Studie zu "(keine) Lust auf Kinder"

    • (1) 18.12.12 - 11:58

      Hallo,

      das Thema ist ja gerade in den Nachrichten und Medien präsent, aktuell geht es um eine Studie unter diesem Titel, die nicht nur die reinen Fakten sondern auch gesellschaftliche Hintergründe beachtet.
      Neben fehlenden Krippeplätzen, Finanzen und etc. wird auch das eher negative Bild gegenüber Kindern und Familien im Allgemeinen erwähnt.
      Und die Akademikerinnen kriegen natürlich die wenigsten Kinder...aber wirklich geklärt warum das so ist wird nicht.

      Ich bin so eine der hochgeistigen Tanten, mein Studium hat sechs Jahre gedauert...das hat für mich bedeutet, dass ich kein eigenes Gehalt verdient habe wie Freundinnen, die eine Lehre gemacht hatten, dass ich, obwohl ich hoch qualifiziert bin, drei Jahre lang mit einer 50% Stelle auskommen musste, erst seit 4 Jahren voll verdiene (die Kosten für das Studium haben sich beiweite noch nicht amotisiert, denn auch als Akademiker bekommt man nicht wesentlich höhere Gehälter) und die Stelle, die ich habe beinhaltet Führungsposition, ich kann also nicht einfach mal ein Jahr weg oder längere Zeit "ausfallen".
      Für meine Stadt (50T Einwohner) sind derzeit gerade mal 15! Tagesmütter offiziell beim Jugendamt gemeldet.

      Und dann ist da das Beispiel meiner eigenen Mutter (sowie anderer aus der Generation), die nach dem Erziehungsurlaub halbtags tätig waren und nun eine Rente kassieren, von der sie weder leben noch sterben könnten.
      Eine Freundin meiner Mutter sitzt wöchentlich! beim Sozialamt und muss um Stütze bitten...hat aber dem deutschen Staat erfolgreich zwei Kinder geschenkt mit respektabler Ausbildung.

      Was in der Studie bezüglich Finanzen auch nicht erwähnt wird, sind die hohen Wohnungsmietpreise, NK, hier in meiner Stadt ist es schwierig bis unmöglich, eine bezahlbare Eigentumgswohnung zu finden, wenn man ein haus nicht auf dem Land baut (bedeutet auch höhere Kosten wegen PKW usw.) dann kann man auf das zweite Gehalt nicht lange verzichten.

      Hinzukommt dass mein Partner jeden Tag pendelt, 12Stunden mind. unterwegs ist, und es lange die Frage war, ob wir überhaupt unter der Woche zusammen wohnen können oder eine Fernbeziehung führen müssen...und wir sind kein Einzelfall.

      Mich würde grade hier unter den "Akademikerinnen" interessieren, ob dies gleiche Gründe waren, warum ihr (noch) kein Kind, oder spät und dann nur Eines bekommen habt.
      Aber gerne auch andere Meinungen, warum es in Deutschland mit der Familie schwer ist, obwohl wir sogar sehr viele Regelungen haben, die es so im europäischen Ausland nicht gibt z.B. Mutterschutz, Elterngeld etc.
      Ist es wirklich nur das schlechte Bild von Familie und Kindern allgemein? (Das ich so ganz nicht empfinde...)

      • Hi,

        bin keine Akademikerin.

        ich wollte nicht studieren, sondern gleich Geld verdienen.

        Und ich bin froh, diesen Weg eingeschlagen zu haben, denn während andere nach dem Studium an ihrer Karriere gearbeitet haben, bastelten wir an unserer Familie;-).

        Und nun arbeite ich an meiner Karriere, nachdem die Kids aus dem Gröbsten raus sind.

        VG

        Tattel 12,11, 7,5

        " Eine Freundin meiner Mutter sitzt wöchentlich! beim Sozialamt und muss um Stütze bitten...hat aber dem deutschen Staat erfolgreich zwei Kinder geschenkt mit respektabler Ausbildung. "

        Immer diese Polemik #augen

        Aus den Zeiten in denen dem Staat Kinder geschenkt wurden sind wir glücklicherweise schon lange raus.

        Jeder ist seines Glückes Schmied und kann sich entscheiden.

        Man kann dorthin ziehen wo man besser verdient, man kann dorthin ziehen wo Krippenplätze zu finden sind, man kann sich private Unterstützung organisieren, man kann seine Leben in die Hand nehmen und leben. Jeder wie er mag.

