukturen zu verändern anstatt immer nur nach staatlicher Förderung und Regulierung zu schreien. So eine Veränderung bietet viele Chancen.

        Hallo,

        ich hab nach meiner Ausbildung das Studieren und Kinderkrigen kombiniert. Mein erstes Kind ist schon bald 15, und schon "damals " gab es an der Uni Kinderbetreuung und Iitiativen, Studenten mit Kindern das Stdium zu ermöglichen. Vieles davon war Selbstinitiative, es wurde aber dann auch von oben gefördert.

        Ich will damit sagen, wer denkt es gäbe nur ein entweder oder, der sitzt einem Trugschluss auf und der hat möglicherweise eine Versorgermentalität, die ihn auch in anderen Bereichen nicht sehr weit bringen wird.

      • Hi,

        bei Dir kommen doch die berufliche und die familiäre Situation zusammen. Wenn Dein Mann 12 Stunden am Tag weg ist, dann bist Du ja fast alleine für das Kind zuständig. Das ist in jedem Fall anstrengend und nicht optimal.

        Folgendes würde bei Dir funktionieren: Stelle Dir vollzeit ein Kindermädchen an. Als Akademikerin in Führungsposition solltest Du Dir das leisten können.

        Eine Kollegin von mir hat das schon vor 35 Jahren so gemacht: Kindermädchen eingestellt, nach 4 Wochen wieder Arbeiten gegangen. Später brauchst Du dann sowieso noch eine Zusatzbetreuung, um die zu kurzen Krippen- und Kindergartenzeiten abzufangen.

        Wir arbeiten beide, haben 3 Kinder, und haben eine Haushaltshilfe eingestellt, die sich dann bei Bedarf auch um die Kinder kümmern kann.

        LG

        ez-p

        Ich bin auch Akademikerin und in einem Land groß geworden, wo die Vereinbarkeit von Kindern und Arbeit groß geschrieben wurde. Es gibt viel Negatives über die DDR zu berichten. Aber die Kinderbetreuung war wirklich vorzeigbar. Vielleicht sagen deshalb ein Großteil der Ossis, dass vollbeschäftigte Mütter keine Rabenmütter sind, sondern geschätzt werden. Im Gegensatz dazu wird über Hausmuttis schlecht geredet.

        Ich habe auch keine Kinder. Ich habe mich aber bewusst dagegen entschieden. DAfür gibt es viele Gründe. Fehlende Kinderbetreuung oder Jobangst gehören aber nicht zu diesen Gründen, die nur mich etwas angehen und von "normalen" Menschen sowieso nicht nachvollziehbar sind.

      • Ich habe meine erste Tochter zum Ende des Studiums bekommen, ein Krippenplatz war überhaupt kein Problem damals. Anders sah es bei der Jobsuche aus. Die Stellen für "Akademikerinnen" waren schlecht bezahlt - also habe ich zu dem noch eine Ausbildung gemacht und arbeite jetzt in diesem Beruf.

        Kind Nr. 2 kam während meines Berufslebens, das fand ich schon schwieriger -aber keinesfalls so schwierig, dass ich jemals etwas bereut hätte. Sie ist ebenfalls in die Kinderkrippe gegangen und ich war immer Vollzeit berufstätig. (Und das lange Jahre alleinerziehend mit 2 Kids).

        Also ich denke, dass geht. Ich arbeite mit vielen studierten Frauen zusammen, die jetzt mit Ende 30 noch kein Kind haben aus den gleichen Gründen wie von dir angegeben. Aber manchmal denke ich, ist das Problem "hausgemacht". ;-)

        • (8) 18.12.12 - 15:42

          " Aber manchmal denke ich, ist das Problem "hausgemacht"."

          Jaja, das ewige Warten auf den perfekten Zeitpunkt für Kinder. ;-)

          • (9) 18.12.12 - 16:31

            :-)

            Im Nachhinein muss ich sogar sagen, dass die Kinder auf den 1.Blick immer irgendwie "unpassend" kamen beruflich gesehen - jetzt im Nachhinein war es genau richtig so.