        Es gibt genug Studien die zeigen, dass materieller Wohlstand und ein gutes Angebot an Kinderbetreuung nicht automatisch mit steigenden Geburtenraten in Verbindung stehen.

        Wer Kinder will wird sie auch unter widrigen Umständen bekommen, wer kinderlos bleiben will wird es auch trotz guter Angebote tun.

        Und wenn die Alterspyramide irgendwann kippt ist endlich die Chance da, an den Strukturen von Rente/Altersversorgung/Zuwanderungspolitik und vielem mehr anzusetzen und Strukturen zu verändern anstatt immer nur nach staatlicher Förderung und Regulierung zu schreien. So eine Veränderung bietet viele Chancen.

        Hallo,

        ich hab nach meiner Ausbildung das Studieren und Kinderkrigen kombiniert. Mein erstes Kind ist schon bald 15, und schon "damals " gab es an der Uni Kinderbetreuung und Iitiativen, Studenten mit Kindern das Stdium zu ermöglichen. Vieles davon war Selbstinitiative, es wurde aber dann auch von oben gefördert.

        Ich will damit sagen, wer denkt es gäbe nur ein entweder oder, der sitzt einem Trugschluss auf und der hat möglicherweise eine Versorgermentalität, die ihn auch in anderen Bereichen nicht sehr weit bringen wird.

      • Hi,

        bei Dir kommen doch die berufliche und die familiäre Situation zusammen. Wenn Dein Mann 12 Stunden am Tag weg ist, dann bist Du ja fast alleine für das Kind zuständig. Das ist in jedem Fall anstrengend und nicht optimal.

        Folgendes würde bei Dir funktionieren: Stelle Dir vollzeit ein Kindermädchen an. Als Akademikerin in Führungsposition solltest Du Dir das leisten können.

        Eine Kollegin von mir hat das schon vor 35 Jahren so gemacht: Kindermädchen eingestellt, nach 4 Wochen wieder Arbeiten gegangen. Später brauchst Du dann sowieso noch eine Zusatzbetreuung, um die zu kurzen Krippen- und Kindergartenzeiten abzufangen.

        Wir arbeiten beide, haben 3 Kinder, und haben eine Haushaltshilfe eingestellt, die sich dann bei Bedarf auch um die Kinder kümmern kann.

        LG

        ez-p

        Ich bin auch Akademikerin und in einem Land groß geworden, wo die Vereinbarkeit von Kindern und Arbeit groß geschrieben wurde. Es gibt viel Negatives über die DDR zu berichten. Aber die Kinderbetreuung war wirklich vorzeigbar. Vielleicht sagen deshalb ein Großteil der Ossis, dass vollbeschäftigte Mütter keine Rabenmütter sind, sondern geschätzt werden. Im Gegensatz dazu wird über Hausmuttis schlecht geredet.

        Ich habe auch keine Kinder. Ich habe mich aber bewusst dagegen entschieden. DAfür gibt es viele Gründe. Fehlende Kinderbetreuung oder Jobangst gehören aber nicht zu diesen Gründen, die nur mich etwas angehen und von "normalen" Menschen sowieso nicht nachvollziehbar sind.

      • Ich habe meine erste Tochter zum Ende des Studiums bekommen, ein Krippenplatz war überhaupt kein Problem damals. Anders sah es bei der Jobsuche aus. Die Stellen für "Akademikerinnen" waren schlecht bezahlt - also habe ich zu dem noch eine Ausbildung gemacht und arbeite jetzt in diesem Beruf.

        Kind Nr. 2 kam während meines Berufslebens, das fand ich schon schwieriger -aber keinesfalls so schwierig, dass ich jemals etwas bereut hätte. Sie ist ebenfalls in die Kinderkrippe gegangen und ich war immer Vollzeit berufstätig. (Und das lange Jahre alleinerziehend mit 2 Kids).

        Also ich denke, dass geht. Ich arbeite mit vielen studierten Frauen zusammen, die jetzt mit Ende 30 noch kein Kind haben aus den gleichen Gründen wie von dir angegeben. Aber manchmal denke ich, ist das Problem "hausgemacht". ;-)

        • " Aber manchmal denke ich, ist das Problem "hausgemacht"."

          Jaja, das ewige Warten auf den perfekten Zeitpunkt für Kinder. ;-)

          • :-)

            Im Nachhinein muss ich sogar sagen, dass die Kinder auf den 1.Blick immer irgendwie "unpassend" kamen beruflich gesehen - jetzt im Nachhinein war es genau richtig so.