            • (10) 18.12.12 - 16:34

              Ich sag immer, der passende Zeitpunkt ist nie UND immer, je nachdem, wie man das sieht. Umorganisieren muss man sich immer, egal zu welchem Lebenszeitpunkt. Aber ich finde, Kinder sind das wert und man lernt von ihnen nochmal, was sonst noch so wichtig sein kann im Leben außer Karriere und Geld.

      (11) 18.12.12 - 15:38

      Hallo,

      ich bin auch eine Akademikerin, aber mit Kind.
      Ich habe meinen Sohn im Studium bekommen. Fand ich nie ein Problem. Wir bekommen nächstes Jahr mit fast 8 Jahren Abstand das zweite Kind. Auch jetzt habe ich nicht vor lange Vollzeit zuhause zu bleiben, sondern schnell wieder Teilzeit zu arbeiten.

      Ich denke, dass es in D gerade wegen den ganzen finanziellen Unterstützungen aber wenig Betreuungsstruktur so wenig Kinder gibt. In den Niederlanden ist es z.B.

      ganz anders. Da sind die Betreuungsplätze ab 3 Monaten zwar super teuer, aber gerade die Akademiker, die ich kenne, haben da 2 bis 4 Kinder. Da gibt es halt nur die 8 Wochen Mutterschutz, danach kann man die Zeit zuhause durch seinen Urlaub verlängern und dann geht's für die Kinder ab in die Krippe. Mutter geht Ganz- oder Teilzeit wieder in den Beruf und gut ist. Arbeitsplatzgarantie über bis zu 3 Jahre Elternzeit muss da kein Arbeitgeber garantieren, so dass Frauen einfacher eingestellt werden. Denn wo keine Stelle über Jahre freigehalten werden muss, da gibt es auch keine Mehrkosten, weil die Stelle in der Elternzeit ja irgendwie vertreten werden muss. Was gerade in Berufen, in denen dem Mitarbeiter viel Einarbeitung und selbstständiges Arbeiten abverlangt, auch schlecht möglich ist.

      (12) 18.12.12 - 15:58

      Ich bin auch keine Akademikerin. Ich wollte nie studieren oder Karriere machen.

      Ich habe eine Ausbildung gemacht und habe zwei Kinder. Wir möchten noch ein drittes.

      Meiner Meinung nach ist Deutschland Kinderunfreundlich!
      Alles was mit Kindern zu tun hat (Babyerstaustattung, Kindergartenplätze,Schulbücher, Urlaube in den Ferien usw.) kostet unmengen von Geld.

      Mütter, die nach der Babypause schnell wieder arbeiten gehen werden als "Rabenmütter" angesehen. Diejenigen, die 3 Jahre zu Hause bleiben, als "faul".
      Man kommt nicht richtig in den Job wieder rein, weil es keine gute und ausreichende Kinderbetreuung gibt.
      Schließzeiten bei den meisten Kindergärten verhindern einfach, dass die Frau auch einen guten Job ausüben kann.

      Wenn man dann eine andere Einstellung hat, als ich, dann ist es schwer sich für Kinder zu entscheiden.
      Lg paula

      • Kann Dir nur zustimmen!

        Nach ingesamt 7 Jahren Ausbildungszeit und fast 15 Jahren Berufserfahrung durfte ich feststellen, dass der Stempel "Kinder" einen bei der Jobsuche praktisch unsichtbar werden lässt. Von Schließ- und Ferienzeiten von Schule und Kindergarten, die auch überbrückt werden müssen, will ich garnicht erst anfangen. Wer keine Oma vor Ort hat, ist praktisch aufgeschmissen.

        Mein Fazit mit zwei Kindern: Kinder sind toll und großgezogen kriegt man sie auf jeden Fall - aber Deutschland ist kein Land, das sich um seinen Nachwuchs wirklich verdient macht.

        Ich habe da ganz andere Länder erlebt...kinderunfreundlich ist wirklich was anderes.

        Und was die Betreuung angeht...für Schließzeiten oder nicht abgedeckte Randzeiten im Alltag kann man sich Babysitter, Tagesmütter oder Studentinnen organisieren. Das wird in unserem Umfeld viel gemacht und scheint gut zu klappen.

        Es ist eben immer die Frage was man bereit ist zu investieren und bei einigen Bekannten habe ich das Gefühl dass es ihnen einfach langt vormittags ein paar Stunden zu arbeiten und nachmittags daheim zu sein. Ist ja ihr gutes Recht aber man sollte schon mal drauf schauen WAS wir an staatlicher Förderung und Unterstützung für die Erfüllung des letztendlich privaten Kinderwunsches alles haben. Das ist nicht wenig.

        • Seit wann sponsort der Staat einen Babysitter???

          Ich nehme mir doch nicht zusätzlich einen Babysitter, den ich bezahlen muss, wenn ich im Monat über 200,- Euro Kindergartenbeitrag zahle!

          • " Seit wann sponsort der Staat einen Babysitter??? "

            ...habe ich das irgendwo geschrieben? #kratz

            "Ich nehme mir doch nicht zusätzlich einen Babysitter, den ich bezahlen muss, wenn ich im Monat über 200,- Euro Kindergartenbeitrag zahle!"

            Und genau das ist das Problem...warum nicht? Wenn dadurch der Berufsalltag einfacher wird, die Kinder gut betreut sind, die Hektik aus dem Alltag raus genommen wird, der Ablauf stressfreier wird?

            • "WAS wir an staatlicher Unterstützung und Förderung für die Erfüllung eines privaten Kinderwunsches alles haben, ist nicht wenig"

              Und davor hast Du geschrieben, man könnte die nicht abgedeckten Betreuungszeiten zum Beispiel durch einen Babysitter auffüllen...

              Ich weiß ja nicht, was Du für einen Job hast und wieviel Geld Du da verdienst.
              Ich kann es mir nicht leisten zusätzlich zum Kindergartenplatz noch einen Babysitter zu bezahlen.

              Und ganz ehrlich: Hektik aus dem Alltag, der Ablaug stressfreier...dann sollte man sich vielleicht wirklich überlegen, ob Kinder zu bekommen/zu haben so die richtige Entscheidung sind!

              • " Und ganz ehrlich: Hektik aus dem Alltag, der Ablaug stressfreier...dann sollte man sich vielleicht wirklich überlegen, ob Kinder zu bekommen/zu haben so die richtige Entscheidung sind! "

                Warum darf man eigentlich nie sagen (resp. schreiben) dass Kinder auch Stress und Hektik in den Alltag bringen - bei allen wundervollen und faszinierenden Eigenschaften die sie sonst noch an sich haben - ohne das einem direkt gesagt wird wenn man das nicht klag- und kommentarlos hinnimmt ist Kinderhaben wohl nichts für einen!?

                Niemand sagt mir wenn ich über den letzten Stau schimpfe "ja dann ist wohl der Besitz eines Wagens nichts für dich, fahr doch Bahn" oder wenn mich mein Job nervt kommt niemand mit dem Argument "musst ja nicht Arbeiten gehen, hast es dir ja asleber so ausgesucht" aber bei Kindern wird sofort das Totschlagargument vorgekramt: dann hätteste mal besser gar keine bekommen.

                WIESO? So kann man doch nicht diskutieren!

                • Natürlich darf man das sagen!

                  Aber wenn man zusätzlich zum Kindergarten noch einen Babysitter oder eine Tagesmutter braucht, um keinen Stress zu haben oder die Hektik rauszunehmen, dann finde ich das schon bedenklich.
                  Klar, MAL geht das auch, aber doch nicht regelmäßig...