            • Ich sag immer, der passende Zeitpunkt ist nie UND immer, je nachdem, wie man das sieht. Umorganisieren muss man sich immer, egal zu welchem Lebenszeitpunkt. Aber ich finde, Kinder sind das wert und man lernt von ihnen nochmal, was sonst noch so wichtig sein kann im Leben außer Karriere und Geld.

      Hallo,

      ich bin auch eine Akademikerin, aber mit Kind.
      Ich habe meinen Sohn im Studium bekommen. Fand ich nie ein Problem. Wir bekommen nächstes Jahr mit fast 8 Jahren Abstand das zweite Kind. Auch jetzt habe ich nicht vor lange Vollzeit zuhause zu bleiben, sondern schnell wieder Teilzeit zu arbeiten.

      Ich denke, dass es in D gerade wegen den ganzen finanziellen Unterstützungen aber wenig Betreuungsstruktur so wenig Kinder gibt. In den Niederlanden ist es z.B.

      ganz anders. Da sind die Betreuungsplätze ab 3 Monaten zwar super teuer, aber gerade die Akademiker, die ich kenne, haben da 2 bis 4 Kinder. Da gibt es halt nur die 8 Wochen Mutterschutz, danach kann man die Zeit zuhause durch seinen Urlaub verlängern und dann geht's für die Kinder ab in die Krippe. Mutter geht Ganz- oder Teilzeit wieder in den Beruf und gut ist. Arbeitsplatzgarantie über bis zu 3 Jahre Elternzeit muss da kein Arbeitgeber garantieren, so dass Frauen einfacher eingestellt werden. Denn wo keine Stelle über Jahre freigehalten werden muss, da gibt es auch keine Mehrkosten, weil die Stelle in der Elternzeit ja irgendwie vertreten werden muss. Was gerade in Berufen, in denen dem Mitarbeiter viel Einarbeitung und selbstständiges Arbeiten abverlangt, auch schlecht möglich ist.

      Ich bin auch keine Akademikerin. Ich wollte nie studieren oder Karriere machen.

      Ich habe eine Ausbildung gemacht und habe zwei Kinder. Wir möchten noch ein drittes.

      Meiner Meinung nach ist Deutschland Kinderunfreundlich!
      Alles was mit Kindern zu tun hat (Babyerstaustattung, Kindergartenplätze,Schulbücher, Urlaube in den Ferien usw.) kostet unmengen von Geld.

      Mütter, die nach der Babypause schnell wieder arbeiten gehen werden als "Rabenmütter" angesehen. Diejenigen, die 3 Jahre zu Hause bleiben, als "faul".
      Man kommt nicht richtig in den Job wieder rein, weil es keine gute und ausreichende Kinderbetreuung gibt.
      Schließzeiten bei den meisten Kindergärten verhindern einfach, dass die Frau auch einen guten Job ausüben kann.

      Wenn man dann eine andere Einstellung hat, als ich, dann ist es schwer sich für Kinder zu entscheiden.
      Lg paula

      • Kann Dir nur zustimmen!

        Nach ingesamt 7 Jahren Ausbildungszeit und fast 15 Jahren Berufserfahrung durfte ich feststellen, dass der Stempel "Kinder" einen bei der Jobsuche praktisch unsichtbar werden lässt. Von Schließ- und Ferienzeiten von Schule und Kindergarten, die auch überbrückt werden müssen, will ich garnicht erst anfangen. Wer keine Oma vor Ort hat, ist praktisch aufgeschmissen.

        Mein Fazit mit zwei Kindern: Kinder sind toll und großgezogen kriegt man sie auf jeden Fall - aber Deutschland ist kein Land, das sich um seinen Nachwuchs wirklich verdient macht.

        Ich habe da ganz andere Länder erlebt...kinderunfreundlich ist wirklich was anderes.

        Und was die Betreuung angeht...für Schließzeiten oder nicht abgedeckte Randzeiten im Alltag kann man sich Babysitter, Tagesmütter oder Studentinnen organisieren. Das wird in unserem Umfeld viel gemacht und scheint gut zu klappen.

        Es ist eben immer die Frage was man bereit ist zu investieren und bei einigen Bekannten habe ich das Gefühl dass es ihnen einfach langt vormittags ein paar Stunden zu arbeiten und nachmittags daheim zu sein. Ist ja ihr gutes Recht aber man sollte schon mal drauf schauen WAS wir an staatlicher Förderung und Unterstützung für die Erfüllung des letztendlich privaten Kinderwunsches alles haben. Das ist nicht wenig.

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