                  Ich habe meine große Tochter damals auch Samstags zu Oma gebracht, weil ich nachts gearbeitet habe.
                  Meine normale Arbeit hatte ich vormittags, als sie im Kindergarten war. Nachmittags hatte ich dann frei und Zeit für sie.

                  Ich finde das passt nicht zusammen: Kinder zu haben und zusätzlich im Job voll durch zu starten und Karriere zu machen. Also nicht beide Elternteile. Einer ja. Der andere muss dann eben mal für eine gewisse Zeit zurückstecken.
                  Meine Meinung...!

    (20) 18.12.12 - 16:33

    "Eine Freundin meiner Mutter sitzt wöchentlich! beim Sozialamt und muss um Stütze bitten...hat aber dem deutschen Staat erfolgreich zwei Kinder geschenkt mit respektabler Ausbildung."

    Was macht die denn jede Woche da? ein Antrag geht immer 6 monate, beim sozialamt sogar 1 Jahr lang!

    Vielleicht sollte deine Mutter der Frau mal erklären das sie nicht wöchentlich da sitzen und um stütze betteln soll sondern mal IN das Gebäude gehen soll und nen Antrag stellen soll und nicht vorm Haus bettel soll

    #rofl#sorry

    Sorry aber kein Mensch muss für bezüge betteln sondern bloß nen Antrag ausfüllen.

    Ps, ich habe mich dazu entschieden: Erst Kind, dann Ausbildung weil dann mit Kind einfach mehr Zeit dazu ist als erst ausbildung, dann job, wo ist dann bitte der richtige Zeitpunkt für irgendwann den job auszusetzen? finde meine reihenfolge für mich sinnvoller

    (21) 18.12.12 - 16:41

    Ich bin Akademikerin ohne Kind und noch relativ jung, da ich sehr geradlinig Schulabschluss und Studium durchgezogen habe, Auslandsaufenthalte mit dem Studium integriert habe, ohne zusätzlich ein Semester oder Jahr zu benötigen.

    Für mich wäre ein Kind während dem Studium nicht nur aus zeitlichen Gründen unmöglich gewesen, sondern auch aus finanziellen und gesundheitlichen Gründen. Allerdings hat mit dem Entscheid, ein Kind zu kriegen, nicht nur die äusseren Umstände etwas zu tun.

    Ich persönlich finde, dass Deutschland hier wirklich eine gute Grundlage hat, um Mutter zu werden - rein theoretisch. Bezahlte Elternzeit - das gibt es noch nicht einmal überall auf dem Kontinent - schaut einmal nach Frankreich oder in die Schweiz.

    Ich habe wenige Monate in den USA gelebt, Jahre in der Schweiz und Grossbritannien, mehrere Wochen an verschiedenen Orten in Deutschland und natürlich normale Rucksackreisen durch Europa, den USA und ich war zweimal in Afrika - und nur in Deutschland wird so ein Geschrei um Kinder gemacht - ich fand Eltern nie so dominant wie dort.

    Ich glaube, die oft unterstellte Kinderfeindlichkeit in Deutschland richtet sich gar nicht gegen die Kinder selbst, sondern gegen die Eltern, die sich viel zu wichtig nehmen und den Hals nicht voll kriegen. Deshalb ist es auch ein sehr subjektives Thema.

    Ich sage nicht, dass man nichts verbessern kann - das geht immer.

    Hallo,
    ich sehe verschiedene Probleme, eines ist zum Beispiel, dass viele immer erwarten, dass andere das Leben für sie regeln. Diese Menschen warten auf Hilfe vom Staat zwecks Kinderbetreuung, sehen nur finanzielle Verluste etc.
    Ein anderes Problem ist aber auch, dass viele immer auf den richtigen Zeitpunkt warten und ihn dabei verpassen, oder auf den richtigen Partner oder was auch immer.

    Und was mir auch auffällt, dass jeder versucht dem anderen in sein Lebenskonzept reinzureden. Bekomm ich mit Anfang 20 Kinder, bin ich zu jung, bin ich Mitte 30, ist das zu alt. Geh ich nach einem Jahr arbeiten, schieb ich mein Kind ab, bleib ich bis zur Einschulung daheim, bin ich faul und lass mich von meinem Mann aushalten... na du kennst ja die Diskussionen. Das verunsichert sicher auch manchen. Damit einher geht eben auch, dass viele den Eindruck haben, Familie bzw. Kinder würden nicht wertgeschätzt. Aber wieviele Menschen bleiben vielleicht ungewollt kinderlos?

    Und zu deiner Frage, warum Akademikerinnen so wenig Kinder bekommen, ich denke oft, dass Kopfmenschen zu sehr überlegen, was sie dem Kind bieten können, ob sie das schaffen und ob der Lebensstandart gehalten werden kann... je verkopfter man an die Sache ran geht, umso schwieriger wird es, weil man haufenweise Steine im Weg liegen sieht und nicht die Brücke, die man daraus bauen kann.

    LG Steffi

    • Hi,

      ich denke auch, bis man Akademiker ist, einen guten Job und Karriere gemacht hat, vergeht eine gewisse Zeit.
      Dann ist man schnell 30/35 und dann geht das Problem los....man wird nicht gleich Schwanger....künstliche Befruchtung kostet extrem viel Zeit ( darf außerdem keiner mitbekommen) und dann Geld! Irgendwann ist der Zug entweder abgefahren oder man muss gleich wieder arbeiten gehen , um das weitere Lebenzu finanzieren, wenn man Glück hat im selben Job und wenn man Pech hat, in einem der schlechter ist.

      Aber oft sind es die Ansprüche am Leben, die einen Stressen. Sicherlich früher war alles anders aber kaum eine Mutter mußte arbeiten und aus den Kids ist trotzdem was geworden, ohne das man denen ALLES bieten mußte.

      Das Schlimmste finde ich das Gekeife unter den Frauen.....jeder schimpft über den anderen ansatt das Lebensmodell des anderen zu akzeptieren. Aber das ist die Neidgesellschaft...jeder ist dem anderen auf der ein oder anderen Art neidig.

      ....das ist ein langer Rattenschwanz, es liegt an so vielen Kriterien, warum das System in diesem Bereich extrem kränkelt.

      Lisa

Hallo,

bin Akademikerin und habe drei Kinder.

Habe mich grade heute drüber aufgeregt, dass alle soooo verwundert tun das keiner mehr Kinder möchte.

Mein Alltag sieht so aus: Morgens um 6 Uhr aufstehen, drei (!!!) kleine Kinder (2, 5, 8 Jahre alt) und mich fertigmachen und um 7 in den Hort zu bringen. Dann Arbeiten fahren, danach gleich um 15 Uhr die Kinder wieder abholen. Dann das Nachmittagsprogramm: Tanzen, Turnen, Schwimmen, Verabredungen, Arzttermine, Einkaufen, Haushalt usw. (wohlgemerkt alles wieder mal 3). Dazwischen Hausaufgaben und Lernen mit dem Ältesten (Lernen für Arbeiten, Vokabeln lernen, Gedichte auswendig lernen,...) da das meiste in unserem Hort nicht geschafft wird. Ganz ehrlich, Stress PUR wenn dabei noch die 5jährige und die 2jährige ständig etwas von einem wollen (Mama Essen, Mama trinken, Mama ich muss mal, Mama kannst Du mit mir spielen...?). Nachmittag gut mit den Kindern verbracht falle ich dann recht früh ins Bett, sobald die Kiddies schlafen, weil ich einfach k.o. bin.

Als "Dank" dafür darf man sich dann ab und an schief ansehen lassen, wenn die Kids MAL in der Öffentlichkeit nicht so funktionieren wie sie sollen (Beispiel: Kind müde und quengelt, gleich böse Blicke ernten im Supermarkt etc). Hier in Deutschland wird von Kindern erwartet das sie kleine Erwachsene sind, und wenn sie es (noch) nicht sind, dann sind natürlich alleine die Eltern und deren verkorkste -oder nicht vorhandene- Erziehung schuld. Kinder haben immer leise zu sein, sauber zu sein und keine Umstände zu machen.

Desweiteren geht die Hälfte meines Gehalts für Kinderbetreuung drauf. Hätte ich nicht studiert, könnte ich es mir gar nicht leisten arbeiten zu gehen und die Kinder in der Zeit betreuen zu lassen...! Abgesehen davon kann ich gerade aufgrund fehlender Kinderbetreuung gar nicht 100% arbeiten, denn dann würde die zusätzliche Kinderbetreuung soviel zusätzlich kosten wie mein zusätzlicher Verdienst.

Abgesehen davon erkauft man sich das Privileg Kinder mit schlechteren Chancen auf Führungspositionen oder allgemein Chancen auf dem Arbeitsmarkt allgemein. Ich hatte sehr großes Glück dass mein Chef mich -trotz- der drei Kinder und mit reduzierter Arbeitszeit (70% war eigentlich eine volle Stelle) genommen hat. Aber so denken ja leider nicht alle.

Wenn ich dann so meine Kolleginnen sehe (Akademikerinnen), verstehe ich ihre rationale Entscheidung, keine Kinder zu bekommen sehr gut.

  • hallo,

    "Hier in Deutschland wird von Kindern erwartet das sie kleine Erwachsene sind, und wenn sie es (noch) nicht sind, dann sind natürlich alleine die Eltern und deren verkorkste -oder nicht vorhandene- Erziehung schuld. Kinder haben immer leise zu sein, sauber zu sein und keine Umstände zu machen."

    ich habe mit meinen kindern viele urlaube im ausland verbracht. es waren keine pauschalreisen und somit standen wir fast täglich im supermarkt, schlenderten durch städte, besuchten täglich restaurants. ich kann in keinem der länder unterschiede zur kinderfreundlichkeit feststellen.

    vielleicht liegt es auch daran, dass meine kinder weder in deutschland, niederlanden, belgien, dänemark, italien, frankreich und co nicht tobend durchs restaurant rennen dürfen.

    und diverse leute freuen sich, an ihren blicken und kommentaren erkennend, wenn sie total angeschmiert und verschlammt vom kindergarten kommen, ein beweis dafür, dass sie frei gespielt haben. wiederum gehört es sich für mich, zu omas geburtstag ne frisches shirt anzuziehen.

    "Abgesehen davon erkauft man sich das Privileg Kinder mit schlechteren Chancen auf Führungspositionen oder allgemein Chancen auf dem Arbeitsmarkt allgemein. Ich hatte sehr großes Glück dass mein Chef mich -trotz- der drei Kinder und mit reduzierter Arbeitszeit (70% war eigentlich eine volle Stelle) genommen hat. Aber so denken ja leider nicht alle."

    ich glaube nicht, dass es daran liegt, dass die führungsposten nicht von einem besetzt werden, weil man kinder hat, sondern an der qualifikation.
    alle geschäftsführer/-innen und angestellte mit leiteneder position haben kinder. es sind auch frauen dabei.

    ich male es nicht so schwarz wie du. ich persönlich sehe mich nicht gehemmt, vielleicht noch ein drittes kind in die welt zu setzen.
    es gibt nichts besseres, als ein jahr bezahlt die elternzeit zu genießen in häöhe des arbeitslosengeldes. dh, dass jahr zu überbrücken ist unproblematisch.

    ich bin immer 40 stunden nach der elternzeit arbeiten gegangen und finde das leben mit 2 kindern äußerst lebenswert, meine kinder denke ich auch.

    gruß

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